Deutschland Politik

Blutwurstgate’: CDU‐Politiker beschimpft Kollegen als „islamophobe Ratte”

Symbolbild Blutwurst: Roberto Verzo via Wikimedia Commons [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten) / Screenshot: Twitter (umrandet)

Seit einigen Tagen dominiert die Auswahl der bei der Islamkonferenz in Berlin gereichten Speisen die Debatten um die Tagung. Als ein kurdischstämmiger CDU‐Politiker auf Hamburg dies moniert, beschimpft ihn ein türkischstämmiger Parteikollege – und musste letztendlich aus der Partei austreten. 

Berlin. – Mehmet Ünal (CDU), türkischstämmiger Beirat im Bremer Ausschuss für Integration, sorgte am späten Samstag auf Twitter für einen Eklat. Er bezeichnete dabei seinen Hamburger Parteikollegen Ali Ertan Toprak als „islamophobe Ratte”, welche „den Ball flach” halten solle. Dieser hatte zuvor kritisiert, dass die mediale Debatte über den Umstand, dass auch Blutwurst und Häppchen mit Schweinefleisch zur Speisenauswahl zählten, die Wahrnehmung der Tagung dominierte.

Islamkritiker: Teilnahme unter Polizeischutz

Was war geschehen? Bei der zwölften Islam‐Konferenz lud Innenminister Horst Seehofer (CDU) neben konservativen Islamverbänden erstmals auch Islam‐ und Islamismuskritiker zu konstruktiven Gesprächen ein. Mit Seyran Ates, der Begründerin einer liberalen Moschee in Berlin, steht eine dieser kritischen Stimmen aufgrund massiver Drohungen unter laufendem Polizeischutz.

Dass dennoch vor allem die vermeintliche Missachtung muslimischer Essensgewohnheiten im Vordergrund stand, ärgerte Toprak, selbst Kurde und Alevit. Auf Twitter machte er seinem Unmut Luft:

CDU‐Ünal: „Ali, du islamophobe Ratte”

Dies fasste der Bremer Lokalpolitiker Ünal als Affront auf – und ihm platzte der Kragen. In der Antwort auf Toprak beschimpfte er diesen wüst als „islamophobe Ratte”. Dieser würde sich nicht schämen, „Seitenhiebe” zu verteilen, wenn Muslime „brüskiert oder provoziert würden”.


Damit stimmte er in den Tenor all jener ein, welche Seehofer aufgrund der Darbietung auch von Schweinefleisch zur nicht nur von Muslimen besuchten Konferenz rassistische Tendenzen unterstellten. Für zahlreiche Twitter‐User ging der Ausritt Ünals entschieden zu weit. Sie forderten teilweise sogar die CDU auf, den Mann aus der Partei zu werfen.

CDU Bremen distanziert sich

Am Montag reagierte die Bremer CDU auf Facebook tatsächlich auf die Aussagen ihres Mitglieds. Sie stellte klar, dessen Äußerungen „in keiner Weise” zu billigen und „scharf” zu kritisieren. Auf mehrfache Aufforderung zur Rücknahme seiner Aussagen, sei Ünal der Parteiaustritt nahegelegt worden, dieser leistete Folge. Man distanziere sich jedenfalls „ausdrücklich und in aller Form” von „solchen Geisteshaltungen”.

 

 

3 Kommentare

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  • Parteifreunde unter sich. Wo ist da das Problem?

    Aber immerhin ist es erstaunlich, wer so alles in die CDU reingelassen wurde. Links davon dürfte es aber noch viel schlimmer aussehen.

    Deutschlands Zukunft.

    • Die alte Formel: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

      Die etablierten Regierungsparteien tölpeln eindeutig rückwärts.
      Die CDU mit ihrer Oberlehrerin ereifert sich um den Lehrmeistertitel, indem sie sich auf die Überholspur zu den Grünen auch gleicher Höhe begibt.
      Krasse Realität 2018.

  • Da müssen Fester, Wheinachtsmärkte etc. geschützt und eingezäunt werden, nur wegen einer bestimmten Migrantengruppe. Aber zur Sprache kommt die beleidigte Blutwurst…

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