Anti-Kickl-Lied

Skandal-Auftritt von ZDF-Satiriker Böhmermann in Wien

Bei einer Aufführung im Wiener Gasometer gab der aus dem deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekannte Satirekünstler gleich mehrere grenzwertige Witze zum Besten.

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<p>Symbolbild (Böhmermann 2018): Marco Verch via <a href="https://www.flickr.com/photos/160866001@N07/43298408760">Flickr</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>] (Bild zugeschnitten)</p>

Symbolbild (Böhmermann 2018): Marco Verch via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

Wien. – Gemeinsam mit einer 17-köpfigen Showband präsentierte Jan Böhmermann seinen Fans in einem zweistündigen Gastspiel am Mittwoch zahlreiche Lieder aus seiner Sendung Neo Magazin Royale. Bereits am Anfang kündigte er dabei einen „hochpolitischen Schlagerabend“ an und referenzierte den umstrittenen „Huankind“-Sager der linksradikalen Künstlerin Stefanie Sargnagel. Er präsentierte auch zwei neue Stücke, welche die österreichische Innenpolitik thematisieren.

Derbe Beleidigungen gegen Innenminister Kickl

Für einiges Aufsehen sorgte dann ein Lied, welches sich scharf gegen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) richtet. Diesen bezeichnet er dabei als „kleinen schlauen Fascho“ und „Kleinfaschist“, unterstellt dem Innenressortchef auch Verhetzung, Lüge, Korruption sowie eine Distanz zur Demokratie.

Enthüllungen über die ÖVP

Kickl, so Böhmermann in seinem Lied, spräche von Rechtsstaat und Moral, tatsächlich sei ihm beides „scheißegal“, er sei ein „Vorzimmer-Rassist“. An einer Stelle begibt er sich unter die Gürtellinie. Es handle sich bei diesem um jenen Innenminister „mit dem größten Ego, aber erwiesenermaßen kleinsten Glied. An diese Stelle johlte das Publikum laut vor Begeisterung.

Historische Scherze und Kritik an österreichischer Innenpolitik

Andere innenpolitische Spitzen zielten in auch in Richtung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sowie Außenministerin Karin Kneissl (parteilos, auf FPÖ-Ticket). Auch die „nicht mehr existierende“ SPÖ bekam stellenweise ihr Fett ab.

Wie aus früheren Auftritten bekannt, lieferte Böhmermann auch Anspielungen auf Episoden der gemeinsamen deutsch-österreichischen Zeitgeschichte. So witzelte er etwa darüber, dass Salzburg nur eine „halbe Panzerstunde“ von München läge.

Böhmermann: Bekannt durch Erdogan-Schähgedicht

Der ZDF-Haussatiriker und Moderator ist dafür bekannt, anzuecken. Ein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan führte sogar zeitweise zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Deutschland und der Türkei, sowie zu gesellschaftlichen Debatten, was Satire dürfe.

Eine strafrechtliche Ermittlung nach §103 StGB (Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten) folgte, ebenso eine Debatte über die Zeitmäßigkeit ebendieses Gesetzes. Anfang 2018 wurde der Straftatbestand in Deutschland schließlich abgeschafft.

Umstrittene Internet-Trollarmee

Für gemischte Reaktionen – Lob vornehmlich von linker Seite, aber auch viel Kritik – sorgte seine im Vorjahr gegründete Online-Bewegung ‚Reconquista Internet‘. Diese startete konzertierte Trollattacken gegen patriotische Akteure in sozialen Medien.

Eine Undercover-Recherche der Tagesstimme enthüllte im Mai die teils autoritäre Vorgangsweise am zugehörigen Server. Selbst unterhält Böhmermann in sozialen Medien weitreichende Blocklisten, welche er seinen Followern in regelmäßigen Abständen zur Verfügung stellt.

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