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Mehret die Anfänge“ – Keimzellen der Mosaik‐Deutschen

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Symbolbild: Brandenburger Tor in Berlin (CC0)

Obwohl die politischen Fronten verhärtet sind wie selten zuvor in 70 Jahren BRD, keimen doch sogleich ganz zaghaft die ersten Sprösslinge eines hoffentlich in nicht allzu weiter Ferne liegenden „mosaik‐deutschen” Bündnisses hervor. Eines über Partei‐ und Ideologiegrenzen hinweg einenden Bandes der reinen Vernunft, das sich aus der Gewissheit speist, dass jede Art von ganzheitlichem oder auch globalem Denken ins Nichts führen wird beim Versuch, sich der Ganzheitlichkeit des Eigenen zu entledigen.

Ein Kommentar von Kemal Cem Yilmaz

Die ersten Zersetzungserscheinungen der Unversöhnlichkeit sind klar und deutlich zu vernehmen. Wenn das grüne Urgestein Jürgen Trittin der AfD vorwirft, „vaterlandslose Gesellen“ zu sein, dann lässt dies aufhorchen. Das Vaterland möchte Trittin also nun doch verteidigen, wie es scheint. Daher ist seine Sorge über den Zustand des Vaterlandes, die sich in einer wütenden Rede gegen die AfD‐Energiepolitik entlädt, zugleich auch als Hilfeschrei eines in seiner Partei vereinsamten Altgrünen zu verstehen.

Es tut sich was”

Eine späte Sehnsucht nach Vaterlandstreue eines durch und durch deutschen Politikers? Sein Zorn richtet sich zwar äußerlich gegen die AfD, trifft aber im Kern vor allem seine eigene Partei, die sich in Gänze von der Idee verabschiedet hat, dass nur das Wohl des Vaterlandes Grundlage jeder politischen Bestrebung zu sein hat. Folgerichtig erscheint daher die zweifelsohne im nationalen Interesse Deutschlands stehende gemeinsame Reise Trittins nach Moskau auf Initiative des AfD‐Abgeordneten Robby Schlund, obwohl Trittin in seiner „Vaterlands‐Rede“ noch die guten Beziehungen einiger AfD‐Abgeordneter zu russischen Kollegen zu rügen wusste. Reue oder die Macht der reinen Vernunft? Man weiß es nicht. Fest steht; es tut sich was.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck fordert derweil eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“ und kritisiert die Ablehnung jedes bisher aufgestellten AfD‐Kandidaten für das Amt des Vize‐Bundestagspräsidenten. Auch der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er dazu aufruft, die AfD als „legitime Konkurrenz“ anzuerkennen. Ex‐SPD‐Chef Sigmar Gabriel und Ex‐SPD‐Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wünschen sich das dänische Model für die deutsche Sozialdemokratie samt restriktiver Einwanderungspolitik und gesundem Patriotismus.

Wiederkehr nationaler Selbstverständlichkeiten

Der vorherrschende grün‐globalistische Wind mag viele täuschen, aber die Zeiten ändern sich. Und zwar anders als erwartet: Patriotismus, die Liebe zum Eigenen und der Wunsch nach Wiederkehr nationaler Selbstverständlichkeiten lassen sich weder wegdenken noch wegschweigen. All dies, sowie die Frage nach einer relativen ethnischen Homogenität und die anti‐chauvinistischen neurechten Prinzipien eines positiven Identitätsbezugs im respektvollen Austausch mit anderen Ländern und Kulturen werden unweigerlich Einzug in den gesellschaftlichen Diskurs erhalten. In diesem Sinne wünscht man sich vor allem eines: „Mehret die Anfänge“.

Die absurden Forderungen nach einem nun totalitären „Buntistan” der immer hysterischer auftretenden Kampfmoralisten von CDU‐Tauber über SPD‐Stegner bis hin zum notorisch verwirrten „Zentrum für Politische Schönheit” nach dem Mordfall Lübcke sind daher als letzte, verzweifelte Hilfeschreie eines globalistischen Einheitsblocks zu betrachten.

Diskurs über das Wesentliche

Die Meinungshoheit der medialen Moralapostel bröckelt nicht nur, sie befindet sich kurz vor ihrem unaufhaltbaren Niedergang. Der Diskurs über das Wesentliche rückt mit unaufhaltsamen Schritten näher und niemand fürchtet ihn mehr als die, die das fehlende Puzzleteil für einen ganzheitlichen Diskurs, der diesen Namen auch verdient, in die dunklen Verliese ihrer bösartigen Projektionen zu verbannen trachteten. Sie ahnen oder wissen gar, welch helle Strahlkraft, Mut und Zuversicht für die gesamte Gesellschaft in dem steckt, was sie seit jeher mit den zersetzenden Abgründen ihrer eigenen Weltsicht zu verteufeln versuchten. Die aufrichtige Neurechte bahnt sich ihren Weg ins Zentrum des Geschehens. Ihre Mission ist klar und unzweideutig. Frei nach Atatürk könnte sie wie folgt gebündelt werden: „Frieden in Deutschland, Frieden in Europa, Frieden auf der Welt.“

Scheitern der Mosaik‐Linken

Das linke Publikationsorgan „neues deutschland“ sieht in der Görlitzer Einheitsfront gegen den AfD‐Bürgermeisterkandidaten Wippel die „Grenzen der Selbstverleugnung“ erreicht. Dass die Antifa für einen CDU‐Kandidaten demonstriert, wird nicht wenige aufrechte Linke zu der Einsicht führen, dass die ursprüngliche Idee einer Mosaik‐Linken sang‐ und klanglos gescheitert ist. Diejenigen Linken, denen der Sozialstaat wichtiger ist als eine ideologisch betriebene, planmäßige Multikulturalisierungspolitik werden sich früher oder später – lieber früher – nach alternativen Bündnismöglichkeiten umschauen müssen, um nicht Teil derjenigen Linken zu sein, die aus Machtgier zum entseelten Helfershelfer des radikalen Neoliberalismus geworden ist.

Die um den Publizisten Benedikt Kaiser und den Verleger Philip Stein entstandene junge Mosaik‐Rechte hat nicht minder harte Bandagen zu tragen im Kampf gegen die ewigheutigen liberalkonservativen Kräfte im „eigenen Lager“, die sich, wie die Vorsitzende der AfD‐nahen Desiderius‐Erasmus‐Stiftung, als „Fleisch vom Fleische der CDU“ sehen und keine „grundsätzliche und vielschichtige Alternative zu Christ‐, Sozial‐ und Freidemokraten sowie zu Grünen und Linken aufbauen“ (B. Kaiser) wollen oder können.

Gegensätze und Grundsätze

Die bisherigen Dichotomien „links‐rechts” und „progressiv‐konservativ” sind der Idee einer nach Normalisierung des Diskurses strebenden Mosaik‐Deutschen daher zuwider. Die zentralen Gegensätze zwischen einer zukünftigen, überparteilichen Mosaik‐Deutschen und der liberal‐atlantischen‐Reste‐Alt‐BRD werden sein: „Anywheres vs. Somewheres“, „One‐World‐Kultur vs. Nationalbewusstsein‐im‐Einklang‐mit‐den‐Völkern‐der‐Welt” sowie „neoliberalistischer Individualismus vs. marktwirtschaftlichem Sozialpatriotismus”.

Die Grundsätze der Mosaik‐Deutschen müssen allesamt Ausdruck des überlebenswichtigen Willens zur Herausbildung eines neudeutschen Minimalkonsenses sein. Denn über eines sollten sich alle Vernunftbegabten im Klaren sein: Scheitert die Mosaik‐Deutsche, scheitert die BRD.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Zickenschulze

    22. Juni 2019 at 3:19

    Mosaik – Deutschen !
    Treffender könnte man die Situation, die vorliegt nicht umschreiben. De facto ist das ein
    Jeder gegen Jeden.
    Und was kommt danach?
    Die Deutsche Eiche fällt. Sie ist definitiv umgesägt.
    Der Untergrund auf dem sie stand, ist aufgeweicht. Moor und Kröten halten bereits Einzug, ergreifen Besitz.
    Bunt ist der Dschungel.

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Recherche Dresden: Mittelstand for Future?

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ASDF Symbolbild (CC0)

Die „Fridays for Future“-Bewegung ist in der Wirtschaft angekommen. „Entrepreneurs for Future“ (EFF) heißt der Zusammenschluß von 2.600 Unternehmen mit insgesamt 200.000 Mitarbeitern, der die Politik zu radikalen Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung bewegen will.

Ein Beitrag von Recherche Dresden

Die meisten von ihnen sind Mittelständler oder kleine Start‐ups. Auch prominente Unternehmen wie Zalando, Delivery Hero oder Flixbus wollen beim „Klimaschutz“ mitmischen und haben die Initiative „Leaders for climate action“ ins Leben gerufen.

Wie beim pappbeschilderten jugendlichen Vorbild auf den Straßen lassen sich die Entrepreneurs und Leaders pathetischen Schwung ohne Rückspiegel und leichtfertige politische Radikalität nicht nehmen: Die Bundesregierung müsse „viel mehr tun, um das Klima zu schützen“, denn man sei „in einer zeithistorisch entscheidenden Phase, in der jeder Schritt zählt“, so etwa der Delivery Hero‐Chef Niklas Östberg. Ein rascher Komplettumstieg auf erneuerbare Energien zähle ebenso dazu, wie eine CO2– und eine Kerosin‐Steuer. Denn Deutschland könne Vorreiter werden: „Wir sollen“, zitiert das Handelsblatt Östberg, den Klimaschutz „als Chance begreifen“.

Imagepflege für Konzerne

Recherche Dresden meint: Es ist zwar nachvollziehbar, dass Unternehmen mit der Adaption politisch opportuner Themen Imagepflege betreiben. Aber es ist im Falle des Klima‐ und Umweltkomplexes besonders abgeschmackt, wenn sich ausgerechnet Essenslieferdienste wie Delivery Hero verbal an die Spitze der Klima‐Bewegung schwingen. Unter Umweltschutzaspekten sind die Millionen Einzeltransporte für ein, zwei warme Pappschachteln mit Pizza plus Beilage ein besonders „schmutziges“ Geschäft.

Wenn Östberg großspurig von „Nachhaltigkeit“ spricht, dann scheint er zu vergessen, dass der billige und überflüssige Essenstransport über Lieferdienste – und somit der Kern seines Geschäftsmodells – per se nicht nachhaltig ist. Umweltschonend wäre der Gang zum nächsten Lebensmittelgeschäft; oder noch besser: vom eigenen Gemüsegarten in die Küche – und eben nicht der Transport per Auto oder Motorroller kilometerlang durch dichtbefahrene Städte.

Schönfärberei der eigenen Umweltsünden

Den Schuh muss sich auch der Versandhändler Zalando anziehen, dessen Geschäftsmodell nicht nur den stationären Einzelhandel – und damit die „umweltfreundliche“ Alternative zum Online‐Handel – schädigt, sondern eine bequeme Paket‐Mentalität fördert, die nicht nach der Umwelt fragt, wenn die anprobierten Schuhe wieder retour gehen. Der publicity‐berechnende Schulterschluss mit „Fridays for Future“ und die ostentative Klimaradikalität können auch hier als Kompensation und Schönfärberei der eigenen Umweltsünden gelten.

Natürlich kann man nicht erwarten, dass Unternehmen sich offensiv vom Zeitgeist abheben. Auf politischen Opportunismus ist in der Wirtschaft nun einmal die Prämie Sicherheit und ökonomische Rentabilität gesetzt. Gleichwohl können die Kosten für politische Aktivitäten auch schnell den Prämiensockel übersteigen, sobald sie sich nicht mehr nur auf die kommunikative Außendarstellung bzw. warme Worte beschränken. Dies haben wir in unserer Studie über die »Corporate Social Responsibility«-Strategien großer Dax‐Unternehmen in Heft 5 gezeigt.

Soziale Verantwortung von Unternehmen

Dort haben wir außerdem herausgestellt, dass es für Unternehmen in konformistischen Zeiten klüger sein kann – freilich ohne offene Opposition zum Hauptstrom – auf dem sozialen Feld Alleinstellungsmerkmale zu kreieren. Wieso engagiert sich ein Lieferunternehmen, das tausende Fahrzeuge auf die Straßen schickt, nicht im Bereich der Verkehrssicherheit? Oder ein Online‐Versandhändler, der am Verfall von Innenstädten mitwirkt, an Projekten zur Altstadt‐ und Denkmalpflege?

Eine breite Fächerung sozialer Unternehmens‐Aktivitäten wäre von höherem gesellschaftlichem Nutzen, als die rhetorische Konzentration auf „Trend‐Bereiche“ wie Klimaschutz, Flüchtlingshilfe und Diversity. Wenn Unternehmen wirklich an sozialer Verantwortung interessiert sind, dann darf es dazu schon ein bisschen mehr Mut zum Alleinstellungsmerkmal – zur Abweichung vom Mainstream – sein.

Heft 7 von Recherche D erscheint Anfang November und wird sich schwerpunktmäßig mit »Ökologie und Ökonomie« beschäftigen. Hier können Sie das Magazin abonnieren.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf der Seite von Recherche Dresden.

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Wort zum Sonntag: Priesterkreis gegen den linksliberalen Kardinal Marx

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ASDF Bild: Kardinal Marx (CC0)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat die Müdigkeit und Kraftlosigkeit Europas beklagt. Nur wenn Europa wieder ganz bewusst seine Seele und das Christentum suche, sei es in der Lage zu überleben. Immer mehr katholische Priester sehen sich veranlasst, gegen die Verbreitung der linksliberalen politischen Ideologie des Mainstreams innerhalb der Kirche aufzutreten.

Kolumne von Raphanus

Für den umstrittenen Kardinal Marx hagelte es Kritik, als er Anfang des Jahres den Begriff „christliches Abendland“ kritisierte, weil dieser „vor allem ausgrenzend” sei. Marx war zuvor schon wegen einer 50.000-Euro-Spende an eine umstrittene Mittelmeer‐NGO auf Ablehnung gestoßen.

Kardinal Marx soll zurücktreten

Der Priesterkreis Communio veritatis forderte den Kardinal nach seiner Aussage mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs zum Rücktritt auf, da Marx die Sakramente der Kirche als seinen Privatbesitz ansehe, den er beliebig auf dem Altar des Zeitgeistes opfere.

In ihrer Rücktrittsaufforderung wiesen die Priester die Instrumentalisierung der christlichen Religion auf das Schärfste zurück und erinnerten Marx, „dass die Kardinalsfarbe Rot nicht die Flagge eines Neo‐Marxismus meint, sondern die Verteidigung des katholischen Glaubens bis zum Blutvergießen”. Gleichzeitig konfrontierten sie Marx mit dem Vorwurf, „das Kreuz des Herrn in skandalösem Verrat abgelegt” zu haben.

Zahlreiche Reaktionen

Die Priester sehen sich bestätigt: Reaktionen gab es von zahlreichen Klerikern und Gläubigen aus Deutschland und weltweit, die sie „in einer wahren Flut von mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen” erreicht hätten. Viele Personen hätten ihre Dankbarkeit und Zustimmung zum Ausdruck gebracht und bestätigt, dass sie ihnen aus dem Herzen gesprochen hätten.

Die mutigen Priester zeigen eindrucksvoll: Nicht jede kirchliche Verirrung muss schweigend hingenommen werden. Vielleicht ist die Müdigkeit und Kraftlosigkeit Europas, die der emeritierte Papst Benedikt XVI. beklagt hat, doch noch nicht so weit fortgeschritten, wie befürchtet.

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Bürgerliche Mischkulturen: Die Einseitigkeit der Empörungsmaschinerie

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild: By Rainer Surrey (Mediengruppe Madsack) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich zeigt sich diese Woche wieder deutlich: Es ist wichtiger, wer etwas über wen sagt – und nicht was gesagt wird.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Am Sonntag jährte sich zum 80. Mal jener leidvolle Tag, als der Angriff auf den Gleiwitzer Sender eine Abfolge von Geschehnissen in Gang setzte, welche die europäischen Völker in einen erbitterten Bruderkrieg stürzte. Es war unglaubliches Gemetzel, an dessen Ende Millionen Tote die verbrannte Erde unseres Kontinents säumten. Aber wenn man die jüngsten Debatten beobachtet, könnte man meinen, wir wären in eine Zeitmaschine gefallen.

Aufgebauschter Skandal um „Mischkulturen”-Sager

Den Anfang machte hierbei ein Krone-Interview mit einem oberösterreichischen FPÖ‐Politiker. Dieser sprach sich gegen Multikulti aus und bekundete, Zuwanderung über assimilierbare Maßen hinaus abzulehnen. Sein großer Fehler: Er gebrauchte dafür den unorthodoxen und holprigen Begriff ‚Mischkulturen’.

Mehr brauchte es nicht, linksgerichtete Tugendwächter waren auf den Plan gerufen. Sie kramten sofort irgendwelche Belege hervor, wonach dieses heute vor allem wertfrei in der Botanik gebrauchte Wort bereits im Dritten Reich vorgekommen sei. Schnell war der allgegenwärtigen Kampf gegen Hitler und die Seinen, fast 75 Jahre nach dessen Tod, also wieder aktuell.

Unterschiedlicher Maßstäbe

Fast bezeichnend ist dabei, dass eine NEOS‐Politikerin sich an ein „zweites Rattengedicht” erinnert fühlte. Freilich wollte sie damit den Freiheitlichen eine systematische Nähe zu braunem Gedankengut nahelegen. Dumm nur, dass keine 48 Stunden später die Staatsanwaltschaft Ried feststellte: Das laut ÖVP‐Altkanzler Kurz „abscheuliche und rassistische Gedicht” ist weder verhetzend noch verletzt es religiöse Gefühle. Und so bekommt diese Aussage eine gänzlich andere Note.

Denn neuerlich skandalisierten Medien und Politik im Doppelpass eine ungeschickte, aber letztendlich harmlose Aussage eines FPÖ‐Politikers zu opportuner Zeit. Und erneut ging ihnen die Freiheitlichen auf den Leim, distanzierten sich in der Hoffnung, aus den Schlagzeilen zu kommen. Was in Oberösterreich übrigens keinen Skandal wert war: die Karikatur von Identitären als mit Giftgas zu bekämpfendes Ungeziefer in der größten Zeitung des Bundeslandes. Ist ja auch die „falsche” Täter‐Opfer‐Verteilung.

Auch Beschimpfung von Wählern plötzlich en vogue

Noch viel bezeichnender als die regelmäßige Feststellung, dass in Österreich das Parteibuch darüber entscheidet, was „widerlich” ist und was nicht, ist aber die bundesdeutsche Reaktion auf den Ausgang der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Seitdem die patriotische AfD dort am Sonntag zur zweitstärksten Kraft wurde, scheint, glaubt man der medialen Endzeitstimmung, quasi das Vierte Reich ausgebrochen.

Eine Kolumnistin der Zeit, welche einst Thilo Sarrazin als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnete, ist sich sicher: Wer heute AfD will, nimmt Gasöfen in Kauf, denn der – freilich imaginierte -„Faschismus” habe „keinen moderaten Flügel”. Ein Politologe der Uni Göttingen unterstellt den männlichen AfD‐Wählern in Sachsen überhaupt, „Scheiße im Kopf” zu haben, und eine „Drecksnazipartei” zu wählen.

Bürgerliche Koalition”: Moderatorin unter Beschuss

Man würde annehmen können, angesichts derartig jenseitiger Bewertung demokratischer Wahlergebnisse und der Beschimpfung hunderttausender Wähler aller Lebenswege, wäre der Teufel los. Ist es auch. Allerdings nicht deshalb, sondern weil eine MDR‐Moderatorin eine rechnerisch mögliche CDU/AfD‐Regierung als „bürgerliche Koalition” bezeichnete.

Plötzlich schossen selbstberufene Sprachpolizisten aus allen Ecken. Ein Moderator des öffentlich‐rechtlichen Rundfunks befand, dass auf die AfD „nur noch eine Bezeichnung” passe und zwar „rechtsextrem”. Auch der Generalsekretär einer bundesweit eher strauchelnden Regierungspartei maßregelte die Journalistin ob ihres Sprachgebrauchs. Der obengenannte Politologe hingegen durfte für das ZDF zur Wahlanalyse als Experte ran.

Das Gegenüber macht die Spielregeln

Man sieht: Als Patriot kann man es einer durchwegs nach links ausscherenden Diskurshoheit einfach niemals recht machen. Markige und überspitzte Aussagen führen zu Forderungen nach Köpferollen. Zahmere Sprache wird als vermeintliche Tarnstrategie ausgelegt. Und sich anzubiedern und von den eigenen Leuten zu distanzieren, schafft kein bisschen Geländegewinn, sondern dient als Katapult für neue Anwürfe.

Denn die Spielregeln macht das Gegenüber, für welches natürlich keine Sprachregelung gilt – und jeden beiseite schieben will, der Patrioten auch nur einen Strohhalm der Legitimation zubilligen möchte. Und freilich könnte man sich fügen und entweder nach Prinzip anecken oder immer weiter sein Personal und seine Standpunkte für einen Platz am Katzentisch opfern. Oder aber man denkt eine patriotische Wende endlich zu Ende.

Linke Hegemonie ist kein Naturgewächs

Die gegenwärtige, weit nach links verschobene Hegemonie ist nämlich kein Naturgewächs. Über Jahrzehnte schafften diese sich eigene Strukturen, aus denen sie an wichtige Hebel der Gesellschaft kamen, sobald ihre Gegenöffentlichkeit zur Öffentlichkeit geworden war. Die Biographie eines Georg Restle – vom linksradikalen Piratenradio in die ARD – spricht Bände. Auf der anderen Seite sind heute schon Preisverleihungen an latent patriotische Künstler eine halbe Staatsaffäre.

Will man irgendeine Chance haben, diesen Zustand irgendwann zu ändern, muss man begreifen: Nur mit patriotischer Zivilgesellschaft und Gegenöffentlichkeit wird es gelingen. Eine besondere Rolle erfüllen dabei unabhängige patriotische Medien. Es ist unsere Aufgabe, jene Lücken zu schließen, die der herkömmliche Blätterwald hinterlässt. Es ist auch unsere Aufgabe, ihrem einseitig gefärbten Narrativ eine zweite Sichtweise entgegenzustellen. Wenn Sie diese Arbeit als ebenso wichtig ansehen, können Sie uns »hier« unterstützen.


Weiterlesen:

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen wegen ‚Rattengedicht’ ein (3.9.2019)

Bürgerliche Koalition“: MDR entschuldigt sich für Äußerung von Reporterin (3.9.2019)

Scheiße im Kopf”: Politologe beschimpft AfD‐Wähler (2.9.2019)

Identitäre als Ungeziefer: Kritik an umstrittener OÖN‐Karikatur (2.7.2019)

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