Verbinde Dich mit uns
WERBUNG

Kultur

Kolumne: Black Metal, linker Journalismus und ‚toxische Männlichkeit’

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Ein Journalist des Standard schrieb diese Woche eine Kritik zu einem Film („Lords of Chaos”), welcher die frühe norwegische Black Metal-Szene behandelt. In seinem Artikel stützt er sich nicht nur auf fehlerhafte Informationen, sondern pauschalisiert eine ihm offenbar nicht genehme Subkultur mit gefährlichen Zuschreibungen.

Kommentar von Julian Schernthaner

Da dachte man, man hätte alles gesehen. Und vielleicht nennen mich aufmerksame Leser meiner Kolumnen auch einen Heuchler, weil ich mich vergangenes Jahr über den Echo-Award für zwei mit brutalen und antisemitischen Texten spielenden Rapper echauffierte. Was Christian Schachinger am Mittwoch für das lachsrosa Blatt über die rauen Klänge und Sitten des Black Metal vom Stapel lässt, passt dafür auf keine Kuhhaut.

Standard-Kolumnist hat „ein Fass aufgemacht”

Bereits beim Einstieg versucht der Standard-Schreiberling etwas unbeholfen, eine Verbindung zu aktuellen Debatten herzustellen. Er schwafelt etwas von „fehlgeleiteter männlicher Energie” und kommt über den Bogen von Selbstmordanschlägen – aus welchem Beweggrund auch immer – auf den vermutlich bekanntesten norwegischen Export der jüngeren Vergangenheit.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er dieser Stilrichtung absolut nichts abgewinnen kann und schreibt von einer Mischung aus „pathologischem Widerstand gegenüber der Zivilisation […] scheißblödem Satanismus, Walhalla-Ballaballa und Nazidreck”. In dieser Schnittmenge hätte man vor einem Vierteljahrhundert im hohen Norden „ein Fass aufgemacht”. Mit „weltverdammendem Gekeife” sei es die „schlimmste Kunstform aller Zeiten”

Ausrede für fehlende Deutungshoheit im Genre

Wer nun meint, grenzwertige und provokante Kunst passt einfach nicht ins Konzept seiner von Bobobäckern gespickten Welt, der irrt. Denn nur zwei Tage später schreibt er ein ziemlich unkritisches Porträt über einen Rapper, der schon mal gewaltverherrlichende Texte ins Mikro brüllt und von seiner früheren Drogenkarriere erzählt. An den Inhalten oder der unorthodoxen Darbietungsweise liegt es also kaum.

Vielmehr geht es darum, dass es eine linkslastige Kulturszene nicht verwinden kann, in irgendeiner Musiksparte nicht den Ton anzugeben. Auch deshalb überbieten sie sich mit Nazi-Zuschreibungen gegenüber Gabalier. Und auch deshalb gilt derselben Blase, für die Stier aus einem einzelnen Strich einen Geniestreich bildet, gezielt minimalistische Kunst als Kakophonie, welche natürlich vollständig von allem Übel dieser Welt durchsetzt sein muss.

Black Metal: Provokation wider Hegemonien

Natürlich bieten sich die Verirrungen einiger der Vorreiter der frühen norwegischen Szene zum Draufhauen auf ein ganzes Milieu an. Für 99 Prozent der Liebhaber dieser Musik ist es allerdings kein Widerspruch etwa nach einem Arbeitstag im Altersheim einem Lied über Tod, Teufel und Terror zu lauschen. Denn das Allermeiste dient, wie bei jeder gegenkulturellen Kunst der Provokation.

Diese klagt zumeist eine verortete Hegemonie oder einen empfundenen Verlust an. Auch deshalb werden linksradikale, vegane Bands als Sinnbild des Mainstreams im Black Metal gerne belächelt. Weiter lässt sich damit erklären, weshalb neben misanthropisch-antichristlichen und naturverbunden-heidnischen Texten vielen Musikern eben auch chauvinistisch-elitäre, teils nationalistische Stoßrichtungen als legitimer Zugang zur Musik dienen.

Vorlage erforscht Grenzgänge

Niemand wird von der Hand weisen können und wollen, dass wie in vielen Grenzbereichen die Trennlinie zwischen Kunst und Realität, zwischen bewusster Ausreizung des Sagbaren und allfällig problematischer Ideologie unscharf ist. Es liegt immerhin in der Natur von radikalen künstlerischen Subkulturen, sowohl intelligente Lichtgestalten als auch vollkommen jenseitige Spinner anzuziehen.

Genau aus diesem Grund ist die Buchvorlage von Moynihan und Søderlind so fesselnd. Ohne Scheuklappen zeichnet es authentische Charaktere nach, welche wechselweise auf der richtigen oder falschen Seite landen. Der eine Protagonist wird Lehrer, der andere zum Brandstifter und Mörder. Es ist eine einmalige Reise in die Abgründe der menschlichen Natur und Gesellschaft.

Musik und Freiheit der Kunst nicht verstanden

Dass Schachinger in den Beweggründen der Akteure pauschal einen „Wettbewerb, der größte Widerling seit Satans ältester Schwester zu sein” sieht, zeigt, dass er Musik, Buch und wohl auch Film nicht verstanden hat. Black Metal in seiner reinsten Form befördert keinen Nihilismus – es klagt ihn an. Gut ins Bild passt hier zweifellos, dass der Autor auch leicht recherchierbare Fakten wie das Urteil gegen Vikernes verdreht.

Freilich, man muss nicht jede polarisierende Kunstform mögen. Meine Wenigkeit wird wohl auch kein Fan von Hermann Nitsch mehr. Aber ein ganzes Genre aburteilen und es als Blaupause für gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu sehen? Es mit einem Rundumschlag gegen ein ganzes Land zu verbinden? Lernen’s bitte ein bisserl Geschichte – und nehmen’s die Lektion über die Freiheit der Kunst als Beibrot.

1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    5823e19f22ea2223b

    22. Februar 2019 at 20:08

    Ich werde den Originalartikel nicht lesen, da ich dem Standard keinen Klick spendieren möchte, aber wenn der Autor tatsächlich das ganze Genre aufgrund vereinzelter Bands und Subgenres verurteilt, zeugt das nur von seiner Ignoranz und dass er keine Ahnung von der Materie hat. Einfach nur peinlich.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kultur

iTunes: Rechter Rapper Chris Ares auf Platz 3 der deutschen Albumcharts

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

Mit seinem ersten Album schafft es Chris Ares auf Anhieb auf Platz drei der deutschen iTunes-Charts. Probleme gibt es aber mit Amazon: Der US-Konzern hat sämtliche Produkte des Rappers aus seinem Sortiment gestrichen.

Es sind gerade turbulente Tage für den patriotischen Rapper Chris Ares. Nach seiner Ankündigung, eine Art „patriotisches Jugendzentrum” im sächsischen Bischofswerda aufbauen zu wollen, kam es zum Streit mit der dortigen AfD-Regionalgruppe. Doch auch musikalisch macht der Rapper von sich reden. Seit gestern ist nämlich sein neues Album „Ares” offiziell erschienen und umgehend auf Platz drei der deutschen iTunes-Albumcharts eingestiegen.

Amazon boykottiert Chris Ares

Einen Rückschlag musste Chris Ares dennoch hinnehmen: Wie er in einem Video bekannt gab, habe Amazon am Tag vor der Veröffentlichung mitgeteilt, das neue Album nicht zu vertreiben. Dabei handle es sich um über 1.000 CD-Boxen, alle bisherigen Bestellungen seien vom US-Versandriesen storniert worden. Die Boxen kann man aber noch direkt beim Label Arcadi Musik bestellen.

Die Stornierung von Amazon hat auch Konsequenzen für die Listung in den offiziellen deutschen Charts, da die CD-Verkäufe über das eigene Arcadi-Label nicht zählen. Anders sieht es jedoch bei den iTunes-Downloads aus – und das ist die Hoffnung des Rappers: „Die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir ohne die tausenden, physischen CDs und Boxen charten…Wer aus Trotz jetzt unterstützen möchte, sollte bei iTunes einkaufen, da die zu den Charts zählen”, so Ares in seinem Telegram-Kanal.

Zweiter Chartsturm

Erst im vergangenen Jahr hatte Ares Ares mit seiner EP „2014–2018” die Spitze der Hip-Hop-Charts auf iTunes erklommen. Jedoch löschte die Plattform Ares nur einen Tag später, eine schriftliche Anfrage der Tagesstimme an die deutsche Pressestelle der iTunes-Mutter, den Apple-Konzern, blieb damals unbeantwortet. Mittlerweile ist die EP aber wieder auf iTunes abrufbar.

Ares auf Spotify

Das neue Album „Ares” kann man aktuell auf Spotify hören.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Kultur

Mehr Vielfalt & Multikulti: Filmförderung will verpflichtende Fragebögen einsetzen

Christin Schneider

Veröffentlicht

am

Mit verpflichtenden Checklisten sollen Filmschaffende künftig mehr auf  „Diversität” achten. Auch andere deutsche Institutionen und Unternehmen setzen immer mehr Maßnahmen zur Durchsetzung von „Vielfalt” ein.

Hamburg. – Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) hat Fragebögen zum Thema „Diversität” entwickelt, den alle Filmemacher künftig ausfüllen müssen, wenn sie Fördermittel erhalten möchten. Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure zu sensibilisieren, sagte der FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers laut Bericht der Stuttgarter Zeitung, in dem es weiter heißt: „Mehr Vielfalt filmen und Geschichten erzählen, die sonst ungehört bleiben: Wir wollen unsere vielfältige, multikulturelle Gesellschaft modern und in all ihren Facetten auf der Leinwand sehen.“ Laut Albers sei es „jetzt höchste Zeit, unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen“.

Checkliste zum Abhaken soll Förderung der „richtigen Themen“ garantieren

Wer künftig Fördermittel erhalten will, der ist verpflichtet, die mehrseitigen Fragebögen für die Kategorien Entwicklung, Produktion und Verleih auszufüllen. Mit diesen Checklisten zum Abhaken solle zur bewussten Beschäftigung mit dem Thema „Diversität” und zur kritischen Überprüfung des eigenen Handelns angeregt werden, heißt es auf der Website der FFHSH. Abgefragt wird unter anderem Folgendes: „Kommen im geplanten Filmprojekt „People of Color“ vor? Tauchen Figuren mit anderer als heterosexueller Orientierung auf? Werden Figuren mit einem unterprivilegierten sozioökonomischen Hintergrund dargestellt? Werden Themen wie Migration, Hautfarbe, Behinderung und Geschlechterrollen direkt aufgegriffen? Ergreifen Sie Marketing-Maßnahmen, die eine vielfältige, multikulturelle und inklusive Gesellschaft ansprechen?“ Die kompletten Fragebögen sind auf der Internetseite der FFHSH einsehbar, auf der es weiter heißt, dass diese Checklisten fortlaufend angepasst würden und nur ein Anfang zur Durchsetzung von mehr Diversität seien.

Hierzu äußerte sich auch die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann gegenüber dem Deutschlandfunk: Je diverser ein Film sei, desto besser sei er meist auch, meinte Hartmann. Das habe die Erfahrung der Filmförderung in den vergangenen Jahren gezeigt.

Immer mehr Unternehmen

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist nicht die einzige Institution, die in letzter Zeit auf den „Diversity-Zug“ aufspringt. Immer mehr Einrichtungen propagieren und mahnen zur „Vielfalt”, darunter Schulen, Universitäten, Kirchen, und mittlerweile auch Unternehmen. – So hatte zuletzt der deutsche Großkonzern Adidas mit seiner Ankündigung, zukünftig eine Einstell-Quote für Schwarze und Latinos in den USA einzuführen, von sich reden gemacht. Viele andere deutsche Firmen sind Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“, eine Selbstverpflichtung von Unternehmen und Institutionen zu Vielfalt und Toleranz, bei der Bundeskanzlerin Merkel die Schirmherrschaft übernommen hat.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Kultur

Neuer Name: „Neue Ordnung” benennt sich in „Abendland” um

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

Die konservative Quartalszeitschrift Neue Ordnung aus Graz trägt ab sofort den Namen Abendland.

Graz. – Zu den Gründen für diesen Schritt äußerte sich Herausgeber Wolfgang Dvorak-Stocker im Editorial der neuen Ausgabe. Er verweist darauf, dass der Begriff „Neue Ordnung” zunehmend als eine „globalistische Überwindung der überlieferten Ordnungssysteme Europas” verstanden werde. In diesem Sinne bedeute „Neue Ordnung” die „Zerstörung der Nationalstaaten und der sie tragenden Werte”. Aber auch Neokonservative um George Bush jr. hätten den Begriff immer wieder verwendet. „Jede Nähe zu diesen Bestrebungen will unsere Zeitschrift tunlichst vermeiden”, betont Dvorak-Stocker.

Dvorak-Stocker: „Es geht uns um Europa”

Aus der Neuen Ordnung wurde deshalb Abendland. An der der inhaltlichen Ausrichtung soll sich jedoch nichts ändern. „Abendland” stehe für den Bezug auf „die ethnische, religiöse und kulturelle Tradition Europas und seiner Völker”, erklärt der Herausgeber. „Unsere Zeitschrift hat sich auch in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen Artikeln immer wieder den historischen und geistigen Wurzeln unseres Seins gewidmet – nicht nur jenen Österreichs oder der deutschen Nation, sondern denen ganz Europas.” Genau dies solle der neue Name ausdrücken: „Es geht uns um Europa, um unseren Kontinent, um die Völker und die geistige Kultur dieses Erdteils”, fasst Dvorak-Stocker zusammen.

Der Verleger hatte vor mehr als 20 Jahren die Zeitschrift Neue Ordnung von Ernst Graf Strachwitz und Franz Frank übernommen. Ziel der Zeitschrift war es seit den 1950er-Jahren, die katholische und die nationale Rechte in Österreich zu vereinen. In den letzten Jahren widmete sich die Neue Ordnung verstärkt auch der sozialen Frage und räumte kapitalismuskritischen Stimmen viel Platz ein, wie Dvorak-Stocker im Editorial betont.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Beliebt