Kultur Politik

Telfs: Grüne laufen Sturm gegen Konzert von Rockband ‚Frei.Wild’

Frei-Wild sind (v.l.): Christian "Föhre" Fohrer (Schlagzeug), Philipp "Fips" Burger (Gesang, Gitarre), Jochen "Zegga" Gargitter (Bass), Jonas "Joy" Notdurfter (Gitarre). Bild (Frei.Wild 2012): Frei.Wild via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0 DE] (Bild zugeschnitten)

Ein bereits ausverkauftes Konzert der beliebten Südtiroler Rockmusik‐Kapelle „Frei.Wild” im April im Telfer Rathaussaal sorgt in der Oberinntaler Gemeinde nun für politische Diskussionen.

Telfs. – Innerhalb von 24 Stunden gingen sämtliche 1.200 Tickets für den Auftritt der Chartstürmer aus Brixen (Südtirol) über die Theke – ausverkauft. Scharfe Kritik an dessen Abhaltung übte in der Folge allerdings der grüne Gemeinderat Christoph Walch, zweiter Vizebürgermeister der 15.000-Seelen-Gemeinde im Tiroler Oberland. Der Kulturverein „Telfs lebt” als Veranstalter verteidigt die Einladung.

Grünen‐GR: Band besitzt „bedenkliches Weltbild”

Die Ablehnung Walchs stützt sich vor allem auf Argumente ideologischer Natur. Gegenüber der Tiroler Tageszeitung gab er an, dass sich die Band „nur halbherzig” von „sehr rechtem Gedankengut” distanziert hätte. Darunter versteht er ORF.at zufolge offenbar ein „völkisches Weltbild”, ein „bedenkliches Frauenbild” und „zum Teil auch gewaltverherrlichende Texte”.

Damit vermittle die Deutschrock‐Band ein „bedenkliches Weltbild” und spalte die Gesellschaft, so Walch. Insbesondere sei Telfs „vielfältig und multikulturell”. Deshalb solle man einer vermeintlich spaltenden Gruppe „keine Bühne bieten”.

Veranstalter fordert „Mindestmaß an Toleranz”

Christian Santer, Vereinsobmann von „Kultur lebt” widerspricht dieser Darstellung. Zwar sei die Band tendenziell als rechts einzustufen – seiner Ansicht nach allerdings „nicht weiter rechts, als Die Toten Hosen links sind”. Man möge die Musik und kritischen Texte beider Bands – letztere traten in der Vergangenheit bereits in der Marktgemeinde auf.

Er stellt klar, dass er „sicher keine Neonazis” dahaben wollen, gleichzeitig allerdings auch „keine linken Steinwerfer”, welche die Laune der Konzertbesucher trüben würden. Ein solches „Mindestmaß an Toleranz” müssten beide Seiten aufbieten können. Er verwies auf ein Frei.Wild-Konzert auf der Festung Kufstein im Jahr 2013, das ohne Zwischenfälle blieb.

FPÖ: „Aus Konzert ein Politikum” gemacht

Großes Unverständnis für die Debatte äußerten indes der Telfer FPÖ‐Gemeindevorstand Michael Ebenbichler. Er zeigt sich „sehr verwundert”, dass man hier „mit Politrülpsern aus einem einfachen Konzert ein Politikum mache.

Er erinnerte daran, dass es etwa bei Konzerten von Wolfgang Ambros oder Reinhard Fendrich, die offen gegen seine Partei agieren würden, beispielsweise keine derartigen Diskussionen gäbe. Man selbst freue sich über den Auftritt einer so erfolgreichen Band wie Frei.Wild in Telfs.

Vorwürfe gegen Band wegen Heimatverbundenheit

Das Quartett aus dem Eisacktal besteht bereits seit dem Jahr 2001, vier der letzten fünf Studioalben erreichten in Deutschland oder Österreich die oberste Chartposition. Die Band sieht sich selbst als unpolitische Band und positioniert sich in ihren Liedern mehrfach sowohl gegen Links‐ als auch gegen Rechtsextremismus.

Gerade weil zahlreiche Texte allerdings eine Heimatverbundenheit, insbesondere mit Südtirol, ausdrücken, sind sie linken Akteuren regelmäßig ein Dorn im Auge. Auch tragen manche Sänger Philipp Burger seine Jugenderfahrungen in der rechten Szene nach. Er selbst hingegen bezeichnete diese Episode zwischenzeitlich als „beschissenste Zeit [s]eines Lebens”.

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