Österreich Politik

Grünen‐Bundesrätin schürt wirre Verschwörungstheorie über ‚Rapid‐Kessel’

Bild (Ewa Dziedzic [Grüne] bei ihrer Rede im Bundesrat): Screenshot ORF III via YouTube [@12:59 min]

Die Nachbehandlung der Vorfälle rund um das 328. Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria am vergangenen Samstag beschäftigte am Donnerstag auch den Bundesrat. Eine Aussage in der Rede der grünen Wiener Bundesrätin Ewa Dziedzic sorgt für Verwunderung. 

Wien. – Am vergangenen Samstag kam es zu vereinzelten Würfen von Pyrotechnika auf die Südosttangente (A23) durch Rapid‐Fans. Die Polizei stellte daraufhin die Personalien von 1.338 Personen fest – die Amtshandlung dauerte bis in die Abenstunden. Nachdem die ‚Rechtshilfe Rapid’ sich über diese Umstände beschwerte, brachte die SPÖ im Bundesrat eine Dringliche Anfrage an Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) ein.

Grüne sucht Verbindungen bei Burschenschaften

Als Ewa Dziedzic von den Grünen mit ihrer Rede an der Reihe war, kam es dabei zu einem giftigen Vergleich. Nachdem sie zuerst minutenlang über die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes und Fankultur sprach, versuchte sie, personelle Verstrickungen ins Feld zu führen, die gar nicht existieren. Aus Sicht der gebürtigen Polin sei die Querverbindung im Kreise des Korporiertenwesens zu suchen, insbesondere bei der pennalen Burschenschaft Franko‐Cherusker:

Sie werden vielleicht wissen, dass Herr Pürstl […] früher mal in derselben Burschenschaft wie Minister Hofer gewesen ist.”

Tatsächlich gehörte Polizeipräsident Gerhard Pürstl in seiner Jugend dieser Schülerverbindung an, trat aber bald wieder aus. Dies gilt jedoch nicht für Infrastrukturminister Norbert Hofer. Dieser ist in Wirklichkeit Ehrenmitglied bei der pennalen Burschenschaft Marko‐Germania zu Pinkafeld.

Angebliche Vernetzung unter Austria‐Hooligans

Für Dziedzic hören die vermeintlichen Querverbindungen hier noch nicht auf. Denn, auch der aus dem Umfeld des rechtskräftig wegen NS‐Wiederbetätigung verurteilten Gottfried Küssel stammende und zeitweise im Innenministerium tätige Wachmann Thomas K. sei dort Mitglied – was ebenfalls nicht den Tatsachen entspricht. Zudem unterhalte dieser Verbindungen zu rechtsgerichteten Hooligan‐Gruppen des FK Wiener Austria:

Da gibt es nämlich eine Fangruppe, die bei weitem mir gefährlicher erscheint als diese paar Randalierer. Die nennt sich Unsterblich. Das ist so wirklich der rechts‐rechte Teil der Fanszene der Austria. Und irgendwie sind da alle recht gut vernetzt.”

Recherche von linksradikalem Journalisten

Zu allem Überdruss hätte ein Mitarbeiter von Minister Hofer noch im Vorjahr die Obmannschaft über diese Mittelschulverbindung innegehabt. Entsprechende vermeintliche Verbindungen hatte ein linksradikaler Journalist bereits im November auf seiner Homepage unterstellt – allerdings ohne Dziedzic’ Fehler. Hofers Mitarbeiter wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch einen aufgebauschten Skandal bekannt.

Das Liederbuch seiner akademischen Hochschulverbindung Bruna Sudetia beinhaltete ein Lied, das neben anderen Verwendungen später auch im dritten Reich gesungen wurde. Ein Zusammenschluss steirischer Burschenschaften widersprach daraufhin der medialen Darstellung und verwies darauf, dass es sich dabei eigentlich um eine zweihundert Jahre alte Weise handelt – Die Tagesstimme berichtete.

SPÖ kritisiert Vorgehen drastisch

Abseits dieser befremdlichen und zumindest in Teilen grob fehlerhaften Darstellung der grünen Bundesrätin hatten die Sozialdemokraten bereits mit drastischen Worten ihre Anfrage zum Thema eingebracht. Martin Weber (SPÖ) sprach dabei davon, dass man „fast 1.400 Menschen in Geiselhaft” genommen hätte. Er sah beim Polizeieinsatz auf den bekannten Nadelöhr rückwirkend sogar die Möglichkeit einer drohenden Massenpanik wie jener bei der Loveparade in Duisburg 2010. Damals starben in einem Gedränge in einer Unterführung 19 Menschen, es kam zu hunderten Verletzten.

Kickl verteidigt Polizeieinsatz

Kickl seinerseits verteidigte den Polizeieinsatz vollumfänglich. Wie die Krone berichtet, hielten sich die Beamten nach Ansicht des Innenministers „auf Punkt und Beistrich” auf Anweisungen für Anhaltungen in solchen Fällen. Man habe den Rapid‐Anhängern während der Wartezeit auch Verpflegung bereitgestellt. Vielmehr handle es sich bei den Rapid Ultras um eine „immer wieder verhaltensauffällige Gruppe”.

Elemente unter diesen würden den Fanbegriff missbrauchen, indem sie „unter diesem Deckmantel Randaliererei und Chaotentum” betrieben. Es sei „schäbig”, dass sich diese nun als „Opfer und arme Hascherl” darstellen würden. Der Verein aus Hütteldorf müsse diese „Unkultur” in der eigenen Fanszene bekämpfe. Er verwies dabei auf erfolgreiche Maßnahmen bei anderen Fußballvereinen in Österreich.

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