Gesellschaft Technik

Migrationspakt: Experten zweifeln an einseitiger Beeinflussung durch Bots

Bild: Twitter / Pxhere (CC0)

Anders als das Unternehmen, das eine Nähe zur CDU aufweist, sprechen Experten teilweise von einer „gezielt lancierten, unveröffentlichten Quatschstudie ohne belastbare Daten”.

Berlin. – Ein kleines Berliner Unternehmen behauptete unlängst, dass die Twitter‐Diskussion über den Migrationspakt manipuliert wurde. Laut einer Analyse des Unternehmens Botswatch stammten rund 28 Prozent aller deutschsprachigen Tweets zum Migrationspakt von Social Bots. Bots sind automatisierte Programme, die sich in den sozialen Netzwerken als Menschen ausgeben und deren Verhalten imitieren. Bei zahlreichem Auftreten können solche Bots womöglich das Meinungsklima beeinflussen.

Bot‐Analyse ist „Quatschstudie”

Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, meldeten sich nach der Publikation der Bot‐Analyse mehrere Experten zu Wort und erhoben schwere Vorwürfe. „An der Studie stört mich, dass sie nicht einmal in Auszügen einsehbar ist. Dadurch sind die Ergebnisse wertlos”, sagte der Social‐Media‐Analyst Luca Hammer. Der Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg, Florian Gallwitz, sprach gar von einer „gezielt lancierten, unveröffentlichten Quatschstudie ohne belastbare Daten”.

Anders als das Unternehmen Botswatch kam Luca Hammer bei einer stichprobenartigen Untersuchung zu dem Schluss, dass der Anteil von Bots in der Debatte um den Migrationspakt bei etwa 6 Prozent liege. Darunter seien allerdings auch automatisierte Accounts von Medienhäusern.

Unternehmen veröffentlicht Kriterienkatalog nicht

Nach Ansicht des Unternehmens hätten die Bots Stimmung gegen den UNO‐Migrationspakt gemacht. Botswatch analysierte rund 800.000 Tweets, die zwischen 24. November und 2. Dezember verfasst wurden. Wer hinter der angeblichen Manipulation stecken könnte, wurde allerdings nichts gesagt. Auch auf die Frage, wie das Unternehmen Bots definiere, kam keine Antwort. Das zähle zu den Betriebsgeheimnissen ihres Unternehmens, so Geschäftsführerin Tabea Wilke.

Für Botswatch gelten bereits jene Nutzer als Bot, die mehr als 50 Tweets pro Tag absetzen. Diese Zahl ist allerdings leicht zu erreichen. Medienhäuser setzen teilweise mehr als 50 Tweets pro Tag ab. Andere nutzen Twitter wie ein Chat‐Programm und erreichen die Grenze von 50 Tweets pro Tag damit auch sehr schnell.

Botswatch hat Nähe zur CDU

Die Bot‐Analyse, die am Tag der Verabschiedung des Migrationspakts publik wurde, wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen und als Tatsache präsentiert. So rief die sozialdemokratische Justizministerin Katarina Barley Betreiber angesichts der Ergebnisse soziale Netzwerke dazu auf, gegen gefälschte Accounts vorzugehen. Wie der Bericht der NZZ zeigt, hat das Unternehmen Botswatch Verbindungen zur CDU. So war die Geschäftsführerin des Unternehmens im Mai zu einem nichtöffentlichen Gespräch über künstliche Intelligenz im Bundeskanzleramt.

Sie ist selbst CDU‐Mitglied und im C‐Netz, einem Netpolitikverein, der CDU und CSU nahesteht. Außerdem sind zwei der fünf Mitglieder des „Advisory‐Boards” von Botswatch ebenfalls CDU‐Mitglieder. Auch der selbsternannte „Merkel‐Fan” Axel Wallrabenstein gehört zu den Beratern des Unternehmens. Kai Whittaker, der Merkel‐Kritiker mit „Säuen” verglich, die sich im Dreck suhlen, fungiert ebenfalls als Berater für Botswatch.

1 Kommentar

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  • Jaja, diese verdammten fake news. Nach dem Nazi‐Regime und der kommunistischen DDR Diktatur brauchen wir nun wirklich keine Lügen mehr von Seiten der heutigen regierenden.

    Zur Hitler Zeit mussten die Menschen bei Androhung der Todesstrafe ausländische Radiosender hören um wenigstebns einigermaßen offen informiert zu werden. Heute kann man sich deutlich leichter außerhalb des mainstreams informieren. Das kommt nicht immer gut bei den „Großkopferten” an.

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