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Köln

Absage an ‚europäischen Islam‘ bei DITIB-Geheimkonferenz

Ohne Einbindung der Öffentlichkeit fand in der DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld vom 2. bis 4. Jänner eine Konferenz mit europäischen Islamvertretern statt. Dass sich dort auch Funktionäre bekannt radikaler Gruppierungen ein Stelldichein gaben, beschäftigt nun auch die Politik.

3 Minuten Lesezeit
<p>Bild (Ditib-Zentralmoschee, 2015): © Raimond Spekking via <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:DITIB-Zentralmoschee_Köln_-_April_2015-7489.jpg">Wikimedia Commons</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">CC BY-SA 4.0</a>] (Bild zugeschnitten)</p>

Bild (Ditib-Zentralmoschee, 2015): © Raimond Spekking via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0] (Bild zugeschnitten)

Köln. – Wie die Welt am Mittwoch berichtet, handelte es sich dabei um das sogenannte II. Treffen der europäischen Muslime. Dabei handelten etwa 100 Personen aus 17 Ländern in fünf Themenkomplexen eine Zukunftsstrategie für den Islam in Europa aus. Ebenfalls anwesend: zwei hochrangige Vertreter der in Deutschland vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachteten radikal-islamistischen Muslimbruderschaft. Auch im Falle der ausrichtenden DITIB-Zentrale prüft das BfV derzeit eine Einstufung als Verdachts- oder Beobachtungsobjekt.

Konferenz lehnt ‚europäischen Islam‘ ab

Am Ende ihrer umstrittenen Zusammenkunft präsentierte die Konferenz einen Abschlussbericht auf ihrer Homepage. Zwar distanziert man sich darin von einschlägigen Terrororganisationen, gleichzeitig beschwört man aber auch eine Einheit des Islam. Man lehne Konzept wie einen ausgewiesen deutschen, französischen, belgischen oder europäischen Islam ab. Der Islam verteidige „überall auf der ganzen Welt dieselben Werte“. Nationale Ausprägungen der Religion stünden „im Widerspruch zur Universalität des Islams“.

Forderung nach gesellschaftlichem Aufstieg

Außerdem fordern die Teilnehmer der Konferenz – darunter eben auf Mitglieder islamistischer Gruppen – eine bessere Repräsentation in der Gesellschaft. Dazu sollen sie „eigene Dynamiken“ einsetzen, um eine „gleichberechtige“ Teilhabe auf sozialer, politischer, wirtschaftlicher und akademischer Ebene zu erreichen.

Man will hier „erlebten Schwierigkeiten im Bereich des täglichen Lebens“ entgegen treten – darunter auch „Einschränkungen im Bereich der Kleidung“. Derzeit verbieten zum Beispiel sechs europäische Länder eine Vollverschleierung. Österreich überlegt derzeit ein Kopftuchverbot im Pflichtschulbereich.

Jugend soll „tugendhaften Charakter“ besitzen

Auch betrachtet man es als „Notwendigkeit“, sich für die „Erziehung“ künftiger Generationen einzusetzen. Ziel dessen sei dass dieses einen „authentischen Glauben, authentische Kenntnisse, ein reines Bewusstsein und einen tugendhaften Charakter“ besitzen. Denn Generationen, welche „fern von ihrem Glauben und ihrer Identität“ seien, wären empfänglich für „fehlerhafte Informationen“ und könnten „irregeführt“ werden.

Man möchte zu diesem Zweck auch eine „authentische Religionspädagogik“ für den schulischen Islamunterricht modellieren. Muslime sollten weiters ihre Unterschiede (zur Mehrheitsgesellschaft) bewahren und die „negativen Wahrnehmungen“ von Muslimen in Medien „zurechtrücken.“

Politik kritisiert DITIB-Einladungspolitik

Die Anwesenheit von Vertretern der islamistischen Muslimbruderschaft sorgte unterdessen bei Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD) für einigen Unmut. Zwar hätte DITIB das Recht auf eine eigene Einladungspolitik, so Wirges, die Teilnahme radikalislamischer Kräfte sei hingegen „nicht zielführend für das Zusammenleben im Viertel“. Markus Grübel, der Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit kritisierte außerdem den Ausschluss deutscher Ansprechpartner.

DITIB: „Gesellschaftliche Relevanz“ entscheidend

Der Moscheeverband hingegen verteidigte seine Einladungspolitik. Dem Welt-Artikel zufolge erklärte man, man könne die Teilnehmer nicht nur nach eigenem Ermessen aussuchen. Man habe vielmehr die „gesellschaftliche Relevanz seiner Ansprechpartner“ zu berücksichtigen. Aus diesem Grund waren neben muslimischen Wissenschaftlern auch Vertreter von „konservativeren“ Auslegungen des Islams geladen. Zur Teilnahme der Muslimbrüder hätte sich der DITIB-Sprecher hingegen nicht konkret geäußert.

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