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Kultur

Helnwein legt nach: „Heimat ist für Menschen wichtig”

Julian Schernthaner

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am

Bild (Helnwein 2009): Manfred Werner - Tsui via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Nur wenige Tage nach aufsehenerregenden Äußerungen zum Zustand der zeitgenössischen Linken profiliert sich der bekannte österreichische Künstler Gottfried Helnwein mit Erkenntnissen zum Heimatbegriff.

Wien. - Helnwein gilt als Multitalent in der Kunst – Malerei, Fotografie, Aktionskunst, Bühnenbilder: Was auch immer der seit Jahren in Irland lebende Wiener anfässt, gelingt. Er versteht sich zwar als klassischer Linker in der Tradition der 1968er-Bewegung – hält aber, wie aus einem Standard-Interview hervorgeht, auch das Konzept der Heimatverbundenheit hoch.

Globalisierung bedingt „Auflösung des Heimatbegriffs”

Gerade in der „heutigen Globalisierung” bemerke er eine „Auflösung des Heimatbegriffes”. Er kritisiert gegenüber dem linksliberalen Blatt auch, dass dieser schnell „so etwas Rechtsradikales” mitbekäme. In Wirklichkeit aber, so Helnwein, sei „Heimat für Menschen wichtig” – und zwar „losgelöst von jeder Ideologie”.

Dabei sei auch die Einbindung in eine kulturelle Tradition von Bedeutung. Und zwar „in eine Kultur, die über viele Generationen in Jahrtausenden entstanden ist und in den verschiedensten Formen überall auf der Welt existiert.” Dies merke er insbesondere, wenn er sich etwa in den USA aufhalte. Auch das sein ein „faszinierendes Land […] mit einer durchaus eigenständigen Kultur” – er fühle sich dann aber verstärkt als Europäer.

Kritik an EU nicht „antieuropäisch”

Ebenso bemerkenswert moniert er allerdings im Anschluss, dass „Europa mehr und mehr mit der EU gleichgesetzt” würde. Jede Kritik an diesem Konstrukt gelte schnell als „antieuropäisch”, es würde so getan, „als hätte die EU Europa erfunden und deren allfälliges Ende den Niedergang Europas bedeuten würde.

Wenn er Europa sage, meine er „die kulturellen und geistigen Werte einer gemeinsamen jahrtausendalten Geschichte”. Diese würde die Menschen zutiefst prägen und verbinden – und nicht ein „Konstrukt aus Schuldnern und Bankern, wie Vranitzky die EU einmal genannt hat.”

Helnwein:„Kultureller Höhepunkt der Menschheit in Europa”

Seiner Ansicht nach hätte sogar der „kulturelle Höhepunkt der Menschheit […] in Europa stattgefunden”. Damit meint er gerade die Zeitspanne zwischen der Gotik und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese zeichne sich durch „eine Explosion an Kreativität wie niemals zuvor irgendwo auf der Welt” aus”. Diese Bewertung seinerseits gelte insbesondere für die Baukunst, Musik, Malerei, Literatur und Philosophie. Dort finde sich „das große Wunder der Menschheitsgeschichte”.

Globalisierung bedroht Vielfältigkeit der Kulturen

Dass dies nun durch ein „völlig neues Zeitalter”, und zwar ein digitales „zugrunde geht”, verbindet Helnwein „mit Wehmut”. Diese Epoche schaffen Techologien, welche „alles vernetzen, überwachen und kontrollierbar machen”. Damit würden sie erst den Nährboden schaffen für die „sogenannte Globalisierung”.

Deren Folgen sind nach Ansicht des Künstlers schwerwiegend. Die Globalisierung könnte „möglicherweise alle ästhetischen und geistigen Werte nivellieren”. Damit entstehe die Gefahr, dass die „Vielfältigkeit, Widersprüchlichkeit und Eigenständigkeit verschiedener Kulturen” vor einer Auslöschung stünde.

Kritik an „existenzieller Krise” der Linken

Bereits wenige Tage zuvor hatte der unbotmäßige Künstler gegenüber dem Kurier ausgiebige Kritik am linken Spektrum geäußert. Dieses stecke seiner Ansicht nach in einer „existentiellen Krise”, da der Kapitalismus einen „endgültigen und totalen Sieg errungen” habe. Dabei habe sich ein „Kartell der Milliardäre […] in einem beispiellosen propagandistischen Coup” die Linke „unter den Nagel gerissen”.

Die Einordnungen „rechts” und „links” seien auch deshalb „völlig aufgeweicht und bedeutungslos”. Die „neue Pseudo-Linke” setze sich dabei insbesondere für politische Korrektheit ein, die Begriffe ‚Nazi’ und ‚Rassist’ hätten eine „totale Inflation” erfahren. Heutzutage würden diese „jedem um die Ohren fliegen”, der sich nicht „an das Diktat der selbst ernannten Moralisten” halte – Die Tagesstimme berichtete.


Weiterlesen:

Helnwein: „Die gesamte Linke steckt in einer existenziellen Krise” (2.6.2019)

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Kultur

US-Forscherin hält SpongeBob für rassistisch und kolonialistisch

Julian Schernthaner

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ASDF 'SpongeBob' ist dermaßen beliebt, dass es mittlerweile jede Menge Franchise-Artikel gibt - sogar Frühstücksflocken. Symbolbild: Mike Mozart via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

Eine amerikanische Anthropologin ist der Ansicht, dass die Rahmenhandlung der beliebten Zeichentrickserie SpongeBob außerdem dazu geeignet sei, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”.

Seattle. - Wie der britische Independent berichtet, unterstellt Holly Barker, eine Anthropologin der University of Washington, der Kinderserie SpongeBob Schwammkopf, rassistische Ressentiments zu schüren. Das seit zwanzig Jahren erfolgreiche Programm spiele „eine Rolle, die Aneignung indigener Länder durch koloniale Siedler zu normalisieren”. Dies geschehe vor dem Hintergrund, dass „das angestammte Bikini-Volk in seiner nicht-fiktionalen Heimat ausgelöscht wurde”.

Forscherin: SpongeBob verharmlost US-Kernwaffentests

Barkers Vorwürfe im Fachmagazin The Contemporary Pacific beziehen sich auf den Heimatort von SpongeBob namens Bikini Bottom. Dort lebt der freundliche Schwamm in einer Ananas unter dem Meer. Dieser Ort ist nach Ansicht der Forscherin dem Bikini-Atoll auf den Marshall-Inseln nachempfunden. Dort kam es 1946 zu großen Umsiedelungen, da die US-Armee die Insel als Testgebiet für Kernwaffentests vorsah.

Dadurch dass SpongeBob ein amerikanischer Charakter sei, sei die Cartoon-Figur verantwortlich dafür, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”. Der Schwamm lebe in einem Gebiet lebe, welches Einheimische hätten verlassen müssen. Dies zeige sein Privileg, sich „keine Gedanken über die Detonation von Atombomben machen zu müssen”.

Serie bedient angeblich rassistische Stereotypen

Problematisch sieht Barker neben einem angeblichen Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern außerdem, dass Charaktere der Serie sich die kulturellen Eigenheiten pazifischer Kulturen aneignen. Dies zeige sich durch das Tragen von Hawaiihemden, das Vorkommen von monumentalen Köpfen wie auf der Osterinsel, Häusern in Ananasform oder Klänge von Steel-Gitarren. Damit würden Stereotype der Region bedient.

Der Ansicht Barkers zufolge bringen diese Referenzen den Kindern eine Ideologie bei welche es in Ordnung findet, dass ein „US-Charakter wie Spongebob […] im Heimatland eines anderen Volkes” wohne. Dabei solle man sich angesichts einer „Hamburger-liebenden amerikanischen Gemeinschaft”, welche die „Bikini-Lagune besetzt” unwohl fühlen. Dies untergrabe nämlich „jeden Aspekt kultureller Souveranität”.

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Kultur

Peter Handke gewinnt Literaturnobelpreis

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild (Schwedische Akademie in Stockholm): Mastad via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Fünfzehn Jahre nach der Kür der umstrittenen Autorin Elfriede Jelinek hat Österreich mit Peter Handke zum zweiten Mal einen Literaturnobelpreisträger.

Stockholm. – Die mit Spannung erwartete Doppelverleihung für die Jahre 2018 und 2019 endet dem ORF zufolge mit einem österreichischen Preisträger für das aktuelle Jahr: Peter Handke. Für das Vorjahr – damals wurde die Verleihung nach Skandalen im dafür zuständigen Komitee ausgesetzt – geht die Auszeichnung an die Polin Olga Tokarczuk.

Einflussreiches Werk” mit „sprachlicher Genialität”

Die Schwedische Akademie verlieh Handke den mit neun Millionen schwedischen Kronen (830.000 Euro) dotierten Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“. Zur Überreichung kommt es allerdings erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, Alfred Nobel.

Handke wurde 1942 in Griffen geboren und begann 1964 während eines später abgebrochen Jusstudiums in Graz mit der Schriftstellerei, sein Erstlingswerk „Die Hornissen” erschien 1966. Mit einem Schlag berühmt wurde der Querdenker, als er noch vor dessen Auslieferung in Princeton bei der „Gruppe 47” eine angriffige Schmährede gegen den damaligen Zustand der Literatur und Literaturkritik hielt. Im selben Jahr begeisterte sein neues Sprechstück „Publikumsbeschimpfung” die Theaterkritiker.

Handke: Vielfach preisgekrönter Querdenker

Seitdem ist Handke aus der Literaturwelt nicht mehr wegzudenken. Obwohl er sich niemals an den Protesten der 68er beteiligte und einigen ihrer Akteure sogar abwartend gegenüber stand, schwang seine fundamentale Kritik am etablierten Literaturbetrieb und seine neuartige Weise, per ‚Sprachkritik verschiedene Literaturformen zu bespielen, in deren einstiger gegenkultureller Aufbruchstimmung mit. Seine Kritik an der Studentenbewegung verschaffte ihm dabei gleichzeitig den Ruf eines Konservativen.

Seine Charaktere sind unterdessen oftmals Verlorene, die sich in den zeitpolitischen Wirren ihrer Zeit wiederfinden – Außenseiter und Verkannte mit einem gewissen zeitgemäßen ‚Verve’. Auch als Mensch war ihm die öffentliche Meinung oft egal – seine mehrfache Parteinahme für Serbien gegen die Mainstream-Ansicht der 90er-Jahre sowie seine Sympathien für serbische Rechtsparteien sorgten im Kulturbereich für Kontroversen, ohne aber seine Beliebtheit zu schmälern.

Über 20 heimische Preisträger – nur zwei in Literatur

Der vielfache preisgekrönte Handke ist der zweiundzwanzigste im weiteren Sinn österreichische Nobelpreisträger in sämtlichen sechs Kategorien – aber erst der zweite in der Literatursparte nach Elfriede Jelinek im Jahr 2004. Die Mehrheit der Preisträger erhielt ihre Ehrung in einem der drei naturwissenschaftlichen Felder (Medizin, Physik, Chemie).

Dazu kommen zwei heimische Friedensnobelpreisträger – beide allerdings über hundert Jahre her (Bertha von Suttner 1905, Alfred Fried 1911). Einmal (Friedrich von Hayek 1974) konnte ein Österreicher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erringen. Zuletzt war im Jahr 2013 ein Forscher mit einem Österreichbezug – der 1938 emigrierte, gebürtige Wiener Martin Karplus für Chemie – unter den Prämierten.

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Lange Nacht der Museen: Fast 390.000 Besucher beim 20. Jubiläum

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild: Hannes Sallmutter [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Die „Lange Nacht der Museen” zog auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende Kulturliebhaber an.

Von Samstag auf Sonntag fand bereits zum 20. Mal die vom ORF initiierte „Lange Nacht der Museen” statt. In ganz Österreich und in Teilen von Slowenien, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland präsentierten rund 730 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen ihre Sammlungen und Ausstellungen, wie der ORF in einer Aussendung mitteilte.

Der größte Besuchermagnet war wenig überraschend Wien (189.032), gefolgt von der Steiermark (42.368) und Kärnten (39.362).

Albertina war größter Besuchermagnet

Die meistbesuchten Museen in den österreichischen Bundesländern im Überblick:

  • Burgenland: Schloss Esterházy (1.075)
  • Kärnten: Stadtgalerie Klagenfurt (4.535)
  • Niederösterreich: Nostalgiewelt Eggenburg (903)
  • Oberösterreich: Ars Electronica Center (1.479)
  • Salzburg: DomQuartier Salzburg (3.947)
  • Steiermark: Schloss Eggenberg, Prunkräume, Universalmuseum Joanneum (6.468)
  • Tirol: Kaiserliche Hofburg (3.358)
  • Vorarlberg: Kunsthaus Bregenz (1.346)
  • Wien: Albertina (16.575)

Wrabetz: „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”

Zum Jubiläum sprach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz von einem „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”. Darüber hinaus bedankte sich Wrabetz bei allen Kultureinrichtungen, Sponsoren und Partnern, „die jedes Jahr einen großen Beitrag zum Erfolg dieser Initiative leisten”.

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