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Österreich

Schredder‐Affäre: ÖVP gerät zunehmend unter Druck

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Ein Mitarbeite raus dem damals ÖVP-geführten Bundeskanzleramt ließ fünf Datenträger bei der Wiener Firma "Reisswolf" vernichten. Symbolbild: Wikimedia Commons [CC0]

Seit mehreren Tagen beschäftigt die österreichische Politik und Öffentlichkeit die Vernichtung gleich mehrerer Datenträger mit potenziell sensiblen Daten aus dem Bundeskanzleramt.

Wien. – Die Affäre nahm gegen Ende der Vorwoche ihren Lauf: ursprünglich war dabei die Rede von einer einzigen Festplatte. Dabei hätte es sich um einen „völlig üblichen Standardvorgang” beim Auszug aus einem Ressort gehandelt – Die Tagesstimme berichtete. Am Dienstag kristallisierte sich dann allerdings immer mehr heraus, dass dies möglicherweise nur ein Teil der Geschichte ist.

Falter-Recherche: Fünf Datenträger – nicht nur einer – betroffen

Denn die linksgerichtete Wiener Stadtzeitung Falter veröffentlichte brisante Eigenrecherchen. Demnach hätte der Mitarbeiter aus dem Bundeskanzleramt nicht eine, sondern gleich fünf Datenträger zur Vernichtung beim Wiener Aktenentsorgungsbetrieb Reisswolf gebracht. Dabei sei der junge Mann insbesondere durch seine Nervosität aufgefallen.

Auch Äußerungen von Reisswolf-Geschäftsführer Siegfried Schnedler legten der Presse zufolge nahe, dass es sich um einen Vorgang handle. Zum ersten Mal in einem Vierteljahrhundert Firmengeschichte habe sich jemand „unter falschem Namen und mit solchem Aufwand” um die Vernichtung von Festplatten bemüht.

Misstrauen quer durch politische Landschaft

Auch der Umstand, dass der Vorgang offenbar nicht erst nach dem Auszug von Altkanzler Kurz und Medienminister Blümel aus dem Bundeskanzleramt stattfand, sorgt für Stirnrunzeln beim politischen Gegner. Denn zur Vernichtung der Datenträger kam es in den Tagen zwischen dem Bekanntwerden der Ibiza‐Affäre und dem letztlich erfolgreichen Misstrauensvotum gegen das Kabinett Kurz.

Dementsprechend vermuten die Mitbewerber nun, dass möglicherweise auch sensibles Material verschwand. SPÖ‐Wahlkampfmanager Christian Deutsch etwa sieht „viele mysteriöse Umstände” rund um die Rolle der Volkspartei. Werner Kogler, Spitzenkandidat der um den Wiedereinzug ins Parlament bemühten Grünen will nach der Wahl in einem Untersuchungausschuss für Aufklärung sorgen und auch möglichen Zusammenhänge mit dem Bekanntwerden des „Ibiza‐Videos” prüfen.

FPÖ will Sondersitzung im Nationalrat

Aber auch der ehemalige Koalitionspartner wittert, dass es sich bei der Datenvernichtung um „keinen üblichen Vorgang” handelt. Sowohl beim Zeitpunkt als auch durch die Vernichtung bei einer externen Firma sieht der FPÖ‐Sicherheitssprecher Hans‐Jörg Jenewein die ÖVP in Erklärungsnot. Die Freiheitlichen wünschen sich deshalb eine zeitnahe Sondersitzung des Nationalrats.

Für besonders verwunderlich hält Jenewein unterdessen, dass die Datenträger auch „im eigenen Haus” hätten vernichtet werden können. Er wünscht sich Aufklärung über den Auftraggeber – und fordert von der ÖVP eine eidesstattliche Erklärung, nicht bereits vor dessen Bekanntwerden vom Ibiza‐Video gewusst zu haben.

ÖVP‐Nehammer: Löschung „nicht verakteter Daten” legitim

Die Darstellung, wonach sich auf den Datenträgern belastendes oder anderweitig sensibles Material befunden haben könnte, bestreitet die ÖVP allerdings weiterhin. In einem ZiB2‐Interview erklärte Generalsekretär Karl Nehammer die rasche Vernichtung mit Sorgen um Datenleaks. Gerade im Wahlkampf für den vergangenen Urnengang habe man nämlich – Stichwort Silberstein‐Affäre – schlecht Erfahrungen mit „Dirty Campaining” erfahren.

Zwar sei die Vorgangsweise des Mitarbeiters – er agierte unter falschem Namen und bezahlte offenbar nicht – „falsch und unkorrekt”. Gleichzeitig sei die Löschung „nicht verakteter Daten” legitim, so Nehammer. Dies habe man auch deshalb bereits vor dem Misstrauensantrag durchgeführt, da man bereits damit gerechnet habe, diesen nicht zu überstehen.


Weiterlesen:

ÖVP‐Mitarbeiter ließ Datenträger des Kanzleramts inkognito vernichten (20.7.2019)

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    25. Juli 2019 at 5:59

    Interessant wird werden, was die Wähler am 29. September gutheißen.
    Entsprechend an die Wand genagelt steht dann:
    wir sind alle gleich (eine Mehrheit)
    oder
    die Anrüchigkeit um gewisse Vorgänge über den Sommer bekommt mir nicht.

  2. Avatar

    Zickenschulze

    25. Juli 2019 at 15:08

    Wie geil:
    Erstens kommt es anders
    zweitens als du denkst
    Und dritten kannst du nicht so saudumm denken wie es wirklich kommt.

    Dabei stehen alle V Leute mit herunter gelassenen Hosen da.

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Österreich

Ex‐Sozialminister Rudolf Hundstorfer plötzlich verstorben

Julian Schernthaner

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am

ASDF Politik bei und für die Menschen waren das besondere Steckenpferd des ehemaligen SPÖ-Sozialministers Rudolf Hundstorfer. Bild (Hundstorfer bei Besuch in einem Wiener Pflegeheim 2013): SPÖ Presse und Kommunikatoion via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Am Dienstagmorgen erschütterte die Nachricht vom unerwarteten Ablebens des roten Urgesteins Rudolf Hundstorfer die politische Landschaft in Österreich.

Wien/Brač. – Wie der Kurier unter Berufung auf Gewerkschaftskreise berichtete, erlag der ehemalige SPÖ‐Sozialminister (2008–2016) im Urlaub auf der kroatischen Insel Brač  am Dienstagmorgen im Alter von 67 Jahren einem Herzinfarkt. Quer durch die Parteien zeigten sich die Akteure bestürzt über den unvorhergesehenen Heimgang von Rudolf Hundstorfer.

Hundstorfer: Vom Arbeiterkind zum Sozialminister

Der 1951 in Wien in einfachen Verhältnissen geborene Hundstorfer durchlief eine rote Bilderbuchkarriere. Nach einer Lehre zum Bürokaufmann unter den Fittichen der Stadt Wien zog es ihn bereits in den 1970ern in die Gewerkschaften. Ab 1990 saß er 17 Jahre lang im Wiener Gemeinderat und Landtag. Bereits damals war er über die Parteigrenzen hinaus geschätzt.

Sein wirklicher politischer Aufstieg begann allerdings in den Nullerjahren. Zunächst übernahm er 2006 das Präsidentenamt des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB), welcher damals nach der BAWAG‐Affäre in seiner schwierigsten Zeit steckte. Seine gelungenes Krisenmanagement blieb auch der Parteispitze nicht verborgen – nach dem Wahlsieg 2008 holte ihn ex‐Bundeskanzler Werner Faymann ins Sozialministerium. Dieses bekleidete er in der Folge bis 2016.

Gescheiterte Kandidatur zum Bundespräsidenten

Aus dem Sozialressort schied er schließlich aus, als er sich als SPÖ‐Kandidat für das Bundespräsidentenamt bewarb. Im damaligen Wahlkampf überstrahlte allerdings das Duell Hofer (FPÖ) gegen van der Bellen (ex‐Grüne) alles. Am Ende blieb, noch hinter Irmgard Griss (später NEOS), mit 11,3 Prozent das schlechteste rote Ergebnis bei einer Bundeswahl und der enttäuschende vierte Platz.

Sozialpolitisches Engagement bis zuletzt

Dennoch ließ sich Hundstorfer von diesem Rückschlag nicht beirren und füllte bis zuletzt einen gehobenen Funktionärsposten aus. Seit Mai 2018 war er als Präsident der Wohlfahrtshilfe, eine Unterorganisation der Volkshilfe Wien, tätig. In dieser Funktion eröffnete noch in der Vorwoche eine Sozialeinrichtung für Obdachlose in der Donaustadt. Als politisches Erbe bleibt unterdessen insbesondere eine Pensionsreform in Erinnerung.

Anteilnahme über Parteigrenzen hinweg

Die Nachricht von des Scheidens des als Pragmatiker bekannten Wieners löste in der Politik tiefe Betroffenheit aus. Die parteilose Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein erinnerte an einen „engagierten Politiker, der sich stets für soziale Gerechtigkeit in unserem Land eingesetzt” habe. Sie erinnerte an dessen Verdienste für die Sozialpartnerschaft.

Die rege Anteilnahme fand nicht nur in seiner politischen Heimat, sondern über alle Parteigrenzen hinweg statt. ÖVP‐Chef Sebastian Kurz gedachte eines „Menschen, der sein politisches Leben stets in den Dienst der Republik gestellt hat”. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) trauert um einen „wahrhaften Arbeitnehmervertreter”, der in der heimischen Politik „eine große Lücke hinterlassen” würde.

FPÖ streicht menschliche Qualitäten hervor

Auch die freiheitliche Parteispitze kondolierte. Man habe den Verstorbenen „bei allen politischen Gegensätzen menschlich und fachlich sehr geschätzt”. Vereint habe „das Ziel […] Österreich als lebenswerten Sozialstaat zu erhalten”, so Norbert Hofer und Herbert Kickl in einer gemeinsamen Aussendung.

Die Wiener FPÖ erinnert sich unterdessen an Hundstorfers „Herz, Humor und Handschlagqualität”. Dessen „faire und objektive Vorsitzführung” im Wiener Landtag, dem er ab 1995 zwölf Jahre vorstand, sei „legendär” gewesen. Man spreche sein „ganzes Mitgefühl” den Hinterbliebenen aus.

Auch Grüne, JETZT, NEOS kondolieren

Auch die Grünen kondolieren mit Hinweis auf einen „sympathischen Politiker” und „engagierten Sozialminister”, welcher sich als „umsichtiger Gewerkschafter” und „Kämpfer für die sozialen Anliegen” ausgezechnet hätte. Die Liste JETZT bezeichnet Hundstorfer in ihrer Aussendung als „Sozialdemokraten der alten Schule”, welcher sich „um die Menschen dieses Landes ehrlich bemüht” habe.

Die NEOS‐Chefin Beate Meinl‐Reisinger meldete sich unterdessen auf Twitter zu Wort. Der Tod Hundstorfers sei „unfassbar„und hinterlasse sie „traurig”. Sie erinnert sich dabei an die gute Gesprächsbasis mit dem roten Urgestein.

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Österreich

Nun doch: Felipe kann sich schwarz‐grüne Regierung vorstellen

Monika Šimić

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ASDF Bild: Ingrid Felipe im Tiroler Landtag / Pablodiabolo84 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Grünen‐Politikerin zufolge wird die ÖVP immer „grüner”. Koalitionsgespräche nach der Nationalratswahl sind nun doch wieder möglich.

Innsbruck/Wien. – Die grüne Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe zeigt sich nun doch offen für eine Koalition mit der ÖVP nach der Nationalratswahl. Bislang hatte Felipe eine Koalition mit der „bisher bekannten ÖVP” noch ausgeschlossen. Sollte das Wählervotum bei der Nationalratswahl für die Grünen jedoch so stark ausfallen, dass man die Gelegenheit bekomme, ernsthafte Koalitionsgespräche zu führen, „dann wird man sie führen”, erklärte Felipe im APA‐Sommerinterview.

Felipe will „türkis‐blauen Kurs” nicht fortsetzen

Vor eineinhalb Woche hatte Felipe im Sommergespräch mit ORF Tirol erklärt, dass eine Koalition der Grünen mit der ÖVP nicht möglich sei und von einem „System Kurz” gesprochen, welches kein Partner sein könne. Damit habe sie aber nicht sagen wollen, dass eine Regierungszusammenarbeit der Grünen unter einem Bundeskanzler und ÖVP‐Parteiobmann Sebastian Kurz ausgeschlossen ist. „Ich mache eine Regierungsbeteiligung nicht von Personen abhängig, sondern von Inhalten”. Die Grünen stünden „jedenfalls nicht dafür bereit, den türkis‐blauen Kurs fortzusetzen”, so Felipe.

Felipe: ÖVP wird grüner

Eine Regierung mit grüner Beteiligung brauche eine „klare ökosoziale und menschenrechtsbasierte Handschrift”. Es gäbe Leute in der ÖVP, die dafür einstehen würden. „Die sind dann aber eher schwarz als türkis”, so die Landeshauptmannstellvertreterin. Sie merke aber, dass es auch in der Bundes‐ÖVP eine heftige Debatte gebe, wie man etwa mit dem Klimaschutz umgehe und ortet sogar ein „Grünerwerden“ der ÖVP.

Felipe zeigte sich außerdem auch für eine mögliche Dreierkoalition aus ÖVP, NEOS und Grünen aufgeschlossen. Eine solche Konstellation wäre mit den „richtigen, kooperationsbereiten Protagonisten” schon machbar. Nicht infrage komme für sie ein Eintritt in eine Regierung, sollten die Grünen nur knapp den Wiedereinzug in den Nationalrat schaffen, also beispielsweise bei einem Ergebnis um die fünf Prozent. Sie hoffe auf ein zweistelliges Wahlergebnis, sei aber jedenfalls zuversichtlich, dass den Grünen der Wiedereinzug ins Hohe Haus gelingen wird, so Felipe.

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FPÖ‐Jenewein: „Verbotsfantasien der ÖVP erinnern an autoritäre Systeme”

Stefan Juritz

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ASDF Bild: ehem. Facebook-Seite Identitäre Bewegung Österreich

Nachdem ÖVP‐Klubchef August Wöginger ein Identitären‐Verbot zur Koalitionsbedingung erklärt hat, reagiert die FPÖ mit Kritik an den „Verbotsfantasien der ÖVP”.

Wien. – „Das ÖVP‐Schattenboxen rund um ein allfälliges Verbot der ‚Identitären‘ nimmt mittlerweile groteske Züge an”, kritisiert FPÖ‐Sicherheitssprecher Hans‐Jörg Jenewein in einer Aussendung und ruft die ÖVP gleichzeitig zur „Besonnenheit” auf.

Rechtsstaat entscheidet über Verbote

„Die völlig ohne Not von der ÖVP aufgebrochene Debatte über ein mögliches Verbot der ‚Identitären‘ sagt nämlich in Wahrheit vielmehr über die ÖVP selbst aus. In entwickelten Demokratien entscheiden nämlich Rechtsinstanzen, wie etwa unabhängige Gerichte in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden darüber, ob und wie ein Verein eventuell staatsgefährdend ist und ob ein Verbot aus rechtlichen Gründen angezeigt ist”, betont der FPÖ‐Nationalratsabgeordnete. Jenewein verweist dabei auch darauf, dass erst vor wenigen Monaten ein Gericht in Graz festgehalten habe, dass es keine rechtliche Grundlage für ein Verbot der Identitären gibt.

Einzig in autoritären Systemen oder in Diktaturen versuchten Regierungen, ihr nicht genehme Vereine und Oppositionelle mittels Verboten aus der Öffentlichkeit zu verbannen, so Jenewein. „Die Debatte der ÖVP erinnert mittlerweile frappant an diesen Geist und hat in einer pluralistischen Gesellschaft nichts verloren.”

Nächste Wahl im Frühjahr?

Mit ihren „Koalitionsbedingungen” schränke die ÖVP nicht nur ihren eigenen Handlungsspielraum massiv ein. Die „Kurz‐Blümel‐Wöginger‐Gruppe” bereite damit schon einen „allfälligen neuen Urnengang im Frühjahr” vor, sollte sie im Herbst keine „tragfähige Regierung” bilden können. „Diese Strategie ist nicht nur sehr durchschaubar, mit dieser Handlungsweise wird man jedenfalls kein Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit aufbauen können”, stellt Jenewein klar.


Weiterlesen:

ÖVP legt nach: Identitären‐Verbot ist Koalitionsbedingung (18.08.2019)

Identitäre: Kickl erteilt Änderung des Vereinsrechts klare Absage (16.08.2019)

ÖVP‐Blümel will Vereinsrecht ändern, um Identitäre aufzulösen (16.08.2019)

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