Gesellschaft

Topökonom prophezeit Deutschland große soziale Konflikte

Symbolbild: Maxpixel [CC0]

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Dennis J. Snower rechnet für die Zukunft mit tiefgreifenden sozialen Konflikten in Deutschland. Das Gemeinschaftsgefühl müsse hingegen gestärkt werden.

Der US‐amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Dennis J. Snower gilt als einer der bekanntesten und renommiertes Kenner der Weltwirtschaft. Neben der Professur für Volkswirtschaftslehre an Christian‐Albrechts‐Universität zu Kiel leitet er das Institut für Weltwirtschaft, ebenfalls in Kiel. Im Interview der WELT prophezeit er nun: „Ich erwarte, dass es deshalb große soziale Konflikte geben wird; größere, als sie die Bundesrepublik bisher gesehen hat.“

Automatisierung bedroht die Gesellschaft

Die fortschreitende Technisierung der Gesellschaft, sowie der drohende Jobverlust durch Automatisierung wird Deutschland vor eine Zerreißprobe stellen, so Snower.  Ein weiterer Grund für das Auseinanderdriften der Gesellschaft sei aber auch eine fehlende Form von Gemeinschaft.

Nicht zuletzt die Gelbwesten würden zeugen von einer tiefen soziale Zerrüttung innerhalb der westlichen Gesellschaft zeugen. Auch das Phänomen Donald Trump in Amerika oder die AfD in Deutschland zeigen ihm zufolge auf, wie tief die Gesellschaft gespalten ist.

Problem des wirtschaftlichen Ansatzes

Snower geht bei der Analyse dieses Problems jedoch weiter, ein Problem liege darin, dass versucht werden, alle gesellschaftlichen Probleme wirtschaftlich zu lösen: „Den Betroffenen geht es hauptsächlich um ganz andere Dinge, und deshalb kann es nur schiefgehen, wenn die Politik versucht, die Unzufriedenheit nur durch finanzielle Wohltaten in Ordnung zu bringen.“

Wirtschaftlicher Fortschritt sei demnach nicht gleichbedeutend mit sozialem Fortschritt, so Snowder. Außerdem habe die Politik versäumt, den Menschen das Gefühl zu geben, selbst über ihr Schicksal entscheiden zu können. Hier liegt der Grund für den starken Vorbehalt gegenüber den sogenannten Eliten.

Snower: Wehrpflicht‐Abschaffung war Fehler

Der Deutsch‐Amerikaner kritisiert ebenfalls die Abschaffung der Wehrpflicht durch die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Abschaffung der Wehrpflicht oder des Zivildienstes sei hinsichtlich der gesellschaftlichen Bedeutung ein Fehler gewesen. „Junge Menschen haben dabei viele Monate mit Personen aus einem anderen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeld zusammengearbeitet. Das hat sicherlich das Verständnis füreinander geschärft,” so Snowder im Wortlaut. Aufgrund der zunehmenden Vereinzelung der Gesellschaft durch die Technisierung sei die Stärkung der Gemeinschaft umso wichtiger.

 

1 Kommentar

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  • Außerdem habe die Politik versäumt, den Menschen das Gefühl zu geben, selbst über ihr Schicksal entscheiden zu können. Hier liegt der Grund für den starken Vorbehalt gegenüber den sogenannten Eliten.
    endlich mal eine richtige erkenntnis von einem wissenscschaftler

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