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Meinung

Kolumne: Der Standard will kein ‘linkes Medium’ mehr sein

Julian Schernthaner

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am

Symbolbild (Der Standard, 3.1.2019): Die Tagesstimme.

Ein langjähriger Starkolumnist der selbsterklärten Qualitätszeitung Der Standard sorgte kürzlich für einige Belustigung. Der Grund: Er stellte in Abrede, dass es sich bei seinem Blatt um ein “linkes Medium” handle. Eine Exkursion zur Frage, wie Anspruch und Wirklichkeit in der Wahrnehmung linksgerichteter Medienmacher auseinander klaffen.

Kommentar von Julian Schernthaner

Wir erlauben uns ein Gedankenspiel: Ein freiheitlicher Spitzenpolitiker beruft eine Pressekonferenz ein. Festlich verkündet er, die FPÖ sei keine patriotische, sondern eine liberale Partei. Obwohl diese Aussage in historischer Hinsicht nicht einmal grundfalsch ist, würde sich halb Österreich darüber tagelang amüsieren. Und umso mehr würden sie dies, wenn sich tags darauf ein anderer Abgeordneter auf Twitter im Vollwichs beim Stiftungsfest seiner Burschenschaft zeigt. Absurde Annahme? Freilich. Aber so ähnlich gestaltete sich der Jahresbeginn des Standard.

Der Standard will nicht links sein…

Normalerweise ist Neujahr der perfekte Zeitpunkt, um mit ungeliebten Ritualen zum Schein zu brechen. Die meisten Menschen wünschen sich, das Rauchen aufzugeben, oder dass die Kilos purzeln mögen. Ein weniger tief ins Glas schauen vielleicht – und am Abend sinnieren sie bei Rumpsteak und sizilianischem Rotwein über Gott und die Welt und runden es mit einer Zigarre ab. Realistische Annahme? Freilich. Und hat auch Parallelen zum Jahresbeginn des Standard.

Denn das Urgestein des Standard, Hans Rauscher, nahm es auf sich, festzustellen, dass man gar kein linkes Medium sei. Eine solche ‘Klarstellung’ bedeutet in der jüngeren Vergangenheitallerdings nichts Neues in Wien-Mitte. Denn keine drei Wochen ist’s her, dass die Bezeichnung des eigenen Blattes als “links” auch die Inlandsressort-Chefin Lisa Kogelnik triggerte. Und nun wiederholte ihr Kollege: man sei gar nicht links. Man sei vielmehr “betont liberal”.

…seine Mitarbeiter mitunter umsomehr

Beinahe entsteht also der Eindruck, der Standard schämt sich dafür, irgendwie so als wäre ‘links’ das wahrhafte Böse. Fast so, als würden nicht-rechte österreichische Journalisten ihre Sätze hinter vorgehaltener Hand mit “I’m not left-wing, but…” beginnen. Aber zum Glück ist Verlass auf den selbsterklärten Extremismus-Experten in den eigenen Reihen, Fabian Schmid. Er teilt offenherzig auf Twitter seine Neujahrslektüre – es ist das Antifaschistische Infoblatt.

Das linksradikale deutsche Magazin beschäftigt sich ähnlich wie Schmid selbst vornehmlich mit tatsächlichem und vermeintlichem Rechtsextremismus. Das Berliner Blatt gilt als Sprachrohr der Antifa-Bewegung im deutschsprachigen Raum. Der renommierte Politikwissenschaftler Armin-Pfahl Traughber, früher Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz, sieht es sogar als “einschlägiges Publikationsorgan” des Linksextremismus. Sounds liberal as f***.

Ein verschobenes Koordinatensystem

Zurück zu Rauscher: als Kenner der Medienlandschaft kann er natürlich auch alle übrigen Blätter einwandfrei einordnen. Falter? Eher linksliberal. Profil? Eher liberal. Presse? Betont konservativ. Krone? Rechts außen und voll auf Regierungslinie. Und weil der Weise das sagt, und das ohnehin die größte Zeitung ist, stellt die “linke Dominanz” in den Medien eine “Fantasie” dar. Mitschuld für die vermeintliche Fehlbezeichnung wären sowieso “extrem rechte Medien und Interessen”.

Womit auch geklärt wäre: die SPÖ publizierte den Wechsel von Gusenbauer auf Faymann einst offenbar in einem gar üblen Rechtsaußenblatt. Gut zu wissen – die Genossen schlitterten damit von der Arbeiterzeitung quasi in den organisierten Rechtsradikalismus – in nur zwanzig Jahren. Vermutlich auch so ein eklatanter ‘Rechtsruck’, der seinen Ausgang somit zweifelsohne schon lange vor dem “Polizeiminister Kickl” (O-Ton Rauscher) und dessen vermeintlich “extrem rechten Umfeld” nahm.

Eine Frage des Standpunktes

Ein wenig Mitgefühl sollte man vielleicht mit dem Herrn Rauscher haben, sind rinks und lechts doch stets eine Frage des Standpunktes, wo man sich selbst einen Bezug zur Mitte als Konsens aller Bürger herzustellen versucht. Für einen Rechten bilden jene Dinge tendenziell die Mitte, die für einen Linken bereits als ‘rechts’ gelten. Umgekehrt wird ein Rechter Gedankengänge als ‘links’ einordnen, die ein Linker als mittig einstuft.

Dies geht freilich untrennbar mit dem Begriff des Overton-Fensters einher, welches die Bandbreite der gesellschaftlich akzeptablen Äußerungen absteckt. Es kann je nach herrschendem Zeitgeist mal nach rechts, mal nach links ausschwenken. In der gegenwärtigen Hegemonie ist es allerdings so weit nach links abgedriftet, dass bereits patriotische Äußerungen früher Sozialdemokraten und sogar Kommunisten außerhalb ihres historischen Kontextes heute teilweise weithin als ‘rechtsaußen’ rezipiert würden.

Rückkehr zur Normalität

Und aus diesem Grund ist es auch kein “ehrlicher Irrtum vieler eher konservativer Bürger”, den Standard als stramm linkes Medium zu verorten, wie Rauscher moniert. Es ist ein Tatsachenbefund, der nur deshalb jahrelang kaum Thema war, weil die Deutungshoheit unumwunden bei Personen mit derselben politischen Koordinatenstörung wie Rauscher lag. Dass es den Menschen nun auffällt, ist also gar kein Alarmsignal für einen plötzlichen Rechtsruck – sondern ein Zeichen der allmählichen Rückkehr zur Normalität.

Dass dies möglich ist – und insofern hat er zumindest in Eckpunkten recht – hängt womöglich tatsächlich mit dem Aufkommen patriotischer Medien wie der Tagesstimme zusammen. Wir schließen jene Lücken, welche der Einheitsbrei nach dem Geschmacke Rauschers hinterlässt. Das hebelt auch nicht die demokratische Kontrolle, welche er so beschwört, aus. Im Gegenteil – der Zugang zu differenzierten Sichtweisen ermöglicht diese erst. Und Kontrolleur ist hier zurecht keine lachsrosa-beige Wiener Schreibstube – sondern der mündige Bürger als Souverän.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Peter Hofmueller

    4. Januar 2019 at 9:45

    “Fasching” News?
    “Der Standard” wurde mit “Friede” Springer Verlags Geld von Beginn an aufgepäppelt,wo jetzt die “Unterstützung” herkommt ,entzieht sich meinem Wissen,ein “Ratespiel” ?War auch einmal Abonnent dieser Zeitung ,jedoch reichte mir die “Gutmenschen” Berichterstattung eines “rau” und Konsorten!

  2. Avatar

    Moritz Helgath

    4. Januar 2019 at 13:15

    Eingängiger, launiger Kommentar. Schön! Im bundesdeutschen Pressebetrieb ist man noch weit davon entfernt sich überhaupt eingestehen zu wollen, welche Blattlinie man tatsächlich vertritt. Die Chefredakteure beteuern alle, sie seien für Demokratie und “das Gute”.

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Meinung

“FPÖ muss ihre Lehren ziehen, um patriotische Alternative zu bleiben”

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild (Strache 2008): Christian Jansky via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] [Bild zugeschnitten]

Viele Österreicher waren mit der FPÖ und ihrer Regierungsarbeit zufrieden und trotzdem ist sie vorerst gescheitert. Die Freiheitlichen müssen daraus ihre Lehren ziehen.

Kommentar von Stefan Juritz

Die “Ibiza-Affäre” hat zu einem politischen Erdbeben in Österreich geführt. Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache musste zurücktreten und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) löste die Koalition mit den Freiheitlichen auf.

Politisches Attentat vor der EU-Wahl

Bisher weiß niemand, von wem dieses pikante und illegal aufgezeichnete Video stammt, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus im Jahr 2017 bei einem Privattreffen mit einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte zeigt. War es wirklich ein westlicher Geheimdienst, wie manch ein Experte meint, oder vielleicht doch linke Aktivisten?

Jedenfalls wurde das Video offensichtlich ganz bewusst kurz vor der EU-Wahl veröffentlicht, um der FPÖ massiv zu schaden. Strache sprach hier vollkommen zurecht von einem “politischen Attentat”.

Gegner verhalten sich wie Gegner

Nun ist die Empörung über solch einen Eingriff in die Privatsphäre eines Politikers und Menschen selbstverständlich nachvollziehbar. Methoden wie diese sind völlig abzulehnen und die Urheber müssen ausgeforscht werden. Nur ändert das nichts an den Tatsachen und sollte der FPÖ die erste Lehre sein: Gegner verhalten sich nun einmal wie Gegner und eine Falle braucht immer denjenigen, der in sie tappt.

Natürlich ist es richtig, die Heuchelei vieler Medien und Politiker in der Causa aufzuzeigen und man könnte etwas zynisch darauf hinweisen, dass es bei den anderen Parteien wohl nicht viel anders aussieht, dass dieser Lobbyismus “part of the game” ist. Jedoch hat sich gerade die FPÖ unter Strache in den letzten Jahren immer als “soziale Heimatpartei” und Alternative zum rot-schwarzen Filz stilisiert. Nur, und das ist die zweite Lehre, dann muss sich die FPÖ auch wie eine echte Alternative und nicht wie der politische Gegner verhalten.

Es braucht eine patriotische Zivilgesellschaft

Die gesamte Affäre zeigt, wie schnell man trotz guter Arbeit in vielen Bereichen und positiven Veränderungen aus einer Regierung fliegen kann. Umso wichtiger wird es für die FPÖ sein, zu verstehen, dass es nicht nur auf Mandate und Wahlergebnisse ankommt. Von enormer Bedeutung ist ebenso der Aufbau einer patriotischen Zivilgesellschaft und echten “Mosaikrechten” (Benedikt Kaiser).

Anstatt von einer Übernahme der Kronen-Zeitung zu träumen, müssen freie patriotische Medien aufgebaut und unterstützt sowie Journalisten ausgebildet werden. Anstatt die Universitäten weiterhin aufzugeben, weil “die Studenten eh links sind und nicht FPÖ wählen”, muss gerade dort eine intellektuelle Auseinandersetzung stattfinden.

Als dritte Lehre also: Ohne ein starkes politisches Vorfeld wird es keinen wirklichen patriotischen Wandel in Österreich geben. Einzelne (gute) Regierungsreformen allein werden keinen langfristigen Erfolg erzielen.

Linke jubeln zu Unrecht

Die FPÖ-Gegner jubelten am Wochenende über Straches Rücktritt und das Ende der türkis-blauen Koalition. Doch sie dürfen nicht vergessen, dass die FPÖ-Regierungsbeteiligung nicht an ihren Inhalten, nicht am Wähler, nicht an den Burschenschaften oder Identitären (vorerst) gescheitert ist.

Es liegt hingegen an einem persönlichen Fehler zweier FPÖ-Spitzenfunktionäre – und an Bundeskanzler Kurz, der die Situation für sich und seine Partei ausnützen möchte. Dieser Umstand sollte den Freiheitlichen eine weitere Lehre sein, denn er zeigt, dass es Kurz nicht um eine konservative Wende in Österreich, sondern bloß um seinen eigenen Machtausbau geht.

Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative

Es bleibt nur zu hoffen, dass die FPÖ ihre Lehren daraus zieht und sich ihre Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative bei jenen bewahrt, die nun enttäuscht sind – denn für eine patriotische Wende braucht es auch eine authentische FPÖ in der Regierung.

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Meinung

Die ‘Enthüllungen’ über Identitären-Chef Sellner haben null Neuigkeitswert!

Julian Schernthaner

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am

ASDF Bild: Martin Sellner (Identitäre Bewegung) bei einer Demonstration in Graz / Martin MAGA [CC BY-SA 4.0], von Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Am Dienstagabend gelang einem engagierten Recherchenetzwerk ein entscheidender Durchbruch im ewigen ‘Kampf gegen rechts’: Man informierte die Öffentlichkeit über längst bekannte Vorgänge und verkaufte diese Erkenntnissen als große Neuigkeit.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Es schlug wie eine Bombe in der heimischen Medienlandschaft ein. Gleich mehrere Mails soll Martin Sellner mit dem späteren Christchurch-Attentäter gewechselt haben. Und ganz besonders schlimm: Es soll ein vermeintliches Angebot an den damals geheimdienstlich unbekannten und unbescholtenen Spender gegeben haben, sich auf einen Kaffee oder ein Bier zu treffen, sollte es diesen jemals nach Wien verschlagen.

Sellner-Gate No. 2: Staatsskandal ante portas?

Mehr brauchte es nicht, dass die versammelte linke Reichshälfte in eine Mischung aus Hysterie und Jubelstimmung verfiel. Was jeder normal denkende Mensch als Höflichkeitsfloskel an einen x-beliebigen Spender deuten würde, gilt nun als hochbrisantes Detail. Und was Sellner bereits vor Wochen in einer Pressekonferenz erklärte, wird zur Exklusivstory hochgepusht.

Und gerade, weil dieser einen Teil offenbar des Schriftverkehrs zuerst archivierte und den Verlauf dann löschte, sah SPÖ-Bundesgeschäftsführer Drozda einen hohen Aufklärungsbedarf und witterte sogleich einen neuen, handfesten Staatsskandal der Sonderklasse. Alles noch viel schlimmer als bislang angenommen!

Opposition visiert den Spielball an…

Er forderte deshalb Innenminister Kickl auf, zu erklären, ob jemand Sellner vor der Hausdurchsuchung gewarnt hätte. Die Regierung jedenfalls stecke “bis zum Hals im Identitären-Problem”. Dieses Framing bediente er übrigens unabhängig davon, dass ein solches Vorgehen als Verschleierungstaktik ganz offensichtlich untauglich wäre und in krassem Gegensatz zum Bild eines konspirativ agierenden kriminellen Netzwerks stünde.

In eine ähnliche Kerbe schlug anschließend Peter Pilz – und ein paar Stunden lang schien ein altbewährtes Rezept aufzugehen. Das Narrativ des rechtsextremen Innenministers, welcher sich medienwirksam distanzieren muss, weil innerhalb des ‘ganz widerlichen’ rechten Spektrums neue Skandälchen brutzeln würden war bereits angerichtet, das Süppchen duftete bereits den ganzen Gang entlang…

…und zielt auf vom Tisch genommene Kugel

…und Kickl spielte das perfide Spiel nicht mit. Nüchtern erklärte er, dass diese ‘Enthüllungen’ keine neuen Erkenntnisse zum Fall brächten. Die erhobenen Vermutungen seien schließlich “nichts neues” sondern die Grundlage für die Ermittlungen. Seine persönliche Einschätzung wiederum sei nicht weiter relevant.

Bäm. Die Träumereien mancher Journalisten nach Untersuchungshaft für Sellner verpufften ebenso gegenstandslos wie die persönlichen Verschwörungstheorien einiger Oppositionspolitiker. Die Billardkugel, um den ungeliebten Innenminister als Begünstiger allen Übels im Land endgültig zu versenken – sie war mit einem Stoß vom Tisch.

Sensible Informationen als politische Waffe

Was überbleibt ist also lediglich die Frage: Wie kann es sein, dass neuerlich sensible Polizeiakten so mir nichts, dir nichts in einschlägigen Medienkreisen landen? Immerhin – und sei dieser Vorwurf noch so hanebüchen und auf Unwahrheiten basierend – handelt es sich ja gegenwärtig um Terrorermittlungen und somit wahrlich um keinen Pappenstiel.

Und da sollte man doch annehmen können, dass einige Diskretion geboten sei. Gerade bei der angeblich allgegenwärtigen Sorge um den Ruf der heimischen Geheimdienste im Ausland. Aber die erwähnt man natürlich nur, wenn man sie als politische Waffe opportun gegen den rechtsrechten Innenminister verwenden kann. Als Infostrang für die linke Seite von Politik bis Antifa hingegen sind diese Datenlecks eine stets willkommene Quelle.

Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten

Je mehr man sich die Anatomie der Geschichte also ansieht, desto mehr gewinnt man den Eindruck: Der Hauptzweck der ganzen Sache ist gar nicht die Aufklärung. Denn zur weitreichenden Stigmatisierung unliebsamer Personen setzt man offenbar sämtliche Rechtsstaatlichkeit auf Spiel – und zwar überaus leichtfertig.

Was bislang möglicherweise am in Österreich besonders heiligen Amtsgeheimnis vorbei herauskam, hatte jedenfalls kaum tatsächliche, wirklich das öffentliche Interesse betreffende Substanz und bedingte keine derart überbordene Praxis. Es erfüllte einzig und allein den Zweck, dass “irgendwas hängen blieben sollte”, ein einziges Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten.

Anpatzversuche und ein zusehends nackter Kaiser

So viel ist nämlich gewiss: Irgendwelche – übrigens hier diversionell erledigten – Schweinereien aus der Jugendzeit finden sich auch bei so manchem Politiker aller Couleur. Und mit Spender- und Rundbrieflisten aus Ermittlungen, die in einem Freispruch endeten, kann man maximal halbgare Anpatzversuche gegenüber Würdenträgern und Funktionären betreiben. Freilich, nachdem man eine vormals unanstößige Sache zuerst minutiös madig machte.

Und so dient die ganze Causa immer mehr dazu, ungewollt die wirklichen Schieflagen im Land aufzudecken. Ein Rechtsstaat, der seine eigenen Gesetze nicht achtet – und eine Medienlandschaft, in der treibende Elemente die Sensation zusehends vor die journalistischen Lauterkeit stellen. Gut möglich also, dass aufgrund dieses Übereifers am Ende nicht Sellner und die Identitären isoliert dastehen. Sondern, dass sich ihre Gegner soweit entblößt haben, dass jedes Kind den Kaiser als nackt erkennt.

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Meinung

Ring frei: Auch für die Freiheitlichen Studenten

Monika Šimić

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am

ASDF Bild: Wahlplakate zur ÖH-Wahl 2019 - Plakate des RFS fehlen / Bild privat

“Während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum.”

In Österreich finden alle zwei Jahre die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) statt, wo Studenten ihre Vertreter auf Bundesebene und Hochschulebene, aber gleichzeitig auch ihre Studienvertreter wählen. In diesem Jahr fallen die Wahlen aber fast mit den EU-Wahlen zusammen. Während Bürger europäischer Länder ihre Vertreter zwischen dem 23. und 26. Mai wählen können, dürfen sich Studenten für die Wahl ihrer Vertreter zwischen dem 27. und 29. Mai zur Wahlurne begeben. Im Vorfeld gab es deshalb auch Kritik seitens der ÖH. Es wird nämlich befürchtet, dass die ohnehin schon niedrige Wahlbeteiligung unter den Studenten – 2017 nahmen nur knapp über 23 Prozent aller Wahlbeteiligten in Graz an den Wahlen teil – aufgrund der EU-Wahlen noch weiter sinken könnte.

Überall süße Wahlzuckerl

Wie bei jeder Wahl versuchen die antretenden Fraktionen auch heuer mit ihren „Wahlzuckerln“ so viele Wähler wie nur möglich zu ködern. Ihre Wahlversprechen präsentierten sie nun etwa in den jeweiligen Interviews mit der ÖH-Zeitschrift Libelle, die im Rahmen der Wahl allen antretenden Fraktionen dieselben Fragen gestellt hat. Nämlich warum man gerade sie wählen sollte, welche Schwerpunkte sie auszeichnen und welche drei Dinge sie an den Unis ändern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Außerdem wurden sie gefragt, welche Ideen sie haben, um die Situation sozial schlechter gestellten Studenten zu verbessern und was sie zu jenen Studenten sagen wollen, die die ÖH-Wahlen für sinnlos bzw. uninteressant halten. Abschließend kam auch die Frage, mit welcher Fraktion eine Koalition denkbar wäre. Eine Sammlung der “besten” Aussagen finden Sie am Ende des Beitrags.

Hat der RFS aufgegeben?

An der Grazer Karl-Franzens-Universität (KFU Graz) werden bei den Wahlen Ende Mai die unabhängige Fachschaftsliste Uni Graz (FLUG), die Jungen Liberalen Studierenden (JUNOS), die Aktionsgemeinschaft (AG), der Verband Sozialistischer Studenten (VSSTÖ), die Grünen Alternativen Studenten (GRAS) und der Kommunistische Studentenverband (KSV-KJÖ), antreten. Und während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum. Als hätte man sich damit abgefunden, dass radikale Hochschulpolitik eine linke Spielwiese ist und das mit dem Marsch zurück durch die Institutionen nichts wird, tritt der RFS in Graz nur an einer der vier Hochschulen überhaupt an.

Die versprochene Sammlung der „besten“ Aussagen

Im Folgenden Abschnitt noch die versprochene Sammlung der “besten” Aussagen aus den Interviews mit den einzelnen Fraktionen:

“Wir wollen eine Mensa, bei der man gerne essen geht, da auch wir ab und zu Hunger haben!” (RFS)

“Studieren ist schon stressig genug, da sind NahtodErlebnisse auf dem Weg zur Prüfung eindeutig zuviel.” (GRAS)

“Mit jeder, die sich für einen freien und offenen Hochschulzugang einsetzt und unsere Werte teilt.” (KSV-KJÖ)

“Es ist nötig, die Vertretung der Interessen der breiten Mehrheit der Studierenden wieder in den Vordergrund zu stellen.” (KSV-KJÖ)

“In der momentanen politischen Lage ist es besonders wichtig, dass Interessensvertretungen stark agieren können und dabei bestärkt sie gerade eine hohe Wahlbeteiligung!” (VSSTÖ)

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