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Gesellschaft

Linzer Uni-Rektor entlässt Absolventenverein-Chef wegen alten Volkslieds

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Bild: Die Tagesstimme -Allg. Deutsches Kommersbuch der katholisch-deutschen Burschenschaft

Im Nachlauf rund um einen vermeintlichen Liederskandal an der Linzer Johannes-Kepler-Universität kam es nun zu personellen Konsequenzen. Der Unirektor warf den Geschäftsführer des Absolventenvereins nämlich kurzerhand raus.

Linz. – Zuvor war es in der Stahlstadt zu einem Eklat an der Universität gekommen. Denn die sogenannte Kepler Society, Alumnigesellschaft der Linzer Uni, schaltete in der Broschüre für den kommenden Burschenbundball ein Inserat mit einer Liedzeile aus einem alten Volkslied. Weil dieses unter anderem auch im dritten Reich gesungen wurde, erstattete die linksgerichtete Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) am Wochenende Anzeige wegen angeblicher nationalsozialistischer Wiederbetätigung.

Zweite Zeile eines alten Volksliedes

Bei der umstrittenen Stelle handelt es sich um die zweite Strophe des Volks- und Studentenliedes „Wenn alle untreu werden” von Max von Schenkendorf aus dem Jahr 1814. Diese Passage „…so bleiben wir doch treu” stellt die zweite Zeile der bekannten Weise dar. In abgewandelter Form fand es später auch Einzug in die Liederbücher der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS).

Besonders im Kontext dieses Hefts” sah deshalb KUPF-Geschäftsführer Thomas Diesenreiter „ein bewusstes Anbiedern an die rechtsextreme Zielgruppe”. Weshalb er eine vermeintliche Näheverhältnis der Veranstaltung zu angeblichem Rechtsextremismus vermutet, konkretisierte er dabei nicht. Er erstattete jedenfalls .Anzeige gegen die Verantwortlichen bei der Oberstaatsanwaltschaft Linz. Mehrere Medien übernahmen später sein Narrativ eines vermeintlichen „SS-Liedtextes”.

Rektor: JKU hat „antifaschistische Gesinnung”

Am Montag distanzierte sich Meinhard Lukas, der Rektor der Johannes-Kepler-Universität auf der Homepage der Hochschule vom Inserat. „Mit Nachdruck” bekräftigte er dabei, dass eine „antifaschistische Gesinnung […] Teil der DNA” seiner Einrichtung sei. Deshalb erwarte man sich eine „solche unmissverständliche Haltung” auch von den Organsiationen, welche der Universität nahestünden.

Kepler Society’: Geschäftsführer entlassen

Gleichzeitig kündete man an, den für die Werbeschaltung verantwortlichen Geschäftsführer der Kepler Society, Johannes Pracher, zu entlassen. Das Rektorat beauftragte den Vorstandsvorsitzenden des Vereins, derweilen einen kommissarischen Geschäftsführer einzusetzen und dessen Neujahrsempfang abzusagen. In weiterer Folge soll es zur Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung kommen, wo über weitere Schritte beraten wird.

Seit jeher beliebtes Volks- und Studentenlied

Es ist nicht das erste Mal in jüngerer Vergangenheit, dass das zugrundeliegende Lied in Verruf gerät. Im Vorjahr bemühten mehrere Blätter in Verbindung mit einem Liederbuch der Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia dieselben Vorwürfe. Daraufhin kritisierten steirische Burschenschaften in einer Aussendung dies als Falschdarstellung – Die Tagesstimme berichtete. Die Weise sei vielmehr ein „Bekenntnis zu ersten urdemokratischen Werten” und trage die „Geisteshaltung der Romantik im 19. Jahrhundert”.

Das Lied ist ein seit seiner Entstehung in zahlreichen Kontexten beliebtes Volkslied. So findet sich das Lied seit jeher etwa auch in den Liederbüchern katholischer Studentenverbindungen – auch in Linz. Der linksliberale Schriftsteller und Aktivist Heinrich Böll berichtet in seinen Memoiren („Was soll aus dem Jungen bloß werden?”, 1981) sogar davon, dieses im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gesungen zu haben.


Weiterlesen:

SS‐Liedzeile’: Burschenschaften kritisieren mediale Falschdarstellung (24.2.2018)

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    zippo2

    15. Januar 2019 at 16:59

    Jetzt drehen offenbar schon alle durch! Kann nur sagen: „.… böse Menschen haben keine Lieder!”.

  2. Avatar

    Elisabeth BLIEM-Weber

    15. Januar 2019 at 17:55

    Ist Dummheit ansteckend ? fangen die bei und an wie die Deutschen? Das ist einfach Krank, Dieser Unirektor gehört entlassen, sofort . Was lernen diese Studenten auf solchen Unis eigentlich? Hört endlich auf mit diesem Unsinn. 100–200 Jahre alte Volkslieder , Dokumente usw. zu verunglimpfen , verbieten ect. Es reicht jetzt mit euren Nationalsozialistenwahn leidet Ihr alle an Verfolgungswahnß

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Gesellschaft

AfD-Fahrzeug auf Privatgrund in Thüringen abgefackelt

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

ASDF Der Wahlkampf-LKW der AfD Thüringen brannte vollkommen aus. Bild: AfD Thüringen / Facebook

In den frühen Morgenstunden ging ein Wahlkampf-LKW der AfD lichterloh in Flammen auf. Die Polizei schließt ein politisches Motiv nicht aus. AfD-Chef Björn Höcke will sich „von solchen Anschlägen jedoch nicht einschüchtern” lassen.

Reinsdorf (Thüringen). – In Reinsdorf im Kyffhäuserkreis hat es am frühen Samstagmorgen offenbar einen Brandanschlag auf ein Wahlkampf-Fahrzeug der AfD gegeben. Wie die AfD Thüringen bekannt gab, sei der LKW bei Wahlkampfkundgebungen der Partei verwendet worden und habe sich über Nacht auf dem Privatgrundstück eines AfD-Mitglieds befunden. Laut weiteren Angaben der AfD entstand durch den Brand ein Schaden im vermutlich sechsstelligen Bereich. Neben dem LKW, der einen Totalschaden erlitt, seien auch Veranstaltungsmaterialien und die Tontechnik, die im Laderaum lagerten, vom Feuer zerstört worden. Die Polizei ermittelt unterdessen in alle Richtungen und schließt eine politisch motivierte Brandstiftung nicht aus. Der Schaden wird auf etwa 80.000 Euro geschätzt.

Höcke: Kein Zweifel an politisch motivierter Tat

„Die Saat derjenigen, die bürgerlich-patriotische Politik als ‚extremistisch‘ diffamieren und AfD-Mitglieder letztlich zu Freiwild erklären, ging in dieser Nacht in Artern auf. Die Umstände des Anschlags lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich hier um eine politisch motivierte Tat handelte. Nur dem Glück und dem schnellen Einsatz der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind”, erklärte AfD-Landessprecher Björn Höcke, der zusätzlich betonte, dass man sich „von solchen Anschlagen jedoch nicht einschüchtern” lasse.

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Gesellschaft

Eskalation in Vorlesung: Studentenvertretung wirft Lucke „Provokation“ vor

Joshua Hahn

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Bernd Lucke): Mathesar [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Kurz nach den Ausschreitungen bei einer Vorlesung des ehemaligen AfD-Politikers Bernd Lucke wirft der AStA diesem vor, die Demonstranten provoziert zu haben. Die Lehrveranstaltung wurde unter anderem von Aktivisten der linksextremen Antifa gestört.

Hamburg. – Nachdem die Vorlesung abgebrochen wurde, musste Lucke den Saal unter Polizeischutz verlassen – Die Tagesstimme berichtete. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), welcher zu den Protesten aufrief, erhebt nun Vorwürfe gegen den ehemaligen AfD-Politiker. Dieser habe die Studenten provoziert.

Verhalten als „Provokation auf die Protestierenden“

Am Freitag erklärte die Studentenvertretung in einer Stellungnahme: „Die sowieso schon angespannte Situation wurde insbesondere noch einmal angeheizt, als Bernd Lucke das Podium verließ und zwischen Studierenden im Auditorium Platz nahm.“

Lucke habe somit nichts im Sinne einer Deeskalation unternommen, im Gegenteil habe er die Demonstranten weiter provoziert. Die Aktion selbst wird von der AStA weiterhin verteidigt. So müsse die Gesellschaft „friedlichen Widerspruch“ und „Ungehorsam“ aushalten. Bernd Lucke selbst bestreitet die Vorwürfe. 

Lucke: „AStA macht Opfer zu Tätern“

Der Mitgründer der Alternative für Deutschland bestreitet die Vorwürfe der Studentenvertretung. Ein Gespräch mit der AStA sei auf dieser Basis nicht nützlich. Auf „groteske Art und Weise“ würden die Studenten das tatsächliche Opfer zum Täter machen.

Trotzdem sei er unter bestimmten Umständen dazu bereit, mit den Studenten ins Gespräch zu kommen: „Wenn der AStA aber eine Veranstaltung organisiert, die für alle Studierenden geöffnet ist, werde ich gerne die Kritik des AStA widerlegen und allen Fragestellern Rede und Antwort stehen.“

Lucke-Rückkehr nach Ausscheiden aus EU-Parlament

Lucke ließ sich von der Hamburger Universität 2014 beurlauben, um für die AfD im Europaparlament arbeiten zu können. Nach seiner Abwahl als Parteichef im Jahr 2015, gründete er die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), welche sich dann später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte.

Mit diesen scheiterte er im Mai allerdings mit nur 0,1 Prozent der Stimmen deutlich am Wiedereinzug ins EU-Parlament. Daraufhin kehrte er mit Beginn des aktuellen Semesters in seine Lehrtätigkeit an der Hamburger Uni zurück.


Weiterlesen:

Lucke muss Vorlesung wegen Tumulten abbrechen (17.10.2019)

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Gesellschaft

Facebook: FPÖ nimmt Strache-Seite offline

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Strache 2013): Gregor Tatschl via Flickr [CC BY-SA 2.0]

Heinz-Christian Strache kritisierte die „aktuell gelebte Zensur der FPÖ-Funktionärsspitze”. Die Stilllegung der Seite sei „jedenfalls nicht im Sinne der Freiheitlichen Gemeinschaft und auch nicht im Sinne unserer Freiheitsideale”, so Strache.

Wien. Am Freitag hat die FPÖ die offizielle Facebook-Seite ihres ehemaligen Parteichefs Heinz-Christian Strache stillgelegt. Zuvor hatte Strache von der Partei die Herausgabe der Zugangsdaten und Administrationsrechte gefordert und ihr dafür ein Ultimatum bis Freitagnacht gesetzt. Der Forderung kam die Partei jedoch nicht nach.

Eigentum der FPÖ”

In einer Aussendung erklärte die Partei, sie könne Straches Forderung „aus rechtlichen Gründen” nicht nachkommen. Stattdessen gab man bekannt, die „HC Strache”-Fanseite auf Facebook sowie weitere Soziale-Medien-Seiten, die Straches Persönlichkeitsrechte verletzen würden, stillzulegen. „Nachdem sich auf den Seiten auch persönlich erstellte Fotos und Texte von Heinz-Christian Strache befinden, ist die Stilllegung die einzige Möglichkeit, dessen Rechte zu wahren und damit zugleich die Interessen der FPÖ als Medieninhaber” zu sichern. Die Seiten selbst seien nämlich „Eigentum der FPÖ”.

Strache kritisiert Stilllegung

Auf seiner privaten Facebook-Seite bezog Strache nun Stellung zu den Geschehnissen rund um seine Fan-Seite und bedankte sich bei allen „aufrichtigen und treuen” Usern und Unterstützern auf seiner „HC Strache Fanseite”. „Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Keine Sorge, ich komme nicht nur auf der Facebookfanseite wieder”, schreibt der ehemalige FPÖ-Parteichef dort. Wichtig sei es, sich selbst treu zu bleiben. Kritik übt er an der „aktuell gelebten Zensur der FPÖ-Funktionärsspitze durch die Stillegung” seiner „persönlich aufgebauten HC Strache Seite”. Diese Stilllegung sei „jedenfalls nicht im Sinne der Freiheitlichen Gemeinschaft und auch nicht im Sinne unserer Freiheitsideale”, erklärt Strache.

Strache-Anwalt: „Zeichen von Hilflosigkeit”

Wie der ORF berichtet, wertet Straches Anwalt Ben Irle die Deaktivierung der Facebook-Seite in einer ersten Reaktion als „Zeichen von Hilflosigkeit”. „Die FPÖ beweist mit ihrem Vorgehen abermals das Fehlen jedweden Konflikt- und Krisenmanagements“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Strache werde seine Ansprüche nun „mit gerichtlicher Hilfe durchsetzen“.

Die FPÖ verliert mit der Facebook-Seite jedenfalls eines ihrer zentralen Kommunikationstools. Bis vor Kurzem war Straches Fanseite der reichweitenstärkste politische Account auf Facebook in Österreich. Mittlerweile hat die Seite von Wahlsieger und ÖVP-Chef Sebastian Kurz mehr „Gefällt mir”-Angaben (über 800.000). Mit rund 786.000 „Gefällt mir”-Angaben hat der offizielle Facebook-Auftritt von Strache aber nach wie vor fast doppelt so viele Fans wie jene Hofers (340.000) und der FPÖ (131.000).

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