Kultur

IfS/FAV‐Akademie: Die Neuen Rechten diskutierten über 1968

IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert bei der Herbstakademie. (© Die Tagesstimme)

Bereits zum dritten Mal veranstalteten der Freiheitliche Akademikerverband (FAV) Steiermark und das deutsche Institut für Staatspolitik (IfS) eine gemeinsame Herbstakademie. Beim diesjährigen Thema „1968 und die Folgen” konnte FAV‐Obmann DI Heinrich Sickl am vergangenen Wochenende rund 50 Teilnehmer in Semriach bei Graz begrüßen.

Bereits im Vorfeld hatte die Herbstakademie für mediale Aufregung gesorgt, als linke Journalisten versuchten, den geplanten Vortrag von Konrad M. Weiß, Pressesprecher von Vizekanzler Heinz‐Christian Strache, zu skandalisieren. Offenbar waren sie damit auch erfolgreich, denn Weiß sagte kurz vor dem Wochenende ab. Aus FPÖ‐Kreisen hieß es dazu schlicht, er sei „verhindert” gewesen. Und ein zweiter Referent musste ebenfalls passen: Der Historiker und AfD‐Politiker Dr. Stefan Scheil hatte keine Zeit, weil am selben Wochenende die Europawahlversammlung der AfD in Magdeburg stattfand.

68er bestimmen Agenda der Bundesrepublik”

Nichtsdestotrotz erwarteten die Seminarteilnehmer höchst interessante und anspruchsvolle Vorträge, die das Thema 1968 aus unterschiedlichen Perspektiven betrachteten. So sprach etwa IfS‐Leiter Dr. Erik Lehnert zu Beginn über Metapolitik und was man von der 68er‐Bewegung und ihren Folgen lernen könne. Dabei hielt er fest: „Die 68er bestimmen heute die Agenda der Bundesrepublik Deutschland.” Der Marsch durch die Institution sei Lehnert zufolge erfolgreich verlaufen.

Benedikt Kaiser wiederum referierte über „1968 im Ostblock” und legte sein Hauptaugenmerk dabei auf die damalige Tschechoslowakei und den letztlich gescheiterten „Prager Frühling”. Seinen Vortrag schloss Kaiser schließlich mit Ausführungen zu seinem Konzept der „Mosaik‐Rechten”.

Benedikt Kaiser (© Die Tagesstimme)

Rudi Dutschke und die Neue Rechte

Der Verleger und Leiter der Bürgerinitiative „Ein Prozent”, Philip Stein, widmete sich anschließend der wohl bekanntesten und charismatischsten Persönlichkeit der 68er: Rudi Dutschke. Dabei verwies Stein auf den interessanten Punkt, dass sich der linke Studentenführer Dutschke und der frühere rechte Aktivist und spätere Historiker Dominique Venner („Für eine positive Kritik”) in ihren strategischen Überlegungen treffen. Beide hätten Revolution damals als einen „langen Marsch” und nicht als einen reinen Gewaltakt verstanden. Dennoch lehnt Stein eine „Vereinnahmung” Dutschkes für die Neue Rechte ab. Daran ändern auch durchaus bemerkenswerte Aussagen der linken Ikone zu den Themen Nation und Identität nichts.

In seiner Analyse betonte Stein außerdem, es sei ein Irrtum vieler Rechter, zu glauben, die 68er hätten sich durchgesetzt, weil sie „leichte Startbedingungen” gehabt hätten. Doch ihnen habe damals eine bürgerliche bzw. strukturkonservative Mehrheit an den Universitäten gegenübergestanden, gegen die sie sich erst durchsetzen mussten.

Philip Stein leitet die Bürgerinitiative „Ein Prozent” und den Verlag „Jungeuropa”. (© Die Tagesstimme)

1968 als internationales Phänomen

Am Samstagnachmittag betrat dann der freie Journalist Michael Wiesberg das Rednerpult. Sein Thema lautete „1968 als internationale Bewegung”. In seinem Vortrag fasste Wiesberg mehrere Ereignisse zusammen, die für 1968 von großer Bedeutung waren: der Vietnam‐Krieg, der Mord an Martin Luther King, das Attentat auf Rudi Dutschke, die Maiunruhen in Paris oder die Niederschlagung des „Prager Frühlings” durch die Sowjetunion.

Michael Wiesberg (© Die Tagesstimme)

Weiters zeichnete Wiesberg die Entstehung der Neuen Linken nach, die vor allem auf die Zeitschrift „The New Left Review” (1960) aus London zurückgeht. Kernpunkte waren beispielsweise die Neuinterpretation der marxistischen Theorie und die Frage des revolutionären Subjekts. Von da an wurden als Träger des sozialen Wandels nicht mehr die Arbeiter, sondern die „junge Intelligenz” und gesellschaftliche Randgruppen betrachtet.

Neue Rechte vor und nach 1968”

Als letzter an der Reihe war am Samstag schließlich der Alt‐Right‐Experte und Autor Nils Wegner mit seinem Vortrag „Neue Rechte in Deutschland vor und nach 1968”. Er gab einen faktenreichen Geschichtsüberblick über verschiedene Gruppen und Personen in Deutschland. Dabei sprach er unter anderem über die Brüder Robert und Marcel Hepp mit ihrer „Konservativen Front” sowie über die Nationalrevolutionäre um Henning Eichberg.

Nils Wegner forschte über die frühe politische Geschichte der Brüder Marcel und Robert Hepp. c (© Die Tagesstimme)

Erziehung und die 68er

Als letzte Vortragende sprach Dr. Caroline Sommerfeld‐Lethen über „Erziehung und die 68er“. Im Mittelpunkt des Vortrages stand die sogenannte „freie Erziehung“. Mit diesem Thema beschäftigt sich Sommerfeld‐Lethen aktuell auch in dem Buch, an dem sie gerade arbeitet. Neben den bereits bestehenden Forschungsergebnissen zur Erziehung berichtete die Rednerin des Weiteren über eigene Erlebnisse zur 68er‐Pädagogik.

Abseits der Vorträge konnten die Teilnehmer auch Bücher und Zeitschriften kaufen. Mit einem Stand vertreten waren als Mitveranstalter das Institut für Staatspolitik sowie der Jungeuropa‐Verlag aus Dresden und das patriotische Magazin Info‐DIREKT aus Oberösterreich. Und so konnte am Ende des Wochenendes schließlich jeder mit neuer Lektüre und neuen Denkanstößen im Gepäck die Heimreise antreten.

1 Kommentar

Hier Klicken, um zu kommentieren

  • Thue recht und
    schau nicht um.

    Wer zu viel rückwärts schaut
    wird zwangsläufig vorwärts stolpern.
    Die 68er sind nicht mal eine Zeile an Erwähnung wert.
    Um deren Misthaufen kommt keiner unbekleckert vorbei.

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