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Interview

Wiesinger: „Brauchen mehr Ehrlichkeit in der Kunst!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Bild (Odin Wiesinger in seinem Atelier, 2019): Michael Scharfmüller (Info-DIREKT - Das Magazin für Patrioten) [mit freundlicher Genehmigung]

Der patriotische Maler Odin Wiesinger polarisiert und sorgt damit für heftige politische Diskussionen. Im Gespräch mit der Tagesstimme reflektiert er über die jüngste Kontroverse um seine Person, die Wichtigkeit von Heimat und den Zustand der zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Wiesinger – vor einigen Wochen sorgte österreichweit für großes Aufsehen, dass Sie von der FPÖ für einen Posten im Kulturbeirat des Landes Oberösterreich vorgeschlagen wurden. Hat Sie diese hohe Wertschätzung überrascht – und wie eng ist Ihre Beziehung zu den Freiheitlichen?

Odin Wiesinger: Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun, sondern ich bin FPÖ-Mitglied und wurde gefragt, ob ich für die FPÖ in den Kulturbeirat gehen möchte. Im Nachhinein betrachtet: Leider habe ich mich überreden lassen!

Die Tagesstimme: Nach dieser Ankündigung machten diverse linke Politiker sofort gegen Ihre Nominierung mobil. Verstehen Sie die Kontroverse um Ihre Person? 

Odin Wiesinger: Diese Kontroverse verstehe ich nur insofern, als dass diverse politische Parteien des linken Spektrums, sowie der – leider immer mehr ‑politisch agierende Kulturbetrieb ein Feindbild brauchen. Dass man aber hier mit Unterstellungen, Manipulationen und Denunziation arbeitet, um gegen mich Stimmung zu machen,  finde ich sehr bedenklich.

Ein Beispiel: Über mich können sie oftmals Folgendes lesen: der „Burschenschafter-Künstler”, der „rechtsextreme Künstler” und so weiter. Liest man derartige Attribute auch bei anderen Künstlern? … Da könnte man mit Bestimmtheit manchen als „linksextremen, SPÖ‑, KPÖ‑, et cetera Künstler“ bezeichnen, aber es wird nicht gemacht!

Die Tagesstimme: Etwa gleichzeitig ließ die Unterstützung des umstrittenen Blutmalers Hermann Nitsch für die Grünen-Kandidatin Sarah Wiener die Wogen nicht annähernd so hochgehen. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Odin Wiesinger: Kurze und klare antwort: JA!

Die Tagesstimme: Letztendlich entschieden Sie, von einem Einzug in den Kulturbeirat Abstand zu nehmen. Welche Gründe haben Sie dazu bewogen, von Ihrer Nominierung zurückzutreten? Gab es auch Drohungen gegen Sie oder Ihre Familie?

Odin Wiesinger: Diese ganzen Unterstellungen und ungustiösen Beschimpfungen haben in kürzester Zeit ein Ausmaß angenommen, das ich meiner Familie nicht auf Dauer zumuten wollte! Enttäuscht bin ich hier vom oberösterreichischen Landeshauptmann, der nur auf linke Zurufe reagierte, und mir nicht einmal die Möglichkeit einer Gegendarstellung beziehungsweise eines klärenden Gesprächs mit ihm gab.

Die Tagesstimme: Immer wieder unterstellen Ihre Kritikern Ihnen, sie würden rechtsextremes Gedankengut pflegen. Dabei verweisen sie auch auf streitbare Äußerungen Ihrerseits zu historischen Themen. Wie bewerten Sie solche Anschuldigungen?

Odin Wiesinger: Das sind keine Kritiker, sondern denkfaule Menschen, die jeden, der nicht sofort und eindeutig ihrem „linken Gedankengut“ und ihrer Weltsicht zuteilbar ist, als rechtsextrem bezeichnen!

Die Tagesstimme: Wie wichtig ist dennoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um die Zukunft zu bewältigen?

Odin Wiesinger: Ich bin davon überzeugt, dass Geschichte keine „ideologische Einbahn“ sein sollte, und das passt natürlich so manchem nicht, der sich dann aus politischen Motiven heraus von vornherein einer kritischen Auseinandersetzung verweigert!

Die Tagesstimme: Im Zentrum der Kritik steht auch regelmäßig Ihre Altherrenschaft bei einer Mittelschulverbindung. Zurecht?

Odin Wiesinger: Ich bin Burschenschafter, und ich stehe dazu! Das ist ja auch nichts Verbotenes, auch wenn es den Grünen nicht gefällt, und von Teilen der Roten nicht erwünscht ist – die damit ihre Geschichte leugnen, denn die Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, Adler und  Pernerstorfer, waren Burschenschafter!

Die Tagesstimme: Viele Ihrer Werke widmen sich tatsächlich Elementen aus der studentischen Tradition. Welche wichtigen Lehren nimmt ein Mensch von dieser für viele Leute kaum verständlichen Welt fürs Leben mit?

Odin Wiesinger: Richtig, einigen meiner werke liegen studentische/burschenschaftliche Motive zugrunde. Einige davon sind in Österreich, in der BRD und in der Schweiz zu finden, sogar in Chile und Amerika! Der Wahlspruch der Burschenschaft „Ehre – Freiheit – Vaterland“ hat meines Erachtens nach allgemeine Gültigkeit im Leben eines jeden Menschen.

Die Tagesstimme: Mehrere überregional bekannte, heimatverbundene Mundartdichter wie Franz Stelzhamer, Ludwig Luber oder Hans Schatzdorfer kamen wie Sie aus dem Innviertel, ebenso die Bildhauerdynastie Schwanthaler. Zahlreiche Maler wie Wilhelm Träger, Max Schlager oder Hans Schachinger wirkten ebenso in der Region. Als Andorfer Urgestein: Was macht das Innviertel für Künstler aller Art so attraktiv?

Odin Wiesinger: Es ist die Mischung aus Landschaft und Menschen, welche den Charakter einer Region prägt … leider werden die „echten“ Innviertler immer weniger! Aber ich möchte dazu einfach den „Franz aus Piesenham“ [Stelzhamer, Anm. der Red.] zitieren:

Frisch außa, was drin is,
nöt kriachn am Bauch,
frei d´Hand göbn,
ins Gsicht schaun,
is Innviertler Brauch.“

Die Tagesstimme: Ihre Malkunst sticht durch realistische Bilder hervor. In der Vergangenheit äußerten sie sich immer wieder kritisch über abstrakte und aktionistische Kunst. Glauben Sie, gegenständliche Kunst kann zeitnah eine Renaissance feiern?

Odin Wiesinger: Zur Zeit arbeite ich hauptsächlich realistisch. Natürlich habe ich mich auch kritisch über Kunst geäußert, da meiner Meinung nicht alles, was uns von Seiten der Medien als „abstrakte Kunst“ verkauft wird, auch Kunst ist! Der Aktionismus, wie ihn eine Wiener Gruppe prägte,  war nie „meine Sache“.

Der Begriff ‚Renaissance’ ist vielleicht übertrieben, denn die gegenständliche Kunst war ja nie weg, obwohl sich das mancher gewunschen hätte! Mein Professor an der Kunsthochschule forderte immer „mehr Ehrlichkeit“ in der Kunst, das würde uns heute bestimmt nicht schaden.

Die Tagesstimme: Die linksgerichtete Plattform ‚Stoppt die Rechten’ hat wegen Ihrer Künstlersignatur eine Strafanzeige eingebracht, weil diese der historisch belasteten Odalrune ähnlich sehen soll. Wie bewerten Sie diesen Vorstoß – und was drückt Ihre Signatur tatsächlich aus?

Odin Wiesinger: Ich habe, um meine Skulpturen zu signieren,  vor ca. 25 Jahren (!!!) ein sogenanntes „Steinmetzzeichen“ in der Tradition der Dombauhütten kreiert. Es besteht aus einem O, einem W und den zwei i‑Punkten.

Diese Strafanzeige, das ist Denunziantentum, wie man es mit dem Ende der DDR und damit verbundener Stasi-Methoden überwunden glaubte. Ein widerlicher Polit-Aktivismus, der hier von dieser Plattform und einem ex-Politiker der Grünen betrieben wird!

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Zickenschulze

    21. Juni 2019 at 12:46

    Richtig. Zurück zu gesunden Wurzeln.

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Interview

Scharfmüller: „Müssen der Zensur immer einen Schritt voraus sein!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Michael Scharfmüller, 2018): Privat.

Im Interview mit der Tagesstimme spricht Michael Scharfmüller, Geschäftsführer von Info-DIREKT, über die Wichtigkeit patriotischer Medien – und darüber, wieso ihn die Facebook-Sperre seines Magazins kalt lässt.

Die Tagesstimme: Mit Facebook sperrte das derzeit noch wichtigste soziale Netzwerk die Seite Ihres Magazins mit über 20.000 Fans. Was bedeutet es für ein kleines Magazin, wenn eine derart reichweitenstarke Plattform vom einen auf den nächsten Moment wegfällt?

Michael Scharfmüller: Für Info-DIREKT ist das weniger schlimm, weil wir schon lange mit einer willkürlichen Sperre gerechnet haben. Zudem müssen wir mit Info-DIREKT keine Massen erreichen. Unsere Zielgruppe ist sehr genau definiert: politisch-interessierte Patrioten, die kritisch denken und bei Diskussionen am Arbeitsplatz, im Wirtshaus, in der Familie und im Internet das Wort ergreifen. Die Frage ist, was es für eine Demokratie bedeutet, wenn Zensur stattfindet – das halte ich für viel problematischer.

Die Tagesstimme: Immer wieder kommt es dort zu Sperrungen kritischer Medienangebote, auch in Österreich ist Info-DIREKT nicht als erstes von solchen Maßnahmen betroffen. Werden sich kritische Stimmen andere Angebote suchen müssen, um ihre Botschaft abzubringen – und wie könnten diese aussehen?

Scharfmüller: Wer sich kritisch informieren will, ist auch heute nicht mehr nur auf Facebook unterwegs. Menschen unter 30 findet man zudem kaum mehr auf Facebook. Wenn wir weiterhin erfolgreich sein wollen, müssen wir der Zensur immer einen Schritt voraus sein und auch Trends rechtzeitig erkennen. Eine Rolle spielt dabei die WhatsApp-Alternative „Telegram“.

Die Tagesstimme: Besteht bei alternativen Plattformen wie „Telegram” denn nicht die Gefahr, mittelfristig nur mehr innerhalb des erweiterten eigenen Lagers wahrgenommen zu werden?

Scharfmüller: Das hängt davon ab, wie Telegram genutzt wird. Unser Telegram-Kanal dient dazu unseren Lesern Texte, kurze Kommentare und Bilder zur Verfügung zu stellen, die sie dann selbstständig in den sozialen Medien, per E‑Mail, WhatsApp und Co. weiterverbreiten können.

Aus meiner Sicht muss es erst einmal das Ziel sein, das erweiterte eigene Lager flächendeckend und regelmäßig zu erreichen. Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die Info-DIREKT noch nicht kennen, obwohl sie zu unserer Zielgruppe gehören.

Die Tagesstimme: Ihr Magazin erreichte in den vergangenen Monaten durch provokante Berichterstattung sowie Interviews mit hochrangigen Politikern bundesweite Bekanntheit. Wie haben Sie die öffentliche Debatte um Ihr Medium erlebt?

Scharfmüller: Als verlogen und heuchlerisch, aber sehr erfreulich. Wir konnten über den Sommer unsere Bekanntheit, unser Ansehen im patriotische Lager steigern und auch jede Menge Abos verkaufen. Als provokant würde ich unsere Medienarbeit jedoch nicht bezeichnen – eher als selbstbewusst.

Die Tagesstimme: Ihnen feindlich gesonnene Akteure wie das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands“ unterstellen Info-DIREKT „alle wesentlichen Bestimmungsmerkmale des Rechtsextremismus“ zu bedienen. Wie kann man sich gegen derart stigmatisierende Darstellungen wehren?

Scharfmüller: Nur indem man sagt, wer das DÖW überhaupt ist – nämlich eine „kommunistische Tarnorganisation“ und eine Art „Privat-Stasi“. Das DÖW arbeitet nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch unseriös. Die wesentliche Bestimmung für „Extremismus“ ist übrigens das Anwenden oder Gutheißen von Gewalt, um die bestehende Ordnung zu beseitigen. Somit trifft diese Zuschreibung auf Info-DIREKT nicht zu. Auf einige Antifa-Organisationen hingegen vielleicht schon …

Die Tagesstimme: Kritiker patriotischer Medien stellen diese häufig pauschal als im Vorfeld der FPÖ agierend dar. Inwiefern trifft diese Einschätzung zu?

Scharfmüller: Was Info-DIREKT betrifft, bemühen wir uns um einen guten Kontakt zu allen, relevanten patriotischen Akteuren im gesamten deutschen Kulturraum – als „Magazin für Patrioten“ ist das auch unsere Aufgabe.  Natürlich haben wir deshalb auch eine Nähe zur FPÖ. Im Unterschied zu einigen anderen Medien sind wir jedoch – außer von unseren Abonnenten – von niemanden abhängig.

Die Tagesstimme: Kümmern sich patriotische Parteien im deutschen Sprach- und Kulturraum überhaupt ausreichend um das Gedeihen tendenziell wohlgesonnener Medienangebote?

Scharfmüller: Einzelne Politiker der AfD und der FPÖ haben sicher verstanden, dass wir, um in Europa etwas verändern zu können, ein Zusammenspiel zwischen patriotischer Zivilgesellschaft, alternativer Medien und mutigen Politikern brauchen. In diesem Bereich gibt es noch viel Luft nach oben.

Die Tagesstimme: Immer wieder thematisieren Kritiker der patriotischen Publizistik auch einzelne Werbeschaltungen in Ihrem Magazin und ähnlichen Blättern. Wie ehrlich wird diese Debatte tatsächlich geführt?

Scharfmüller: Ehrlich? Bisher ist die Debatte an Verlogenheit nicht zu überbieten! In ca. 2,5 Jahren haben „rechte“ Medien insgesamt 116.000 Euro an sogenannten „Regierungsinseraten“ erhalten. Wohlgemerkt von einer Summe von über 384,5 Millionen Euro. In Prozent ausgedrückt sind das 0,03 Prozent.

Info-DIREKT hat davon 3.060 Euro, also 0,0008 Prozent der Gesamtsumme erhalten. Dass das zum Skandal gemacht wird, ist lächerlich. Dass die FPÖ patriotische Medien in ihrer Regierungszeit nicht gerechter behandelt hat, ist hingegen traurig.


Weiterlesen:

Schlag gegen patriotisches Medium: Facebook löscht „Info-DIREKT” (22.10.2019)

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Gesellschaft

Philip Stein: „Ghettoisierte” Zustände lassen weitere Teilnahme offen

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

ASDF Bild: Inhaber des Jungeuropa-Verlages Philip Stein / Screenshot: YouTube (Klartext: Eine Absage an den Verfassungsschutz) [@03:21]

Im Interview mit der Tagesstimme erzählt Philip Stein, Inhaber des aufstrebenden patriotischen Jungeuropa-Verlags von seinen Eindrücken der Frankfurter Buchmesse und lädt zu einem Ausblick auf das Verlagsprogramm im Herbst.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Stein! Die Frankfurter Buchmesse ist gelaufen. Heuer waren Sie als Gründer des Jungeuropa-Verlages erstmals auch Aussteller bei der international bekannten Messe. Welches Resümee ziehen Sie nach den Messetagen?

Philip Stein: Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir ein abschließendes Urteil noch nicht bilden können. Nachdem Götz Kubitschek und seine Mannschaft die Berichterstattung über die vergangenen Buchmessen dominierten, hat die Messeleitung dieses Jahr einen durchaus als intelligent zu bezeichnenden Weg gewählt, um derlei zu verhüten: die Positionierung rechter Verlage und Zeitungen in einer Sackgasse, fernab des üblichen Publikumsverkehrs. Wirtschaftlich und medial muss dieses „Ghetto“ ganz klar als gravierender Wettbewerbsnachteil gewertet werden.

Als junger Verlag haben wir also zu einem Zeitpunkt erstmals an der Frankfurter Buchmesse teilgenommen, an dem die Spannungskurve anscheinend an ihrem vorläufigen Ende angekommen ist. Der große Medienhype ist ausgeblieben – auch für unseren Verlag. Doch damit haben wir eigentlich auch gar nicht gerechnet.

Insgesamt hat es unserer ganzen Jungeuropa-Mannschaft sehr gut gefallen. Die Atmosphäre auf der Frankfurter Buchmesse ist trotz der linksliberalen Prägung der Branche einzigartig und faszinierend. Wir haben zahlreiche interessante Kontakte geknüpft, Übersetzer kennengelernt, Leser und zukünftige Leser getroffen – und in den Rechteabteilungen ausländischer Verlage gewildert. Ich lasse mich also doch zu einem kleinen Resümee hinreißen: Spaß hat’s gemacht!

Die Tagesstimme: Wie wichtig ist es für junge und vor allem für rechte Verlage, sich auf einer so großen Messe wie jener in Frankfurt zu präsentieren? Die entscheidende Frage lautet hier vermutlich: Ist eine Präsenz um der Präsenz willen sinnvoll und vor allem notwendig?

Stein: Ich kann diese Frage noch nicht abschließend beantworten. Wenn ich die Aussagen der durchaus zahlreichen Standbesucher – „normale“ Messebesucher eingeschlossen – Revue passieren lasse, so muss die eingangs erwähnte Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden. Zuspruch, Empörung über das Verhalten der Messeleitung und der Wunsch, auch nächstes Jahr wieder auszustellen, dominierten die Gespräche. Unsere Hartnäckigkeit und unser Durchhaltevermögen werden also definitiv wahrgenommen und honoriert.

Andererseits sind mit einer solchen Messe, vor allem der Frankfurter Buchmesse, natürlich immense Kosten verbunden. Von der „verlorenen“ Arbeitszeit gar nicht zu sprechen. Ob eine zukünftige Teilnahme unter den „ghettoisierten“ Zuständen sinnvoll ist, wird ein interner Diskussionsprozess ergeben.

Die Tagesstimme: Möchten Sie auch im kommenden Jahr bei der Frankfurter Buchmesse beziehungsweise bei anderen Messen wie jener in Leipzig ausstellen?

Stein: Als Verleger werde ich definitiv teilnehmen. Ob wir jedoch wieder einen Messestand anmelden, steht derzeit noch nicht fest. Es gibt verschiedene Ideen. In den nächsten Wochen wissen wir mehr.

Die Tagesstimme: Neben dem Jungeuropa-Verlag war auch Götz Kubitschek mit dem Antaios Verlag – jedoch nicht zum ersten Mal – Aussteller bei der Frankfurter Buchmesse. Wie in sozialen Medien und später auch in Berichterstattungen etablierter Medien zu lesen war, kam es dort wegen eines freien Journalisten, der unter anderem für „Jungle World” schrieb, sogar zu einem Polizeieinsatz. Haben Sie etwas von diesen Szenen mitbekommen?

Stein: Wissen Sie, im Grunde genommen ist es doch immer das gleiche Spiel: „Journalisten“, die wir in diesem Fall wohl besser als Fotografen mit denunziatorischen Absichten beschreiben, fertigen widerrechtlich Portraitaufnahmen sämtlicher Besucher, Diskussionspartner und Mitarbeiter an. Später finden sich diese Aufnahmen dann auf Internetseiten ohne Impressum. Die Gesinnungsfahndung beginnt.

Herr Tobias Bezler, der seit Jahren unter dem Pseudonym Robert Andreasch agiert, versuchte am Samstag der Buchmesse, Mitarbeiter und Besucher an unserem Messestand zu fotografieren. In einer kaum erträglichen, larmoyanten Art beschwerte er sich fast durchgehend bei der Polizei, „die“ Rechten würden immer vor seiner Linse stehen, wenn er gerade wieder abdrücken will. Eine eigentlich wirklich bedauernswerte Gestalt.

Der „Polizeieinsatz“, den Sie ansprechen, ereignete sich in meiner Abwesenheit. Hier war es, soweit ich das mitbekommen habe, Herr „Jonas Fedders“, der sich über die vermeintliche Behinderung seiner Arbeit beschwerte. Natürlich ähnlich larmoyant, ähnlich empört über einen Polizisten, der ausnahmsweise geltendes Recht durchsetzte.

Die Tagesstimme: Nach der Buchmesse geht der Betrieb in Ihrem Verlag vermutlich ganz normal weiter. Verraten Sie unseren Lesern, ob es vielleicht schon bald neuen Lesestoff aus Ihrem Hause geben wird?

Stein: Den wird es selbstverständlich geben – und zwar im November. Unsere Leser können sich auf ein Venner-Doppelpack freuen. Zum einen wird es eine erweiterte und korrigierte Neuauflage von „Für eine positive Kritik“ geben – d.h. ergänzt um ein aktuelles Nachwort von Benedikt Kaiser, drei erstmals übersetzte, ergänzende Texte von Venner sowie einige seiner privaten Briefe.

Zum anderen haben wir „Was ist Nationalismus?“, eine prägende Ausgabe von Venners legendärer Zeitschrift EuropeAction, erstmals ins Deutsche übersetzen lassen. Das sehr persönliche Vorwort steuert hier Alain de Benoist bei. Beide Bücher werden etwas günstiger im Doppelpack zu haben sein und können gewissermaßen als „Schwesterbände“ bezeichnet werden.

Im kommenden Jahr folgen dann spannende Übersetzungen aus der Türkei, der Ukraine und ein ganz besonderer Kracher: Alain de Benoists aktuellstes Werk, „Gegen den Liberalismus“. Wir haben uns die Rechte exklusiv gesichert. Es wird spannend, kontrovers und wohltuend grundsätzlich.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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Interview

Sellner: „Die Nutzung digitaler Plattformen muss ein Grundrecht werden!”

Julian Schernthaner

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am

ASDF Bild: Ehem. Facebook-Seite Martin Sellner

Im Interview mit der Tagesstimme spricht der patriotische YouTuber, Aktivist und Leiter der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), Martin Sellner, über Meinungsfreiheit, die lebendige Kultur Europas und den Zustand seiner Bewegung.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Sellner, nachdem Sie eine Hausdurchsuchung während Ihres Urlaubs in Osttirol überraschte, löschte YouTube Ihren Kanal ausgerechnet, als Sie sich gerade auf dem Weg in Ihre Flitterwochen befanden. Wie nervenaufreibend ist das Wissen, dass man als Aktivist und Systemkritiker seine Ruhephasen nie wirklich planen kann?

Martin Sellner: Es ist natürlich etwas mühsam und auf Dauer zehrend, dafür ist unser Leben nicht langweilig! Ich wollte mein Leben immer so leben, dass ich, würde ich es als Film sehen, nicht wegklicken würde. Das ist derzeit der Fall. Ich bin immer gespannt, was als nächstes passiert, und wie es weitergeht.

Die Tagesstimme: Die Löschung Ihres YouTube-Kanals mit über 100.000 war nicht die erste in jüngerer Vergangenheit, die einen patriotischen Kommentator betraf. Was bedeuten diese Schläge gegen kritische Stimmen für die demokratische Willens- und Meinungsbildung?

Sellner: Es sind enorme Attacken, die uns auch vom Wesentlichen ablenken. Meine letzten Videos zB beschäftigten sich zu einem guten Teil mit den Sperren von mir und Niki [Kanal „Neverforgetniki” von Niklas Lotz, Anm. d. Red.], einem anderen betroffenen Youtuber. Damit geht der Fokus von den wichtigen Themen verloren und man gerät in die Defensive. Die ständigen Einschnitte in den patriotischen Diskurs verzerren auch die gesamtgesellschaftliche Debatte und sabotieren die Demokratie.

Die Tagesstimme: Ihr Kanal wurde nach einem Einspruch und anwaltlichem Beistand wiederhergestellt. Welche weiteren Schritte planen Sie gegen YouTube – oder ist durch die zweite erfolgreiche Wiederherstellung nach „Neverforgetniki” die Gefahr für patriotisch-kritische Stimmen auf der Plattform vorerst gebannt?

Sellner: Nein, die Gefahr besteht immer. Youtube ist komplett unvorhersehbar, die Regeln sind nicht nachvollziehbar und der Konzern fühlt sich keiner Rechenschaft schuldig. Das betrifft alle großen Plattformen. Damit sind Youtube, Facebook, Twitter und Co. wie eine feindliche Matrix, die sich jederzeit gegen uns richten kann.

Die Tagesstimme: Befürworter derartiger Sperrungen verweisen regelmäßig auf das Recht privater Firmen, eigene Geschäftsbedingungen durchzusetzen. Inwiefern irrt diese Ansichtsweise bei Angeboten wie Facebook, YouTube, usw.?

Sellner: Genauso absurd wäre es wenn einem ein Telefonanbieter den Vertrag kündigen würde, weil man sich im Gespräch positiv über die AfD äußert. Wenn ein Unternehmen eine globale Monopolstellung hat und zu einer unumgänglichen Bedingung für erfolgreiche digitale Kommunikation geworden ist, dann greift die privatrechtliche Vertragsfreiheit nicht mehr.

Die großen digitalen Plattformen zu nutzen, muss im Rahmen der Strafgesetze ein Grundrecht werden, ebenso wie man öffentliche Verkehrsmittel benutzen darf und ein Recht auf ein Bankkonto hat.

Die Tagesstimme: Was schreiben Sie linken und bürgerlichen Personen ins Stammbuch, welche sich über Sperrungen rechter Akteure auf sozialen Netzwerken – wie in Ihrem Fall, mitunter vorschnell – freuen?

Sellner: Ihnen könnte das Lachen noch im Halse stecken bleiben. Ich werde alles dafür tun, dass Rechte, wenn sie eines Tages politische Macht innehaben sollten, nicht so verlogen, totalitär und heuchlerisch agieren werden.

Die Tagesstimme: Sie haben für Ihre Hochzeitsreise die italienische Hauptstadt Rom auserkoren. Welchen Symbolwert hat die ‚ewige Stadt’ für einen Liebhaber europäischer Kultur, insbesondere für einen Katholiken?

Sellner: Rom ist eines der Herzen Europas. Hier sieht man was Europa wirklich ist: kein Vertrag, kein Bündel an abstrakten „Werten”, sondern greifbare, konkrete Tradition. Es ist lebendige Geschichte, heidnische Antike, christliches Mittelalter und die Moderne. All das sieht und erlebt man in Rom: dass Europa lebendig ist.

Die Tagesstimme: Sie haben sich für die Ehe – und eigenen Aussagen zufolge auch für die Gründung einer Familie – entschieden. Viele Menschen, auch im patriotischen Lager, zweifeln, ob es in turbulenten Zeiten überhaupt noch angebracht sei, diesen Weg zu gehen. Welche aufmunternden Worte geben Sie diesen Menschen mit?

Sellner: Ich würde sie fragen, wer denn ein Interesse daran hat, dass sie so denken und sich im schlimmsten Fall das Wichtigste im Leben, eine unwiederbringliche Chance, rauben lassen. Gerade und ausgerechnet jetzt müssen wir trotzdem ‚Ja zum Leben’ sagen und das bedeutet in letzter Konsequenz ‚Ja zur Familie’.

Die Tagesstimme: Sie sind Leiter der österreichischen Identitären. In den letzten Monaten war die Identitäre Bewegung nicht mehr aufgrund ihres Aktionismus, sondern nur noch wegen Razzien, Gerichtsverfahren oder Ähnlichem in den Medien. Wird die IB diesen Druck überstehen?

Sellner: Selbstverständlich. Druck schafft Diamanten und der erwünschte Effekt der Repression, die soziale Isolation, ein Verlust der Unterstützer und Wegfall der Aktivisten, traten trotz schwersten Geschützen nicht ein. Im Gegenteil: die IB ist bekannter denn je und zum Faktor der Innenpolitik geworden.

Die Tagesstimme: Man muss jedoch festhalten, dass die IB nicht mehr so stark mobilisieren kann wie noch 2015/2016 während der Hochphase der Asylkrise. Hat die IB vielleicht ihren Zenit überschritten – und hat der Aktivismus der vergangenen Jahre überhaupt etwas im Land ändern können?

Sellner: Selbstverständlich. Der metapolitische Posten der IB erzeugt immer wieder nötige, erfrischende Dissonanzen im Propagandachor der linken Globalisten. Die IB hat durch ihren sichtbaren Widerstand, dem metapolitischen Linksruck die Stirn geboten und eine ganze Generation junger Patrioten geprägt und gebildet. Solange die IB existiert, ist die Frage nach dem Bevölkerungsaustausch präsent. Das ist der Grund für die bisher erfolglose Vernichtungskampagne, die seit April 2018 ununterbrochen läuft.

Selbstverständlich hat sich die IB in ihrem Auftreten an diesen Zustand angepasst und fokussiert ihre Kräfte auf die Abwehr der wöchentlichen Angriffswellen. Doch das sind keine Mobilisierungsprobleme, kein öffentliches Desinteresse oder Passivität der Aktivisten. Es ist ein Zeichen unserer metapolitischen Bedeutung, unserer Wirksamkeit und der Nervosität der Antidemokraten. Sie sind zurecht nervös, denn wir werden uns weiter friedlich für eine offene Debatte einsetzen und ein Faktor bleiben, mit dem man rechnen muss.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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