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Kultur

Lebendige Tradition: Der Ledersprung in Leoben

Tino Taffanek

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Symbolbild (Chargierte der verschiedenen Leobener Studentenverbindungen): privat / Die Tagesstimme.

Der Ledersprung ist eine lang gepflegte bergmännische Tradition. Für die Studentenverbindungen in Leoben stellt er einen der Höhepunkte des Jahres dar. Zahlreiche weitere studentische Veranstaltungen finden traditionell am selben Wochenende statt.

Bericht von Tino Taffanek

Am vergangenen Wochenende fand in Leoben der sogenannte akademische Ledersprung statt. Er stellt das traditionelle Aufnahmeritual für die erstsemestrigen Studenten an der Montanuniversität Leoben dar. Das Recht den Ledersprung auszurichten, wechselt jährlich zwischen den Leobener Studentenverbindungen. Der diesjährige Veranstalter war die Sudetendeutsche Akademische Landsmannschaft Zornstein zu Leoben, welche im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert.

Tradition mit langer Geschichte

Der Brauch des Ledersprungs stammt von der Bergakademie Schemnitz in der heutigen Slowakei. Durch den Auszug der deutschen Studenten in der Folge der Revolution von 1848 kam der Ledersprung nach Leoben. An der damaligen kaiserlich-königlichen Montanlehranstalt zu Leoben wurde die Tradition unter dem Direktor Peter Tunner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv gepflegt.

Die heutige Form des Ledersprungs geht auf das sogenannte Ledersprungabkommen von 1960 zurück. Darin wurde unter anderem auch festgelegt, dass jedes Jahr eine andere Leobener Studentenverbindung vom Rektor der Montanuniversität mit der Durchführung des Ledersprungs im Rahmen eines Kommerses, einer festlichen akademischen Feier, betraut wird.

Stellenwert für die Universität

Aufgrund dieses Abkommens liegen leider auch die Bildrechte bei der Universität, diese erteilte keine Freigabe zur Veröffentlichung meines Bildmaterials. Zuerst verwies Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit auf die DSGVO, mit der Auflage das keine Personen erkennbar sein dürfen. Nachdem ich dieser Vorgabe nachgekommen war, folgte auf die Information wo dieser Artikel veröffentlicht werden soll eine Absage. Auch auf weitere Nachfragen seitens der Redaktion erklärte sich die Universität leider nicht bereit, die Freigabe zu erteilen oder Pressefotos zur Verfügung zu stellen.

Die Montanuniversität Leoben genießt weltweit einen hervorragenden Ruf bei Forschung und Lehre, ist bemüht um ihre Öffentlichkeitsarbeit und pflegt gute Kontakte zu Wirtschaft und Industrie. Die kulturellen Aspekte des universitären Lebens scheinen ihr jedoch weniger am Herzen zu liegen. Es wurde nicht nur keine Fotomaterial freigegeben, sondern auch auf der Homepage der Universität findet sich unter ‚Neuigkeiten’ kein Hinweis auf das Stattfinden des Ledersprungs. Daher muss dem geneigten Leser dieses Symbolfoto genügen.

Symbolfoto: „Ledersprung”

Festakt mit Kapelle

Dieses Jahr fand der Ledersprung in der Sporthalle von Donawitz statt. Dieser Stadtteil von Leoben zeichnet sich durch seine besonders traditionsreiche montanistische Geschichte aus. Zu Beginn der Veranstaltung ziehen die Vertreter der Studentenverbindungen sowie Rektor, Vizerektoren und Professoren ein und nehmen am Podium Platz. Die offizielle Eröffnung erfolgt durch den Rektor, es werden in Begleitung einer Musikkapelle Bergmanns- und Studentenlieder gesungen.

Nach Einzug und Eröffnung folgt der sogenannte Fuxenritt, bei dem die erstsemestrigen Studenten, welche übers Leder springen werden, an ihren Tischen platz nehmen. Alle Erstsemestrigen, die an der Zeremonie teilnehmen, tragen den Bergkittel, die traditionelle Tracht der Berg- und Hüttenleute.

Der Sprung übers Leder

Als nächster Punkt folgt die Rede eines Vertreters der ausrichtenden Verbindung und die Rede des Rektors. Nach den Reden folgt der der Sprung der Studenten übers Leder in ihren zukünftigen Berufsstand. Die Springer nehmen der Reihe nach Aufstellung und springen von einem Bierfass über das sogenannte Arschleder. Das Arschleder wurde früher von den Bergleuten zum Schutz vor Nässe am Hinterteil getragen, und ist ein Teil der traditionellen Bergmannstracht. Gehalten wird das Leder vom ältesten anwesenden Bergmann und dem Rektor.

Vor dem Sprung muss jeder Springer vier Fragen beantworten. „Dein Name?“, „Deine Heimat?“, „Dein Stand?“ und „Dein Wahlspruch?“. Nach der Beantwortung der Fragen folgt die Aufforderung an den Springer, ein Glas Bier zu leeren, in seinen Stand zu springen und diesen stets in Ehren zu halten. Mit diesem Ritual tritt der Springer nun offiziell in den Stand und in die Gemeinschaft der Montanisten ein.

Rund um den Ledersprung

Rund um den Ledersprung gruppieren sich traditionell zahlreiche weitere Veranstaltungen, die von den Studentenverbindungen in Leoben ausgerichtet werden. Nach der offiziellen Veranstaltung wird auf den Verbindungshäusern weitergefeiert und auch am nächsten Tag finden zahlreiche Veranstaltungen statt.

Studentenverbindungen als Kulturschaffende

Nach der Teilnahme als Gast am Ledersprung nutzte ich also die Gelegenheit aus und besuchte noch am selben Abend zwei weitere Leobener Verbindungen. Am Tag nach dem Ledersprung schenkte die örtliche Damenverbindung, die mich ebenfalls als Gast wilkommen hieß, Glühwein aus.

Ebenfalls am Samstag fand um 19 Uhr ein Konzert der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz und den Grazer Instrumentalisten in der Stadtpfarrkirche St. Xaver statt. Mehrere traditionsreiche Stücke kamen dabei zur Vorführung: Ein Requiem von von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Xaver Süßmayr, „Ave Verum”, ebenfalls von Mozart, sowie „Der Gerechte kommt um“ von Johann Kuhnau und Johann Sebastian Bach.

Die Aufführung stand unter der Leitung von Stefan Kompacher. Anlässlich des Gedenkjahres war sie den Toten des vor 100 Jahren zu Ende gegangenen Ersten Weltkrieges gewidmet. Die Sängerschaft Gothia bot eine qualitativ hochwertige Aufführung dar und bewies, dass auch das kulturelle Leben in den Studentenverbindungen nicht zu kurz kommt.

Die Sängerschaft Gothia in der Stadtpfarrkirche St. Xaver

Zum Ausklang des Wochenendes besuchte ich noch eine Krambambulifeier bei einer der Studentenverbindungen. Dort wird unter Absingen des gleichnamigen Liedes die auch als Krambambuli bezeichnete Feuerzangenbowle zubereitet und anschließend verkostet. Das dementsprechende Können des Braumeisters vorausgesetzt, ein kulinarisches Vergnügen.

Feuerzangenbowle

Lebendiges Brauchtum in der Montanstadt

An diesem Wochenende wurde Leoben seinem Ruf als Stadt mit lebendigem und vielfältigem studentischem Brauchtum wieder einmal gerecht. Ich kann jedem Studenten, Akademiker oder Interessierten an akademischem Brauchtum einen Besuch in Leoben wärmstens empfehlen. Besonders bietet sich hier natürlich einer der prestigeträchtigen Veranstaltungen wie der Ledersprung oder der Bierauszug an.

Wie man sieht haben die Studentenverbindungen auch außerhalb dieser großen Veranstaltungen einiges zu bieten. Es wäre gleichzeitig wünschenswert, wenn auch die offiziellen Stellen der Universität sich die Einmaligkeit seiner lebendigen studentischen Traditionen wieder besönnen. Denn vor den Augen der Öffentlichkeit ‚verstecken’ muss man das Brauchtum rund um den Ledersprung keinesfalls.

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Kultur

US-Forscherin hält SpongeBob für rassistisch und kolonialistisch

Julian Schernthaner

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ASDF 'SpongeBob' ist dermaßen beliebt, dass es mittlerweile jede Menge Franchise-Artikel gibt - sogar Frühstücksflocken. Symbolbild: Mike Mozart via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

Eine amerikanische Anthropologin ist der Ansicht, dass die Rahmenhandlung der beliebten Zeichentrickserie SpongeBob außerdem dazu geeignet sei, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”.

Seattle. - Wie der britische Independent berichtet, unterstellt Holly Barker, eine Anthropologin der University of Washington, der Kinderserie SpongeBob Schwammkopf, rassistische Ressentiments zu schüren. Das seit zwanzig Jahren erfolgreiche Programm spiele „eine Rolle, die Aneignung indigener Länder durch koloniale Siedler zu normalisieren”. Dies geschehe vor dem Hintergrund, dass „das angestammte Bikini-Volk in seiner nicht-fiktionalen Heimat ausgelöscht wurde”.

Forscherin: SpongeBob verharmlost US-Kernwaffentests

Barkers Vorwürfe im Fachmagazin The Contemporary Pacific beziehen sich auf den Heimatort von SpongeBob namens Bikini Bottom. Dort lebt der freundliche Schwamm in einer Ananas unter dem Meer. Dieser Ort ist nach Ansicht der Forscherin dem Bikini-Atoll auf den Marshall-Inseln nachempfunden. Dort kam es 1946 zu großen Umsiedelungen, da die US-Armee die Insel als Testgebiet für Kernwaffentests vorsah.

Dadurch dass SpongeBob ein amerikanischer Charakter sei, sei die Cartoon-Figur verantwortlich dafür, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”. Der Schwamm lebe in einem Gebiet lebe, welches Einheimische hätten verlassen müssen. Dies zeige sein Privileg, sich „keine Gedanken über die Detonation von Atombomben machen zu müssen”.

Serie bedient angeblich rassistische Stereotypen

Problematisch sieht Barker neben einem angeblichen Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern außerdem, dass Charaktere der Serie sich die kulturellen Eigenheiten pazifischer Kulturen aneignen. Dies zeige sich durch das Tragen von Hawaiihemden, das Vorkommen von monumentalen Köpfen wie auf der Osterinsel, Häusern in Ananasform oder Klänge von Steel-Gitarren. Damit würden Stereotype der Region bedient.

Der Ansicht Barkers zufolge bringen diese Referenzen den Kindern eine Ideologie bei welche es in Ordnung findet, dass ein „US-Charakter wie Spongebob […] im Heimatland eines anderen Volkes” wohne. Dabei solle man sich angesichts einer „Hamburger-liebenden amerikanischen Gemeinschaft”, welche die „Bikini-Lagune besetzt” unwohl fühlen. Dies untergrabe nämlich „jeden Aspekt kultureller Souveranität”.

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Kultur

Peter Handke gewinnt Literaturnobelpreis

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild (Schwedische Akademie in Stockholm): Mastad via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Fünfzehn Jahre nach der Kür der umstrittenen Autorin Elfriede Jelinek hat Österreich mit Peter Handke zum zweiten Mal einen Literaturnobelpreisträger.

Stockholm. – Die mit Spannung erwartete Doppelverleihung für die Jahre 2018 und 2019 endet dem ORF zufolge mit einem österreichischen Preisträger für das aktuelle Jahr: Peter Handke. Für das Vorjahr – damals wurde die Verleihung nach Skandalen im dafür zuständigen Komitee ausgesetzt – geht die Auszeichnung an die Polin Olga Tokarczuk.

Einflussreiches Werk” mit „sprachlicher Genialität”

Die Schwedische Akademie verlieh Handke den mit neun Millionen schwedischen Kronen (830.000 Euro) dotierten Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“. Zur Überreichung kommt es allerdings erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, Alfred Nobel.

Handke wurde 1942 in Griffen geboren und begann 1964 während eines später abgebrochen Jusstudiums in Graz mit der Schriftstellerei, sein Erstlingswerk „Die Hornissen” erschien 1966. Mit einem Schlag berühmt wurde der Querdenker, als er noch vor dessen Auslieferung in Princeton bei der „Gruppe 47” eine angriffige Schmährede gegen den damaligen Zustand der Literatur und Literaturkritik hielt. Im selben Jahr begeisterte sein neues Sprechstück „Publikumsbeschimpfung” die Theaterkritiker.

Handke: Vielfach preisgekrönter Querdenker

Seitdem ist Handke aus der Literaturwelt nicht mehr wegzudenken. Obwohl er sich niemals an den Protesten der 68er beteiligte und einigen ihrer Akteure sogar abwartend gegenüber stand, schwang seine fundamentale Kritik am etablierten Literaturbetrieb und seine neuartige Weise, per ‚Sprachkritik verschiedene Literaturformen zu bespielen, in deren einstiger gegenkultureller Aufbruchstimmung mit. Seine Kritik an der Studentenbewegung verschaffte ihm dabei gleichzeitig den Ruf eines Konservativen.

Seine Charaktere sind unterdessen oftmals Verlorene, die sich in den zeitpolitischen Wirren ihrer Zeit wiederfinden – Außenseiter und Verkannte mit einem gewissen zeitgemäßen ‚Verve’. Auch als Mensch war ihm die öffentliche Meinung oft egal – seine mehrfache Parteinahme für Serbien gegen die Mainstream-Ansicht der 90er-Jahre sowie seine Sympathien für serbische Rechtsparteien sorgten im Kulturbereich für Kontroversen, ohne aber seine Beliebtheit zu schmälern.

Über 20 heimische Preisträger – nur zwei in Literatur

Der vielfache preisgekrönte Handke ist der zweiundzwanzigste im weiteren Sinn österreichische Nobelpreisträger in sämtlichen sechs Kategorien – aber erst der zweite in der Literatursparte nach Elfriede Jelinek im Jahr 2004. Die Mehrheit der Preisträger erhielt ihre Ehrung in einem der drei naturwissenschaftlichen Felder (Medizin, Physik, Chemie).

Dazu kommen zwei heimische Friedensnobelpreisträger – beide allerdings über hundert Jahre her (Bertha von Suttner 1905, Alfred Fried 1911). Einmal (Friedrich von Hayek 1974) konnte ein Österreicher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erringen. Zuletzt war im Jahr 2013 ein Forscher mit einem Österreichbezug – der 1938 emigrierte, gebürtige Wiener Martin Karplus für Chemie – unter den Prämierten.

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Kultur

Lange Nacht der Museen: Fast 390.000 Besucher beim 20. Jubiläum

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild: Hannes Sallmutter [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Die „Lange Nacht der Museen” zog auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende Kulturliebhaber an.

Von Samstag auf Sonntag fand bereits zum 20. Mal die vom ORF initiierte „Lange Nacht der Museen” statt. In ganz Österreich und in Teilen von Slowenien, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland präsentierten rund 730 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen ihre Sammlungen und Ausstellungen, wie der ORF in einer Aussendung mitteilte.

Der größte Besuchermagnet war wenig überraschend Wien (189.032), gefolgt von der Steiermark (42.368) und Kärnten (39.362).

Albertina war größter Besuchermagnet

Die meistbesuchten Museen in den österreichischen Bundesländern im Überblick:

  • Burgenland: Schloss Esterházy (1.075)
  • Kärnten: Stadtgalerie Klagenfurt (4.535)
  • Niederösterreich: Nostalgiewelt Eggenburg (903)
  • Oberösterreich: Ars Electronica Center (1.479)
  • Salzburg: DomQuartier Salzburg (3.947)
  • Steiermark: Schloss Eggenberg, Prunkräume, Universalmuseum Joanneum (6.468)
  • Tirol: Kaiserliche Hofburg (3.358)
  • Vorarlberg: Kunsthaus Bregenz (1.346)
  • Wien: Albertina (16.575)

Wrabetz: „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”

Zum Jubiläum sprach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz von einem „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”. Darüber hinaus bedankte sich Wrabetz bei allen Kultureinrichtungen, Sponsoren und Partnern, „die jedes Jahr einen großen Beitrag zum Erfolg dieser Initiative leisten”.

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