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Gesellschaft

Katjes: Umstrittene Kopftuch-Kampagne erhielt Preis für Effektivität

Julian Schernthaner

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am

Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet gewann ein vieldiskutiertes Katjes-Werbesujet mit einer Kopftuchträgerin nun einen Preis für die Effektivität der Kampagne.

Frankfurt (Main) / Emmerich. – Die Preisverleihung der Gesellschaft Werbeagenturen (GWA) fand bereits am 8. November statt, die ‚Gewinner’ standen sogar bereits am 30. Oktober fest. Die Interessensvertretung prämiert jährlich eine Auswahl an etwa 30 effektiven Werbekampagnen mit einem Medaillensystem. Unter jenen sieben, welche den „GWA Effie” in Gold bekamen, befindet sich auch die umstrittene Werbung des Emmericher Süßwarenherstellers Katjes.

Kopftuch-Sujet sorgte für Debatten

Die Firma aus Nordrhein-Westfalen stellte im Februar drei Werbeplakate und ‑videos her. In einem davon trägt eine Frau ein rosafarbenes Kopftuch, während sie die gelatinefreien Leckereien nascht. Viele Nutzer in sozialen Medien fanden die Einschaltung daraufhin unpassend. Manche empfanden dieses als Zeichen der Unterdrückung – und deshalb „frauenfeindlich”. Andere wollten darin ein Indiz für eine fortschreitende Islamisierung Deutschlands erkennen.

Als sich herausstellte, dass das Model pikanterweise eine christlich-orthodoxe Serbin ist, sahen auch Branchenkenner die Kampagne zunehmend kritisch. Auch der Marketing-Experte Oliver Drost sah daraufhin die Glaubwürdigkeit des Unternehmens potenziell beschädigt. Katjes selbst wollte mit seiner Werbung die „Vielfältigkeit der Zielgruppe” darstellen. Weitaus weniger kontrovers gestaltete sich ein Folgegrafik mit einer stillenden Mutter im Herbst.

Regelmäßige Aufregung um Werbekampagnen

Die gescholtene, nun preisgekrönte, Werbung betrat allerdings kein völliges Neuland. Immer mehr Firmen passen sich der wandelnden Demographie an – und ernten dafür den Zorn konservativer Menschen. Bereits im Spätsommer 2017 fing sich der Discounter LIDL einen europaweiten Shitstorm ein. Denn dieser verwendete auf Packungen Bilder griechischen Kirchen – mit wegretuschierten Kreuzen. Die Firma musste sich bei Kunden entschuldigen.

Wenige Wochen darauf bewarb dann die heimische Drogeriekette BIPA ihr Sortiment mit einer Kopftuchträgerin. Zahlreiche Nutzer forderten daraufhin im Netz einen Boykott der REWE-Tochter. Die verantwortliche Werbeagentur Serviceplan Austria schoss daraufhin übrigens ziemlich unverblümt zurück. In einem Facebook-Posting bezeichnete sie sämtliche Kritiker ihrer Kampagne als „gehirnamputiert”.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Saure Gurke

    15. November 2018 at 13:21

    Das was sie zwischen die Lippen führt, kann sich jeder denken, oder wie?
    Warum sonst der Blick, der die Verbindung dazu herstellt?
    Mißverständnis ausgeschlossen!

    • Julian Schernthaner

      Julian Schernthaner

      15. November 2018 at 13:36

      Der Packung im Werbespot nach zu urteilen nascht sie an der Sorte „Grün-Ohr Hase”. Wenn wir anderweitige Assoziationen geweckt haben, ist das unbeabsichtigt. Einen halbwegs repräsentativen Screenshot zu bekommen mit Fruchtgummi und Kopftuch war an keiner anderen Stelle des Videos möglich. 😉

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Gesellschaft

Jeder zweite Deutsche empfindet politische Korrektheit als Maulkorb

Julian Schernthaner

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am

Zu einem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage: Eine knappe Hälfte der Deutschen sieht die volle Meinungsfreiheit nicht mehr gewährleistet. 

Erfurt. – Schockierende 45 Prozent der Deutschen haben einer Erhebung des Meinungsforschungsinstitut Insa zufolge das Gefühl, dass sie ihre Meinung aufgrund politischer Korrektheit nicht mehr vollständig äußern können. Waren es bei Frauen etwas mehr als zwei von fünf (43 Prozent), teilten gleich 48 Prozent der Männer diese Empfindung.

Offener Brief von Prominenten als Anlass für Umfrage

Andererseits sieht ein knappes Drittel der Befragten (32 Prozent) keine Einschränkung seiner Meinungsfreiheit. 14 Prozent wussten keine eindeutige Antwort, neun Prozent verweigerten eine Angabe. Anlass der Beauftragung durch das evangelische Portal Idea war ein offener Brief von 150 Intellektuellen und anderen Prominenten. Diese prangerten ein wachsendes Klima der Intoleranz anprangerte, das offene Debatte zugunsten „ideologischer Konformität” unterdrücke.

Altersunterschiede bei gefühlter Meinungsfreiheit

Auffällig ist die unterschiedliche Empfindung nach Altersgruppen. Am stärksten fühlten sich 40- bis 49-Jährige eingeschränkt, auch bei den Über-60-Jährigen waren es 47 Prozent. Am anderen Ende steht die junge Generation: Fast zwei Drittel glauben, frei Schnauze reden zu können, vergleichsweise geringe 35 Prozent sahen keine Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit. Mehr Sorgen machten sich Bewohner der neuen Bundesländer (50 Prozent) als jene im Westen (45 Prozent).

AfD-Wähler mit meisten Sorgen um freies Wort

Interessant ist auch, dass es zwischen politischen Präferenzen teils eklatante Unterschiede gab. So waren gleich 81 Prozent der AfD-Wähler der Ansicht, dass freie Äußerung nicht mehr möglich sei. Auch FDP-Sympathisanten teilten diese Empfindung mit 63 Prozent überdurchschnittlich oft.

Etwa im Schnitt waren Anhänger der Koalitionsparteien: 45 Prozent der SPD-Fans und 41 Prozent der Wähler der Unionsparteien sahen sich durch politische Korrektheit eingeschüchtert.

Linke und Grüne sehen kaum Einschränkungen

Im Vergleich praktisch keine Verengung der Meinungskorridore empfanden daher Anhänger von Parteien im prononciert linken Spektrum. Waren es bei Linkspartei-Sympathisanten noch 31 Prozent, ist nur jeder vierte Grünwähler dieser Ansicht (26 Prozent).

Das  niedrige Ergebnis könnte ein Indiz dafür sein, dass Sympathisanten linker Parteien am ehesten Ideen anhängen, welche im heutigen Zeitgeist als „politisch korrekt” gelten – und deren Maximen im Umkehrschluss seltener als Einschränkung empfinden.


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Gesellschaft

Marx-Denkmal verhüllt: Staatsschutz nimmt Beatrix von Storch ins Visier

Julian Schernthaner

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Mit Beatrix von Storch ist eine prominente AfD-Politikerin ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Sie hatte nämlich unlängst ein Denkmal von Karl Marx zeitweise mit einem Plastiksack verhüllt. 

Berlin. – Die Aktion ereignete sich am Dienstag als Reaktion auf die Debatte um angeblich rassistische Denkmäler. Während diese in Wien zur mehrfachen Verunstaltung des Lueger-Denkmals führten und in Bristol gar zur gewaltsamen Entfernung der Statue eines auch im Sklavenhandel tätigen städtischen Wohltäters. Der Protest der AfD-Politikerin im Tandem mit einigen Aktivisten der „Jungen Alternative” fiel anders aus.

Protestaktion gegen linken Denkmalsturm

Möglicherweise nahm ihre Aktionen auch Anleihen daran, dass auffällig war, dass vor allem Statuen in Mitleidenschaft gezogen wurden, die linken Ideologen schon länger ein Dorn im Auge sind. Für ihre mehrschichtige Protestaktion verhüllte sie in Berlin ein Denkmal zu Ehren von Karl Marx mit einem schwarzen Müllsack.

Ihrer Ansicht nach unterscheidet sich dessen Vita wenig von jener der Feindbilder der Denkmalstürmer: „Karl Marx war der Vordenker der gewaltsamen Revolution und der kommunistischen Diktaturen, er war darüber hinaus Rassist, Antisemit und Verächter der parlamentarischen Demokratie“, so von Storch.

Laut Berliner Tagesspiegel wollte sie eigenen Angaben zufolge gegen die virulente Debatte protestieren, weil diese „zur Bilderstürmerei verkommen” sei. Gleichzeitig blieben die Idole der Linken wie Marx verschont, unabhängig von deren Lebenswandel.

Von Storch: „Wachsender Einfluss der SED-Nachfolgepartei”

Dass ihre Kritik an Marx als mögliche Staatsgefährdung gesehen werde, zeige wiederum „den wachsenden Einfluss der SED-Nachfolgepartei und linksradikaler Gruppen auf Politik und Behörden“, so das Unverständnis seitens von Storch über die Ermittlungen. Der rot-rot-grüne Senat in Berlin wolle jedenfalls „eine Debatte über den Rassismus und Antisemitismus von Karl Marx mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln unterdrücken“, so von Storch dem Focus zufolge.


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Gesellschaft

Totaler Kahlschlag droht: Auch Webhoster kündigt Sellner

Julian Schernthaner

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Nachdem große Technologiekonzerne bereits in den vergangenen Tagen die Schlagzahl gegen Identitären-Chef Martin Sellner empfindlich erhöhten, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft.

Ismaning/Wien. – Wie der patriotische Aktivist und Vlogger in seinem Telegram-Kanal berichtet, habe ihm nämlich nun auch sein Webhoster ein Kündigungsschreiben zugesandt. Zur Dokumentation teilte Sellner ein anonymisiertes Abbild der Nachricht seiner Hosting-Firma, die ihren Sitz laut Homepage im bayerischen Ismaning hat.

Sellner sieht sich als Ziel eines „digitalen Totalitarismus”

Darin teilt das Unternehmen ihm mit, den Hostingvertrag mit Wirkung zum 26. September zu kündigen. Genauere Informationen – also möglicherweise auch zu den Beweggründen – sollen Sellner auf postalischem Weg zukommen. Dieser erklärt seinen Sympathisanten, dass diese Entscheidung bedeute, dass er mit seiner Homepage umziehen müsse.

Dass die Kündigung ausgerechnet jetzt geschieht, verwundert ihn kaum. „Die Demokratiesimulation wird immer dürftiger und dahinter blitzt der digitale Totalitarismus hervor […]  Die großen Konzerne beugen sich diesen modernen stalinistischen Säuberungen”, so die scharfe Kritik Sellners, nachdem ihm auch die nächste Plattform verloren zu gehen droht.

Ob die Kündigung des Webhostings tatsächlich mit der jüngsten Löschwelle zu tun hat oder nur zufällig zu einer ähnlichen Zeit stattfand, ist noch unklar. Die Tagesstimme bleibt an der Sache dran und wird über eine allfällige Stellungnahme der Hostingfirma berichten.

Einflussreicher Thinktank empfahl Löschungen

Hinter der jüngsten Welle vermutet Sellner eine politische Motivation: „Linke Ideologieeliten aus den USA können jederzeit, jede beliebige Person am Globus auslöschen.” Und tatsächlich – nur wenige Tage bevor Twitter seine Präsenz und über 50 weitere identitäre Konten löschte publizierte eine Mitarbeiterin des einflussreichen „Southern Poverty Law Center” ein Pamphlet, welches sich genau für derartige Schritte aussprach – Die Tagesstimme berichtete.

Wenige Tage später folgte auch der YouTube-Kanal Sellners, der zuletzt etwa 145.000 Abonnenten besaß. Gegen die seiner Ansicht nach widerrechtlichen Sperren will sich der Wiener auch juristisch zur Wehr setzen. Derweilen bittet er seine Fans, seine politische Arbeit auf Kanälen, die ihm noch zur Verfügung stehen – etwa Parler (statt Twitter) oder Bitchute (statt YouTube) zu folgen.


Weiterlesen:

Nächster Schlag: Martin Sellner jetzt auch auf YouTube gesperrt (14.07.2020)

Die Hintergründe zur Twitter-Löschwelle gegen die Identitären (11.07.2020)

Aktion scharf: Twitter sperrt zahlreiche rechte Accounts (10.07.2020)


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