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Interview

Daran kranken alle rechten Parteien in Europa“

Redaktion

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Benedikt Kaiser bei einer Vortragsveranstaltung am Haus der Marburger Burschenschaft Germania. / © Simon Kaupert

Der deutsche Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser analysiert im Interview mit der Tagesstimme die vergangene EU-Wahl und erklärt, was die AfD seiner Ansicht nach aus dem Ergebnis lernen sollte, warum das Umweltthema wichtig ist und was den europäischen Rechtsparteien bereits seit Jahren fehlt.

Die Tagesstimme: Herr Kaiser, bei der EU-Wahl am vergangenen Sonntag haben Union, SPD und Linkspartei verloren, die Grünen konnten sich verdoppeln und die AfD hat 11 Prozent der Stimmen erreicht. Wie lautet Ihre Einschätzung zu diesem Ergebnis in der Bundesrepublik? 

Kaiser: Zur Union gibt es nicht viel zu sagen. Auch unter „AKK“ (Annegret Kramp-Karrenbauer, Anm. d. Red.) bleibt die CDU das Kernproblem deutscher Politik, und dass Merkel abgetaucht ist, hilft der Partei nicht, schadet ihr aber auch nicht. Die CSU konnte leicht zulegen. Das lag an ihrer Bayernromantik, also daran, dass man so tat, als ob man etwas für Bayern täte, wenn man CSU wählte. Das zieht halt immer. 

Wahlergebnis der AfD ist enttäuschend

Das Wahlergebnis der AfD ist ohne Zweifel enttäuschend. Dieses Ergebnis ergibt 11 Sitze im neuen Europaparlament und entspricht einer Steigerung von 3,9 Prozent im Vergleich zur Europawahl von 2014. Die wurde von Jörg Meuthen allen Ernstes als großer Erfolg angeführt. Natürlich zu Unrecht. Die Europawahl 2014 fand ein Jahr vor dem Merkel- und Migrationsjahr 2015 statt, als sich die AfD in einer Konsolidierungsphase befand. Der korrekte Vergleichsmaßstab sollte also die Bundestagswahl 2017 sein. Dort erzielte man 12,6 Prozent bundesweit. Dies ergibt einen Nettoverlust von 1,6 Prozent der Stimmen am Wahltag. Das ist eine Niederlage, die man nicht – Altparteien gleich – zum Erfolg zurechtbiegen darf.

Die Tagesstimme: Und wie sehen Sie das Ergebnis des rotrotgrünen Lagers? 

Kaiser: Die Resterampe der Nahles-SPD verlor über 11 Prozent und kommt lediglich auf 15,8 Prozent; das rotrotgrüne Lager muss zudem die Verluste (-1,9) der Linkspartei verkraften, die ohne Sahra Wagenknecht nur noch auf 5,5 Prozent der Wähler bauen kann. Am Ende bleibt das rotrotgrüne Lager also stabil, die Zuwächse der Grünen stehen den Verlusten der Sozialdemokraten und Linkssozialdemokraten gegenüber. Die Grünen sind dabei aber mit bundesweit 20,5 Prozent der Stimmen der Triumphator des Wahlabends. Das entspricht einem Zuwachs von 10,7 Prozent.

Zweifellos: Der vereinigte bundesdeutsche Medienblock – von Rezo und Youtube-Influencern bis Öffentlich-Rechtliche – hat diesen Hype in Kollaboration mit Fridays for Future und der grassierenden Greta-Hysterie bestärkt. Die AfD sollte aber nicht nur spotten und höhnen! Eine Partei wie eben die Alternative, die sich wie keine zweite Kraft als jung, unverbraucht und alternativ versteht, muss der grüne Jugendrausch mehr als nur ins Grübeln bringen – und dieses Grübeln sollte als Auslöser für selbstkritische Reflexionen und neue Strategien produktiv umgewandelt werden!

Nichtwähler bieten populistische Mobilisierungschancen

Interessant finde ich noch, und das geht leider bei Freund wie Feind unter: Die stärkste Kraft bleibt der Nichtwählerpool: nur 61,4 Prozent der Wahlberechtigten schritten zur Urne. 38,6 Prozent der Deutschen sehen also keine Chance auf Veränderung durch parlamentarische Verschiebungen, interessieren sich nicht für das machtlose Konstrukt in Brüssel/Straßburg oder sind apolitisch; ein beachtliches und womöglich entscheidendes Reservoir für populistische Mobilisierungschancen in künftigen Krisenmomenten.

Die Tagesstimme: Die AfD konnte sich zwar gegenüber der letzten EU-Wahl steigern, blieb aber, wie Sie bereits sagten, hinter den Erwartungen. Welche Gründe führen Sie dafür ins Feld? 


Kaiser: Die grüne Euphoriewelle ist nur ein Aspekt. Gewiss: Die Umstände waren oft widrig, die Gegner kämpfen mit allen legalen und illegalen Mitteln. Aber das Scheitern war in gleicher Weise hausgemacht: Das Europaprogramm der AfD war unausgegoren, widersprüchlich und oberflächlich; das Auftreten der Spitzenkandidaten ebenso. Will man den DEXIT, also den Austritt der BRD aus der EU? Will man ihn „hart”, „weich” oder geordnet? Will man ihn nicht? Will man einen Umbau der EU in Kooperation mit anderen Rechtsformationen? All dies blieb vollkommen diffus. Selbst Alexander Gauland fiel in seinem ARD-Statement nach der Wahl vor Millionen von Zuschauern nichts anderes ein, als den freien Markt der EU zu loben, als er auf den DEXIT und seine konkrete Bedeutung für die Programmatik der AfD angesprochen wurde. 

Fundamentale Umgestaltung der EU

Klar ist: Man hätte für den Austritt Deutschlands werben können, wenn man eine verständliche und angesichts der BREXIT-Farce glaubhafte Alternative zumindest rudimentär konzipiert hätte. Dann wäre manches deutlicher gewesen, und die Partei, einst als europaskeptische Gruppe gegründet, hätte ihren Markenkern herausarbeiten können. Oder, was wohl der besseren Alternative gleichgekommen wäre: Man hätte den DEXIT für realpolitisch und wirtschaftlich irreal erklären können und stattdessen offensiv für eine fundamentale Umgestaltung der EU werben können: mit dem Rassemblement national (RN, Ex-Front National), mit der Lega, mit anderen Partnern an der Seite.

Dafür hätte man aber programmatisch gänzlich anders arbeiten müssen. Der öffentliche Kurs von Jörg Meuthen ist inhaltlich (nicht: strategisch) in weiten Teilen unvereinbar mit jenem der französischen Wahlsieger um Marine Le Pen und Jordan Bardella (23,5 Prozent frankreichweit); auch die künftige Zweckallianz ist eben dies: eine Zweckallianz. 

Die Tagesstimme: Die Grünen konnten vor allem mit dem Thema Klima&Umwelt bei Erstwählern punkten. Fehlt der AfD ein ordentliches Programm in dieser Frage oder wieso schafft es die AfD nicht, diese jungen Menschen anzusprechen? 

Kaiser: Die AfD-Inaktivität im Umwelt- und Klimabereich beruht auf einem großen Missverständnis. Das zeigt die Aufregung um den Vorstoß der Jungen Alternative Berlin, die forderte, man müsse sich dem Umweltschutz zuwenden, weil das die Jugend reizt und weil das ein konservatives Thema sei. Sofort kamen wütende AfD-Reaktionen von neu gewählten Europaabgeordneten und anderen Funktionären. Was diese Herren und Damen nicht begreifen wollen: Es geht nicht darum, einem Trend hinterherzulaufen. Es geht darum, das ureigene konservative Thema des Umweltschutzes und der Ökologie (wieder!) aufzugreifen – als einen Baustein von vielen für eine „ganzheitlich“ ausgerichtete Politik, auch wenn ich den Begriff „ganzheitlich“ mitunter problematisch finde.

Oft wurde lamentiert, die Jugend sei zu unpolitisch und desinteressiert. Nun zeigt sie sich – anders als gedacht – interessiert, und man muss, jenseits des kleinen Zirkels irreparabel ideologisch Verbohrter, schauen, ob es einen Wahrheitskern der populären Anliegen gibt. 

Die Tagesstimme: Was müssen rechte bzw. patriotische Kräfte beim Umwelt-Thema beachten? 

Kaiser: Fundierter Umweltschutz, nicht abstrakter und überstiegener Klimaschutz, ist ein konservatives Thema, das mit anderen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft – etwa mit sozialen Fragen – verknüpft ist. Man sollte es nicht verabsolutieren, aber auch nicht ignorieren. Kapitalistische und realsozialistische Produktionsweise betreiben bzw. betrieben Natur- und damit Heimatzerstörung. Kommunismus ist tot. Kapitalismus lebt. Daher muss eine Umweltpolitik, die nun diskutiert werden sollte, mit kapitalismuskritischen Ansätzen zusammen gedacht werden. Eine rechte Umweltpolitik gibt sich keinem ideologisierten Klimahype hin, sondern sucht vernunftbasierte Positionen auszubilden, die eigene Traditionslinien mit akuten Herausforderungen verknüpft.

Wer den Markt über Heimat und Umwelt stellt, ist erzliberal

Da einige der AfD erst seit 2013/15 „dabei“ sind, und erst seit dem Zeitpunkt vor allem tagespolitisch aktiv sind, kennen sie die facettenreichen Linien der konservativen Theorie und Geistesgeschichte schlichtweg nicht. Das ist kein Drama, lässt sich beheben, aber dafür muss man vom hohen Ross herunter, das sowieso unbegründet ist. Nur mit diesem Schleier des Nichtwissens ließe sich jedenfalls die unsägliche Arroganz einiger Akteure gegenüber relevanten Erscheinungen unserer Zeit erklären, die die Jugend in nennenswerten Teilen abstößt. Wer den sankrosankten Markt über Heimat und Umwelt stellt, ist erzliberal, aber nicht authentisch konservativ. Das sollte eine Lehre sein. Nicht nur für diese Wahl, sondern grundsätzlich.

Die Tagesstimme: Welche Lehren sollte die AfD nun aus der EU-Wahl ziehen? 

Kaiser: Kurz gefasst: Mehr Programmstreit, weniger Postengeschacher. Mehr „Ins Volke gehen“, weniger parteipolitische Arroganz. Vor allem aber: Vom Osten lernen. Das heißt: Die Westverbände sollten nach Sachsen, Brandenburg oder Thüringen fahren, prüfen, was dort wie abläuft und dann übernehmen, was sinnvoll ist, und modifizieren, was nicht eins zu eins zu adaptieren wäre.  

Die Tagesstimme: In Österreich wurde der EU-Wahlkampf vor allem von innenpolitischen Debatten (Stichwort: Ibiza-Affäre) überschattet. Was kaum bis gar nicht diskutiert wurde, waren Visionen oder Konzepte für ein zukünftiges Europa. Fehlen rechtspopulistischen Parteien wie der FPÖ zukunftsfähige Europakonzepte? 

Kaiser: Ja, ohne Zweifel. Daran kranken alle rechten Parteien in Europa – seit Jahrzehnten, worauf Andreas Mölzer einst vergeblich hinwies.  Eine gemeinsame A‑Z-Neujustierung der EU, die man hätte anvisieren können, geben die Übereinstimmungen aller Rechtsparteien nicht her; lediglich die Antihaltung zum christ- und sozialdemokratischen Brüsselblock mit seinen grünen Ausläufern schweißt zusammen.  Dass diese rein negative Fokussierung verständlich, indessen auf Dauer nicht ausreichend ist, zeigen zahllose gescheiterte Rechtsfraktionen in Brüssel und Straßburg der letzten 20 Jahre.

Die Rechten & Europa

Eine positive Erzählung der alternativen Rechten zu Europa konnte jahrelang vorbereitet und ausgearbeitet werden. Dies fand, wie in der Zeitschrift  Sezession  mehrfach befürchtet und ausführlich dargelegt, nicht statt. Ich selbst referierte zwischen 2016 und 2018 öfters zu verschiedenen Europathemen auch geistiger und kultureller Art, aber fand im Regelfall nur in parteifernen Kreisen eine offene Zuhörerschaft mit reichlich Diskussionsbedarf. Von Parteileuten, egal in welchem Land, kam meist nur zu hören: Europa, alles schön und gut, aber was zählt, sind doch die nationalen Parlamente und nationalen Traditionen! Das ist zwar nicht falsch, aber eben nur eine Teilwahrheit. Brüssel/Straßburg wird immer wichtiger, und wer keine Substanz für Europa erarbeitet, kann keine Alternative für Europa darstellen. Ich hoffe, dass dies die Hauptlehre aus der Europawahl 2019 sein wird! 

Die Tagesstimme: In Italien und Frankreich konnten rechtspopulistische Parteien große Wahlsiege einfahren. Mit dieser Wahl haben die Rechtsparteien im EU-Parlament einige Mandate hinzugewonnen. Christ- und Sozialdemokraten verfügen hingegen zum ersten Mal über keine Mehrheit im EU-Parlament. Was könnte das nun für die weitere EU-Politik bedeuten? 

Kaiser: Ich glaube, man darf diesen Wahlausgang in Italien und Frankreich nicht überschätzen, solange in Deutschland und anderswo die Rechte so schwach bleibt. Es wird in dieser Form alles erstmal weitergehen wie bisher, mit moderaten Kurskorrekturen und häufigerem Streit womöglich. Aber wirklich interessant wird das Ganze erst, wenn es neue Krisenschübe gibt.

Wir dürfen nicht vergessen: Weder ist die Eurokrise vorbei, noch war der „Sommer der Migration“ eine Eintagsfliege, noch sind die mannigfaltigen strukturellen, politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme vieler EU-Länder behoben. Alles ist aufgeschoben. Aber die Krisen werden sich wieder bemerkbar machen, erst in einzelnen Ländern der Peripherie, dann zentral und umfassend. Bis dahin muss die europäische Rechte lernen, lernen, lernen. Und vorher selbstkritisch Bilanz ziehen. Dann kann man auch in Deutschland irgendwann von französischen Ergebnissen träumen. Und dann könnte man ein anderes, ein besseres Europa erhoffen. Bis dahin ist es ein langer Weg, packen wir es an!

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview! 

Zur Person:

Benedikt Kaiser ist Jahrgang 1987 und studierte in Chemnitz Politikwissenschaft mit europaspezifischer Ausrichtung (M. A.). Seine Forschungsschwerpunkte gelten den Faschismus- und Totalitarismus-Studien. Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit Europakonzepten und dem Themenkomplex der „sozialen Frage”.

Seit 2013 schreibt Kaiser für Sezession im Netz. Außerdem publiziert er regelmäßig in der österreichischen Quartalsschrift Neue Ordnung, unregelmäßig auch für Compact, éléments (Paris) und Tekos (Mechelen/Belgien). Er arbeitet als Verlagslektor.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Zickenschulze

    2. Juni 2019 at 0:57

    Daran kranken alle rechten Parteien in Europa“

    Halte wenig bis gar nichts von Politikwissenschaftlern.

    Der ganze Schmus, den er anführt ist mit einem einzigen Satz auf den Punkt zu bringen:
    Ohne vorgelebte rechte Kinderstube auch keine fundierte rechte Gesellschaft mehr.
    (Viele Leute, die sich heute rechts wiegen, sind opportun unterwegs, also auch nur pseudo Gestalten).
    Es fehlen die Fundamente. Man darf diese nicht einmal mehr benennen, schon wird man aussortiert und das Statement landet im Papierkorb.
    Also, was wollt ihr?

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Interview

Gunacker (DO5): „Wir wollen die schweigende Mehrheit in Österreich vernetzen”

Redaktion

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Die Bürgerbewegung „Die Österreicher” (DO5) will in diesem Jahr „die größte patriotische Kundgebung der Zweiten Republik” veranstalten. Die Tagesstimme traf D05-Bundesleiter Jakob Gunacker, um über die neue Bewegung, ihre Ziele und Forderungen sowie das Verhältnis zu den Identitären und der FPÖ zu sprechen.

Die Tagesstimme: Sie sind Leiter der noch jungen Bewegung „Die Österreicher”. Was steckt hinter dieser neuen Gruppierung und welche Ziele verfolgt sie?

Gunacker: Wir sind eine patriotische Sammlungsbewegung, die parteiunabhängig ist. Das Ziel ist, dass wir alle Patrioten vernetzen, weil es in der letzten Zeit einfach so war, dass es in Österreich keine patriotische Bürgerbewegung gegeben hat. Also im Vergleich zu Deutschland, wo es zum Beispiel PEGIDA gibt, haben wir in Österreich nichts Vergleichbares. Und das sehen wir als sehr problematisch an, weil wir die metapolitische Lage grundsätzlich natürlich als sehr wichtig erachten. Der vorpolitische Raum ist die Grundlage für jede politische Wende und wenn wir wirklich eine patriotische Wende erreichen wollen, dann braucht es auch ein metapolitisches Vorfeld, das parteiunabhängig ist, also zum Beispiel eine Bürgerbewegung, so wie wir das machen wollen, die die Leute zusammenbringt und vernetzt.

Wir veranstalten dazu etwa Bürgertreffpunkte. Es gibt nämlich tausende Menschen, die patriotische Videos schauen, die aber nicht vernetzt sind, sich nicht kennen und nichts voneinander wissen, obwohl sie vielleicht sogar Nachbarn sind.

Die Tagesstimme: Und welches konkrete Ziel verfolgen „Die Österreicher” damit?

Gunacker: Zuallererst werden wir im Spätsommer eine Demonstration organisieren, wo etwa 5.000 Leute kommen sollen. Das Ziel ist es, die schweigende Mehrheit in Österreich zu vernetzen, zu aktivieren, auf die Straße zu bringen und damit ein Zeichen zu setzen. Wir wollen die größte patriotische Kundgebung der Zweiten Republik veranstalten.

Die Tagesstimme: Das klingt nach einem sehr ambitionierten Ziel. Wie wollen Sie das erreichen?

Gunacker: Wir wollen die bereits überzeugten Patrioten durch Grund- und Basisaktivismus mobilisieren – etwa durch die vielen Bürgertreffpunkte in ganz Österreich. Diese Patrioten sollen regelmäßig Infostände organisieren, Flyer verteilen und Aktionen machen. Und so wollen wir auch die vielen FPÖ-Wähler in unser Boot holen und sie davon überzeugen, dass auch abseits der Wahlen noch mehr passieren muss.

Die Tagesstimme: Wie viele aktive Unterstützer hat die Bewegung denn bereits?

Gunacker: Interessenten gibt es derzeit um die 1.500 Leute und momentan unterstützen uns ca. 30 Personen finanziell.

Die Tagesstimme: Auf der Homepage findet sich ein Fünf-Punkte-Plan, in dem eine Leitkultur für Österreich gefordert wird. Was macht diese spezifisch österreichische Leitkultur für Sie aus und was müsste hier die Politik konkret umsetzen, um die Leitkultur zu fördern und zu stärken?

Gunacker: Eine Leitkultur ist notwendig, weil wir wollen, dass in Österreich, die österreichische Kultur auch in den nächsten 100 Jahren vorhanden ist und um sicherzustellen, dass Menschen, die sich hier nicht assimilieren oder anpassen wollen, einen gewissen Druck zu spüren bekommen. Dieser Druck ist notwendig, um eine natürliche Remigrationsrate zu erreichen. Wenn wir beispielsweise vom Kopftuchverbot reden: Dann gibt es einige, die danach freiwillig auswandern, weil es sie stört.

Was diese Leitkultur genau ausmacht, könnte man weit ausführen, ich möchte es aber auf ein paar prägnante Punkte reduzieren. Und zwar geht es darum, dass wir unsere Werte in den politischen Diskurs so einbringen, dass zum Beispiel der politische Islam Schwierigkeiten hat, sich hier auszubreiten. Kopftuchverbot in der Öffentlichkeit, für Lehrer, für Beamte…

Die Tagesstimme: Das ist jetzt eher eine negative Definition von Leitkultur. Wie würden Sie es positiv definieren?

Gunacker: Natürlich gibt es eine österreichische Kultur und sie ist etwas Positives. Es geht darum: Wir sind eine Bürgerbewegung, die gegen den Bevölkerungsaustausch auftritt. Das heißt, wir möchten, dass die Österreicher langfristig nicht zur Minderheit im eigenen Land werden. Und das erreichen wir eben dadurch, dass wir unsere Leitkultur in gewissen Bereichen durchsetzen. Und das ist nichts Negatives. Wir fordern ein Kopftuchverbot, weil wir eben nicht wollen, dass Frauen auf unseren Straßen verhüllt herumlaufen, da dann immer auch die Gefahr besteht, dass diejenigen, die nicht verhüllt sind, vor allem in Bezirken, wo Muslime die Mehrheit stellen, anders behandelt oder gar unterdrückt werden.

Für uns ist es etwas Positives, dass wir zu unseren Werten stehen. Die wollen wir auch vermitteln und dass sich in der Politik ganz klar abzeichnet, was unsere Werte sind und welche es nicht sind. Und diejenigen, die diese Werte nicht teilen, entweder einen Druck verspüren, sich anzupassen oder dass sie eben das Land verlassen müssen. Österreich ist eben Österreich und soll es auch bleiben.

Die Tagesstimme: Also ist es für Sie nicht legitim, wenn Migranten in Österreich ihre eigene Kultur erhalten und behaupten wollen?

Gunacker: Doch. Es gibt Minderheitenrechte, das hat es immer schon gegeben und es ist auch in unserer Verfassung verankert. Aber unsere Verfassung unterscheidet auch zwischen autochthonen Minderheiten und nicht-autochthonen wie zum Beispiel dem Islam, der sich hier ausbreitet und der in gewissen Altersbereichen bereits Mehrheiten darstellt. Der Große Austausch hat in vielen Bezirken in Wien bereits stattgefunden. Im 5. Bezirk haben wir nur noch 12 Prozent der Kinder, die Deutsch als Umgangssprache sprechen. Diese Entwicklungen muss man klar benennen.

Also natürlich können Migranten ihre Kultur behalten, aber wenn eine Gruppe etwa durch sehr hohe Geburtenraten langfristig zur Mehrheit wird, muss man dagegensteuern. Das hat dann nichts mehr mit Minderheitenrechten zu tun, sondern es geht darum, dass die Mehrheitsgesellschaft aufrechterhalten bleibt. Das ist dann ein Schutz der Mehrheitsgesellschaft, der genauso legitim ist und im Art. 8 Abs. 2 des Bundesverfassungsgesetzes niedergeschrieben wurde. [„Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zu ihrer gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, die in den autochthonen Volksgruppen zum Ausdruck kommt. Sprache und Kultur, Bestand und Erhaltung dieser Volksgruppen sind zu achten, zu sichern und zu fördern.”, Anm. der Redaktion]

Die Tagesstimme: Auf der Homepage ist neben Ihnen auch der Leiter der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner, angeführt. Handelt es sich bei den Österreichern, wie etwa „Der Standard” schrieb, um einen Ableger der Identitären?

Gunacker: „Die Österreicher” sind eine eigenständige Gruppe, aber es gibt personelle Überschneidungen. Wir distanzieren uns auch nicht von den Identitären oder ihren Aktivisten. Sie sind bei den „Österreichern” herzlich willkommen. Wir sind allgemein offen für alle Patrioten beziehungsweise alle Menschen in Österreich. Der einzige gemeinsame Nenner, der vorhanden sein muss, ist, dass sie dem Fünf-Punkte-Plan gegen den Bevölkerungsaustausch zustimmen. Das heißt, wir sind auch offen für Migranten, für alle Altersgruppen etc., also für jeden, der mit uns in diesen fünf Punkten übereinstimmt.

Die Tagesstimme: Sie haben „Die Österreicher” anfangs als parteiunabhängig bezeichnet. Aber gibt es Kontakte zur FPÖ, die aktuell die einzige patriotische Partei im Parlament ist?

Gunacker: Nein, Kontakte gibt es keine und wir suchen sie auch nicht. Wir wollen gar keine Kontakte zur FPÖ oder zu anderen Parteien haben. Wir bleiben eine eigenständige und unabhängige Bürgerbewegung und es ist uns egal, welche Partei unsere Ziele umsetzt. Wir wollen auf gewisse Missstände aufmerksam machen, wir wollen den Bevölkerungsaustausch in den demokratischen Diskurs einbringen, damit die Parteien darüber debattieren.

Außerdem finanzieren wir uns ausschließlich über Spenden, die einfache Bürger uns zukommen lassen. Eigenständig und unabhängig.

Die Tagesstimme: Sie selbst sind als Person bisher ein politisch unbeschriebenes Blatt. Woher kam plötzlich der Impuls, Leiter einer Bewegung zu werden? Und waren Sie früher schon politisch aktiv beziehungsweise wie beschreiben Sie Ihren bisherigen politischen Werdegang?

Gunacker: Ich war zuvor identitärer Aktivist, davor aber überhaupt nicht politisch aktiv gewesen. Also eigentlich war ich früher sogar links, habe mich dann aber mehr politisch informiert und bin irgendwann zur Erkenntnis gekommen, dass im demographischen Bereich in Österreich einiges schief läuft. Ich habe gemerkt, dass die Österreicher langfristig zur Minderheit im eigenen Land werden. Es ist wichtig, dass man darüber spricht und ich finde es wirklich erschreckend, dass bis heute keine echte Debatte darüber stattfindet und dieses Thema pauschal als „Nazi” abgestempelt wird. Das sehe ich für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat als sehr problematisch an. Deshalb bin ich politisch aktiv geworden.

Die Tagesstimme: Sie scheinen im Internet auch als „zertifizierter Coach“ des „instinktbasierenden medizinischen Systems“ (IBMS) auf. Kritiker sprechen hier von einer Esoterik-Sekte. Das Mastermind dahinter ist ein gewisser Leonard Coldwell, der auch mit der Reichsbürger-Szene sympathisieren und Verschwörungstheorien verbreiten soll. Was hat es damit auf sich und wie stehen Sie dazu?

Gunacker: Also grundsätzlich habe ich mich sehr viel im alternativmedizinischen Bereich fortgebildet, unabhängig von Dr. Leonard Coldwell, unabhängig von IBMS. Ich habe sehr viel über Ernährung und Gesundheit gelernt, habe auch einige Schulungen gemacht in diesem Bereich.

Abgesehen davon bin ich dann irgendwann auf das Thema Krebs gestoßen und fand die Ansätze, die Coldwell vertritt, medizinisch gesehen teilweise sehr interessant, habe aber seine politischen Kommentare oder Ähnliches nie richtig verfolgt. Ich bin der Meinung, dass jeder das Recht haben sollte eigene Ansichten zu vertreten. Nur weil ich Coldwells medizinische Ansätze interessant finde, bedeutet das nicht, dass ich in jedem Punkt seiner Meinung bin. Es ist einfach so, dass Coldwell aus den USA kommt und dort bedeuten Meinungsfreiheit & Libertarismus etwas anderes als hier. In Amerika ist das einfach libertär, was er sagt, in Deutschland und Österreich wird es der Reichsbürger-Szene zugeschrieben.

Wie gesagt, stimme ich nicht mit allem überein, was Coldwell sagt, ich finde aber seinen kritischen Zugang zur Schulmedizin interessant und da hat er meiner Meinung nach in vielen Punkten auch recht und ist ein wichtiges Sprachrohr. Das ist auch der Grund, warum ich zu Treffen gegangen bin – weil ich mich mit alternativmedizinischen Ärzten und anderen Leuten, die in diesem Bereich aktiv sind, vernetzen wollte. Ich habe es bei Menschen immer so gehandhabt, dass ich mir die Dinge herausgenommen habe, die mich interessieren, und den Rest, der mich nicht interessiert oder den ich ablehne, einfach links liegen gelassen habe.

Die Tagesstimme: Der mediale Fokus auf IBMS ist Ihrer Meinung also eine Verkürzung Ihrer Beschäftigung mit dem Thema und auch politisch nicht relevant?

Gunacker: Nein, politisch habe ich dieses Thema nie gesehen. Es war eine Vernetzungsmöglichkeit, um mit alternativmedizinischen Ärzten und Heilpraktikern in Kontakt zu kommen und mich mit ihnen auszutauschen und mich weiterzubilden. Als politische Plattform werden wir das nicht benutzen und es sind auch keine Kontakte vorhanden.

Die Tagesstimme: Sind Sie in dieser alternativmedizinischen Szene noch aktiv?

Gunacker: Nein, ich habe, als ich mich entschieden habe, politisch aktiv zu werden, meine Prioritäten neu gesetzt und mich davon gelöst. Ich habe Ausbildungen gemacht, hauptsächlich für mich selbst, um dieses Thema auch zu verstehen. Mit der Coach-Ausbildung wollte ich mich persönlich weiterentwickeln. Außerdem bin ich kein Mitglied mehr bei IBMS und habe mit den Leuten nichts zu tun. Ich wollte dort eben, wie erwähnt, Kontakte im alternativmedizinischen Bereich knüpfen. Dass Coldwell hier seine politischen Ansichten hereinbrachte, hat mich nie wirklich interessiert.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Jakob Gunacker ist ein 24-jähriger Wirtschaftsingenieur und Betriebsinformatiker aus Wien. Er leitet die patriotische Bürgerbewegung „Die Österreicher”

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Sacha Korn: „In Deutschland ist Musik mittlerweile sehr angepasst”

Redaktion

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Im Tagesstimme-Interview spricht der patriotische Künstler Sacha Korn über seine Leidenschaft für die Musik und vergleicht die Musikszenen Deutschlands, Osteuropas und den USA. Dabei kritisiert er besonders die politische Angepasstheit in der deutschen Musikbranche. Außerdem erzählt Sacha Korn über die Zusammenarbeit mit dem patriotischen Bürgernetzwerk Ein Prozent.

Die Tagesstimme: Herr Korn, Sie sind schon einige Zeit als Musiker tätig. Für die Leser, die Sie noch nicht kennen: Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?

Korn: Hallo, guten Abend! Ich weiß, es gibt tausend Schubladen für die richtige Einordnung. Aber prinzipiell würde ich sagen: Rockmusik. Teilweise mit poppigen Einflüssen, was die Melodieführung angeht und teilweise mit starken Einflüssen aus dem Hardrock/Metal.

Die Tagesstimme: Woher kommt überhaupt Ihre Leidenschaft für die Musik?

Korn: Mein Opa war Musiker. Er hat damals im Film live Musik gespielt. Bei „Unter den Brücken“, der bei uns am Wannsee spielt, wurde er während der Dreharbeiten verhaftet. Jedes Jahr wird der Film im Fernsehen wiederholt und ich schaue ihn mir heute noch an. Er hat aber auch so sehr viel live gespielt, auch im Rundfunk. Das findet man als Kind cool, ich habe sehr viel Zeit mit ihm verbracht. Er spielte fünf Instrumente – alle unglaublich sicher und gut.

Mein Vater war ebenfalls Musiker und später als Tontechniker unterwegs. So kam ich als Jugendlicher mit der DDR-Musikszene zusammen: Pankow, City, Puhdys etc.

Mein Schlagzeuger, mit dem ich seit 15 Jahren spiele, trommelte damals bei der DDR-Kultband Babylon, zu deren Konzerte ich als 14-Jähriger ging. Übrigens steuerten Babylon zum DDR-Kultfilm „Coming Out“ das Lied „Dynamit“ bei. Damals interessierte mich aber eigentlich nur westliche Musik: Metallica, AC/DC usw. Leider konnte man die aber fast nie live sehen.

Die Tagesstimme: Sie haben in Deutschland und in den USA (an der renommierten „Los Angeles Music Academy”) studiert und waren dann lange in Osteuropa. Haben diese verschiedenen Stationen Sie auch musikalisch geprägt?

Korn: Absolut! Das mag komisch klingen, aber ich habe speziell durch meinen Aufenthalt in Osteuropa sehr viel über Stimmungen und Farben in der Musik gelernt, die allerdings nicht über einen musiktheoretischen Ansatz kommt, sondern vom melancholisch geprägten Lebensumfeld. In den USA habe ich die musikalischen Grundlagen durch eine Jazzausbildung lernen dürfen, was extrem dabei hilft, Farbe in ein Lied zu bringen. Wie ich finde, von den Besten der Besten.

Ich bin für beide Erfahrungen sehr dankbar. Am Anfang war es schwierig, die Hochschule vom „Leben auf der Straße“ und den Clubs zu trennen und einfach „das Leben“ auf sich wirken zu lassen. Irgendwann konnte ich aber beides sehr gut miteinander verbinden. Für meine Musik und die Art, mit bestimmten Harmonien Stimmungen zu erzeugen, ist es ein sehr wichtiger Prozess gewesen.

Die Tagesstimme: Können Sie das unseren Lesern genauer erklären?

Korn: Ich versuche meine Lieder mit vielen Harmonie-Optionen zu schreiben, die über eine einfache Bestimmung des Tongeschlechts hinausgehen. Also im Prinzip so, wie man es im Jazz finden kann. Das ist sicherlich ungewöhnlich in der Pop-Rockmusik heutzutage. Wenn man sich aber das Songwriting der 80er anhört, etwa Hall & Oats etc., findet man es überall. In meinen Augen ist das Handwerk. Denn genau diese Optionen, also genauer gesagt, Alterationen, heben sich vom Einheitsbrei ab, erzeugen Spannung oder geben eben ganz eigene Klangbilder. Ich denke, das kann man bei meinen Lieder erkennen, wenn man hinhört. Das Lied „Mein Land“ sind prinzipiell nur Jazzakkorde, es hat aber trotzdem eine sehr klare Melodieführung. Wir haben auf der neuen Platte eine ganz neue Version eingespielt. Mir gefällt das sehr gut.

Es kann ja trotzdem rockig, poppig oder metallastig gespielt werden. Für mich entsteht dadurch eine klarere Melodieführung, die wichtig ist, um die textliche Stimmung zu transportieren.

Die Tagesstimme: Und wie würden Sie die Musikbranchen in den USA, Deutschland und in Osteuropa vergleichen?

Korn: In den USA geht man sehr unvoreingenommen an die Dinge heran, so auch in der Musik. Es wird aber sehr schnell, extrem theoretisch und praxisbezogen zugleich. Für mich gibt es prinzipiell zwei Herangehensweisen: Die eine kommt aus der klassischen Musik, also Bach, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy etc. Die andere Annäherung geht über den Jazz. Wobei ich finde, dass ich in Bach und Beethoven auch sehr viel Jazz hören kann. Wobei mir beim Jazz das Improvisieren einfach besser gefällt. Da kommt das Können unglaublich zur Geltung. Das kann man sich so vorstellen wie einen Kampfsportler, der viel Sparring und Wettkämpfe macht, und einen Theoretiker, der einfach alle Übungen nur brutal auswendig lernt und sich dann auch nur innerhalb dieser bewegen kann, in einem realen Kampf aber unterlegen ist, weil er sich auf die Situationen nicht einstellen kann. Es ist einfach nicht vorhersehbar.

Ich möchte aber dazu sagen, dass Künstler wie Mendelssohn Bartholdy, Bach und Beethoven mich ebenso beeindrucken. Es sind ja auch die Originale! Sie haben es geschafft, etwas Neues zu schöpfen. Gerade Beethoven ist für mich eine Art schöpfergleiches Genie. Ich könnte ihnen stundenlang zuhören. In Osteuropa beeindrucken mich natürlich die russischen, klassischen Komponisten, aber auch zu Stalins Zeiten, Schostakowitsch beispielsweise. Da schwingt immer sehr viel russische Seele mit. Unglaublich! Polen hat sehr tolle Alternativ-Musiker, wie Marek Grechuta, für den mein Vater mal in der Kongresshalle arbeitete, zu DDR-Zeiten. Aber auch wirklich sehr interessante Punkbands. Das Interessante daran ist, dass diese polnischen Punkbands nicht unbedingt links einzuordnen sind, sondern durchaus sehr patriotisch sind. Als ich in Lodz gelebt habe, spielte mein Nachbar – und immer noch einer meiner besten Freunde – in verschiedenen Punkbands. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Gerade weil wir jahrelang so eng befreundet waren und wir im täglichen Leben sehr viel gemeinsam erlebten. Er ist kein gelernter Musiker, aber hat eine tiefe Melancholie, ein sehr gutes Gefühl für Stimmungen, gemischt mit tollen Texten. Wie gesagt, Punk in Polen ist nicht unbedingt links. In Deutschland ist Musik mittlerweile sehr angepasst und ähnlich wie im Journalismus, sehr „haltungsbezogen“. Es gibt, bis auf wenige Ausnahmen, zu viele Kopien.

In den 80ern fand ich die Neue Deutsche Welle extrem innovativ, der Metal aus der Essener Gegend war Weltklasse. In den 90ern waren Techno und Rammstein ein absolutes Highlight. Wobei Rammstein wiederum auch ein Negativ-Beispiel dafür sind, sich durch ihre Texte wieder zu demontieren und unglaubwürdig zu machen. Das ist dieses „Haltungs-Ding”, wovon ich sprach. Echt waren natürlich auch die Böhsen Onkelz, auch wenn es musikalisch eher klassische englische Rockmusik war, woran sie sich ausrichteten, haben sie durch ihre auf die deutsche Realität bezogenen Texte schon etwas losgetreten, was es so noch nicht gab. Diese naive Unvoreingenommenheit ist einfach super! Ekelhaft dagegen sind die ganzen „Deutschrock“ Kopien, die sich dadurch kennzeichnen, musikalisch unterirdisch und textlich ständig in der Opferrolle zu sein. Gern spielen sie alle den Underdog, der den Bezug zur Straße hat, inklusive dem Verständnis für „den kleinen Mann“ und seine Probleme – was paradoxerweise als „rechts“ gilt in diesem Land. Sich dann aber sofort wieder distanzieren, um ja vom linken Mainstream noch erfasst zu werden. Widerlich! Ich habe während meiner Zeit als Sänger bei der EBM/Elektro-Band Funker Vogt diesen rückgratlosen, karrieregeilen Pöbel persönlich kennenlernen müssen.

Die Tagesstimme: Erst kürzlich meinten Sie, sie kennen die Zustände „von Moskau bis L.A“ und nirgends werde Kunst so zensiert wie in Deutschland. Woran kann man das konkret festmachen?

Korn: Ich habe das in der Frage davor ja schon ein bisschen angerissen. Ich denke, der große Unterschied besteht darin, dass man in keinem Land der Welt als „rechts“ gilt, wenn man gesellschaftliche Probleme offen anspricht, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Hier ist ja jeder ein „Nazi“, der offen Fakten, Zahlen, Daten oder Täternamen nennt. Sowas ist beispiellos.

Die Tagesstimme: Sie arbeiten nun auch mit dem patriotischen Bürgernetzwerk „Ein Prozent” zusammen. Ein Teil der Einnahmen der neuen Single „Unsere Kraft“ soll direkt in die Förderung patriotischer Nachwuchskünstler fließen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was erhoffen Sie sich von der Unterstützung junger patriotischer Künstler?

Korn: Ich erhoffe mir dadurch, etwas mehr Bewegung in die politisch unkorrekte Gesellschaftskritik der deutschen Kunst im Allgemeinen zu bekommen. Es wagen sich ja immer mehr aus ihrer Deckung. Auch sehr bekannte Künstler. Ich war neulich sehr überrascht von einer Ansage von Heinz Rudolf Kunze, während eines seiner Konzerte. Das müssen wir nutzen, neue Künstler fördern und entdecken und eventuell auch etablierten ein neues Forum bieten.

Ein Prozent” ist gut vernetzt, offen für Neues und sehr engagiert. Ich sehe aus dieser Richtung viel Bewegung und offene Sinne. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die links bis linksextrem, auf jeden Fall antideutsch-dominierte Musikszene jenseits dessen verstaubt und spießig erscheint. Weil jeder nur noch Haltung vor sich her trägt und das in den Fokus stellt.

Musik und Kunst im Allgemeinen sollte aber die Speerspitze der gesellschaftlichen Evolution sein und damit natürlich überhaupt nicht darauf achten, ob man jetzt irgendwelche Randgruppen verletzt oder dem Mainstream gefällt. Das ist ja wohl absolut ekelhaft! Kunst darf und muss übertreiben. Wir halten ja letztendlich der Gesellschaft den Spiegel vor das Gesicht. Wie soll das funktionieren, wenn wir immer politisch korrekt rüberkommen und gefallen wollen?

Die Tagesstimme: Sehen Sie sich denn selbst als politischen Musiker? Also wollen Sie auch politisch wirken?

Korn: Ich halte mich für einen Menschen, der allgemein Alternativen sucht, wenn es nur einen Weg zu geben scheint. In der Musik geht es mir darum, nicht mit der Masse zu schwimmen und meinen Blick auf die wichtigen gesellschaftlichen Brennpunkte zu richten. Leider wird diese Sichtweise in diesem Land politisch missbraucht. Das möchte ich ändern.

Die Tagesstimme: Nochmal zurück zur Musik. Im nächsten Jahr erscheint Ihr neues Album „Heimat“. Was erwartet die Hörer?

Korn: Textlich bewegt es sich sozusagen azyklisch um das Thema Heimat, was von mir – entgegen der Stoßrichtung des Mainstreams mit all seinen einfarbigen Künstlern – positiv besetzt wird.

Die Tagesstimme: Und sind auch Konzerte im deutschsprachigen Raum geplant?

Korn: Selbstverständlich. Es stehen Konzerte in Sachsen, Thüringen und Berlin/Brandenburg an. Weitere – noch nicht bestätigte – Konzerte sind in der Planung. Österreich würde mich sehr reizen. Vielleicht liest ja ein Veranstalter mit… (lacht).

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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Interview

RFS-Obmann: „Erwarte klare Haltung gegen diese linksextremen Chaoten”

Redaktion

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Die Universität Wien kam in den vergangenen Monaten kaum zur Ruhe. Es gab linksextreme Störversuche in den Vorlesungen des Historikers Prof. Lothar Höbelt und sogar tätliche Angriffe auf rechte Studenten. Die Tagesstimme sprach mit Lukas Heim, Bundesobmann des FPÖ-nahen Ringes Freiheitlicher Studenten (RFS), über die jüngsten Entwicklungen an der Universität.

Die Tagesstimme: Im vergangenen Semester war die Universität Wien Schauplatz linksextremer Proteste gegen den Historiker Lothar Höbelt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung und sehen Sie die Freiheit der Lehre in Gefahr?

Heim: Das ist leider kein neues Phänomen, sondern hat sich bereits über eine längere Zeit abgezeichnet, jedoch werden die Mittel und Methoden, mit denen diese „Gesinnungspolizei“ vorgeht, in den letzten Monaten immer radikaler und extremer. Diese Entwicklungen stimmen einen leider sehr bedenklich. Friedliche Proteste gehören zur Universitätskultur dazu, wenn diese jedoch wie im vorliegenden Fall zu Blockaden werden und dann zusätzlich noch Gewalt ausgeübt und Sachbeschädigungen begangen werden, dann müssen hier ganz klare Grenzen gezogen werden.

Wenn unbescholtene Lehrpersonen mit totalitären Mitteln an der Ausübung ihrer Lehre gehindert werden, dann ist diese Grenze ganz klar überschritten. Wie man auch in anderen europäischen Ländern sieht, wird an den Universitäten mittlerweile jeder ausgegrenzt, der sich nicht der Meinung der Masse beugt. Das hat mit der Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre meiner Auffassung nach nichts mehr zu tun.

Die Tagesstimme: Im Zuge der Proteste gegen Prof. Höbelt wurden Sie auch selbst zum Ziel von Gewalttätern. Doch plötzlich wurde Ihnen vorgeworfen, selbst einen Demonstranten angegriffen zu haben. Können Sie die Ereignisse aus Ihrer Sicht schildern und was sagen Sie zum Vorwurf der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH)?

Heim: Ich besuchte die Vorlesung von Prof. Höbelt im letzten Semester regelmäßig, weshalb ich auch an diesem Dienstag an der Uni war. Vor dem Hörsaal angekommen, musste ich feststellen, dass die Treppe, die zum Hörsaal führt, mit etwa 80–90 vermummten Demonstranten blockiert war. Als diese mich sahen, fielen bereits erste Beschimpfungen und wenige Minuten später wurden mehrere rohe Eier in meine Richtung geworfen. Ein neben mir stehender Student wurde von einem dieser Eier mitten am Kopf getroffen.

Gemeinsam mit den neben mir stehenden Studenten versuchte ich, vor dem Eierbewurf zu einer Seitentüre in den nächsten Gang zu flüchten, woraufhin ich aus nächster Nähe von einem dort stehenden Studenten bespuckt wurde. Als ich diesen zur Rede stellen wollte, wurde ich in eine Diskussion und in weiterer Folge in ein Handgemenge verstrickt, woraufhin etwa sieben bis acht der vermummten Demonstranten auf mich zustürmten und mich mit Tritten und Schlägen gegen Beine, Rücken und Hinterkopf attackierten. Nur mit großer Mühe konnte ich mich durch die Türe in den nächsten Gang flüchten, woraufhin die Vermummten von mir abließen und in der Menge der Blockade untertauchten. Zum Zeitpunkt der Attacke waren weder Sicherheitspersonal noch die Polizei anwesend. Als ich wenig später zurückkehrte und versuchte, die Täter in der Menge auszumachen, wurde ich erneut mit Eiern beworfen.

Den Vorwurf der ÖH weise ich aufs Schärfste zurück. Diese hält regelmäßig Veranstaltungen mit diversen linksradikalen und linksextremen Gruppierungen ab und ist in diese Szene bestens vernetzt. Es sollen auch Vertreter der ÖH selbst unter den Blockierern gewesen sein. Wie eine schriftliche Anfrage an die Vorsitzende der Bundes-ÖH zeigt, solidarisiert sich diese sogar mit den gewalttätigen Blockierern und unterstützt diese. Auch wenn man sich die Plattform anschaut, auf der diverse Bilder der Blockade veröffentlicht wurden, so sieht man auf den ersten Blick, wem die Betreiber ebendieser nahe stehen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass keine Bilder des Angriffs veröffentlicht wurden.

Die Tagesstimme: Die ÖH hat dann sogar gemeinsam mit Linksextremen von der Antifa zu einer Sitzblockade gegen den Couleurbummel der Wiener Korporationen aufgerufen, nachdem die Polizei eine Kundgebung untersagt hatte. Haben Sie Verständnis für solche Aktionen?

Heim: Für derartige Aufrufe zum Gesetzesbruch habe ich kein Verständnis, es zeigt jedoch, was die Verantwortlichen von unserem Rechtsstaat halten. Es wird hier versucht, mit allen Mitteln gegen wertkonservative Studenten vorzugehen. Wie die Demonstration in der Vorwoche, wo ein Burschenschafter schwer verletzt und weshalb die Kundgebung untersagt wurde, gezeigt hat, schreckt man hier auch vor Gewalt nicht zurück. Ich verurteile derartige Aufrufe aufs Schärfste und werde mich auch in Zukunft für die Rechte von Couleurstudenten einsetzen.

Die Tagesstimme: Wie bewerten Sie die Rolle der Universität Wien? Wird hier genügend gegen Linksextremismus unternommen?

Heim: Die Universität Wien hat hier leider zu spät reagiert. Sie verurteilt in ihrer Aussendung zwar die Gewalt, jedoch hätte es gar nicht so weit kommen dürfen. Es muss gewährleistet werden, dass jeder Student ohne Angst an die Universität gehen kann und sicher ist. Hier erwarte ich mir weitere Schritte, um die Sicherheit der Studenten und die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre sicherzustellen, und eine ganz klare Haltung gegen diese linksextremen Chaoten.

Die Tagesstimme: Was plant der RFS, sollten im kommenden Semester die linksextremen Aktionen gegen Prof. Höbelt weitergehen?

Heim: Wie im aktuellen Fall werden wir derartige Vorfälle veröffentlichen und Druck auf die Verantwortlichen ausüben. Falls es notwendig ist, werden wir auch gemeinsam mit der FPÖ weitere Schritte setzen. Dies sind unter anderem schriftliche Anfragen oder auch eine aktuelle Stunde im Parlament.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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