Gesellschaft

Chemnitz: Offenbar neue Erkenntnisse zu angeblichem „Hetzjagd”-Video’

Zwei Szenen des Trauermarsches am 26.08.2018 in Chemnitz: Die Blumenniederlegung am Tatort - und die vermeintliche Hetzjagd. Bild Blumen: Screenshot YouTube @ 21:39 min / Bild 'Hetzjagd': Screenshot YouTube @ 0:08 / Collage: Die Tagesstimme

Jüngste Feststellungen klären offenbar die Umstände der Aufnahme eines Videos mit vermeintlichen Hetzjagden im August in Chemnitz. Die Erkenntnisse sind zudem dazu geeignet, herauszustellen, dass der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans‐Georg Maaßen, wohl zu Unrecht ins Kreuzfeuer geriet. 

Chemnitz. – Beinahe drei Monate nach dem Beginn der Debatte rund um die berüchtigte Videosequenz von „Antifa Zeckenbiss” stellt sich offenbar Unglaubliches heraus. Durch eine Recherche des liberal‐konservativen Meinungsmagazins Tichys Einblick könnte die Debatte rund um die Urheberschaft des 19‐Sekunden‐Ausschnitts eine neue Wendung nehmen.

Video offenbar von Trauerzug‐Teilnehmern

Denn dem Magazin gelang es, mit zwei Personen zu sprechen, welche Licht ins Dunkel bringen können – der wahrscheinlichen Urheberin und ihrem Ehemann. Beide waren Teilnehmer des spontanen Trauerzuges am 26. August. Dieser fand am Tag nach der Tötung eines Deutsch‐Kubaners im Rahmen eines Stadtfestes in Chemnitz mutmaßlich durch die Hand ausreisepflichtiger Migranten statt.

Die 35‐jährige Kathrin B. (Name geändert) klärte in einem Gespräch mit einem Journalisten des Monatsmagazins über den Zeitpunkt der Entstehung auf:

Das 19 Sekunden lange Video ist um 16.52 Uhr am Tatsonntag in der letzten Etappe unseres Trauerzugs kurz vor dem Erreichen des Daniel‐Tatortes aufgenommen worden.”

Es sei zu diesem Zeitpunkt „sehr eng” geworden, weshalb der Trauerzug die Frauen in seine Mitte nahm. Es sei zu „keinen ausländerfeindlichen Rufen” und „nichts Rechtsradikalem” gekommen. Dann kamen anscheinend zwei Migranten zu den Trauerenden und provozierten die Gruppe.

Aggressives Auftreten durch Migranten

Die Frau schildert weiter, dass die beiden Migranten ein aggressives Auftreten an den Tag gelegt hätten:

»Sie waren aggressiv auf uns zugekommen und hatten uns angepöbelt und wohl auch, aber eben schwer verständlich, ‚Verpisst euch‘ gerufen. So haben wir das in Erinnerung.«

In der Folge sei es zu „einem körperlichen Kontakt” mit den beiden Personen gekommen. Einer der Begleiter hätte dabei auch den Inhalt eines Bierbechers abbekommen. Zu diesem Zeitpunkt begann sie die Situation mit der Handy‐Kamera zu filmen. Aus Sorge um die drohende Eskalation wies sie ihren Ehemann hörbar an, sich nicht zu beteiligen („Hase, du bleibst hier!”).

Video stellt nicht gesamte Situation dar

Der dabei Angesprochene Thomas B. (Name geändert) erklärte außerdem, dass das filmische Dokument nicht die gesamte Lage darstelle. Er begründete dies mit der zu langsamen Reaktion seiner Frau:

Kathrin hatte zu spät das Handy aus der Tasche gezogen, weshalb die 19 Sekunden tatsächlich nicht authentisch das gesamte Geschehen nahe der Bushaltestelle darstellen. Denn vorausgegangen war der Videoaufzeichnung eine böse Provokation gegenüber uns Trauernden. Durch zwei junge Migranten, die zunächst an der Bushaltestelle gestanden hatten und eigentlich aussahen wie wir.«

Spätere lud man das Video dann in eine eigentlich geschlossene WhatsApp‐Gruppe. Wie es von dort zu „Antifa Zeckenbiss” gelangte, um dann offenbar mit verzerrter Darstellung an die Öffentlichkeit zu gelangen, konnte sich das Ehepaar nicht erklären.

Keine Hetzjagden: Hatte Maaßen recht?

Sollten sich die Schilderungen bewahrheiten, würde dies ein fahles Licht auch auf die Bundesregierung werfen. Denn in diesem Fall wäre der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans‐Georg Maaßen, zu Unrecht ins Kreuzfeuer gehalten. Dieser zweifelte nämlich öffentlich an der Authentizität des Videos als Beleg für vermeintliche Hetzjagden – Die Tagesstimme berichtete.

Im Oktober wiederholte er diese Einschätzung schließlich in einem Treffen mit den europäischen Kollegen in Warschau. Außerdem bekrittelte er dabei das Wirken „linksradikaler Kräfte” innerhalb der Bundesregierung, welche seine Ablöse gewünscht hätten. Daraufhin wurde Maaßen tatsächlich von Innenminister Horst Seehofer (CSU) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Möglicherweise letztendlich aufgrund einer Bewertung, die sich immer mehr zu bewahrheiten scheint.


Weiterlesen:

Einstweiliger Ruhestand’: Seehofer wirft Maaßen raus (5.11.2018)

Maaßen: In der Bundesregierung gibt es „linksradikale Kräfte” (5.11.2018)

Keine Hetzjagd in Chemnitz: Maaßen verteidigt Einschätzung (12.9.2018)

3 Kommentare

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  • Natürlich hat Herr Maaßen in vollem Umfang recht. Schließlich zeigt dieses kurze Video keinerlei Hetzjagd, nur so eine Art „Vertreibung” von Störenfrieden. Umgekejrt hätten die Linksradikalen ganz anders reagiert. Hetzjagden gab es anderswo zur Genüge, in Hamburg z.B. beim G20 Gipfel. So ein Komiker mit Migrationshintergrund hat beide Ereignisse in einer talk show gar miteinander verglichen.

    Wo bitte sind denn die beweisenden Videos der Hetzjagden? Herr Maaßen sollte nun aber Dinge beweisen, die gar nicht stattfanden. So hatte ich mir Demokratie eher nicht vorgestellt. Ich dachte bislang, so etwas läuft genau anders rum.

    Es gab ja außer den beiden armen „Hetzjagdopfern” auch noch eine Gruppe von rund einem Dutzend Migranten oder „Deutschen” mit Migrationshintergrund.

    Nun stelle ich mir mal das Folgende vor. In einem nordafrikanischem Land ist ein Einheimischer durch Europäer ermordet worden. Die Menschen dort sind wütend, auch weil dies bei weitem nicht der erste Mord ist, und versammeln sich zu einer Protestdemo. Jetzt stellen sich einige Europäer denen entgegen und provozieren sie mit Schmährufen, dass sie sich „raus scheren” sollen aus ihrer Heimat.

    Ist hier irgend jemand, der auch nur einen Cent auf Leben und Gesundheit dieser Provokateure setzen würde? Ich meine, die Angehörigen könnten in einem solchen Fall froh sein, deren Leichen einigermaßen beisammen übergeben zu kriegen.

  • Und einer der beiden jungen Migranten sagte damals so ziemlich das Gegenteil und hat auch Anzeige bei der Polizei erstattet. Ich persönlich weiß, wessen Story ich glaubwürdiger finde, wenn ich nach dem gehe, was ich in Chemnitz erlebt habe.

  • Zur Recherche des liberal‐konservativen Meinungsmagazins „Tichys Einblick”, ebenfalls interessant:
    Tichys Einblick – Das Chemnitz‐Video: „Hase” spricht

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