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Gesellschaft

Nackenschlag der Regierung gegen „nicht-linke Zivilgesellschaft”

Julian Schernthaner

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Mit der ganz großen Keule holt die türkis-blaue Regierung gegen die Identitären aus und prüft deren Auflösung. Damit schafft sie es, gleichzeitig der nicht-linken Zivilgesellschaft ins Gesicht zu schlagen – und ihren eigenen Kritikern gehörig Wasser auf die Mühlen zu plätschern.

Kommentar von Julian Schernthaner

Wenn Sie, werter Leser, meinen, die Phrase mit der „nicht-linken Zivilgesellschaft” sauge ich mir einfach so aus den Fingern: Nein, mit genau diesen Worten beschrieb der nunmehrige Vizekanzler Heinz-Christian Strache im Jahr 2016 die Identitäre Bewegung. Drei Jahre später trägt derselbe Mann die Einleitung eines Auflösungsverfahrens für die Gruppe ganz selbstverständlich mit. Diese Wendung ist auch deshalb so prägnant, weil sie symptomatisch für das Verhalten der Freiheitlichen in der Regierung ist.

Geltende Rechtsordnung statt privater Moralverstellungen

Völlig richtig erkannte der FPÖ-Obmann nämlich seinerzeit, dass die „geltende Rechtsordnung und nicht private Moralvorstellungen von diversen Linken” der Maßstab für die Beurteilung der Handlungen der Identitären sei. Nun steht er eisern neben Sebastian Kurz, der gegen „gefährliche Meinungen” mit der „vollen Härte des Gesetzes” vorgehen will. Und zwar nicht einmal wegen irgendwelcher Handlungen der Gruppe.

Sondern wegen der Handlung eines damals völlig unbekannten Weltreisenden im Jänner 2018. Dieser überwies Martin Sellner für seine YouTube-Arbeit eine üppige Spende. Und – ähnlich wie sämtliche Geheimdienste weltweit – konnte auch der Identitären-Leiter nicht wissen, dass derselbe Mensch ein Jahr später völlig irrsinning Menschen am anderen Ende der Welt über den Haufen schießt.

Staatsanwaltschaft Graz bedient olle Kamellen

Weil Sellner aber eine gutbürgerliche Kinderstube genoss, begeht er einen folgenschweren Fehler. Er bedankt sich, wie bei jedem anderen Spender auch, beim Gönner artig mittels E‑Mail. Für die Staatsanwaltschaft Graz ein Anlass, dessen Privatwohnung wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung (§278b StGB) auf den Kopf zu stellen.

Sie lesen richtig: es ist dieselbe Behörde, welche unlängst mit Bomben und Granaten in einem Mammutprozess scheiterte, die Identitären als „kriminelle Vereinigung” (§278 StGB) zu brandmarken. Nach zehn Prozesstagen stand fest: Kreidespray und Spruchbänder mit Parolen des politischen Diskurses begründen noch keine Meinungsmafia. Die zweite – und letzte – Instanz bestätigte das Urteil.

Auflösungsverfahren: Geringe Aussichten auf Erfolg

Umso mehr verwundert es also, dass sich Strache zum Thema der Ermittlungen auf einen funktionierenden Rechtsstaat beruft. Denn genau dieser befand damals, dass die Kerntätigkeit der Identitären legal ist. Die Anwendung eines verwandten, aber ungleich schwerwiegenderen Rechtsguts aufgrund mangelnder Hellseherei hat deshalb nur geringe Erfolgsaussichten und kann daher erneut als „Schuhlöffel für Ermittlungen” gelten.

Aber genau eine solche strafrechtliche Verurteilung wäre für eine Auflösung zwingend geboten. Der Wunsch missgünstiger Akteure alleine reicht – wie das Germania-Verfahren zeigte – nicht für ein Vereinsverbot. Die Vereinigungsfreiheit ist außerdem ein Menschenrecht, und diese stehen in Österreich im Verfassungsrang. Selbst kaum wohlgesonnene Verfassungsjuristen beurteilen die Grundlage dafür nicht zuletzt deshalb als ziemlich dünn.

Salamitaktik zielt letztendlich auf FPÖ ab

Was bleibt, ist also ein entblößtes ‚Fan Service’ weißer Unterwäsche an den linken Rand, dem jede Repression gegen patriotische Kräfte nicht ungelegen kommt. Möglicherweise erhofft sich die FPÖ auch die Absolution, wenn sie sich nur scharf genug gegen vermeintliche – und wahrscheinlich zu Unrecht so titulierte – „Rechtsextreme” abgrenzt.

Aber für Leute, für die jeder Konservatismus bereits eine Spielart des Faschismus ist, gibt es nicht genug Abgrenzung. Es geht nicht um Burschenschaften oder Identitäre. Der eigentliche Sinn dieser Salamitaktik ist es, den Freiheitlichen scheibchenweise das metapolitische Vorfeld abzugraben und sie dann durch Zutun der eigenen breiten Front an Akteuren in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen.

Regierung pfuscht sich ins eigene Werk

Dabei ist gerade die Existenz einer „parteiunabhängigen, nicht-linken Bürgerbewegung” (O‑Ton Strache 2016) unerlässlich für eine nachhaltige Wende im Land. Wenn man nicht auf ewig will, dass etwa ein rotgefärbte Justiz eigene Maßnahmen gegen den politischen Islam kassiert, wird man eine wachsende konservativ-patriotische Zivilgesellschaft akzeptieren, goutieren und gedeihen lassen müssen.

Denn eines ist klar: Die Menschen haben für diese Regierung gestimmt, damit sich endlich etwas ändert. Nicht, damit sie mit noch größerem Eifer als ihre Vorgänger gegen unliebsame Gruppen vorgeht, welche der bröckelnden linken Deutungshoheit ein Dorn im Auge sind. Denn damit macht sie deren Arbeit – und pfuscht sich ins eigene Werk.

Nicht der Logik des Attentäters folgen!

Besonders problematisch ist die Sache aber auch, weil sich die Regierung damit – wie auch jene von Neuseeland – der Logik des Christchurch-Attentäters anschließt. Dieser schrieb in seinem Manifesto, dass er patriotische Menschen durch Marginalisierung in die Radikalisierung treiben wollte.

Damit dies nicht passiert, sollte man definitiv nicht diejenigen Gruppen beiseite schieben wollen, welche den berechtigten Zorn der Bürger in friedliche Aktionen kanalisiert. Denn die Unzufriedenheit der Bürger geht durch Repression nicht zurück – sondern endet im schlimmsten Fall in den Fängen der Gewaltbereiten. Im deutschen Sprachraum sollte man dies spätestens seit der RAF-Erfahrung eigentlich wissen.


Weiterlesen:

Hilfloser Versuch”: Identitäre sehen Auflösungsverfahren gelassen (27.3.2019)

Neuerlich Hausdurchsuchung bei Identitären-Chef Sellner (26.3.2019)

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Carolus

    27. März 2019 at 19:18

    https://www.oe24.at/tv/news-live/Regierung-prueft-Aufloesung-der-Identitaeren/373633491 (27.3.):
    01:14 Sebastian Kurz: „… Darüber hinaus natürlich auch die Prüfung, ob eine Auflösung der Identitären hier möglich ist …“
    Hätte Kurz hier gesagt: „… ob eine Auflösung … notwendig ist…“, hätte ich das rechtsstaatlich ok gefunden. Das Wort „möglich“ verrät mir aber, dass Kurz eine Auflösung begrüßen würde; und das nehme ich ihm übel.

  2. Avatar

    Elisabeth

    27. März 2019 at 19:50

    Langsam wird das ganze Peinlich und zum Kasperltheater, schämen diese Politiker sich eigentlich nicht?Diese Affentheather gehen langsam auf die Nerven

  3. Avatar

    da Ketzer

    28. März 2019 at 11:36

    da Ketzer
    das ganze erinnert an die Hexenverfolgung des Mittelalters. War dies nicht die Vorgangsweise mit der manch verachtenswerte Diktatur des 20ten Jahrhunderts agierte. Wird hier das Rad der Zeit zurückgedreht?

  4. Avatar

    Peter Hofmüller

    28. März 2019 at 15:09

    Was haben die „Identitären” verbrochen? Dass diese gegen Masseneinwanderung ‚von uns „fremderen” Kulturen einstehen?Unfassbar dieser Angriff auf Meinungsfreiheit!

  5. Avatar

    Jim Becker

    29. März 2019 at 17:41

    Ich stimme dem Artikel voll und ganz zu. Es ist absurd, wie der Terrorist von Neuseeland mit der FPÖ und der Identitären Bewegung in Verbindung gebracht wird! Keine von beiden patriotischen Gruppen hatte etwas mit diesem Irren zu tun und NIEMAND kann vorhersehen, dass jemand, der einem Geld spendet, eine Ewigkeit später solch ein schreckliches Verbrechen begeht!
    Die Identitäre Bewegung ist nicht verantwortlich für das was jemand tut, dem sie nie begegnet ist und es ist eine Unverschämtheit, wie die Mainstreammedien versuchen, nun die IB in den Dreck zu ziehen und auch noch die FPÖ fertigzumachen!
    Das patriotische Lager sollte gegen diesen verlogenen Ansturm zusammenhalten und sich weder von einander distanzieren, noch einander spalten oder verfolgen! Der Feind steht links! Es ist derselbe Feind, der seit Jahren versucht Deutschland, Österreich und ganz Europa durch Massenzuwanderung zu vernichten! Lasst uns das nicht vergessen und zusammenhalten!
    Wer sich von Herrn Sellner selbst ein Bild machen will, der sollte seine Werke lesen: https://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/einzeltitel/41461/identitaer?fbclid=IwAR34Ut-tpyqCk-qK7XEb3Fo-mYdxx0HUD-K9a_0GOx2alxWu1Bz26CEj3gI
    Und wer sich vom gesamten patriotischen Lager ein Bild machen will, dem empfehle ich diese patriotische Alternativweltbuchreihe: http://www.bernt.de/kaiserfront/extra.htm
    Der Punkt ist jedenfalls, dass diese Medienhetzkampange eine Sauerei ist und alle heimattreuen Patrioten jetzt mehr denn je zusammenhalten müssen!
    Und wer ernsthaft denkt, der IB sei verantwortlich für etwas, was ein Spender macht, der sollte sich mal fragen: „Was ist, wenn ein Terrorist ein Jahr vor seinem Anschlag den Grünen Geld spendet? Sind dann die Grünen mitschuld? Werden sich die Medien dann auf die Grünen einschießen?”
    Mit Sicherheit nicht.

  6. Avatar

    R4b3

    31. März 2019 at 8:40

    Sehr guter Artikel!

    Es ist kaum zu glauben wie, sich das Volk von der Presse verarschen lässt!
    Von mir bekommen die Medien die solche und ähnliche Lügen verbreiten schon lange kein Geld mehr.

    Wer Geld dafür zahlt um sich manipulieren zu lassen, dem ist wohl eh nicht mehr zu helfen.

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Gesellschaft

PKK & Konsorten: Das waren die linksextremen Demos in Wien-Favoriten

Redaktion

Veröffentlicht

am

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Wien-Favoriten rücken die türkischen „Grauen Wölfe” in den Fokus der medialen Berichterstattung. Doch es lohnt sich auch ein Blick auf die Gegenseite: Dort tummelt sich fast unbeachtet ein Mix aus kurdischen PKK-Anhängern, linksextremer Antifa und Organisationen aus dem Umfeld militanter türkischer Kommunisten.

Wien. – Im Zuge von linksextremen Kurden-Kundgebungen Ende Juni, bei denen auch Fahnen aus dem PKK-Umfeld gezeigt wurden, kam es wiederholt zu Provokationen und Übergriffen von hauptsächlich jugendlichen Türken. Einige von ihnen zeigten den in Österreich verbotenen „Wolfsgruß”, das Zeichen der nationalistischen und vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften „Grauen Wölfe”. Die Konfliktpartei auf der anderen Seite bestand hauptsächlich aus kurdischen PKK-Sympathisanten, aber auch türkische Kommunisten und österreichische Antifa waren dabei. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die beiden Gruppen auseinanderzuhalten.

Festnahmen und Verletzte nach Ausschreitungen

Nach Ende der ersten beiden Kundgebungen kam es darüber hinaus zu türkischen Angriffen auf das linksautonome Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), da sich Kurden und Antifa in ein dort befindliches Vereinslokal zurückgezogen hatten.

Während der mehrtägigen Proteste gab es zahlreiche Anzeigen und Festnahmen, zudem mehrere Verletzte, darunter auch Polizisten und ein linker kurdischer Journalist.

Grüne Vizebürgermeisterin bei Antifa-Demo

Nach den türkischen Angriffen auf das EKH mobilisierte die Wiener Antifa-Szene zu mehreren Protestkundgebungen. Am 26. Juni nahm auch Wiens Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) an einer solchen teil. Dafür erntete sie auch prompt Kritik von der FPÖ: „Wenn sich kriminelle Antifa-Migranten und islamistische Erdogan-Fanatiker gegenseitig die Köpfe einschlagen und eine Vizebürgermeisterin dabei mitmarschiert, dann ist sie in ihrem Amt nicht mehr tragbar. Bürgermeister Ludwig muss Hebein sofort aus ihrer Funktion entlassen”, forderte etwa FPÖ-Landeschef Dominik Nepp.

Die Vizebürgermeisterin verteidigte hingegen ihren Besuch. Sie habe aus Solidarität an der Kundgebung teilgenommen, erklärte Hebein in einer Sondersitzung des Gemeinderates. Die Angriffe seien von „faschistischen Gruppierungen” gekommen. „Die Grauen Wölfe sind eine faschistische Gruppierung”, so Hebein. Die Grünen-Politikern wies außerdem darauf hin, dass sie die Polizei über ihre Teilnahme in Kenntnis gesetzt habe. Die Exekutive habe auch gewusst, wann sie die Demonstration wieder verlassen habe.

Solidarität mit PKK und Linksextremen?

Doch mit welchen Netzwerken zeigte sich Vizebürgermeisterin Hebein überhaupt solidarisch und inwiefern war ihr bewusst, welche Szene sie hier unterstützt?

Wenn man sich die Bilder von den verschiedenen Demonstrationen ansieht, zeigt sich die anfangs bereits erwähnte Mischung aus PKK-Anhängern, türkischen Kommunisten und Antifa. Die Tagesstimme hat einen Teil der gezeigten Fahnen und Symbole der vergangenen Kundgebungen in Wien-Favoriten dokumentiert und die Hintergründe der dazugehörigen Organisationen kurz zusammengefasst:

Öcalan und die PKK

Einige Fahnen auf den Demonstrationen zeigten ganz eindeutig Solidarität mit PKK-Gründer Abdullah Öcalan. Bei der PKK („Partiya Karkerên Kurdistan”) handelt es sich um eine militante kurdische Untergrundgruppe, die in den USA, in der EU und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Ziel der PKK war zu Beginn eine kommunistische Revolution und die Gründung eines eigenen kurdischen Staates. Von Anfang an bekämpfte die PKK den türkischen Staat mit allen Mitteln. Der bewaffnete Konflikt forderte bisher über 30.000 Todesopfer auf beiden Seiten. In den 1990er-Jahren wurden zudem mehr als 800 Zivilisten von der PKK ermordet.

Öcalan selbst ging aber auch innerhalb der PKK gegen Dissidenten und vermeintliche Verräter vor und gab direkte Mordbefehle. Seit 1999 befindet er sich in der Türkei in lebenslanger Einzelhaft. Bis heute wird er von PKK-Anhängern verehrt. Die Öcalan-Fahne ist wohl außerdem als Ersatz für die verbotene Fahne der PKK, deren „Serok” (Führer) er ist, zu verstehen.

Freedom for Öcalan”-Fahnen am 27.06.2020. Quelle: Screenshot Facebook

„Antifa Enternasyonal”

Bei den Kurden- und Antifa-Protesten war die „Antifa Enternasyonal”-Fahne ebenfalls fixer Bestandteil. Die Fahne ist eine Abwandlung der kurdischen KCK-Fahne. Nur statt des roten Sterns in der Mitte prangt auf dieser Fahne (wohl auch aus rechtlichen Gründen) das Logo der linksextremen Antifa.

Bei der „Koma Civakên Kurdistan” (KCK) handelt es sich nicht nur um eine Dachorganisation für alle Kurden in der Türkei, im Irak, Iran und in Syrien. Sie ist eine Nachfolgeorganisation der PKK und in der Folge von Umstrukturierungen innerhalb der Organisation entstanden. Auch die KCK untersteht weiterhin der – zumindest symbolischen – Führungsfigur Öcalan.

Die Verschmelzung von Antifa- und PKK-Fahnen ist auch deswegen interessant, weil hier das Andocken heimischer Linksextremisten an eine linksextreme Befreiungsbewegung im Nahen Osten zu sehen ist. Während viel vom islamistischen Tourismus in die syrischen Kriegsgebiete gesprochen wird, gibt es eine kaum wahrgenommene Rotation von Antifa-Aktivisten zu kämpfenden Einheiten der Kurden-Miliz YPG. Dort lernen sie Umgang mit Waffen und Sprengstoff und werden an der Front eingesetzt. Von deutschen Linksextremisten ist klar, dass sie hier dabei sind, es ist aber unbekannt, ob sich Österreicher ebenfalls schon nach Rojava (Nordostsyrien) aufgemacht haben. Unklar ist auch, ob und wie viele Kurden als Untergrundkämpfer zwischen Österreicher und der Türkei sowie Nordsyrien pendeln.

Fixer Bestandteil der linksextremen Proteste. Hier am 26. Juni 2020 in Wien: „Antifa Enternasyonal”-Fahne. Quelle: Screenshot Twitter

Zum Vergleich: Die originale KCK-Fahne. Roter Stern statt Antifa-Symbol. Quelle: Wikipedia

Fahnen der syrischen Kurden-Miliz YPG/YPJ

Weiters aus dem militanten PKK-Umfeld stammen die YPJ- und YPG-Fahnen, die bei den verschiedenen Kundgebungen in Wien zahlreich zu sehen waren. Die „Yekîneyên Parastina Gel” (YPG) ist eine bewaffnete kurdische Miliz in Syrien, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Die Fraueneinheit der Miliz heißt „Yekîneyên Parastina Jin” (YPJ).

Aus Sicht der Türkei ist die YPG nämlich Teil der PKK,  die in Rojava über eine „befreite Zone” verfügt und damit auch als Hinterland für PKK-Terroristen fungiere. Im Gegensatz zur PKK erhält die Gruppe jedoch Unterstützung von den USA, weil sie in Syrien gegen den IS kämpft.

Übrigens: Grund für die bei Linken immer nur „Frauendemonstration” genannten ersten Demo in Wien-Favoriten war die Tötung von drei linken „kurdischen Aktivistinnen”, die laut YPJ „viel zur Revolution beigetragen haben”, bei einem Drohnenschlag der türkischen Armee in Syrien. Interessant dabei ist, dass die Wiener Kundbegung nicht als einzelne Veranstaltung zu sehen ist, denn an verschiedenen Orten in Europa fanden gleichzeitig Demonstrationen statt (etwa in Duisburg und Köln) – auch ein Hinweis auf die Stärke und Vernetzung des PKK-Netzwerkes in Europa.

Kundgebung am 26. Juni 2020. Es wurden auch Fahnen der bewaffneten kurdischen Frauenmiliz YPJ gezeigt. Quelle: Screenshot Twitter

Türkische Kommunisten

An den Protesten nahmen aber nicht nur Kurden und österreichische Antifa, sondern auch türkische Kommunisten teil. Das zeigen die vielen roten „Partizan”-Fahnen bei den Kundgebungen.

„Partizan” blieb nach der Spaltung der in der Türkei verbotenen linksextremen „Türkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninsten” (TKP/ML) übrig. „Ihr Ziel ist bis heute die gewaltsame Zerschlagung des türkischen Staates zur Errichtung einer ‚demokratischen Volksregierung’ ”, heißt es im Bericht des baden-württembergischen Verfassungsschutzberichtes 2019. In der Türkei verfügt der „Partizan”-Flügel über eine „bewaffnete Frontorganisation”. Außerdem gehören die Linksextremen – gemeinsam mit der PKK – dem Zusammenschluss der „Vereinten Revolutionären Bewegung der Völker” (HBDH) an.

Die „Türkische Arbeiter- und Bauernbefreiungsarmee“ (TİKKO) gehört ebenfalls zum „Partizan”-Flügel der TKP/ML. Quelle: Screenshot YouTube

Außerhalb der Türkei agiert der „Partizan”-Flügel jedoch vielmehr über Tarn- und Nebenorganisationen. Der deutsche Verfassungsschutz zählt hierzu die „Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa“ (ATİK), die „Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland e.V.“ (ATİF), die Jugendorganisation „Neue Demokratische Jugend“ (YDG) und die Frauenkommission „Neue Frau“ (Yeni Kadin).

All diese Gruppen agieren laut Sicherheitsbehörden in Deutschland gewaltfrei. Statt Militanz setzt man in Westeuropa auf politische Agitation und Unterstützung der eigenen Anhänger und Sympathisanten bei Veranstaltungen und Demonstrationen. „Die Tarnorganisationen der TKP/ML beschränken sich hierzulande im Wesentlichen auf die Werbung neuer Mitglieder und auf die Realisierung propagandistischer Aktionen”, heißt es in der Broschüre „Türkische Linksextremisten und ihre Organisationen in Deutschland”, herausgegeben vom deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz. Ähnliches lässt sich auch für Österreich feststellen.

Bei den Demonstrationen  in Wien waren auch „Partizan”-Fahnen stark vertreten. Quelle: Screenshot Facebook

Kundgebung am 26. Juni 2020. Fahnen der YDG und Yeni Kadin Quelle: Screenshot Facebook

ATIGF-Fahnen

Unter den Teilnehmern fand sich auch die „Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich” (ATIGF) ein. In Wien hat der Verein seinen Sitz im linksextremen Ernst-Kirchweger-Haus (EKH). ATIGF ist darüber hinaus im oben genannten kommunistischen Dachverband „Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa (ATIK) organisiert.

Kundgebung 25.06.2020. Rote ATIGF-Fahnen. Quelle: Screenshot Twitter

„Föderation für demokratische Rechte in Österreich”

Zu den Protesten in Wien-Favoriten aufgerufen hat weiters die „Föderation für demokratische Rechte in Österreich” (ADHF), die dem Umfeld der linksextremen „Maoist Komünist Partisi“ (MKP) zuzurechnen ist, welche wiederum aus der TKP/ML entstand. Laut deutschem Verfassungsschutz handelt bei den verwandten Gruppen wie dem Dachverband „Konföderation für demokratische Rechte in Europa“ (ADHK), der „Föderation für demokratische Rechte in Deutschland e. V.“ (ADHF) sowie der Jugendorganisation „Socialist Youth Movement“ (SYM) um Tarnorganisationen der MKP.  Zwar treten auch diese Gruppen in Deutschland und Österreich nicht militant auf, laut Angaben der deutschen Behörden nutzen sie ihre Arbeit jedoch für Propagandaaktivitäten und zur Sammlung von Spendengeldern.

Die Wiener ADHF teilte den Aufruf zur Antifa-Kundgebung. Quelle: Screenshot Facebook

Die MKP propagiere – wie auch der „Partizan”-Flügel – einen nach maoistischem Vorbild geführten bewaffneten „Volkskrieg”. Damit soll eine „demokratische Volksrevolution” herbeigeführt werden, um eine kommunistische Gesellschaftsordnung in der Türkei zu etablieren, schreibt das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz. Als Guerillagruppen verfügt die MKP in der Türkei über die „Volksbefreiungsarmee” (HKO) und die „Partisanen Volkskräfte” (PHG). Die MKP unterhält ebenfalls beste Kontakte zur kurdischen PKK und ist wie der „Partizan”-Flügel Teil der „Vereinten Revolutionären Bewegung der Völker” (HBDH).

Freundliche Grüße von der MKP. Quelle: Screenshot YouTube

DIDF Wien

Bei den Kundgebungen in Favoriten mit an Bord war zudem auch der Wiener Ableger der „Föderation der Demokratischen Arbeitervereine” (DIDF). 2007 wurde die DIDF vom deutschen Verfassungsschutz noch als linksextremistisch eingestuft. In den aktuellen Berichten wird die deutsche Gruppe jedoch nicht mehr erwähnt.

Türkei-Konflikt in Wien

Die türkische Klientel in Wien-Favoriten hat die Demonstrationen anhand der dort gezeigten Fahnen offensichtlich als Sympathiekundgebungen mit in der Türkei aktiven Terrorgruppen wahrgenommen. Diese Provokation verschwindet allerdings medial hinter den Bezeichnungen von „Frauendemo” und „Antifaschisten”. Vor allem das Auftreten der PKK-nahen Organisationen erinnert an den Bürgerkrieg in der hinteren Türkei, der von beiden Seiten mit großer Härte geführt wird.

Die Wiener Vizebürgermeisterin wiederum, die selbst aus der linksradikalen Szene kommt  (siehe Volxtheaterkarawane) und die nicht das erste Mal wegen einer fragwürdigen Demo-Teilnahme in den Schlagzeilen stand, dürfte nicht überrascht gewesen sein, wen sie hier vor Ort traf. Die Stadt Wien scheint manche dieser Organisationen sogar indirekt zu unterstützen, indem sie das linkextreme Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), wo diese Gruppen teils beheimatet sind, über den Fonds Soziales Wien finanziert.

Mehr zum Thema:

Nehammer: Sonderkommission prüft ausländischen Einfluss auf Demos (05.07.2020)

Analyse: Was wollen die Grauen Wölfe eigentlich? (03.07.2020)

Ausschreitungen in Wien: Nehammer fordert Türkei zu Deeskalation auf (30.06.2020)

Wien: FPÖ bringt Misstrauensantrag gegen Bürgermeister Ludwig ein (29.06.2020)

Ausschreitungen in Wien: Regierung will Hintermänner ausforschen (28.06.2020)

Wien: FPÖ-Chef Nepp fordert Rücktritt von grüner Vizebürgermeisterin (27.06.2020)

Türkische Community reagiert auf Ausschreitungen in Wien-Favoriten (26.06.2020)


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Gesellschaft

Rigaer Straße: Nächste Razzia in der linksextremen Szene

Stefan Juritz

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Bei den Durchsuchungen in der Rigaer Straße 94 geht es um Körperverletzung und Urkundenfälschung. 200 Polizisten waren im Einsatz.

Berlin. – Am Donnerstagmorgen hat die Polizei das Zentrum der linksextremen Szene in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain durchsucht. Die Maßnahmen stehen laut Angaben der Polizei „im Zusammenhang mit begangenen Straftaten einzelner Personen”.

Körperverletzung und Urkundenfälschung

Laut deutschen Medienberichten, die sich u.a. auf die Nachrichtenagentur dpa berufen, gehe es bei den Ermittlungen in einem Fall um eine gefährliche Körperverletzung. Im Januar 2020 sei eine Polizistin mit einem Laserpointer geblendet worden und habe eine Augenverletzung davongetragen. Im anderen Fall stehe der Verdacht der Urkundenfälschung mit dem Ziel der widerrechtlichen Bereicherung im Raum.

„Die heutigen Durchsuchungsmaßnahmen sind ein wichtiges Signal des Rechtsstaates. Auch die Rigaer Straße 94 darf kein Symbol zur Legitimation von Gewalt oder ein rechtsfreier Raum sein. Wer Menschen mit einem Laserpointer blendet, nimmt schwerste Verletzungen in Kauf und begeht eine schwere Straftat. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden”, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP).


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Sachsen: Sprachschützer üben Kritik an Gender-Beschluss für Gesetze

Julian Schernthaner

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Die schwarz-rot-grüne Regierung in Dresden beschloss am Dienstag, künftig all seine Gesetze und Verordnungen zu gendern. Dies ruft den renommierten Sprachverein Deutsche Sprache (VDS) auf den Plan. 

Berlin/Dresden. – Eigentlich ist es ein Entschluss, den man dem ebenso konservativen wie widerständigen Sachsen nicht unbedingt hätte zugetraut. Aber seit die Kenia-Koalition im Amt ist, ticken die Uhren anders. Die grüne Justizministerin Katja Meier (Grüne) freute sich über den Beschluss: Die Sprache der Gesetze stammte aus einer Zeit, in der Frauen und Männer nicht dieselben Rechte hätten, die sprachliche Sichtbarmachung dieser Gleichberechtigung sei ihr ein „besonderes Anliegen”.

Sprachverein äußert scharfe Kritik am Vorstoß

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) sieht dies ganz anders: „Wer die Sprache so entstellen muss, ist weit von der Lösung echter Geschlechterprobleme entfernt”. Nach Ansicht seines Vorsitzenden Walter Krämer sei Deutsch bereits geschlechtergerecht, das biologische und grammatikalische Geschlecht stünden in keinem Zusammenhang. Und: „Wer so etwas glaubt, sollte sich mit der deutschen Sprache und Grammatik beschäftigen”, zitiert die Junge Freiheit den obersten Sprachschützer.

Dass ausgerechnet ein Justizministerium sich über „Regeln der amtlichen Rechtschreibung hinwegsetzt”, hält Krämer für ein „starkes Stück”. Dabei müsse gerade ein solches Ressort wissen, „dass man sich Regelungen nicht zurechtbiegen kann, wen sie einem nicht gefallen”. Bislang führte der Freistaat Sachsen in Gesetzestexten das sogenannte generische Maskulinum, Frauen waren mitgemeint.

Junge Freiheit startete Petition gegen „Gender-Sprech”

Mit der verstärkten Berichterstattung über Stimmen, welche sich gegen Gendersprache aussprechen, will die Junge Freiheit als Wochenzeitung auch eine eigene Petition in diese Richtung bewerben. Wie die Tagesstimme in der Vorwoche berichtete, sehen die Initiatoren im ‚Gender-Sprech’ eine „Gefahr für die deutsche Sprache”, alles im Sinne eines „ideologischen Umerziehungsauftrags”. Man richtete sich damit an öffentlich-rechtliche Redaktionen, Kirchen, Bildungseinrichtungen und Behörden.

All diese Einrichtungen sollen nach Ansicht der Petenten „zum altbewährten Deutsch zurückkehren”. Bis Mittwochnachmittag waren beinahe 15.000 Bürger dem Aufruf gefolgt und unterzeichneten den Appell gegen die umstrittenen, vermeintlich geschlechtergerechten Sprachvarianten.


Weiterlesen:

Junge Freiheit startet Petition gegen Gender-Sprache (04.07.2020)


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