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Meinung

Drasenhofen: Wie linke Medien erneut einen NS-Skandal schaffen wollen

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

By Karl Gruber [CC BY 3.0 at], from Wikimedia Commons

In den vergangenen Wochen drehte sich die mediale Debatte um ein kurzzeitiges Asyllager im niederösterreichischen Drasenhofen. Von Anfang an zielten Meinungsmacher dabei auf den Spin des freiheitlichen Wärters eines ‘modernen Konzentrationslagers’ ab.

Kommentar von Julian Schernthaner

Konkret drehte sich die jüngste Aufregung um eine Unterkunft für ‘auffällig’ gewordene minderjährige Asylwerber im Weinviertel. Dort sollen sich gar unmenschliche Dinge zugetragen haben. 17-Jährige mit nächtlicher Ausgangssperre, die nach Übernachtung im Mehrbettzimmer frühmorgens geweckt werden und hauptsächlich Putenfleisch essen. Zäune, welche das Gelände begrenzen. Und allerlei Schwierigkeiten für die Ärmsten, sich jene Tabakwaren zu besorgen, für welche sie mit Jahreswechsel ohnehin zu jung sind.

Drasenhofen: Viel Schall, wenig Rauch

In einer etablierten Medienlandschaft mit ausgeglichenem politischen Spektrum würde man das nun als frühwinterliche Scheinleitartikel abtun. Quasi hanebüchene Adventsgeschichten, die als Aufreger von der besinnlich-kaufwütigen Vorweihnachtszeit ablenken sollen. Denn manch ein Mensch, der in seiner Jugend ein Internat besuchte oder gar als junger Erwachsener einen Präsenzdienst ableistete fragt sich: Wie zum Henker konnten wir damals solch menschenunwürdige Zustände ertragen, ohne völlig traumatisiert rauszukommen?

Aber darum geht’s nicht. Denn mit Gottfried Waldhäusl besetzt ein wertkonservativer Freiheitlicher ausgerechnet traditionell linke Kernressorts. Freilich, der Landwirt ist mit Sicherheit kein verbales Leichtgewicht der Landespolitik und fällt regelmäßig mit markigen Sprüchen auf. Unvergessen ist der Eklat, als er den Langzeitlandeshauptmann Pröll als ‘Diktator’ bezeichnete. Aber auch darum geht’s nicht. Denn ein blauer Landesrat für Umwelt, Asyl, Integration und die lokale Medizinvorsorge ist für die linke Filterblase eben eine ganz üble persona non grata. Insbesondere dann, wenn er dabei linke Prestigeprojekte wie ‘Ausbildung statt Abschiebung’ per Veto verhindert.

Gute, alte Salamitaktik

Und so überlegt man sich, wie man den ungeliebten Mann möglichst schnell wieder loswerden kann. Und so kramt man eine bewährte alt-linke Strategie aus der Mottenkisten: die Salamitaktik. Der Begriff geht auf das Ungarn der späten Vierzigerjahre zurück. Dort übernahm die kommunistische Partei die Macht quasi ‘scheibchenweise’, indem sie ihre Gegner entweder durch Tricks sukzessive unschädlich machte oder sie so dazu brachte, sich ihr anzuschließen.

Im zeitgenössischen österreichischen Fall könnte man dabei sogar von einer ‘doppelten Salamitaktik’ sprechen. Denn alle Monate wieder findet sich irgendein freiheitlicher Politiker, idealerweise aus der zweiten Reihe, dem man etwas ans Zeug flicken möchte. Gleichzeitig überhäuft man das jüngste Ziel seiner Kampagne mit immer neuen Vorwürfen. Damit soll wohl bezweckt werden, dass dieser entweder seine Hausmacht verliert – oder zumindest irgendwann von selbst das Handtuch wirft, um seine nervliche Gesundheit zu bewahren.

Mit verschobenen Torpfosten erschlagen?

Und so wird der zweite ‘Naziskandal’ der niederösterreichischen Freiheitlichen eine Kopie des ersten. Auch bei Udo Landbauer führte man zunächst ein Liederbuch mit wenig anrüchigem Inhalt ins Feld, um mit einem absoluten Knaller nachzulegen. Dass sich die Vorwürfe am Ende als unbegründet herausstellten, half wenig: Der politische Ruf war trotz späterer Wiederkehr ins Landesparlament wohl noch länger ziemlich beschädigt.

Bei Waldhäusl ist die Taktik sogar noch eine Spur perfider. Denn hier erzeugt man zuerst eine völlig überzogene Scheinrealität – um dem Betroffenen dann mit dieser Konstruktion ein Bein stellen zu wollen. Denn als dieser sich für eine “Sonderbehandlung” für die zuvor Internierten ausspricht, ist soeben die Endlösung neu ausgebrochen. Denn neben der komplett anständigen Verwendung bezeichnete dies euphemistisch auch die gezielte Tötung von Lagerhäftlingen im dritten Reich.

Eigene Assoziation – fremder Schaden

Man bauscht also eine bestenfalls latent fragwürdige, kaum menschenrechtswidrige Kasernierung zuerst zu einem verkappten Konzentrationslager auf. Sobald man die Pfosten der Argumentation kilometerweit von der Realität entfernt hat, verdrischt man den vermeintlichen Übeltäter gnadenlos mit ebendiesen. Übrigens nicht zum ersten Mal: Auch bei Kickls berüchtigtem ‘Konzentriert’-Sager stammte diese Assoziation ursprünglich aus der Sozialdemokratie.

Und nicht einmal bei Waldhäusl probiert man’s zum ersten Mal. Im Juni machte sich die halbe Republik lustig, weil er die Problematik von ausländischen Hunden in Tierheimen ansprach. Die Idee, wegen ähnlicher Symptomatik einer ‘internationalen Hundemafia’ den Kampf anzusagen, stammt ursprünglich von einer Wiener SPÖ-Stadträtin. Und auch der skandalisierte Vorstoß einer dokumentarischen Erfassung von Käufern koscheren Fleischs stammte originär von einem Genossen.

Angriff als beste Verteidigung

Dass diese Finte auch medial immer wieder klappt, ist leidige Nebenwirkung einer weiterhin einseitigen Deutungshoheit. Schiefe Optiken werden zu handfesten Skandalen geschrieben, tatsächlich fragwürdige Förderungen aus Steuergeld sind bald nicht mehr der Rede wert oder werden ins Gegenteil verkehrt. Wünschenswert wäre jedenfalls, dass die Freiheitlichen nicht über jedes Stöckchen springen, das man ihnen hinwirft. Salamitaktik macht nämlich nicht nach einer Scheibe halt, sondern schneidet weiter, bis die Wurst vollends aufgegessen ist.

Denn egal, wie sehr sie sich verbiegen: Für Menschen, für welche jeder Konservatismus bereits eine Spielart des Faschismus ist, wird man sich nie genug distanzieren. Diese Menschen leben vom herbei fantasierten Beleg dieses wirren Narrativs. Vielmehr sollte die Partei solche Anwürfe entweder stoisch aussitzen – oder ihrerseits souverän mit problematischen Vorgängen beim Gegenüber kontern. Und dafür müsste man in Zeiten, als etwa beste Kontakte zum linken Rand ein Empfehlungsschreiben für eine Spitzenkandidatur bei linken Regionalparteien sind, weißgott nicht lange suchen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Rainer Seifert

    14. Dezember 2018 at 17:58

    Zu Zeiten der DDR haben die dortigen Bewohner immerhin zu rund 90% derartige und täglich übliche Lügenmärchen erkannt. Ob die Bevölkerung heute dümmer ist als die dortige seinerzeit, muss schon fast befürchtet werden.

    Die Westberliner “Insulaner”, eine antikommunistische Künstlergruppe, drückte das im Sender RIAS in einer ihrer Liedzeilen so aus:
    “Tag des Buches, Tag der Presse, unsrer roten Entenfresse”.

    Ihr Wunsch, ihre und unsere Insel möge bald wieder ein schönes Festland werden, ging nun dank der aufbegehrenden Bevölkerung der DDR schon lange in Erfüllung. Dass trotzdem weiter rote Propaganda per Presse verbreitet wird, hätten sie sich wohl nicht träumen lassen.

  2. Avatar

    Peter Hofmueller

    15. Dezember 2018 at 9:48

    Journaille reimt sich da ziemlich “treffend” auf Kanaille!Da sind linke Medien sehr “kreativ”!

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Meinung

“FPÖ muss ihre Lehren ziehen, um patriotische Alternative zu bleiben”

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild (Strache 2008): Christian Jansky via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] [Bild zugeschnitten]

Viele Österreicher waren mit der FPÖ und ihrer Regierungsarbeit zufrieden und trotzdem ist sie vorerst gescheitert. Die Freiheitlichen müssen daraus ihre Lehren ziehen.

Kommentar von Stefan Juritz

Die “Ibiza-Affäre” hat zu einem politischen Erdbeben in Österreich geführt. Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache musste zurücktreten und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) löste die Koalition mit den Freiheitlichen auf.

Politisches Attentat vor der EU-Wahl

Bisher weiß niemand, von wem dieses pikante und illegal aufgezeichnete Video stammt, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus im Jahr 2017 bei einem Privattreffen mit einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte zeigt. War es wirklich ein westlicher Geheimdienst, wie manch ein Experte meint, oder vielleicht doch linke Aktivisten?

Jedenfalls wurde das Video offensichtlich ganz bewusst kurz vor der EU-Wahl veröffentlicht, um der FPÖ massiv zu schaden. Strache sprach hier vollkommen zurecht von einem “politischen Attentat”.

Gegner verhalten sich wie Gegner

Nun ist die Empörung über solch einen Eingriff in die Privatsphäre eines Politikers und Menschen selbstverständlich nachvollziehbar. Methoden wie diese sind völlig abzulehnen und die Urheber müssen ausgeforscht werden. Nur ändert das nichts an den Tatsachen und sollte der FPÖ die erste Lehre sein: Gegner verhalten sich nun einmal wie Gegner und eine Falle braucht immer denjenigen, der in sie tappt.

Natürlich ist es richtig, die Heuchelei vieler Medien und Politiker in der Causa aufzuzeigen und man könnte etwas zynisch darauf hinweisen, dass es bei den anderen Parteien wohl nicht viel anders aussieht, dass dieser Lobbyismus “part of the game” ist. Jedoch hat sich gerade die FPÖ unter Strache in den letzten Jahren immer als “soziale Heimatpartei” und Alternative zum rot-schwarzen Filz stilisiert. Nur, und das ist die zweite Lehre, dann muss sich die FPÖ auch wie eine echte Alternative und nicht wie der politische Gegner verhalten.

Es braucht eine patriotische Zivilgesellschaft

Die gesamte Affäre zeigt, wie schnell man trotz guter Arbeit in vielen Bereichen und positiven Veränderungen aus einer Regierung fliegen kann. Umso wichtiger wird es für die FPÖ sein, zu verstehen, dass es nicht nur auf Mandate und Wahlergebnisse ankommt. Von enormer Bedeutung ist ebenso der Aufbau einer patriotischen Zivilgesellschaft und echten “Mosaikrechten” (Benedikt Kaiser).

Anstatt von einer Übernahme der Kronen-Zeitung zu träumen, müssen freie patriotische Medien aufgebaut und unterstützt sowie Journalisten ausgebildet werden. Anstatt die Universitäten weiterhin aufzugeben, weil “die Studenten eh links sind und nicht FPÖ wählen”, muss gerade dort eine intellektuelle Auseinandersetzung stattfinden.

Als dritte Lehre also: Ohne ein starkes politisches Vorfeld wird es keinen wirklichen patriotischen Wandel in Österreich geben. Einzelne (gute) Regierungsreformen allein werden keinen langfristigen Erfolg erzielen.

Linke jubeln zu Unrecht

Die FPÖ-Gegner jubelten am Wochenende über Straches Rücktritt und das Ende der türkis-blauen Koalition. Doch sie dürfen nicht vergessen, dass die FPÖ-Regierungsbeteiligung nicht an ihren Inhalten, nicht am Wähler, nicht an den Burschenschaften oder Identitären (vorerst) gescheitert ist.

Es liegt hingegen an einem persönlichen Fehler zweier FPÖ-Spitzenfunktionäre – und an Bundeskanzler Kurz, der die Situation für sich und seine Partei ausnützen möchte. Dieser Umstand sollte den Freiheitlichen eine weitere Lehre sein, denn er zeigt, dass es Kurz nicht um eine konservative Wende in Österreich, sondern bloß um seinen eigenen Machtausbau geht.

Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative

Es bleibt nur zu hoffen, dass die FPÖ ihre Lehren daraus zieht und sich ihre Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative bei jenen bewahrt, die nun enttäuscht sind – denn für eine patriotische Wende braucht es auch eine authentische FPÖ in der Regierung.

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Meinung

Die ‘Enthüllungen’ über Identitären-Chef Sellner haben null Neuigkeitswert!

Julian Schernthaner

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ASDF Bild: Martin Sellner (Identitäre Bewegung) bei einer Demonstration in Graz / Martin MAGA [CC BY-SA 4.0], von Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Am Dienstagabend gelang einem engagierten Recherchenetzwerk ein entscheidender Durchbruch im ewigen ‘Kampf gegen rechts’: Man informierte die Öffentlichkeit über längst bekannte Vorgänge und verkaufte diese Erkenntnissen als große Neuigkeit.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Es schlug wie eine Bombe in der heimischen Medienlandschaft ein. Gleich mehrere Mails soll Martin Sellner mit dem späteren Christchurch-Attentäter gewechselt haben. Und ganz besonders schlimm: Es soll ein vermeintliches Angebot an den damals geheimdienstlich unbekannten und unbescholtenen Spender gegeben haben, sich auf einen Kaffee oder ein Bier zu treffen, sollte es diesen jemals nach Wien verschlagen.

Sellner-Gate No. 2: Staatsskandal ante portas?

Mehr brauchte es nicht, dass die versammelte linke Reichshälfte in eine Mischung aus Hysterie und Jubelstimmung verfiel. Was jeder normal denkende Mensch als Höflichkeitsfloskel an einen x-beliebigen Spender deuten würde, gilt nun als hochbrisantes Detail. Und was Sellner bereits vor Wochen in einer Pressekonferenz erklärte, wird zur Exklusivstory hochgepusht.

Und gerade, weil dieser einen Teil offenbar des Schriftverkehrs zuerst archivierte und den Verlauf dann löschte, sah SPÖ-Bundesgeschäftsführer Drozda einen hohen Aufklärungsbedarf und witterte sogleich einen neuen, handfesten Staatsskandal der Sonderklasse. Alles noch viel schlimmer als bislang angenommen!

Opposition visiert den Spielball an…

Er forderte deshalb Innenminister Kickl auf, zu erklären, ob jemand Sellner vor der Hausdurchsuchung gewarnt hätte. Die Regierung jedenfalls stecke “bis zum Hals im Identitären-Problem”. Dieses Framing bediente er übrigens unabhängig davon, dass ein solches Vorgehen als Verschleierungstaktik ganz offensichtlich untauglich wäre und in krassem Gegensatz zum Bild eines konspirativ agierenden kriminellen Netzwerks stünde.

In eine ähnliche Kerbe schlug anschließend Peter Pilz – und ein paar Stunden lang schien ein altbewährtes Rezept aufzugehen. Das Narrativ des rechtsextremen Innenministers, welcher sich medienwirksam distanzieren muss, weil innerhalb des ‘ganz widerlichen’ rechten Spektrums neue Skandälchen brutzeln würden war bereits angerichtet, das Süppchen duftete bereits den ganzen Gang entlang…

…und zielt auf vom Tisch genommene Kugel

…und Kickl spielte das perfide Spiel nicht mit. Nüchtern erklärte er, dass diese ‘Enthüllungen’ keine neuen Erkenntnisse zum Fall brächten. Die erhobenen Vermutungen seien schließlich “nichts neues” sondern die Grundlage für die Ermittlungen. Seine persönliche Einschätzung wiederum sei nicht weiter relevant.

Bäm. Die Träumereien mancher Journalisten nach Untersuchungshaft für Sellner verpufften ebenso gegenstandslos wie die persönlichen Verschwörungstheorien einiger Oppositionspolitiker. Die Billardkugel, um den ungeliebten Innenminister als Begünstiger allen Übels im Land endgültig zu versenken – sie war mit einem Stoß vom Tisch.

Sensible Informationen als politische Waffe

Was überbleibt ist also lediglich die Frage: Wie kann es sein, dass neuerlich sensible Polizeiakten so mir nichts, dir nichts in einschlägigen Medienkreisen landen? Immerhin – und sei dieser Vorwurf noch so hanebüchen und auf Unwahrheiten basierend – handelt es sich ja gegenwärtig um Terrorermittlungen und somit wahrlich um keinen Pappenstiel.

Und da sollte man doch annehmen können, dass einige Diskretion geboten sei. Gerade bei der angeblich allgegenwärtigen Sorge um den Ruf der heimischen Geheimdienste im Ausland. Aber die erwähnt man natürlich nur, wenn man sie als politische Waffe opportun gegen den rechtsrechten Innenminister verwenden kann. Als Infostrang für die linke Seite von Politik bis Antifa hingegen sind diese Datenlecks eine stets willkommene Quelle.

Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten

Je mehr man sich die Anatomie der Geschichte also ansieht, desto mehr gewinnt man den Eindruck: Der Hauptzweck der ganzen Sache ist gar nicht die Aufklärung. Denn zur weitreichenden Stigmatisierung unliebsamer Personen setzt man offenbar sämtliche Rechtsstaatlichkeit auf Spiel – und zwar überaus leichtfertig.

Was bislang möglicherweise am in Österreich besonders heiligen Amtsgeheimnis vorbei herauskam, hatte jedenfalls kaum tatsächliche, wirklich das öffentliche Interesse betreffende Substanz und bedingte keine derart überbordene Praxis. Es erfüllte einzig und allein den Zweck, dass “irgendwas hängen blieben sollte”, ein einziges Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten.

Anpatzversuche und ein zusehends nackter Kaiser

So viel ist nämlich gewiss: Irgendwelche – übrigens hier diversionell erledigten – Schweinereien aus der Jugendzeit finden sich auch bei so manchem Politiker aller Couleur. Und mit Spender- und Rundbrieflisten aus Ermittlungen, die in einem Freispruch endeten, kann man maximal halbgare Anpatzversuche gegenüber Würdenträgern und Funktionären betreiben. Freilich, nachdem man eine vormals unanstößige Sache zuerst minutiös madig machte.

Und so dient die ganze Causa immer mehr dazu, ungewollt die wirklichen Schieflagen im Land aufzudecken. Ein Rechtsstaat, der seine eigenen Gesetze nicht achtet – und eine Medienlandschaft, in der treibende Elemente die Sensation zusehends vor die journalistischen Lauterkeit stellen. Gut möglich also, dass aufgrund dieses Übereifers am Ende nicht Sellner und die Identitären isoliert dastehen. Sondern, dass sich ihre Gegner soweit entblößt haben, dass jedes Kind den Kaiser als nackt erkennt.

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Meinung

Ring frei: Auch für die Freiheitlichen Studenten

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

ASDF Bild: Wahlplakate zur ÖH-Wahl 2019 - Plakate des RFS fehlen / Bild privat

“Während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum.”

In Österreich finden alle zwei Jahre die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) statt, wo Studenten ihre Vertreter auf Bundesebene und Hochschulebene, aber gleichzeitig auch ihre Studienvertreter wählen. In diesem Jahr fallen die Wahlen aber fast mit den EU-Wahlen zusammen. Während Bürger europäischer Länder ihre Vertreter zwischen dem 23. und 26. Mai wählen können, dürfen sich Studenten für die Wahl ihrer Vertreter zwischen dem 27. und 29. Mai zur Wahlurne begeben. Im Vorfeld gab es deshalb auch Kritik seitens der ÖH. Es wird nämlich befürchtet, dass die ohnehin schon niedrige Wahlbeteiligung unter den Studenten – 2017 nahmen nur knapp über 23 Prozent aller Wahlbeteiligten in Graz an den Wahlen teil – aufgrund der EU-Wahlen noch weiter sinken könnte.

Überall süße Wahlzuckerl

Wie bei jeder Wahl versuchen die antretenden Fraktionen auch heuer mit ihren „Wahlzuckerln“ so viele Wähler wie nur möglich zu ködern. Ihre Wahlversprechen präsentierten sie nun etwa in den jeweiligen Interviews mit der ÖH-Zeitschrift Libelle, die im Rahmen der Wahl allen antretenden Fraktionen dieselben Fragen gestellt hat. Nämlich warum man gerade sie wählen sollte, welche Schwerpunkte sie auszeichnen und welche drei Dinge sie an den Unis ändern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Außerdem wurden sie gefragt, welche Ideen sie haben, um die Situation sozial schlechter gestellten Studenten zu verbessern und was sie zu jenen Studenten sagen wollen, die die ÖH-Wahlen für sinnlos bzw. uninteressant halten. Abschließend kam auch die Frage, mit welcher Fraktion eine Koalition denkbar wäre. Eine Sammlung der “besten” Aussagen finden Sie am Ende des Beitrags.

Hat der RFS aufgegeben?

An der Grazer Karl-Franzens-Universität (KFU Graz) werden bei den Wahlen Ende Mai die unabhängige Fachschaftsliste Uni Graz (FLUG), die Jungen Liberalen Studierenden (JUNOS), die Aktionsgemeinschaft (AG), der Verband Sozialistischer Studenten (VSSTÖ), die Grünen Alternativen Studenten (GRAS) und der Kommunistische Studentenverband (KSV-KJÖ), antreten. Und während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum. Als hätte man sich damit abgefunden, dass radikale Hochschulpolitik eine linke Spielwiese ist und das mit dem Marsch zurück durch die Institutionen nichts wird, tritt der RFS in Graz nur an einer der vier Hochschulen überhaupt an.

Die versprochene Sammlung der „besten“ Aussagen

Im Folgenden Abschnitt noch die versprochene Sammlung der “besten” Aussagen aus den Interviews mit den einzelnen Fraktionen:

“Wir wollen eine Mensa, bei der man gerne essen geht, da auch wir ab und zu Hunger haben!” (RFS)

“Studieren ist schon stressig genug, da sind NahtodErlebnisse auf dem Weg zur Prüfung eindeutig zuviel.” (GRAS)

“Mit jeder, die sich für einen freien und offenen Hochschulzugang einsetzt und unsere Werte teilt.” (KSV-KJÖ)

“Es ist nötig, die Vertretung der Interessen der breiten Mehrheit der Studierenden wieder in den Vordergrund zu stellen.” (KSV-KJÖ)

“In der momentanen politischen Lage ist es besonders wichtig, dass Interessensvertretungen stark agieren können und dabei bestärkt sie gerade eine hohe Wahlbeteiligung!” (VSSTÖ)

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