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Meinung

Ring frei: Auch für die Freiheitlichen Studenten

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

Bild: Wahlplakate zur ÖH-Wahl 2019 / Bild privat

Während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum.”

In Österreich finden alle zwei Jahre die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) statt, wo Studenten ihre Vertreter auf Bundesebene und Hochschulebene, aber gleichzeitig auch ihre Studienvertreter wählen. In diesem Jahr fallen die Wahlen aber fast mit den EU-Wahlen zusammen. Während Bürger europäischer Länder ihre Vertreter zwischen dem 23. und 26. Mai wählen können, dürfen sich Studenten für die Wahl ihrer Vertreter zwischen dem 27. und 29. Mai zur Wahlurne begeben. Im Vorfeld gab es deshalb auch Kritik seitens der ÖH. Es wird nämlich befürchtet, dass die ohnehin schon niedrige Wahlbeteiligung unter den Studenten – 2017 nahmen nur knapp über 23 Prozent aller Wahlbeteiligten in Graz an den Wahlen teil – aufgrund der EU-Wahlen noch weiter sinken könnte.

Überall süße Wahlzuckerl

Wie bei jeder Wahl versuchen die antretenden Fraktionen auch heuer mit ihren „Wahlzuckerln“ so viele Wähler wie nur möglich zu ködern. Ihre Wahlversprechen präsentierten sie nun etwa in den jeweiligen Interviews mit der ÖH-Zeitschrift Libelle, die im Rahmen der Wahl allen antretenden Fraktionen dieselben Fragen gestellt hat. Nämlich warum man gerade sie wählen sollte, welche Schwerpunkte sie auszeichnen und welche drei Dinge sie an den Unis ändern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Außerdem wurden sie gefragt, welche Ideen sie haben, um die Situation sozial schlechter gestellten Studenten zu verbessern und was sie zu jenen Studenten sagen wollen, die die ÖH-Wahlen für sinnlos bzw. uninteressant halten. Abschließend kam auch die Frage, mit welcher Fraktion eine Koalition denkbar wäre. Eine Sammlung der „besten” Aussagen finden Sie am Ende des Beitrags.

Hat der RFS aufgegeben?

An der Grazer Karl-Franzens-Universität (KFU Graz) werden bei den Wahlen Ende Mai die unabhängige Fachschaftsliste Uni Graz (FLUG), die Jungen Liberalen Studierenden (JUNOS), die Aktionsgemeinschaft (AG), der Verband Sozialistischer Studenten (VSSTÖ), die Grünen Alternativen Studenten (GRAS) und der Kommunistische Studentenverband (KSV-KJÖ), antreten. Und während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum. Als hätte man sich damit abgefunden, dass radikale Hochschulpolitik eine linke Spielwiese ist und das mit dem Marsch zurück durch die Institutionen nichts wird, tritt der RFS in Graz nur an einer der vier Hochschulen überhaupt an.

Die versprochene Sammlung der „besten“ Aussagen

Im Folgenden Abschnitt noch die versprochene Sammlung der „besten” Aussagen aus den Interviews mit den einzelnen Fraktionen:

„Wir wollen eine Mensa, bei der man gerne essen geht, da auch wir ab und zu Hunger haben!” (RFS)

Studieren ist schon stressig genug, da sind NahtodErlebnisse auf dem Weg zur Prüfung eindeutig zuviel.” (GRAS)

Mit jeder, die sich für einen freien und offenen Hochschulzugang einsetzt und unsere Werte teilt.” (KSV-KJÖ)

Es ist nötig, die Vertretung der Interessen der breiten Mehrheit der Studierenden wieder in den Vordergrund zu stellen.” (KSV-KJÖ)

In der momentanen politischen Lage ist es besonders wichtig, dass Interessensvertretungen stark agieren können und dabei bestärkt sie gerade eine hohe Wahlbeteiligung!” (VSSTÖ)

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Zickenschulze

    23. Mai 2019 at 11:20

    Betreff eines RFS
    Unzweifelhaft auch der Führungsriege zuzuschreiben.
    Erst muss gesät werden um zu ernten.
    Wir unterscheiden uns eben von den Linken.
    Ich betone es nochmal: Strategie, Strategie,Strategie!
    Aufbauarbeit.
    Dem Umständen kann heute nichts mehr überlassen werden.

    Man sieht halt eins.
    Strache hat das gemachte Nest übernommen, das Haider bereitet hat.
    Ihm fehlte die Penibilität Haiders.
    Wer glaubt Haider hat was geschenkt bekommen hat seine Zeitepoche vergessen. Und die war schwerer.
    Die Zeichen des damaligen Zeitgeistes standen ungleich ungünstiger wie heute.

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Meinung

Patrioten an die Unis: Der Kampf um die Köpfe ist endlich eröffnet!

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Die Teilnehmer des gestrigen Gegenprotestes geben die Losung aus. Bild: Florian Köhl via Twitter [Einzelgenehmigung]

Am gestrigen Dienstag spielten sich an Wiener Universitäten zweierlei hochpolitische Geschehnisse mit hoher Symbolkraft ab.

Kolumne von Julian Schernthaner

Student sein, wenn die Veilchen blühen” – so beginnt die erste Strophe eines beliebten Studentenliedes aus dem Jahr 1906. Und die Veilchen blühten – zumindest bildsprachlich in Form eines blauen Auges – einem im Keim erstickten linksradikalen Protest an der TU Wien. Die Maiensonne der Folgezeile glüht zwar noch nicht – aber sie war an diesem Tag dafür einem ins Kreuzfeuer geratenen heimatverbundenen Professor vergönnt, weil die patriotische Zivilgesellschaft sich tatkräftig und präsent solidarisierte.

Linksradikaler Uni-Protest gerät zum Fiasko

Zuerst war da eine Besetzung des Bündnisses „Uns reicht’s”. In wehmütiger Erinnerung an verblasste Forderungen der letzten Generation linker Studenten vor zehn Jahren wollten sie der einstigen Mitstreiterin Maurer einen Katalog hehrer Anliegen für die Regierungsverhandlungen mitgeben und bis zur Durchsetzung nicht weichen. Die bekannteste Anzweiflerin heimischer Kultur sitzt bekanntlich gerade mit Kurz’ Türkisen am Tisch, um an einer grün-schwarzen Regierung zu schmieden.

Kaum am Ort des Geschehens angelangt, war die Revolution aber schon wieder abgesagt. Denn die Essenslieferung – wohl nicht nur bei Stürmung von Tagebauen ein Menschenrecht für konformistische Rebellen – wurde unterbunden. Gar üble blaue Gewerkschafter hingegen, die brachten den bösen Polizisten eine Schnitzelsemmel. Volle Mägen studieren nicht gut, leere Mägen protestieren eben noch schlechter.

Linkes Entsetzen über patriotische Solidarität

Auf Diskursangebote der Unileitung ging man in gewohnter moralischer Überhöhung aber nicht ein. Letztendlich kam es zur Räumung des Festsaales und Lippenbekenntnissen des Rektorats, die Anliegen ja ohnehin selber zu teilen. Tags darauf könnte der Kater nicht größer sein, weil der avisierte Sturm auf die Bastille unter dem Hashtag #wiederbrennen wie so viele ‚angekündigten Revolutionen’ wie ein Teelicht verpuffte.

Umso größer ist das Entsetzen allerdings bei Gesinnungsgenossen aller gesellschaftlichen Strata, von der ÖH-Antifa-Referentin bis zu mit Schimpf und Schand vom Souverän aus dem Parlament komplimentierten linken Ex-Politikern wie Peter Pilz, aber aufgrund eines anderen Umstandes. Denn an der traditionsreichen Uni Wien wohnten gar schröckliche patriotische Studenten einer Vorlesung eines nicht-linken Professors bei. Ja, dürfen die das denn?

Starkes Zeichen ist nur Etappensieg

Während die Krawallbrüder der vergangenen Wochen dort dank Mithilfe des dortigen Rektorats – man stellte Wachleute ab – keinen Zutritt fanden, um die Vorlesung des patriotischen Historikers Höbelt ein drittes Mal zu kapern, war dieselbe bis auf den letzten Platz gefüllt. In einem Zeichen von Solidarität quer durchs patriotische Lager erteilte man den Ansinnen linker Gesinnungswächter, jeden Widerspruch von heimischen Universitäten zu tilgen, eine klare Absage.

Und kein Schäumen vor dem Mund kann diesen Etappensieg patriotischer Zivilgesellschaft an österreichischen Hochschulen rückgängig machen. Aber es bleibt nur ein Etappensieg. Denn bloß weil man ein Zeichen setzt, sich die eigenen Leut’ nicht auf Zuruf aus der Uni schießen zu lassen, bleibt diese ja trotzdem weiter fest in linker Hand – vom Personal bis hin zu den Studentenvertretungen.

Hegemonie nur mit Strategie angreifbar

Damit der Aufbruch vom Dienstag zum Fanal werden kann und kein letztes Aufflackern eines Feuers ist, braucht es Strategie. Jeder Patriot muss danach streben, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu bilden. Auch darf man es nicht länger scheuen, in heute scheinbar brotlose, aber für die Hegemonie zentrale Studien zu strömen: Die einstige Flucht in die Naturwissenschaften verzögerte den Verfall eigener Präsenz dort lediglich um eine Generation.

Gleichzeitig braucht es auch den diese Woche gezeigten Mut – vom kleinen Studenten bis ins Parlament. Man muss sich gewiss werden: In der Sache ist man unverrückbar – Personal, Positionen und eigene Traditionen sind nicht verhandelbar. Unser Liedgut ist kein Skandal, der Schmiss des Freundes kein Schandmal und die Verfechtung einer konservativen Meinung auch im „progressivsten” Fach nicht Spinnerei, sondern Beständigkeit.

Fackel patriotischer Freigeister weitertragen!

Was Jahrzehnte selbstverständlich war, war es am Dienstag plötzlich wieder. Es war gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht all jener, welche glauben, mit allerhand Anbiederung zu verhindern, dass Torwächter des Diskurses die Torpfosten verschieben können. Der kleine Gegenprotest vom Dienstag hat diese Selbstverständlichkeit an einem Abend mehr zurückgebracht als jedes Zugeständnis an die Inhaber der Deutungshoheit in naiver Hoffnung auf Plätze am Katzentisch in Jahrzehnten.

Dieses Zeichen von fünfzig widerständigen Geistern hat jedes Potenzial, die patriotische Begeisterung wieder auf den Campus – und letztlich in die Gesellschaft zu tragen. Ein kleiner Schritt für das dritte Lager am langen Weg zurück in die Institutionen. Dieser braucht Zeit, Mut und Präsenz. Letztere beide scheinen seit gestern in Ansätzen zurückgekehrt. Hoffen wir, dass es kein Strohfeuer war und tragen die Fackel patriotischer Freigeister früherer Generationen Schritt um Schritt zurück in den akademischen Betrieb! Oder wie ein gestriger Teilnehmer ganz richtig ankündigt: „Wir kommen wieder.”


Weiterlesen:

Nach Antifa-Protesten: Patriotische Studenten zeigen Solidarität mit Höbelt (11.12.2019)

Uns reicht’s”: Studenten besetzten Festsaal der TU Wien (11.12.2019)

Kolumne: Die Universität darf kein rechtsfreier Raum werden! (4.12.2019)

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Deutschland

Benedikt Kaiser: „Die AfD darf keinen Schritt Richtung FDP 2.0 gehen”

Redaktion

Veröffentlicht

am

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ASDF Bild: Benedikt Kaiser

Die Tagesstimme sprach mit dem deutschen Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser über den vergangenen Bundesparteitag der AfD. Kaiser gab seine Einschätzung zu den personellen Veränderungen ab und sprach über den „Flügel”, die Unvereinbarkeitsliste sowie wichtige programmatische Weichenstellungen für die Zukunft der AfD.

Die Tagesstimme: Die medialen Reaktionen auf den vergangenen AfD-Bundesparteitag fielen sehr unterschiedlich aus. Die einen sprachen von einem Rechtsruck und einem Sieg des „Flügels“, die anderen von einer Niederlage des „Flügels“. Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Kaiser: Weder noch, oder besser: sowohl als auch. Die Stellungen des „Flügels” wurden gehalten bis zementiert; man kann in keiner Weise mehr ignoriert oder gar abgetrennt werden. Aber zugleich hat man – trotz Rückenwind durch die drei Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg – die Repräsentanz des Ostens und des „Flügels” entgegen legitimer Erwartungen und naheliegender Hoffnungen nicht stärken können.

Der Bundesvorstand bleibt trotz der relativ schwachen Ergebnisse der Westverbände in seiner Mehrzahl westdeutsch und liberal dominiert anstatt ostdeutsch und solidarisch-patriotisch (wo man jeweils spielerisch die 20-Prozent-Marke überschritt). Für mich als externen und kritisch-wohlwollenden Beobachter ist aber eines besonders erfreulich: Die Befürworter einer Rolle rückwärts zur neoliberalen und transatlantischen Lucke-AfD von 2015 wurden eindrucksvoll abgestraft. Drei der vier Vertreter dieses Kurses, die von der Wochenzeitung Jungen Freiheit wesentlich gestützt wurden, sind nicht in den Parteivorstand gekommen oder flogen, sofern sie bereits drin waren, raus. Die Partei hat sich für Ruhe und Ausgleich entschieden. Das ist, gegenwärtig, zweifellos korrekt. 

Die Tagesstimme: Braucht es den „Flügel“ in der AfD überhaupt?

Kaiser: Auch hier kann ich nur als Außenstehender antworten. Meines Erachtens muss alles Tun und Handeln in einer Partei fortwährend geprüft werden. Nie darf etwas statisch oder zum Selbstzweck werden. Es geht ja um mehr als um Vereinsmeierei und Fraktionsbildung. Der „Flügel” hat in der Geschichte der AfD Großartiges geleistet. Er hat verhindert, dass die Partei zu einer FDP plus Islamkritik wurde und kämpft aktiv gegen jene, die weiterhin danach trachten, aus der Alternative ein bloßes Korrektiv zu machen. Aber: Alles hat seine Zeit, alles hat seine Verortung in einem konkreten Rahmen. Ohne jetzt irgendwie für eine Auflösung des „Flügels” zu plädieren – dazu wäre es zu früh, die Basis braucht ihn – würde ich mir wünschen, dass die vernünftigen Leitwölfe bei allen Erfolgen auch konstant selbstkritisch prüfen: Wo stehen wir, was müssen wir ändern, wie können wir etwa jene erreichen, die inhaltlich aufgeschlossen sein mögen, aber sich aus Gründen fernhalten? 

Die Tagesstimme: Wird sich mit Tino Chrupalla auch die Ausrichtung der AfD verändern? Und wie sehen Sie den neuen Co-Vorsitzenden der AfD?

Kaiser: Ich begrüße Chrupallas Wahl, sehe hier aber keine Ausrichtungsänderung. Chrupalla ist als sächsischer AfD-Politiker das Gesicht einer ostdeutschen AfD: volksnah, solide, ehrlich. Man darf nicht vergessen, dass die sogenannten „neuen Bundesländer” viel weniger akademisch und bürgerlich geprägt sind als der Westen. Mit allen entsprechenden Folgen. Da beispielsweise das Bürgertum in Deutschland in den letzten Jahren vor allem grün gepolt ist, der Osten hingegen – aus historischen Gründen – weniger bürgerliche Schichten beheimatet als der Westen, haben die Grünen Ostdeutschlands kaum organische Wachstumspotentiale jenseits von Leipzig, Potsdam oder Jena. Die AfD, als großer Gegenspieler der Grünen, kann hier demgegenüber ganz anders agieren und entsprechende Erfolge erzielen. Ostdeutschland ist, wertfrei, das Land der kleinen Leute. Umso konstruktiver und authentischer ist es da, wenn der Vertreter des Ostens an der Parteispitze einer von hier ist, mit entsprechender Vita, mit entsprechender bodenständiger Ausstrahlung. Aber: Er wird viele Prüfsteine vor sich finden, und er braucht innerparteilich starke Partner. Ansonsten wird er zum Getriebenen. 

Die Tagesstimme: Der im Vorfeld angekündigte Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde beim Parteitag schließlich doch nicht eingebracht. Aus Ihrer Sicht die richtige Entscheidung?

Kaiser: Ich halte die Unvereinbarkeitsliste für ein Relikt schlechterer Tage. Aber das Relikt abzutragen: Das wäre rein strategisch kein Coup, sondern eine unnötige Schlachtfelderöffnung. Also: Lasst die Liste, wo sie ist, aber trefft vor Ort, in den einzelnen Kreis- oder Landesverbänden, die richtige Entscheidung im Einzelfall. Und: Ich würde mir wünschen, dass die Überläufer aus Altparteien kritischer geprüft werden. Denn es gibt kein Unvereinbarkeitsdiktum für Christdemokraten, um ein Beispiel anzuführen. Aber die Akteure mit entsprechendem Background sind oft eine größere Gefahr als geläuterte Veteranen eines prononciert rechteren Kurses, die zudem politisch oftmals etwas für die Heimat wagten, als es dafür keine Posten und Gelder, sondern noch mehr Ablehnung, noch mehr Hass, noch mehr Unbill gab. Wo waren da, also vor 2015, all die Christdemokraten, die nun alternativ wirken wollen? Ehemalige Altpartei-Protagonisten, die jetzt auf den Zug aufspringen, bringen in die junge AfD ihre Verhaltensweisen mit, ihre Weltbilder, ihre oftmals großbürgerliche Klassenpolitik. Das ist gefährlich für eine Kraft, die eine dynamische Volkspartei werden muss mit Integrationspotential quer zu den bisherigen Lagern. Daher: Mehr Wachsamkeit in Richtung der Überläufer aus der sogenannten Mitte! Dort droht mittelfristig die eigentliche Gefahr für eine Alternative, die mehr sein will als nur eine Reserveelite der bestehenden falschen Elite. Das heißt freilich nicht, dass alle Neuzugänge aus CDU, CSU und Co. abzulehnen sind. Aber man sollte eben die kritische Aufmerksamkeit auch dorthin lenken. Alles andere wird ohnehin durch die Vertreter der Unvereinbarkeitsliste ferngehalten. 

Die Tagesstimme: Die Personalentscheidungen auf Bundesebene wurden nun getroffen. Mit welchen inhaltlich-programmatischen Fragen muss sich die AfD in den kommenden Monaten auseinandersetzen?

Kaiser: Nun, ich erlaube mir diesbezüglich auf meine Parteitagsanalyse bei sezession.de zu verweisen und halte folgende Standpunkt fest: Erstens müsste sich die AfD von jedem Schritt in Richtung einer FDP 2.0 fernhalten und marktliberale Positionen – und zwar einerlei, wie man politisch-ideologisch zu ihnen steht – wenigstens auf einer strategischen Analyseebene als das begreifen, was sie sind: ein Garant für ein ewiges Dasein als Klientelpartei im Bereich von 4 bis 12 Prozent. Das reicht dann womöglich für die Rolle eines koalitionären Anhängsels, eines die Union und FDP leicht korrigierenden Juniorpartners in Wartestellung,  bringt uns aber nicht näher in Richtung der grundlegenden Wende für unser Land. Man muss an allen Fronten zulegen, um mehr als 10, 15 Prozent erzielen zu können! Die Sozialdemokratie taumelt, die Linkspartei verrät ihre Stammwähler, die Union kämpft um den bloßen Machterhalt. Man kann also ausgreifen in alle Richtungen, wenn man das klassische Lagerdenken überwindet und entlang einer sozialen und patriotischen Ausrichtung verschiedene Schichten anspricht. 

Zweitens müsste sich die AfD von dem selbstgewählten Dogma befreien, man gewönne Wahlen von rechts durch Vergötzung „wohlstandsbürgerlicher” Milieus. Diese wählen überwiegend seit 1949 den Block des nichtlinken Establishments, votieren also wirtschaftsliberal in christ- und freidemokratischen Variationen, und sind damit – mehr als jede linke Gruppe in der Geschichte der BRD – hauptverantwortlich für die Situation, wie wir sie heute vorfinden und weshalb die Alternative für Deutschland überhaupt erforderlich wurde.

Drittens sollte die AfD verinnerlichen, dass die nominell größte Partei in Deutschland jene der Nichtwähler ist. Die Alternative hat, in Ost wie West, bereits Stück für Stück Teile dieses Blocks gewonnen und hat hier, nach übereinstimmender Meinung in der Forschung, weiteres Wachstumspotential. Dieses gewaltige Reservoir an Unzufriedenen, Abgewandten und Nichtrepräsentierten ist der mögliche „Game Changer” im zu betretenden Raum neuer Machtoptionen. Der „Solidarische Patriotismus”, also die Einbettung patriotischer Denkweisen in ein soziales und gemeinschaftsbezogenes Grundverständnis, könnte der Türöffner sein.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Zur Person:

Benedikt Kaiser ist Jahrgang 1987 und studierte in Chemnitz Politikwissenschaft mit europaspezifischer Ausrichtung (M. A.). Sein Forschungsschwerpunkt gilt den Faschismus- und Totalitarismus-Studien, der geopolitischen Lage in der Levante sowie dem Themenkomplex der »sozialen Frage«.

Seit 2013 schreibt Kaiser für Sezession im Netz. Außerdem publiziert er regelmäßig in der österreichischen Quartalsschrift Neue Ordnung, unregelmäßig außerdem für Compact, éléments (Paris) und Tekos (Mechelen/Belgien). Er arbeitet als Verlagslektor.

Bisherige Buchveröffentlichungen:

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Meinung

Kommentar: „Nein, der Nikolaus war kein Türke!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild (Nikolaus in Vorarlberg): Böhringer Friedrich via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.5] (Bildausschnitt)

Jährlich wiederholen sich die irrtümlichen Aussagen, wonach der mildtätige heilige Nikolaus angeblich ein Türke gewesen sei. Ein durchschaubares Manöver – das falscher nicht sein könnte.

Kommentar von Julian Schernthaner.

So sicher wie das Amen im Gebet sind rund um den einstigen Bischof aus Myra zweierlei Debatten. Das eine ist die Geschichte, wonach dieser in vielen Kindergärten bereits unerwünscht wäre – was leider in einigen Fällen tatsächlich zutrifft. Und da wäre dann noch die Behauptung, wonach dieser ein Türke sei – und diese findet trotz allen Unsinns sogar in Politik und Medien ihren Niederschlag.

Politik und Medien befeuern Mythos mit

So jubilierte etwa Ismael Tipi, integrationspolitischer Sprecher der CDU mit türkischen Vorfahren, in einem mittlerweile gelöschten Tweet, über den vermeintlichen Umstand einer solchen Herkunft des Bischofs. Und das quer-Magazin des Bayerischen Rundfunks (BR) machte aus ihm einen Türken, welcher Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hätte. Deswegen empfahl es „Wutbürgern”, stattdessen einen „Zipfelmann” zu kaufen.

Nicht, das es schlimm wäre, wenn es sich beim Nikolaus um einen Menschen aus einem fremden Kulturkreis handeln würde. Die Legende um den Bischof spricht für sich, das Teilen mit Anderen als Zeichen christlicher Nächstenliebe hat auch jenseits von Glaubensgrenzen einen schönen symbolischen Charakter. Einzig, man sollte bei der Wahrheit bleiben und nicht mit unwahren Narrativen für genehme Propaganda sorgen.

Hartnäckiger Fehlschluss über griechischen Bischof

Man muss nicht wie meine Wenigkeit einen Studienabschluss in historischer Sprachwissenschaft besitzen, um den zutiefst griechischen Namen zu bemerken. Niko-laos, wörtlich der ‚Sieg(er) des Volkes’, lebte in einem kleinen Ort der anatolischen Halbinsel, ein knappes Jahrtausend bevor die ersten Turkvölker dort einwanderten. Rein politisch war Kleinasien damals eine römische Provinz. Das einzige, was am Nikolaus also türkisch ist, ist die heutige Herrschaft über seinen Lebensmittelpunkt.

Mit dieser kuriosen Logik wäre wohl auch der keltische Galater Eporedorix ein Türke wie die Hethiterkönige Suppiluliuma und Muwatalli. Immanuel Kant wäre Russe, die Slawenmissionare Kyrill und Method aber Griechen. Selbst die historische Verantwortung der Deutschen fürs den NS-Staat wäre plötzlich logisch leugenbar: Rudolf Heß wäre Ägypter, Walther Darré ein Argentinier und Alfred Rosenberg ein Este. Tatsächlich entstammten sie Familien der deutschen Diaspora.

Dauermärchen über ‚islamische Erfindungen’

So weit, so gut. Aber eigentlich geht es bei der Sache nicht nur um die leicht zu entlarvenden Fehlschlüsse, sondern um die beabsichtigte Wirkung. Denn mit diesen will man wohl darlegen, welche kulturellen Einflüsse uns die Herkunftsländer von Einwanderern beschert hätten. Da wird aus einer von Berbern nach Spanien gebrachten persischen Laute mitunter schon mal die – etymologisch übrigens griechische – angeblich „islamische” Gitarre.

Plötzlich schwafelt uns n‑tv etwas von Zahnbürsten hervor, welche der islamische Prophet Mohammed erfunden hätte, weil er auf Zweigen kaute. Auch den von Sklavenhändlern überhaupt erst nach Arabien gebrachte äthiopische Kaffee verdanken wir plötzlich dem Islam, ebenso wie die bereits Archimedes bekannte Idee der Brille. Der Grundtenor: Was uns in der Vergangenheit bereicherte, muss uns auch heute bereichern. Dass ‚arabische Ziffern’ eigentlich indische sind, ist geschenkt.

Leitkultur statt falsch verstandener Toleranz

In einem Schweif falsch verstandener Toleranz überhöht man den kulturellen Einfluss der Herkunftsländer der Migranten auf Europa. Inwiefern kleine und größere Märchen in diese Richtung deren Integration fördern sollen, sei ohnehin dahingestellt. Dies gilt besonders dann, wenn man sogar exemplarische Beispiele europäischer Leitkultur dazu hernimmt.

Zu diesen gehören zweifelsohne auch die zahlreichen mit der Verehrung des heiligen Nikolaus verbundenen Brauchtümer, die allesamt auf unserem Kontinent entstanden. Denn eines ist klar: Ohne eine gelebte Leitkultur, in welche sich Zuwanderer assimilieren könnten, werden wir ihnen darüber hinaus gehende Werte unseres Kulturkreises äußerst schwer vermitteln.

Alle lieben den europäischen Nikolausbrauch

Apropos: Erst vor wenigen Tagen hatte ich die Freude, einen Bekannten in seiner Verkleidung als Nikolaus in unserer Stadt zu begleiten. Strahlende Kinderaugen über die milden Gaben entschädigten für eisige Temperaturen. Einige der so belohnten Kinder hatten erkennbar türkische Wurzeln. Keine der Eltern belehrte uns dabei über die angebliche Herkunft im Dunstkreis ihrer Vorfahren.

Im Gegenteil: Man freute sich doppelt darüber, dass das zutiefst heimische Brauchtum um diesen Tag noch gelebt wird. Die Menschen – egal ob autochthon, zugewandert oder Tourist – rissen sich ums Selfie. Vielleicht sollten Meinungsmacher mit etwas weniger Eifer an der Geschichte herum schwindeln um ihnen einen inklusiven Anstrich zu geben. Nochmal zum Mitschreiben: Nein, der Nikolaus ist kein Türke. Muss er auch nicht sein.

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