Gesellschaft Kultur

Sloterdijk über das Recht, Angela Merkel zu kritisieren

Fronteiras do Pensamento [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut kritisiert. Die Grenzöffnung im Sommer 2015 sei ohne Zustimmung des Souverän erfolgt.

Peter Sloterdijk war zu einem gemeinsam von der Berliner Volksbühne und Deutschlandfunk Kultur präsentierten Radio‐Interview zum Thema „Gleichheit” geladen. Im Gespräch hielt Moderator Armen Avanessian dem Philosophen dessen Aussage aus einem Cicero‐Interview aus dem Jahr 2015 vor, demzufolge es „keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung” gebe und die deutsche Regierung sich „in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben” habe. Avanessian glaubt in diesen Äußerungen, eine Differenz zwischen Sloterdijks „philosophischem Denken über Gleichheit” und seinen „politischen Einlassungen” zu erkennen.

Ich habe das Recht, Angela Merkel zu kritisieren”

Der Philosoph entgegnete unmissverständlich:

Als Staatsbürger bin ich konservativer als in meiner Rolle als Philosoph. Ich habe das Recht, Angela Merkel zu kritisieren, dass sie nach dieser außerordentlichen Situation des Herbstes ’15 nicht klar gemacht hat, dass es sich hier um eine Ausnahmesituation gehandelt hat von unwiederholbarem Charakter. Sie hat sich jahrelang geweigert, den Begriff der Obergrenze zu benutzen.”

Merkel hat sich hinter „falschem Prinzip verschanzt”

Weiters betonte der Philosoph, dass die Kanzlerin zwar „in einem humanen Engpass” vermutlich richtig gehandelt habe. Was Sloterdijk der Kanzlerin jedoch vorwirft, ist, dass sie sich „hinter einem falschen Prinzip verschanzt” habe, ohne es jemals auszusprechen. Damit meint Sloterdijk einen „abstrakten Universalismus”, der zur Regierungsmaxime geworden sei, ohne dass der Souverän jemals darüber befragt worden wäre.

Sie können anhand aktueller Literatur sich davon überzeugen, dass die Bundesrepublik Deutschland jetzt nach den USA das zweitoffenste Einwanderungsland der Welt geworden ist.” Es sei „zum großen Teil eine undiskutierte Form der Öffnung” geschehen.

Vier Wochen Willkommenskultur

Die „vier Wochen Willkommenskultur” seien seiner Ansicht nach zwar eine „Episode politischer oder moralischer Schönheit” gewesen. Dennoch sei Politik „keine Kategorie, in der ästhetische Urteile allzu viel Gewicht erlangen dürfen”.

2 Kommentare

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  • Für mich war diese „Willkommenskultur” keine Periode politischer und moralischer Schönheit, sondern eine Periode menschlicher Dummheit und des natonalen Selbstmords.

    Das Resultat haben wir nun, aber noch immer verweigern sich viel zu viele Menschen den Realitäten. Die einen können nicht anders, die anderen wollten genau dieses Resultat.

    Migrationspakt – the show must go on.

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