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Kultur

Rauhnächte: Sagenumwobene Zeit ‚zwischen den Jahren’

Julian Schernthaner

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am

Die Rauhnächte sind auch die Zeit, in denen Perchten und andere Unholde traditionell ihr Unwesen treiben. Bild (Lamer Rauhnacht, 27. Dezember 2014): HartGoldFoto via Flickr [CC BY-ND 2.0] (Bild geringfügig zugeschnitten)

Die Tage rund um Weihnachten gelten als besonders sagenumwobene Zeit. Was hat es mit den sogenannten Rauhnächten und ihrem reichen Brauchtum auf sich? 

Während die Dauer der Rauhnächte – zwölf Stück sind es – bekannt ist, scheiden sich über deren genaue Lage im Jahreskreis die Geister. Eine Tradition ordnet die Zeit zwischen Weihnachtstag und dem Fest der Heiligen Drei Könige zu. Einer anderen Auffassung nach beginnen die Rauhnächte bereits mit der auf die Wintersonnwende folgende Thomasnacht am 21. Dezember. In diesem Fall dauern sie nur bis Neujahr.

Der Name der Rauhnächte

Als Etymologie kommt insbesondere das mittelhochdeutsche rûch „haarig, pelzig” infrage. In diesem Fall würde sich die Bezeichnung direkt auf das Brauchtum regionaler Perchtenläufe beziehen. Einige Volkskundler hielten es im Laufe der Jahrhunderte aber ebenso für möglich, dass der häusliche Schutz vor der Heimsuchung durch Unholde durch Weihraucherzeugnisse den Namen bedingte.

Beiden Interpretationen ist gemein, dass der jeweilig andere Brauch als volksetymologische Deutung zu verstehen wäre. Als wahrscheinlichere Deutung gilt jedoch wohlweislich die Bezugnahme auf die mythischen Gestalten. Denn in zahlreichen europäischen Kulturen trieben schon in vorchristlicher Zeit nach der Vorstellung der Menschen sagenhafte Unwesen ihren Schabernack. In Südosteuropa hält sich etwa die Sage von Kobolden, die in diesem Zeitraum am Weltenbaum sägen.

Zwischen den Jahren

Dass die Zeit zwischen direkt nach der Wintersonnwende als besonders übersinnliche Zeit gilt, dürfte kein Zufall sein. Denn so beträgt der Unterschied zwischen einem Sonnenjahr und einem Mondjahr in etwa elf Tage und zwölf Nächte. Somit befänden sich abseits eines interkalierten Schaltmonats diese Tage wortwörtlich „zwischen den Jahren”. Weiters scheint sich der Sonnenstand in der Zeit nach der Sonnenwende kaum zu verändern.

Es musste unseren Vorfahren also so vorkommen, als stünde tatsächlich die Zeit still. In dieser Zeit, so der uralte Volksglaube, gelten die Naturgesetze kaum, die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verschwimmen. Kein Wunder also, dass man sich vorstellte, dass der Schleier zur Unterwelt besonders dünn war und das Auftreten von Wiedergängern drohte. Unerklärliche meteorologische Phänomene wie plötzlich auftretende winterliche Nebelschwaden könnten diesen Eindruck zusätzlich bestärkt haben.

Wilde Jagd als heidnisches Relikt

Das schaurige Treiben, für welches sich im deutschen Sprachraum seit dem Standardwerk Deutsche Mythologie (1835) von Jakob Grimm der Begriff ‚Wilde Jagd’ einbürgerte, ist vermutlich besonders nah mit einem heidnischen Überbleibsel verbunden. Im Volksglauben erhielt sich lange die Vorstellung, dass der Zug der vor ihrer Zeit verstorbenen direkt im Gefolge des germanischen Gottes Odin/Wodan auftraten. Davon zeugen sowohl der Name der skandinavischen Odensjakt und des ostschweizerischen Wüetisheeres.

Selbst in Brauchtum und Benennung der im Alpenraum beliebten Perchtenläufe findet sich diese Wurzel. Die Gestalt der Perchta gilt als Nebenerscheinung der Frigg/Holda als Frau des germanischen Hauptgottes, die dort an seiner Stelle das Totenheer der wilden Jagd anführt. Möglicherweise flossen hier auch keltische Vorstellungen ein: In Mittelengland etwa steht der wilden Jagd die Lokalgottheit Herne vor – etymologisch ident mit dem Hörner tragenden inselkeltischen Hauptgott Cernunnos. In einigen Gegenden laufen Perchten weiterhin erst in den Rauhnächten und nicht gemeinsam mit Krampussen und Tuiflern in der Zeit vor dem Nikolausfest.

Der Volksglaube und seine Traditionen

Damit diese Unholde nicht in die heimische Stube einkehren, überlegten sich die Menschen allerhand Bräuche und Gebote in diesem Zeitraum. So gilt es etwa als verpönt, während den Rauhnächten weiße Wäsche aufzuhängen – die Geister könnten sich darin verfangen. Viele Menschen hängten sich Zweige vor die Tür, manch ein Bauer urinierte angeblich sogar vor seinen Stall, um die Geister fernzuhalten.

Gehalten hat sich aber insbesondere die Tradition des Ausräucherns. Möglicherweise auch, weil es einfach war, dies mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren. Denn Räucherbräuche zur Reinigung und zum Schutze erwähnt dort bereits das alte Testament. Ob Harze wie Weihrauch, Hölzer wie Wacholder und Zirbe, oder Kräuter wie Johanniskraut oder Lavendel – es scheint den Menschen den Glauben an den Schutz vor bösen Geistern in der dunklen und kalten Jahreszeit genommen zu haben.

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Kultur

Werner Olles zeigt „Grenzgänger des Geistes” im Porträt

Redaktion

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ASDF Symbolbild. Hintergrund Bibliothek (CC0) / Buch: privat / Collage: Die Tagesstimme

Unter dem Buchtitel „Grenzgänger des Geistes – Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20.Jahrhunderts“ versammelt der Autor Werner Olles in 66 Beiträgen 68 Kurzbiografien.

In der kurzen Einleitung betont der Autor, dass die Auswahl der Schriftsteller bewusst auf subjektiven Gründen beruht und eine große Vielfalt gegeben ist. So reicht die Auswahl vom Nationalbolschewisten Ernst Niekisch über den antibürgerlichen „Kirchenvater“ Léon Bloy oder den Dadaisten Johannes Theodor Baargeld bis zum Pazifisten Erich Kästner.

Nonkonformisten gegen das System

Der Schwerpunkt der Auswahl liegt auf „den linken Leuten von rechts“ und auf Autoren, die zum Katholizismus konvertiert sind. Die große Gemeinsamkeit aller Autoren findet sich jedoch in ihrem Nonkonformismus und Widerstand gegen das jeweils herrschende System.

Die Beiträge sind in den Jahren 1993 bis 2018 entstanden und wurden größtenteils in der Junge Freiheit veröffentlicht. Weiter Publikationsorte waren die sedisvakantistische römisch‐katholische Zeitschrift Einsicht, die Wochenzeitung Zur Zeit und die mittlerweile eingestellten Zeitschriften Criticón und Gegengift. Es handelt sich somit um einen Sammelband bereits zuvor publizierter, wenn auch überarbeiteter Artikel.

Kurze Porträts

Die Porträtbeiträge sind mit durchschnittlich vier Seiten sehr kurz gehalten und bieten in ihrer essayistischen Form nur einen ersten Einblick in Leben und Werk der Schriftsteller. Werner Olles hat bewusst auf einen lexikalischen Charakter verzichtet und erhebt auch keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit. Es geht ihm in erster Linie „um die Verteidigung von Idealen, Überzeugungen, Ideen, Werten und Träumen.“

Das Buch ist im Mai 2019 im Bublies‐Verlag erschienen und kann hier für 19,80 Euro bestellt werden: „Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts” (Werner Olles)

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Zur Tyrannei der Werte”: Eberhard Straub spricht in Marburg

Stefan Juritz

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ASDF Eberhard Straub bei einem Vortrag. © Simon Kaupert

Eberhard Straub und der Jungeuropa Verlag setzen am Wochenende ihre Lesereise in Marburg fort.

Marburg (Lahn). – Am kommenden Samstagabend veranstaltet der Jungeuropa Verlag einen Vortragsabend mit Eberhard Straub. Der Historiker und langjährige FAZ‐Redakteur wird in der Villa der Marburger Burschenschaft Germania über sein neu aufgelegten Buch „Zur Tyrannei der Werte” sprechen.

Mit dem Wert beginnt die Herrschaft der Moral”

Eberhard Straub wird in Marburg zu einem Thema referieren, das angesichts der Ausfälle von Peter Tauber, Katrin Göring‐Eckardt und der generellen Instrumentalisierung des Mordes an Walter Lübcke aktueller kaum sein könnte: die ‚Tyrannei der Werte’ und die Herrschaft der Moralisten. Das Wörtchen ‚Wert’ hat dabei nicht nur Konjunktur, es ist die inflationär genutzte Waffe der Etablierten zur Erhaltung der eigenen Macht. Mit dem Wert beginnt die Herrschaft der Moral”, heißt es im Veranstaltungshinweis des Jungeuropa Verlags.

Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr in der Lutherstraße 3, 35037 Marburg (Lahn). Anmelden kann man sich mit vollständigem Namen unter [email protected] Der Eintritt ist frei.

Dritte Station der Lesereise

Der Vortrag in Marburg ist die nun dritte Station der Lesereise. Davor sprach Straub bereits in Berlin und Dresden. Doch noch ist die Veranstaltungsreihe nicht vorbei. Wie die Tagesstimme erfuhr, können sich Veranstalter – auch aus Österreich -, die einen Vortrag mit Eberhard Straub organisieren wollen, beim Jungeuropa Verlag melden.

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Neue „Herr der Ringe”-Serie soll „Game Of Thrones” übertreffen

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild "Der Herr der Ringe" (CC0)

Die erste Staffel der „Herr der Ringe”-Vorgeschichte wird voraussichtlich im Jahr 2021 starten.

Amazon Prime will eine eigene Serie produzieren, die es mit dem Fantasy‐Epos „Game Of Thrones” aufnehmen oder diesen gar übertreffen kann. Insgesamt 250 Million Dollar hat der US‐Konzern deshalb für die Rechte an der neuen „Herr der Ringe”-Serie auf den Tisch gelegt. Der größte Konkurrent Netflix hatte das Nachsehen.

Aufstieg und Fall Saurons

Geplant sind laut Medienberichten fünf Staffeln aus der Fantasywelt von J.R.R. Tolkien. Die Dreharbeiten müssen laut Focus-Bericht spätestens Ende November 2019 beginnen, ansonsten verliere Amazon die Rechte an der Serie wieder. Die erste Staffel wird voraussichtlich im Jahr 2021 starten.

Die Handlung der Serie spielt im Zweiten Zeitalter – also noch vor der „Herr der Ringe”-Trilogie und dem „Hobbit”. Genaue Details zum Inhalt sind aber noch kaum bekannt. Jedoch behandelt das Zweite Zeitalter in Tolkiens Werk den Aufstieg und Fall des Dunklen Herrschers Sauron.

Prime heizt Spekulationen an

Auf dem Twitter‐Profil „The Lord of the Rings on Prime” veröffentlichen die Macher nach und nach neue Details und heizen damit die Spekulationen weiter an. So ist etwa auf der letzten veröffentlichten Landkarte die Insel Númenor, die zwischen Mittelerde und den Unsterblichen Landen lag, neu aufgetaucht – ein Zeichen dafür, dass das Inselreich in der Serie vorkommen wird.

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