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Meinung

Kolumne: „Haben Sie mal ’ne Schere?“

Joshua Hahn

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Derzeit kursiert unter anderem auf Twitter ein Ausschnitt der ARD-Sendung „Kontraste“. Zu sehen sind eine aufgeregte Reporterin und ein entspannter Lutz Bachmann, welcher sich einfach nicht vorführen lassen will.

Kolumne von Joshua Hahn

Der knapp zweiminütige Ausschnitt zeigt den Pegida-Initiator Lutz Bachmann. Dem Video nach zu urteilen kommt Bachmann gerade von einer Veranstaltung, als dieser in einem recht scharfen Ton von einer ARD-Moderatorin angesprochen wird: „Was sagen sie denn zu dem Mord an Herrn Lübcke, dem Politiker, durch einen Rechtsextremen?“

Was mit der Frage bezweckt werden sollte, ist wohl jedem klar. Egal was in Bezug auf den Mord gesagt worden wäre, es wäre gegen Bachmann und die Pegida-Bewegung verwendet worden. 

Konstruieren von Zusammenhängen

Der einzige Grund der Fragen war es offensichtlich, eine weitere patriotische Bewegung in einen vermeintlichen Zusammenhang mit der Ermordung Lübckes zu bringen. Das merkt man auch an der Art und Weise, wie die Reporterin ihre Fragen stellte (obwohl Bachmann von Anfang an ein Interview abgelehnt hatte). Diese wurden im Laufe des Gesprächs immer direkter und beinahe aggressiv. 

„Ich rede mit ihnen über einen Mord an einem Politiker.“

 „Verurteilen sie den Mord durch einen Rechtsextremen?“

„Ich frage sie, ob sie den Mord an Lübcke verurteilen.“

„Wollen ’se mich jetzt verarschen?“

Nachdem Bachmann in stoischer Gelassenheit und dem Wissen, dass alle Antwortalternativen gegen ihn gerichtet werden würden, mehrmals entgegnete, ob die Reporterin denn eine Schere habe, um eine Verpackung in seiner Hand zu öffnen, fragte diese, jetzt beinahe hysterisch: 

„Wollen ’se mich jetzt verarschen oder was? Ich rede gerade über einen Mordfall mit ihnen.“

„Wollen ’se mich jetzt verarschen“? – Von einer Reporterin des öffentlichen Rundfunks? 

Da schwindet dann auch der Rest an Verwunderung über Bachmanns fehlende Motivation zur Beantwortung ihrer Fragen. Er antwortete wörtlich: „Na, sie haben doch angefangen damit.“

Reporterin musste ohne Antwort gehen

Kurz danach gelang ihm dann das Öffnen der Verpackung doch noch – ohne Schere. Die Verpackung entsorgte er fein säuberlich im nächsten Mülleimer, während er die verdutzte Reporterin ohne Antwort stehen ließ.

Fazit: Im Zweifelsfall sollte sich jeder überlegen, ob eine ernsthafte Antwort wirklich sinnvoll ist, oder ob diese sowieso gegen die eigene Person verwendet werden wird, egal, wie die Antwort ausfällt. Oder um es kürzer auszudrücken: Wer blöd fragt, bekommt blöde Antworten.

3 Comments

3 Comments

  1. Avatar

    Gerard Frederick

    6. Juli 2019 at 18:33

    Die Reporterin war nicht blöd, sie war maliziös. Es ist notwendig Dinge bei deren korrektem Namen zu nennen um gerechte Folgerungen zu ziehen, sagye Konfuzius.

  2. Avatar

    Angelina Kettel

    7. Juli 2019 at 17:03

    Er hat nein gesagt. Ende der Diskussion. Alles andere ist dreiste Aufdringlichkeit gegenüber jemandem, der kein Interview möchte. Diese Hybris ist unerträglich.

  3. Avatar

    Peter Hagen

    26. August 2019 at 14:15

    „Verurteilen sie den Mord durch einen Rechtsextremen?“ ist eine blöde Frage? Es ist eine sehr berechtigte Frage an jemanden, der für sich in Anspruch nimmt, für das Volk zu sprechen.

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