Gesellschaft

EU‐Studie: Muslimischer Antisemitismus als Bedrohung in Deutschland

Symbilbild (Kippatragende Juden bei einer Hochzeitsfeier): David Berkowitz via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Die Feststellungen einer europaweiten Studie belegen einen Anstieg antisemitischer Ressentiments – allerdings zeichnen dafür nach Selbsteinschätzung der Befragten in Deutschland vor allem Muslime dafür verantwortlich. 

Berlin. – Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) befragte im Mai und Juni 2018 insgesamt 16.395 Juden in europäischen Ländern zu ihren Erfahrungen, davon mehr als 1.000 aus Deutschland. Was letztere dabei im Bezug auf muslimischen Antisemitismus zu Protokoll gaben, wirft auch Fragen auf. Denn: die Selbsteinschätzung unterscheidet sich gravierend von der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).

Eklatante Diskrepanz zu Polizeistatistik

Denn die PKS ordnet der Bild zufolge gleich 94 Prozent der 1.506 so erfassten Straftaten dem rechten Spektrum zu. Nur fünf Prozent der Täter hätten einen muslimischen Hintergrund. Völlig unterschiedlich allerdings die Empfindungen der Juden in Deutschland in der Umfrage. 41 Prozent der Befragten nannten nämlich Erfahrungen mit Antisemitismus vonseiten muslimischer Täter. Rechte wurden in 20 Prozent der Fälle erwähnt – und in immerhin 16 Prozent der Fälle nanntenn die Teilnehmer der Umfrage sogar Täter aus dem linken Spektrum.

Frankreich: 95 Prozent sehen Antisemitismus

Diese Erfahrung deckt sich einem Artikel von Tichys Einblick zufolge auch mit einem Ländervergleich: Je höher der muslimische Bevölkerungsanteil in einem europäischen Land, desto eher hielten die ansässigen Juden einen Antisemitismus für ein großes Problem innerhalb ihrer Gesellschaft. Am häufigsten äußerten französische Juden entsprechende Sorgen (95 Prozent), wobei 65 Prozent dies als sehr großes Problem sahen.

Deutschland kommt hier nach Belgien (86 Prozent) auf die dritte Stelle (85 Prozent; 43 Prozent „sehr groß”), und liegt somit direkt im EU‐Schnitt. Am seltensten hat man in Dänemark entsprechende Bedenken – nur 56 Prozent. Auch Österreich befindet sich dem ORF zufolge mit 73 Prozent (24 Prozent „sehr groß”) an drittletzter Stelle, dazwischen liegt Italien (71 Prozent).

Anstieg in Frankreich und Deutschland hoch

Auch bei der Frage nach einem allfälligen Anstieg des Antisemitismus im Land befand sich Österreich an drittletzter Stelle (75 Prozent, davon 33 Prozent „stark”), nur in Spanien (73 Prozent) und Ungarn (71 Prozent) ist dieser Befund schwächer. Erneuter Spitzenreiter ist Frankreich mit 93 Prozent, wobei 77 Prozent davon einen starken Anstieg sehen.

Deutschland findet sich auch hier an dritter Stelle wieder und trifft erneut exakt den EU‐Schnitt von 89 Prozent. Besonders stark ist der Anstieg überraschend auch in den Niederlanden, welche hier mit 90 Prozent auf den zweiten Rang kommen. Zum Vergleich: Bei der generellen Sorge teilte man sich mit Österreich den drittletzten Platz.

1 Kommentar

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  • Und im Bayerischen Rundfunk konnte man heute mal wieder die pauschale Meldung hören, Antisemtismus wäre in Europa stärker geworden. Kein Wort dazu über die Ursachen. Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

    Kann die Jüdische Gemeinde in Deutschland wirklich nicht ihrem Vorsitzenden, Dr. Schuster, begreiflich machen, dass seine ständigen Forderungen nach Aufbahme aller „Schutzsuchenden” genau dieses Problem total verstärkt?

    Seine Vorgängerin, Frau Knobloch, wandte sich 2015 noch total gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung. Inzwischen muss eine seltsame Verwandlun g mit ihr vorgegangen sein. Beiden dürften die Probleme jüdischer Mitbürger, besonders in Frankreich mit seinem hohen Anteil von Nordafrikanern, doch wohl keineswegs entgangen sein.

    Überlegt man, warum eine derartige Denkweise trotzdem stattfindet, kommt man eigentlich nur auf eine plausible Erklärung. Nur sollten die Herrschaften bedenken, dass nicht alle aus den jüdischen Gemeinden so einfach wie sie nach Israel auswandern können.

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