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Kultur

Warum dem ORF die Distanzierung von Böhmermann niemand abkauft

Julian Schernthaner

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Bild (Jan Böhmermann, 2018): Manfred Werner (Tsui) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

In einem ellenlangen Interview beschimpfte der umstrittene Satiriker Jan Böhmermann quasi die ganze Alpenrepublik. Trotz einer halbgaren Distanzierung des öffentlich‐rechtlichen ORF zeigt die Episode einige Abgründe auf.

Kommentar von Julian Schernthaner

Es ist soweit: Der selbsternannte ZDF‐Satiriker Jan Böhmermann ist, mit Anlauf, wieder einmal angeeckt. Nur diesmal ist es alles etwas anders – diesmal steht nicht alleine die Debatte im Vordergrund, ob Satire alles darf. Denn dieses Mal sorgte vor allem das Verhalten des öffentlich‐rechtlichen ORF für allerlei Befremden bei Sympathisanten und Kritikern des Komikers und des Senders zugleich.

Wüste Böhmernann‐Ausritte – Halbgare Distanzierung

Was war geschehen? In altbekannter Manier, im Niveau kaum eine Stufe über seinem berüchtigten „Ziegenficker”-Gedicht, wetterte Böhmermann über den „kein Zustand” in Österreich. In einer Tirade sprach er – in Anspielung auf Thomas Bernhard – von „acht Millionen Debilen”. Die türkis‐blaue Regierungsspitze bekam ihr Fett wie üblich besonders ab. Ein „Versicherungsvertreter mit zu viel Haargel” und sein Vize, der „volksverhetzende Scheiße” teilen würde.

Zu viel der Eindeutigkeit offenbar selbst für den ORF. Dieser verlautbarte im Nachhinein recht halbgar, mittels Haftungsausschlusses: man distanziere sich „von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns”. Gleichwohl dürfe Satire „alles” und ein öffentlich‐rechtlicher Sender dürfe „künstlerische Meinung wiedergeben”. Dennoch ließ man die Aussagen unkommentiert, kein Ansatz der sonst so hochgelobt forschen Interviewführung seiner hochdekorierten Journalisten.

Kunstfreiheit und Bildungsauftrag

Und so findet man sich dann doch neuerlich bei der alles entscheidenden Gretchenfrage der Zulässigkeit. Denn prinzipiell lässt sich natürlich feststellen, dass die Freiheit der Kunst zurecht besonders weit reicht. Sie darf und soll sogar provozieren. Dementsprechend deckt sie auch mitunter geschmacklose, hanebüchene und sogar unsagbare Äußerungen ab – und kommen sie noch so von einem „Pausenclown der Staatselite”.

Und natürlich ist es das gute Recht des ORF, auch umstrittenen Komikern eine Bühne zu bieten. Allerdings bedeutet der Bildungsauftrag eigentlich auch, diese im Zweifelsfall gleich einzuordnen. Oder aber man nimmt es meinetwegen wirklich als Inszenierung und lässt dem Zuschauer das Urteil. Aber zuerst jenseits allen guten Geschmackes ablästern lassen und sich im Nachhinein selbst einen billigen Persilschein ausstellen: das ist unaufrichtig.

Böhmermann kann austeilen – aber nicht einstecken

Aber auch insgesamt stellt sich die Frage, mit welcher Not man ausgerechnet Böhmermann einladen sollte. Denn er gehört eigentlich zur wachsenden Riege jener deutschen Entertainment‐Schneeflocken, die zwar kräftig austeilen, aber selbst nicht einstecken können. Der Fall Enissa Amani lässt grüßen – auch in diesem Fall also vollkommene Berufsverfehlung. Lange vor der Frage, ob er überhaupt lustig ist, der eigene Zugang zum Humor sei schließlich jedem unbenommen.

Denn während er zwischen „Ziegenfickern” und „Versicherungsvertretern” das ganze Portfolio an Beleidigungen abspielt, versteht er selbst gar keinen Spaß. Kanzlerin Merkel verklagte er sogar wegen ihrer kritischen Einschätzung seines Schmähgedichts. Auf Twitter führt er ellenlange Blocklisten, auf welcher so ziemlich jeder landet, der ihm widerspricht, ihn kritisiert oder ihn unlustig findet. Zwischendurch gründet er dann fragwürdige Internet‐Trollbewegungen, um damit Patrioten zu ärgern.

Lippenbekenntnis zu Objektivitätsgebot

Woran es also liegen mag, dass es dem ORF oblag, die größte Satire selbst zu liefern, darüber lässt sich nur spekulieren. Böse Zungen würden ja behaupten, dass die prinzipielle Stoßrichtung des prononcierten Linkskomikers Böhmermann beim schon länger im Volksmund als „Rotfunk” verrufenen Sender offene Türen einrennt. Da sendet man schon einmal wüste Bezeichnungen – ist selbst bei satirischen Facebook‐Postings von Politikern überaus empfindlich.

Vielleicht ist es aber auch nur ein notwendiges Lippenbekenntnis zum Objektivitätsgebot. Immerhin legen dies so manche ORF‐Akteure immer wieder etwas elastisch aus. So bedurfte es zumal schon des Machtwortes des obersten Chefs, wenn Vorwahlreportagen über Koalitionsparteien ein problematisches Framing darstellen. Kritik auf überzogene Vergleiche seiner Nachrichtensprecher gilt schnell als ‚Angriff auf die Pressefreiheit’.

Ungefilterte Bühne nur für linksgerichtete Künstler?

Egal woran es nun liegt, zeigt die Thematik das generelle Problem der gegenwärtigen Hegemonie. Denn eines ist gewiss: Ein auch nur ansatzweise patriotisch angehauchter Künstler bekäme vermutlich nicht die Gelegenheit, seine Ausführungen derart ungefiltert in den Äther zu blasen – wenn überhaupt. Und zwar unabhängig ob es danach eine umfängliche, teilweise oder nur geheuchelte Distanzierung gäbe – oder die Einladung trotz allfällig größerer Breitenwirkung überhaupt ausbliebe.

So war es nicht einmal dem derzeit vermutlich bekanntesten Austro‐Barden Andreas Gabalier war es zu einem seiner letzten Alben – geschweige denn anlässlich wiederkehrender jenseitiger Vorwürfe – vergönnt, sich ähnlich ausgiebig zu präsentieren. Und als etwa Frei.Wild-Sänger Philipp Burger 2013 tatsächlich in einem Kulturmontag‐Beitrag zu Wort kam, framte man die Sache bereits im Vorfeld als „Braun‐Töne”, stellte die Band schließlich quasi als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus dar. Mehr braucht’s offenbar nicht.

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Gesellschaft

Wegen Frauenbild: Künstlergruppe bewirft Goethe‐Gartenhaus mit Klopapier

Julian Schernthaner

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ASDF Screenshot: YouTube [@ca. 01:25]

Weil sie mit dem vermeintlichen Frauenbild des großen deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe nicht konform gehen, machte sich eine linksgerichtete „Künstlergruppe” an seinem Gartenhaus zu schaffen.

Weimar. – Wie die Aktivisten von „Frankfurter Hauptschule” sich auf Twitter bekennen, haben diese – auch nach Eigenbeschreibung – das Haus, welches der Schriftsteller nach seiner Rückkehr nach Weimar zu Wohn‐ und Arbeitszwecken verwendete, „geschändet”. Ihre Nachricht schmückten sie mit den Hashtags #LOLita und #MeToo. Das Haus gehört als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar” zum UNESCO‐Weltkulturerbe.

Groteske Kunstperformance an Goethe‐Haus

Darin verlinken sie außerdem ein Video, welches die Herangehensweise der verstörenden Aktion dokumentiert. Man sieht darin die Mitglieder des Kollektivs zunächst in verschiedenen Posen und Figuren mit Klopapierrollen vor der Heckenbegrenzung herumtanzen. Immer wieder spielen sie dabei Abwandlungen von Zitaten aus Goethe‐Stücken ein.

Diese geben sie aber nicht im Original wieder, sondern adaptieren sie an Fäkalsprache. Einzig der Abgesang referenziert den Film „Fack ju Göhte”. Nach anderthalb Minuten der kuriosen Performance werfen die mit von Grimassen geschmückten Mundschutz ausgestatteten Personen dann die Klorollen auf das Grundstück. Untermalt wird das groteske Schauspiel von einer Vertonung des berühmten Goethe‐Gedichts „Heidenröslein”.

Goethes vermeintliches Frauenbild als Auslöser

Wie 3Sat Kulturzeit unter Berufung auf ein Schreiben, welches der dpa vorliege, beschreibt, stoßen sich die selbsterklärten Künstler an Goethes Frauenbild. Tatsächlich sind die Äußerungen einiger seiner Charaktere über ihre weiblichen Gegenparts heutzutage häufig Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte. Im Großen und Ganzen sind sie allerdings ein Abbild ihrer Zeit, welche eher ein traditionelles Frauenbild vermittelte.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass „Frankfurter Hauptschule” mit einer umstrittenen, feministisch inspirierten Aktion für Schlagzeilen sorgt. Im Jahr 2016 etwa knackten sie in Frankfurt am Main nicht weniger als 3,000 Liebesschlösser. Ihr Kritikpunkt an der romantischen Tradition damals: „Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz. Es ist ein massenhafter Ausdruck von Zwangsliebe und Liebeszwang.“

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Kultur

Keine NS‐Symbolik: Öllinger blitzt mit Anzeige gegen Künstler Wiesinger ab

Julian Schernthaner

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ASDF Bild (Wiesinger 2013): Franz Johann Morgenbesser via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Die Staatsanwaltschaft Ried stellte die Ermittlungen, ob es sich beim Steinmetzzeichen des patriotischen Künstlers Odin Wiesinger um ein verbotenes Symbol handelt, ein.

Ried i. I. /Schärding. – Linker Innviertler ex‐Politiker zeigt bekannten Innviertler Künstler an und scheitert grandios: Die von Karl Öllinger, früher Nationalratsabgeordneter der Grünen, initiierte Plattform „Stoppt die Rechten” sah in der Künstlersignatur des Malers Odin Wiesinger eine Odal‐Rune. Das altgermanische Schriftzeichen hätte in einer Abart als Abzeichen der 7. SS‐Freiwilligen‐Gebirgs‐Division „Prinz Eugen” fungiert, und Wiesingers Emblem zeige dazu angeblich eine große Ähnlichkeit, so die Ansicht der Einrichtung.

Anzeige ursprünglich bei falscher Behörde

Auf Basis dieser gewagten Argumentationsschiene erstattete man deshalb eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft Schärding – in deren Gebiet befindet sich Wiesingers Atelier in Andorf – nach dem Abzeichengesetz. Die Behörde erklärte sich allerdings für nicht zuständig und leitete die Anzeige weiter an die Staatsanwaltschaft Ried. Diese prüfte in der Folge wegen eines möglichen Verstoßes gegen §3g des NS‐Verbotsgesetzes.

Nun kam die Staatsanwaltschaft aber zum Schluss, die Ermittlungen einzustellen, wie der Blog Unzensuriert am Dienstag berichtete. Von der Tagesstimme darauf angesprochen zeigte sich Wiesinger erleichtert. Er wunderte sich auch über die formellen Fehler Öllingers, dieser hätte wissen müssen, dass eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft „nichts bringt”.

Anzeige sollte „einfach Aufmerksamkeit erregen”

Er sieht das Vorgehen insgesamt als taktisches Manöver, man habe damit wohl „einfach Aufmerksamkeit erregen” wollen. Diese Bewertung ist wohl nicht völlig aus der Luft gegriffen – denn die Anzeige geschah wenige Wochen, nachdem die FPÖ Wiesinger für den Landeskulturbeirat in Oberösterreich nominierte – Die Tagesstimme berichtete.

Nach einer Welle der Empörung vor allem von linker Seite, entschied der Künstler dann in der Folge von sich aus, dafür nicht zur Verfügung zu stehen. Im Tagesstimme-Interview im Juni erzählte Wiesinger von „Unterstellungen und ungustiösen Beschimpfungen”, welche ein Ausmaß angenommen hätten, dass sie sein Familienleben beeinträchtigten.

Signatur laut Wiesinger ein „Steinmetzzeichen”

Bereits damals legte Wiesinger sein Unverständnis für die Anzeige dar. Diese zeige ein „Denunziantentum” nach Muster der DDR und „damit verbundener Stasi‐Methoden”. Er bezeichnete die Anzeige seitens Öllinger und seiner Plattform seinerzeit auch als „widerlichen Polit‐Aktivismus”. Auch am „leider immer mehr politisch agierende Kulturbetrieb”, welcher ein „Feindbild” brauche, ließ er dabei wenig gute Haare.

Das Symbol selbst wiederum habe er bereits vor 25 Jahren als „Steinmetzzeichen” im Stil der gotischen „Dombauhütten“ entworfen, um damit seine Skulpturen zu signieren. Es bestehe aus einem O, einem W und zwei I‐Punkten. „Irgendein Spinner” habe dann irgendwann versucht, einen Bezug zur Odalrune herzustellen, so der Künstler bereits 2016 gegenüber dem Szenemagazin Vice.

Kaum Ähnlichkeit zu historisch belasteter Form

Übrigens: Selbst, wenn es sich mit Bedacht um eine Runenform handeln würde, sähe Wiesingers Zeichen der altgermanischen Version ähnlicher als der zeitgeschichtlichen Variante. Erstere findet sich auf zahlreichen Kulturdenkmälern weltweit sowie weiterhin in heraldischem Gebrauch. Auch als Hausmarke kennt man sie vor allem im ländlichen Raum, aber sogar im kirchlichen Bereich, etwa im berühmten Straßburger Münster, findet sich das Symbol an Steinen und Skulpturen.

Außerdem sind beispielsweise in der neuheidnischen Szene, insbesondere im englischsprachigen Raum, beide Versionen – sowohl mit als auch ohne Serifen – heutzutage ohne politischen Hintergrund in Verwendung. Der Gebrauch auch weiterer Runen im NS‐Staat stößt in diesen Kreisen auf besonders große Ablehnung. Zum Vergleich der Symbole:


Weiterlesen:

Wiesinger: „Brauchen mehr Ehrlichkeit in der Kunst!” (Interview, 21.6.2019)

Oberösterreich: FPÖ nominiert Maler Wiesinger für Landeskulturbeirat (13.5.2019)

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Kultur

Frankenburger Würfelspiel: Geschichte als imposantes Freiluftspektakel

Julian Schernthaner

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ASDF Bild (Würfelspielszene am Haushamer Feld): © Würfelspielgemeinde Frankenburg [Pressefoto]

Alle zwei Jahre wird ein Feld der 5.000-Seelen-Marktgemeinde Frankenburg zur größten Naturfreilichtbühne Europas, um ein leidvolles Kapitel der heimischen Geschichte zu inszenieren.

Frankenburg am Hausruck. - Mitten im dreißigjährigen Krieg wurde das Haushamer Feld, heute in der Gemeinde Pfaffing zwischen Frankenburg und Vöcklamarkt, am 15. Mai 1625 zum Schauplatz eines grausamen Akts. Der bayerische Statthalter Adam Graf von Herberstorff ließ die Rädelsführer der aufständischen Bauern als Akt der ‚Gnade’ um ihr Leben würfeln. Seit 1925 stellen hunderte Laienschauspieler die damaligen Vorkommnisse nach.

Ein Markt erhebt sich gegen die Obrigkeit

Das Stück spielt in der Zeit der Gegenreformation. Im damaligen Oberösterreich fielen die lutherischen Lehren und die deutsche Messe auf fruchtbaren Boden, bis zu 80 Prozent der verarmten Landbevölkerung schlossen sich dem neuen Glauben an. Nachdem die Habsburger das ‚Landl’ an den bayerischen Herzog Maximilian I. verpfändeten, ließ dieser mittels katholischer Geistlicher das Rechtsprinzip cuius regio, eius religio (Wessen Land, dessen Glaube) knallhart durchsetzen.

Auch in Frankenburg sollte ein „römischer” Pfarrer aus Welschtirol den beliebten evangelischen Prediger ersetzen. Die bereits durch Hunger und Missernten geschundene Dorfbevölkerung ließ sich den Affront nicht bieten und etwa 5.000 Bauern aus Frankenburg und den umliegenden Gemeinden verjagten zuerst den ungebetenen Geistlichen, belagerten dann den Pfleger der Grafschaft im Frankenburger Schloss. Erst als man ihnen Gnade für ihren Aufstand versprach, legten sie die Waffen nieder.

Gewaltige Bilder bringen Lebensumstände näher

Das ursprünglich aus der Feder des Heimatschriftstellers Karl Itzinger stammende Stück erzählt in eindrucksvollen Bildern die Dramaturgie des sich zuspitzenden Widerstandes der Bevölkerung. Dabei sind es auch kleine Details, welche in den Bann der damaligen Not ziehen, wie bereits eine Eingangsszene zeigt, als sich ein Bauer anschickt, den Verwalter um einen Steuernachlass zu bitten. Erstmals rückt in der diesjährigen Inszenierung zudem auch das Leid der Frauen im Ort in den Mittelpunkt.

Der Gebrauch des bodenständige Dialekts lässt die Figuren noch näher erscheinen. Egal ob es der radikale Feldhauptmann ist, der dem Pfleger bei der Eskalation des Aufstandes wortwörtlich an die Gurgel geht oder der um Diplomatie bestrebte Dorfrichter ist, der am Ende dennoch zur Rechenschaft gezogen wird: es sind lebendige Charaktere, zum Angreifen nah. Es könnten unsere eigenen Vorfahren sein – und bei den Frankenburger Darstellern sind sie es in vielen Fällen sogar.

Ein Würfelspiel als gnadenloses Gnadengericht

Schauriger Abschluss ist das letzte Bild, wo die gesamte Dorfbevölkerung – es sind bis zu 700 Laiendarsteller – zusehen muss, wie die vermeintlichen Rädelsführer aus ihrer Mitte genommen werden und unter einem Baum paarweise um ihr Leben würfeln müssen. Jener mit dem niedrigeren Augenpaar wird am Kirchturm aufgeknüpft. Von 38 als leitend geltenden Aufständischen müssen 17 sterben – zwei genießen zusätzlich Begnadigung.

Aus historischer Sicht brachte dieses grausame – und nicht besonders christlich anmutende – Würfelgericht übrigens keine Kalmierung. Denn die Frankenburger Erhebung wurde zum Fanal, schon im darauffolgenden Jahr 1626 brach der Oberösterreichische Bauernkrieg los – diesmal mit sorgfältiger Planung. Monatelang hielten die aufständischen Bauern dabei wechselweise die bayerischen und kaiserlichen Truppen in Schach.

Kulturerbe mit zeitlosem Inhalt

Das dramaturgische Meisterstück, bei dem ein ganzes Dorf seine Erinnerung aufleben lässt, ist eine Art verborgenes immaterielles Kulturerbe. Und sein Inhalt – an den Menschen verschiedenster Couleur anknüpfen können – ist zeitlos. Die Verfolgung Andersdenkender bleibt ebenso aktuell wie der Wunsch nach Freiheit und nach einem würdevollen Leben in einem Stück Heimat, wo man sich nicht erklären muss.

Die übrigen Aufführungen 2019 finden am 9./10./11./14. und 15. August, jeweils ab 20:30, statt, die Dauer ist knapp zwei Stunden. Durch die exponierte Lage des Hausrucks sollte man sich durch die sommerlichen Temperaturen allerdings nicht trügen lassen – eine Jacke oder Decke schafft Abhilfe. Karten können auf der Homepage des Würfelspiels oder an der Abendkassa erworben werden, bei Schlechtwetter gelten sie auch an den übrigen Tagen.

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