Politik Welt

Türkei entzieht deutschen Journalisten Akkreditierung

Bild: Türkei-Flagge und Deutschland-Flagge bei Kundgebung der UTED / © Raimond Spekking, via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Politiker mehrerer Parteien haben die Türkei wegen der Verweigerung der Akkreditierung aufs Schärfste kritisiert. Kritik kommt auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Ankara/Berlin/Wien. Die türkische Regierung hat zwei deutschen Türkei‐Korrespondenten die Akkreditierung entzogen, weshalb diese Istanbul nun verlassen mussten. Wie der ORF berichtete, handelt es sich bei den Betroffenen um den ZDF‐Reporter Jörg Brase und den freien Journalisten Thomas Seibert, der unter anderem für den Berliner Tagesspiegel schreibt.

Beide wollen weiter über Türkei berichten

Nach türkischem Recht mussten sie zehn Tage nach Ablehnung ihres Antrags auf Verlängerung der Pressekarte das Land verlassen. Beide Journalisten wollen aber weiterhin über die Türkei berichten. „Ich bin der Meinung, dass die Entscheidung der Türkei mehr schadet als dem ZDF oder mir“, sagte Brase in Istanbul.

Die türkische Regierung habe es geschafft, die nationalen Medien weitgehend mundtot zu machen, nun versuche sie es auch mit den internationalen Medien, kritisierte der ZDF‐Korrespondent. „Davon sollten wir uns aber nicht einschüchtern lassen.“ Brase bleibe Korrespondent für die Türkei, den Iran und Afghanistan. Er werde womöglich nach Teheran gehen, weil die iranische Regierung ihm alle notwendigen Papiere gegeben habe.

Politiker üben scharfe Kritik

Das deutsche Auswärtige Amt in Berlin setzt sich schon seit Wochen für die Ausstellung der Pressekarten der deutschen Journalisten in der Türkei ein. Am Samstag hat das Amt nun seine Reisehinweise für die Türkei aktualisiert. Darin warnte das Ministerium, es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass die türkische Regierung weitere Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftliche Einrichtungen ergreift“.

Politiker von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linker kritisierten die Türkei wegen der Verweigerung der Akkreditierung aufs Schärfste. CDU‐Chefin Annegret Kramp‐Karrenbauer sagte dem Tagesspiegel, das sei „staatliche Willkür“. Die SPD‐Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einem „relevanten Rückschritt für die deutsch‐türkischen Beziehungen“. FDP‐Chef Christian Lindner sagte dem Zeitungsbericht zufolge: „Die Türkei mutiert zu einer islamischen Präsidialdiktatur.“

Kurz fordert Abbruch von Beitrittsverhandlungen

Auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte die türkische Regierung. In einem Tweet schrieb er: „Es ist inakzeptabel, dass die Türkei deutschen Journalisten die Akkreditierung verweigert. Die Türkei bewegt sich seit Jahren in großen Schritten weg von der EU und ihren Grundwerten. Die Beitrittsverhandlungen sollten daher abgebrochen werden.“

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