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Kultur

Kolumne: Black Metal, linker Journalismus und ‚toxische Männlichkeit’

Julian Schernthaner

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Black Metal kann rauh, norwegisch und düster sein - und trotzdem mitunter ohne Skandale auskommen. Symbolbild (Jan-Erik „Nag“ Romøren / Frontmann Tsjuder): Jonas Rogowski via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Ein Journalist des Standard schrieb diese Woche eine Kritik zu einem Film („Lords of Chaos”), welcher die frühe norwegische Black Metal-Szene behandelt. In seinem Artikel stützt er sich nicht nur auf fehlerhafte Informationen, sondern pauschalisiert eine ihm offenbar nicht genehme Subkultur mit gefährlichen Zuschreibungen.

Kommentar von Julian Schernthaner

Da dachte man, man hätte alles gesehen. Und vielleicht nennen mich aufmerksame Leser meiner Kolumnen auch einen Heuchler, weil ich mich vergangenes Jahr über den Echo-Award für zwei mit brutalen und antisemitischen Texten spielenden Rapper echauffierte. Was Christian Schachinger am Mittwoch für das lachsrosa Blatt über die rauen Klänge und Sitten des Black Metal vom Stapel lässt, passt dafür auf keine Kuhhaut.

Standard-Kolumnist hat „ein Fass aufgemacht”

Bereits beim Einstieg versucht der Standard-Schreiberling etwas unbeholfen, eine Verbindung zu aktuellen Debatten herzustellen. Er schwafelt etwas von „fehlgeleiteter männlicher Energie” und kommt über den Bogen von Selbstmordanschlägen – aus welchem Beweggrund auch immer – auf den vermutlich bekanntesten norwegischen Export der jüngeren Vergangenheit.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er dieser Stilrichtung absolut nichts abgewinnen kann und schreibt von einer Mischung aus „pathologischem Widerstand gegenüber der Zivilisation […] scheißblödem Satanismus, Walhalla-Ballaballa und Nazidreck”. In dieser Schnittmenge hätte man vor einem Vierteljahrhundert im hohen Norden „ein Fass aufgemacht”. Mit „weltverdammendem Gekeife” sei es die „schlimmste Kunstform aller Zeiten”

Ausrede für fehlende Deutungshoheit im Genre

Wer nun meint, grenzwertige und provokante Kunst passt einfach nicht ins Konzept seiner von Bobobäckern gespickten Welt, der irrt. Denn nur zwei Tage später schreibt er ein ziemlich unkritisches Porträt über einen Rapper, der schon mal gewaltverherrlichende Texte ins Mikro brüllt und von seiner früheren Drogenkarriere erzählt. An den Inhalten oder der unorthodoxen Darbietungsweise liegt es also kaum.

Vielmehr geht es darum, dass es eine linkslastige Kulturszene nicht verwinden kann, in irgendeiner Musiksparte nicht den Ton anzugeben. Auch deshalb überbieten sie sich mit Nazi-Zuschreibungen gegenüber Gabalier. Und auch deshalb gilt derselben Blase, für die Stier aus einem einzelnen Strich einen Geniestreich bildet, gezielt minimalistische Kunst als Kakophonie, welche natürlich vollständig von allem Übel dieser Welt durchsetzt sein muss.

Black Metal: Provokation wider Hegemonien

Natürlich bieten sich die Verirrungen einiger der Vorreiter der frühen norwegischen Szene zum Draufhauen auf ein ganzes Milieu an. Für 99 Prozent der Liebhaber dieser Musik ist es allerdings kein Widerspruch etwa nach einem Arbeitstag im Altersheim einem Lied über Tod, Teufel und Terror zu lauschen. Denn das Allermeiste dient, wie bei jeder gegenkulturellen Kunst der Provokation.

Diese klagt zumeist eine verortete Hegemonie oder einen empfundenen Verlust an. Auch deshalb werden linksradikale, vegane Bands als Sinnbild des Mainstreams im Black Metal gerne belächelt. Weiter lässt sich damit erklären, weshalb neben misanthropisch-antichristlichen und naturverbunden-heidnischen Texten vielen Musikern eben auch chauvinistisch-elitäre, teils nationalistische Stoßrichtungen als legitimer Zugang zur Musik dienen.

Vorlage erforscht Grenzgänge

Niemand wird von der Hand weisen können und wollen, dass wie in vielen Grenzbereichen die Trennlinie zwischen Kunst und Realität, zwischen bewusster Ausreizung des Sagbaren und allfällig problematischer Ideologie unscharf ist. Es liegt immerhin in der Natur von radikalen künstlerischen Subkulturen, sowohl intelligente Lichtgestalten als auch vollkommen jenseitige Spinner anzuziehen.

Genau aus diesem Grund ist die Buchvorlage von Moynihan und Søderlind so fesselnd. Ohne Scheuklappen zeichnet es authentische Charaktere nach, welche wechselweise auf der richtigen oder falschen Seite landen. Der eine Protagonist wird Lehrer, der andere zum Brandstifter und Mörder. Es ist eine einmalige Reise in die Abgründe der menschlichen Natur und Gesellschaft.

Musik und Freiheit der Kunst nicht verstanden

Dass Schachinger in den Beweggründen der Akteure pauschal einen „Wettbewerb, der größte Widerling seit Satans ältester Schwester zu sein” sieht, zeigt, dass er Musik, Buch und wohl auch Film nicht verstanden hat. Black Metal in seiner reinsten Form befördert keinen Nihilismus – es klagt ihn an. Gut ins Bild passt hier zweifellos, dass der Autor auch leicht recherchierbare Fakten wie das Urteil gegen Vikernes verdreht.

Freilich, man muss nicht jede polarisierende Kunstform mögen. Meine Wenigkeit wird wohl auch kein Fan von Hermann Nitsch mehr. Aber ein ganzes Genre aburteilen und es als Blaupause für gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu sehen? Es mit einem Rundumschlag gegen ein ganzes Land zu verbinden? Lernen’s bitte ein bisserl Geschichte – und nehmen’s die Lektion über die Freiheit der Kunst als Beibrot.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    5823e19f22ea2223b

    22. Februar 2019 at 20:08

    Ich werde den Originalartikel nicht lesen, da ich dem Standard keinen Klick spendieren möchte, aber wenn der Autor tatsächlich das ganze Genre aufgrund vereinzelter Bands und Subgenres verurteilt, zeugt das nur von seiner Ignoranz und dass er keine Ahnung von der Materie hat. Einfach nur peinlich.

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Gesellschaft

Nationalfeiertag: Haus der Geschichte Österreich zeigt „Ostarrichi-Urkunde”

Monika Šimić

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ASDF Bild: Der Nationalfeiertag findet in Österreich jährlich am 26. Oktober statt / Bild: Mikekilo74 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

In diesem Jahr findet am Nationalfeiertag erstmals ein „Österreich-Fest” statt. Ebenso lädt das Bundesheer zur traditionellen Leistungschau, wenngleich in abgespeckter Form.

Wien. Am 26. Oktober erinnert Österreich an den Beschluss der „immerwährenden Neutralität”, der im Jahr 1955 gefasst wurde. Wie jedes Jahr beginnt der Nationalfeiertag mit Kranzniederlegungen durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und die Bundesregierung. Anschließend werden über tausend Rekruten feierlich auf dem Heldenplatz angelobt. Neben Reden von Van der Bellen und Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein gibt es heuer aber auch ein paar Neuerungen.

Leistungsschau in abgespeckter Form

Diese betreffen etwa die traditionelle Leistungsschau des Bundesheers, die wegen der prekären finanziellen Lage beinahe ganz abgesagt worden wäre, nun aber doch stattfindet, jedoch in deutlich abgespeckter Form. Die Bevölkerung soll dabei auch auf die desolate Situation aufmerksam gemacht werden, weshalb die Schau unter dem Motto „Was wir heute noch können, was wir morgen nicht mehr können” steht. Aus Kostengründen werden heuer weder Hubschrauber noch Kettenpanzer ausgestellt. Zu sehen sein werden dafür aber beispielsweise der Radpanzer Padur und das Sanitätsfahrzeug Dingo. Außerdem können sich Besucher über die verschiedenen Aufgabenbereiche des Heers informieren, eine Gardevorführung sehen, die Schutz- und Spürhunde kennenlernen und mit Spitzensportlern über die Karrieremöglichkeiten beim Herr sprechen, wie der ORF berichtet.

Österreich-Fest” im Burghof

Interessierte, die schon immer einen Blick in die Repräsentations- und Amtsräume der Republik werfen wollten, können dies ab 12 Uhr bei der Präsidenschaftskanzlei machen. Bundespräsident Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer laden dort zum Rundgang. Im Inneren Burghof findet ab 15 Uhr außerdem erstmals ein „Österreich-Fest” statt. Weiters heißen im Bundeskanzleramt erstmals Kanzlerin Bierlein und Frauenministerin Ines Stilling die Gäste willkommen. Und auch in diesem Jahr findet wieder der Tag der offenen Tür des Parlaments statt. In den Ausweichquartieren rund um die Hofburg können Besucher etwa mit Nationalratsabgeordneten aller Parlamentsfraktionen über deren Arbeit sprechen.

Ostarrichi-Urkunde” wieder in Wien

Das Außenministerium, das Bildungsministerium, der Verfassungsgerichtshof und der Wiener Justizpalast landen ebenfalls zum Tag der offenen Tür. Der Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen bietet einen einstündigen Rundgang durch die historischen Räume des Gerichts an. Bei freiem Eintritt können Kunst- und Kulturinteressierte wiederum alle Museen und Nationalbibliotheken besuchen. Das Haus der Geschichte Österreich blickt dabei besonders weit zurück. Dort ist die „Ostarrichi”-Urkunde, die im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt wird und erstmals seit 1996 wieder in Österreich ist, im Original zu bewundern. Darin wurde der Name „Österreich” im Jahr 996 zum ersten Mal erwähnt.

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Kultur

US-Forscherin hält SpongeBob für rassistisch und kolonialistisch

Julian Schernthaner

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ASDF 'SpongeBob' ist dermaßen beliebt, dass es mittlerweile jede Menge Franchise-Artikel gibt - sogar Frühstücksflocken. Symbolbild: Mike Mozart via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

Eine amerikanische Anthropologin ist der Ansicht, dass die Rahmenhandlung der beliebten Zeichentrickserie SpongeBob außerdem dazu geeignet sei, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”.

Seattle. - Wie der britische Independent berichtet, unterstellt Holly Barker, eine Anthropologin der University of Washington, der Kinderserie SpongeBob Schwammkopf, rassistische Ressentiments zu schüren. Das seit zwanzig Jahren erfolgreiche Programm spiele „eine Rolle, die Aneignung indigener Länder durch koloniale Siedler zu normalisieren”. Dies geschehe vor dem Hintergrund, dass „das angestammte Bikini-Volk in seiner nicht-fiktionalen Heimat ausgelöscht wurde”.

Forscherin: SpongeBob verharmlost US-Kernwaffentests

Barkers Vorwürfe im Fachmagazin The Contemporary Pacific beziehen sich auf den Heimatort von SpongeBob namens Bikini Bottom. Dort lebt der freundliche Schwamm in einer Ananas unter dem Meer. Dieser Ort ist nach Ansicht der Forscherin dem Bikini-Atoll auf den Marshall-Inseln nachempfunden. Dort kam es 1946 zu großen Umsiedelungen, da die US-Armee die Insel als Testgebiet für Kernwaffentests vorsah.

Dadurch dass SpongeBob ein amerikanischer Charakter sei, sei die Cartoon-Figur verantwortlich dafür, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”. Der Schwamm lebe in einem Gebiet lebe, welches Einheimische hätten verlassen müssen. Dies zeige sein Privileg, sich „keine Gedanken über die Detonation von Atombomben machen zu müssen”.

Serie bedient angeblich rassistische Stereotypen

Problematisch sieht Barker neben einem angeblichen Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern außerdem, dass Charaktere der Serie sich die kulturellen Eigenheiten pazifischer Kulturen aneignen. Dies zeige sich durch das Tragen von Hawaiihemden, das Vorkommen von monumentalen Köpfen wie auf der Osterinsel, Häusern in Ananasform oder Klänge von Steel-Gitarren. Damit würden Stereotype der Region bedient.

Der Ansicht Barkers zufolge bringen diese Referenzen den Kindern eine Ideologie bei welche es in Ordnung findet, dass ein „US-Charakter wie Spongebob […] im Heimatland eines anderen Volkes” wohne. Dabei solle man sich angesichts einer „Hamburger-liebenden amerikanischen Gemeinschaft”, welche die „Bikini-Lagune besetzt” unwohl fühlen. Dies untergrabe nämlich „jeden Aspekt kultureller Souveranität”.

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Kultur

Peter Handke gewinnt Literaturnobelpreis

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild (Schwedische Akademie in Stockholm): Mastad via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Fünfzehn Jahre nach der Kür der umstrittenen Autorin Elfriede Jelinek hat Österreich mit Peter Handke zum zweiten Mal einen Literaturnobelpreisträger.

Stockholm. – Die mit Spannung erwartete Doppelverleihung für die Jahre 2018 und 2019 endet dem ORF zufolge mit einem österreichischen Preisträger für das aktuelle Jahr: Peter Handke. Für das Vorjahr – damals wurde die Verleihung nach Skandalen im dafür zuständigen Komitee ausgesetzt – geht die Auszeichnung an die Polin Olga Tokarczuk.

Einflussreiches Werk” mit „sprachlicher Genialität”

Die Schwedische Akademie verlieh Handke den mit neun Millionen schwedischen Kronen (830.000 Euro) dotierten Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“. Zur Überreichung kommt es allerdings erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, Alfred Nobel.

Handke wurde 1942 in Griffen geboren und begann 1964 während eines später abgebrochen Jusstudiums in Graz mit der Schriftstellerei, sein Erstlingswerk „Die Hornissen” erschien 1966. Mit einem Schlag berühmt wurde der Querdenker, als er noch vor dessen Auslieferung in Princeton bei der „Gruppe 47” eine angriffige Schmährede gegen den damaligen Zustand der Literatur und Literaturkritik hielt. Im selben Jahr begeisterte sein neues Sprechstück „Publikumsbeschimpfung” die Theaterkritiker.

Handke: Vielfach preisgekrönter Querdenker

Seitdem ist Handke aus der Literaturwelt nicht mehr wegzudenken. Obwohl er sich niemals an den Protesten der 68er beteiligte und einigen ihrer Akteure sogar abwartend gegenüber stand, schwang seine fundamentale Kritik am etablierten Literaturbetrieb und seine neuartige Weise, per ‚Sprachkritik verschiedene Literaturformen zu bespielen, in deren einstiger gegenkultureller Aufbruchstimmung mit. Seine Kritik an der Studentenbewegung verschaffte ihm dabei gleichzeitig den Ruf eines Konservativen.

Seine Charaktere sind unterdessen oftmals Verlorene, die sich in den zeitpolitischen Wirren ihrer Zeit wiederfinden – Außenseiter und Verkannte mit einem gewissen zeitgemäßen ‚Verve’. Auch als Mensch war ihm die öffentliche Meinung oft egal – seine mehrfache Parteinahme für Serbien gegen die Mainstream-Ansicht der 90er-Jahre sowie seine Sympathien für serbische Rechtsparteien sorgten im Kulturbereich für Kontroversen, ohne aber seine Beliebtheit zu schmälern.

Über 20 heimische Preisträger – nur zwei in Literatur

Der vielfache preisgekrönte Handke ist der zweiundzwanzigste im weiteren Sinn österreichische Nobelpreisträger in sämtlichen sechs Kategorien – aber erst der zweite in der Literatursparte nach Elfriede Jelinek im Jahr 2004. Die Mehrheit der Preisträger erhielt ihre Ehrung in einem der drei naturwissenschaftlichen Felder (Medizin, Physik, Chemie).

Dazu kommen zwei heimische Friedensnobelpreisträger – beide allerdings über hundert Jahre her (Bertha von Suttner 1905, Alfred Fried 1911). Einmal (Friedrich von Hayek 1974) konnte ein Österreicher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erringen. Zuletzt war im Jahr 2013 ein Forscher mit einem Österreichbezug – der 1938 emigrierte, gebürtige Wiener Martin Karplus für Chemie – unter den Prämierten.

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