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Weihnachten im Gefängnis: Patriotischer Journalist in Venezuela inhaftiert

Bild Six: Mariab35 via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0] (Bild zugeschnitten) / Bild El Helicoide: Damián Fossi via Flickr [CC BY-SA 2.0] (umrandet) / Collage: Die Tagesstimme.

Ein deutscher Reporter der Jungen Freiheit befindet sich seit über einem Monat in Haft im südamerikanischen Krisenland Venezuela. Nun gibt es eine Petition, welche seine Freilassung fordert. 

Berlin/Caracas. – Bereits seit dem 17. November befindet sich der deutsche Journalist im berüchtigten Geheimdienstgefängnis El Helicoide. Dort sitzt er mit 300 weiteren Häftlingen, darunter zahlreiche weitere politische Gefangene. Die Vorwürfe lauten auf Spionage und Rebellion, worauf eine Höchststrafe von 28 Jahren steht. Grundlage für die umstrittene Festsetzung sollen offenbar Bilder sein, welche er bei einer Militärparade anlässlich des venezolanischen Nationalfeiertags anfertigte. Außerdem traf er sich zu Recherchezwecken mit Rebellen.

Junge Freiheit moniert mangelnde Solidarität

Für seine Tätigkeit als Journalist in Haft zu gelangen ist dabei anscheinend ein leidiges Déjà‐vu für den Deutschen, der am heutigen Heiligabend seinen 32. Geburtstag feiert. Denn bereits 2012 verbrachte er im Zuge einer Recherche im Bürgerkriegsland Syrien drei Monate im Gefängnis. Dieter Stein, Chefredakteur des konservativen Blattes klagte nun in einem Kommentar die Haftbedingungen seines Reporters – und das weitreichende Schweigen anderer Medien – an.

Er moniert, dass man Six offenbar seine Medikamente vorenthielt, und ihm weiterhin keinen Kontakt zu einem Anwalt ermögliche. Bereits in der Vorwoche erwähnten Kollegen aus der JF‐Redaktion, dass die Gefängnisleitung ihm vermeintlich die Anrufung der Deutschen Botschaft im Land verwehre. Außerdem, so Stein, herrsche in der deutschen Medienlandschaft ein „selektives Verständnis von Pressefreiheit”. Denn während sich viele mit dem einst in der Türkei inhaftierten Deniz Yücel gemein machten, herrsche zum Fall Six „betretenes oder desinteressiertes Schweigen”.

JF-Stein fordert „sofortige Freilassung”

Stein verweist in seinem Artikel auch darauf, dass bereits einzelne Abgeordnete von CDU und AfD auf den Fall hinwiesen.  Auch die Hilfsorganisation Reporter Ohne Grenzen (ROG) hätte die Haftgründe als „hanebüchen” bezeichnet. Er plädiert an Außenminister Heiko Maas (SPD), sich für die „sofortige Freilassung” seines Reporters einzusetzen. In der Vorwoche bezeichnete Six’ Vater das bisherige Betreuungsausmaß durch das Auswärtige Amt als „unbefriedigend”.

Behörden halten sich bedeckt

Bislang hätte man sich von dieser Stelle angeblich nur für eine Besuchserlaubnis bemüht. Auch die Welt erwähnte am Sonntag die Schwierigkeiten, gesicherte Informationen zum Fall Six zu erfahren. Denn weder das venezolanische Innenministerium noch das deutsche Außenministerium habe Anfragen dazu beantwortet.

Der Deutschen Welle zufolge gestatteten die venezolanischen Behörden „Reporter ohne Grenzen” offenbar bislang noch nicht einmal Akteneinsicht. Dem öffentlich‐rechtlichen Medium bestätigte das Auswärtige Amt lediglich das Bestehen einer diplomatischen Betreuung. Das diskrete Ausmaß derselben hätte jedenfalls Berufskollegen in Venezuela verwundert.

Petition an Deutschen Bundestag

In die Stoßrichtung einer Freilassung zielt auch eine kürzlich erstellte Petition. Der Ersteller, dem Dokument zufolge ein Mann aus Sachsen, begründet dies damit, dass „Pressefreiheit ein hohes Gut” sei. Dies gelte nicht nur für staatliche oder mächtige private Medien, sondern insbesondere für unabhängige Journalisten. Gerade diese seinen „auf den Schutz ihres Staats angewiesen”, sobald sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit mit örtlichen Behörden in Konflikt gerieten.

Die Petition richtet sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, das Quorum beläuft deshalb 50.000 Unterschriften. Auch der Text der Initiative erinnert an den Einsatz deutscher Politiker und Medien im Fall Yücel und damit verbundene Redebeiträge einzelner Abgeordneter.

2 Kommentare

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  • In einem demokratischen Staat wäre das Außenministerium verpflichtet sich für alle im Ausland unschuldg inhaftierten Staatsangehörigen – ganz besonders aber Journalisten – einzusetzen.

    Vielleicht ist man ja aber mit der Betreuung und Rückholung sich dem IS angeschlossener Frauen und deren zum großen Teil durch die Terroristen verdorbener Kinder schon voll ausgelastet.

  • Selber Schuld. In einem Land das von so vielen V Leuten und Saboteuren aus den Usa in die Zange genommen wird, muß man halt zuerst mit der Regierung kooperieren und Genehmigungen einholen.

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