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Meinung

Leitkulturdebatte zwischen Schnitzel, FKK und liberaler Islamkritik

Julian Schernthaner

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am

Symbolbild: Pixabay [CC0]

In den vergangenen Tagen kochten gesellschaftliche Debatten hoch – und Vertreter patriotischer Fraktionen ernteten mit Fug und Recht einiges an Häme und Spott für ihre Parteinahme für die angebliche Leitkultur.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Die kuriosesten Geschichten schreibt die Wirklichkeit. Denn die meisten Österreicher erinnern sich noch an ein infames Interview der Grünen‐Politikerin Sigrid „Sigi” Maurer im profil. Im Jahr 2017 hinterfragte sie die Existenz einer österreichischen Kultur jenseits eines Übergenusses von Schnitzel. Die Empörung war zurecht ähnlich groß als seinerzeit, als Thomas Bernhard befand, dass wir „nichts zu berichten” hätten, außer dass wir „erbärmlich seien”. Zwei Jahre später fallen patriotische Parteien im deutschsprachigen Raum ganz freiwillig in dieses Framing.

Das Abendland wird am Essenstisch verteidigt

Irgendwie schien am Anfang der Debatte die Aufregung rund um den vorauseilenden Gehorsam zweier Leipziger Kindergärten, wegen zweier muslimischer Kinder jeden Genuss von Schweinefleisch zu streichen. Nachdem sich das halbe Land in einem Erguss des spontanen Widerstands über die Geste der Unterwerfung aufregte, kam es zur Rücknahme des umstrittenen Erlasses. Aber die Debatte war noch nicht vorbei.

Denn pünktlich dazu wärmte die österreichische FPÖ eines ihrer Lieblingsthemen auf: Die Islamisierung in Kindergärten und Volksschulen. Diese zeigt sich diesmal nicht durch Kopftücher am kindlichen Haupt, sondern durch die kulinarische Auswahl. Am Mittwoch bewarb der Bundesobmann der Freiheitlichen Jugend sein Konterfei neben dem Stockfoto eines panierten Fisches. Die wichtige Aussage dazu: „Jedes Kind soll in den Genuss eines Schnitzels kommen dürfen”.

Falsche Prioritäten treffen auf Peinlichkeiten

Mehr brauchte es nicht. Die gesamte linke Reichshälfte tobte vor Gelächter über den Fauxpaus: Abendlandverteidiger, die sich auf der heimischen Speisekarte nicht auskennen. Das konnte die Freiheitlichen natürlich nicht davon abhalten, den eigentlichen Nebenschauplatz der Schnitzelfrage zum wichtigsten Thema des Sommers zu machen. Man lädt zu eigenen Schnitzelabenden – und die steirische Landespartei gibt sich im Sujet kämpferisch: „Wir lassen uns nicht diktieren, was wir zu essen haben.”

Danke, wir auch nicht – ein Schnitzel mit Ketchup kann mir sowieso gestohlen bleiben. Wer das isst, bestellt sich morgen Wurstnudeln mit einer olfaktorisch dem Liebstöckel ähnlichen Würzsauce und meint, er verteidigt die heimische Küche. Dass es falsch ist, wegen der religiösen Befindlichkeiten einzelner Kinder anstelle von Alternativangeboten gleich ganze Fleischsorten zu verbannen steht außer Frage. Aber man darf die wesentlichen Fragen der Jetztzeit nicht darauf reduzieren.

Nacktbaden und die Schicksalfrage der Identität

Und auch nicht auf jene Ungeheuerlichkeiten, welche den rheinland‐pfälzischen AfD‐Leiter Uwe Junge in Alarmbereitschaft versetzen. Der Mann, wechselweise zwischen ‚Aufstand der Generäle’ und ständiger Angst vor ‚Narrensaum’ in seiner Partei, echauffiert sich nämlich über einen Vorfall in Berlin. Eine Frau, die sich außerhalb des FKK‐Bereichs nackt sonnte, erregte das Gemüt einer Familie mit Migrationshintergrund. Sofort ist klar: Nie war eine Islamisierung deutlicher sichtbar!

Es ist absolut verständlich und sinnvoll, auch mit solchen Vorfällen zu argumentieren. Gerade Menschen, welche ein eher liberales Weltbild pflegen, sind empfänglich für die Botschaft, dass viele ihrer Freiheiten einer akuten Bedrohung entgegensehen. Nur als Kampfslogan im Sommerloch vermittelt es halt leider auch die Message: Wer kein Schnitzel isst und ohnehin etwas züchtiger badet, der braucht sich vor einer „Änderung der Struktur der Bevölkerung” – Termini lässt man sich nämlich im Gegensatz zum Essen sehr wohl vorschreiben – nicht zu sorgen.

Bedrohung der Lebensart in Wirklichkeit tiefgreifender

Tatsächlich sind unsere Kinder im städtischen Bereich in ihren Klassen bereits in der Minderheit. Muslimische Mitschüler diktieren ihnen oft, was nicht alles „haram” sei. Migrantenparteien formieren sich, wollen Geschlechtertrennung beim Schwimmen, in Freibädern kommt es durch einschlägige Jugendbanden zu Tumultszenen. Es bilden sich Parallelgesellschaften, die immer mehr Lebensbereiche vereinnahmen.

Viel wichtiger als die Gretchenfrage, ob wir überhaupt noch Herren im eigenen Haus sind, ist aber offenbar, dass Frauen im Freibad die Depf rausholen dürfen sollen. Wären Parallelgesellschaften also kein Problem mehr, wenn sie ganz liberal „Bier und Bikini” anerkennen und Schafe nicht mehr schächten würden, sondern filetiert und mariniert beim eingesessenen Metzger kaufen?

Alle Teile der Leitkultur sind bedroht

Auch generell sehen wir einen Verlust unserer Kultur : Die Brauchtumsvereine überaltern, ganze Landstriche entvölkern sich. Ortskerne sterben aus, weil Menschen ihrem Konsumrausch in austauschbaren Shoppingtempeln frönen, die Backbox statt des Traditionsbäckers nutzen. Aber: Wir retten lieber das Schnitzel – vorausgesetzt wir finden noch einen Dorfwirten, der es uns überhaupt (ohne Ketchup!) servieren kann.

Oft steht an dessen Stelle nämlich längst eine Dönerbude oder Schnellimbiss amerikanischer Prägung. In der Stille, versteht sich, denn die halbe Blasmusik ist auch im letzten Jahr weggestorben oder zwecks Arbeit in die Großstadt verzogen. Es sind also nicht nur Stellschrauben – das ganze Gebilde kommt abhanden. Schnitzel und FKK sind nur Symptome dessen. Die Problematik ist viel tiefgreifender – und muss deshalb auch an der Wurzel angegriffen werden.

Erhalt der Leitkultur braucht eine Vision

Denn all diese Themen scheinen zwar lose verwandt, haben aber ebenfalls mit einem Verlust der Leitkultur zu tun. Und freilich, diese fängt nicht erst beim Bergfeuer und bei Perchtenläufen an, sondern meinetwegen wirklich beim Schnitzel. Aber unbestritten bleibt: für Neuankömmlinge muss sie intakt genug sein, um Assimilation erst zu ermöglichen. Und Alteingesessene müssen wissen, was sie verlieren würden, um sich für ihre Erhaltung einzusetzen.

Wenn ich will, dass sich die Jugend für Leitkultur einsetzt, anstatt gegen Kohle zu hüpfen, muss ich ihr Visionen geben, einen Grund sich zu exponieren. Sich zu beschweren, dass der neue Nachbar im Gemeindebau sein Kalbswiener lieber als Pute denn als Schwein (oder Fisch) isst, rüttelt niemanden wach. Wenn Schnitzel der Minimalkonsens ist, geben wir den Maurers und Bernhards recht, die unsere Kultur darauf reduzieren wollen – zeigen wir ihnen lieber, dass sie unrecht haben! Und dass unsere Kultur mehr ist als Bier, Bikini und Schnitzel.

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Carolus

    28. Juli 2019 at 21:37

    Änderung der Struktur der Bevölkerung”: Kickl hat Donnerstagabend in Servus‐TV mehrmals deutlich von „Bevölkerungsaustausch“ gesprochen. Hat mich als IB‐Sympathisanten ermutigend berührt.
    https://www.servus.com/tv/videos/aa-212a5zpa12112/ (1 min) bzw.
    https://www.servus.com/tv/videos/aa-1zy2u6j212112/ (62 min)

  2. Avatar

    Walter Gräbeldinger

    29. Juli 2019 at 9:24

    Siehst du, es wirkt (ich wirke)! … Die zielen auch schon treffsicher tiefer, vollkommen un-(=über-)parteilich, aber unanfechtbar WAHRHAFTIG ! … So geht’s nämlich! … und schnurstracks haben wir ohne große Mühe allen eingenisteten Blödsinn hinweggefegt, o Sahra‐Frau ! … WALTER .

    ——– Weitergeleitete Nachricht ——–
    Betreff: [Neuer Eintrag] Leitkulturdebatte zwischen Schnitzel, FKK und liberaler Islamkritik
    Datum: Sun, 28 Jul 2019 16:38:50 +0000
    Von: Die Tagesstimme
    An: [email protected]

  3. Avatar

    Zickenschulze

    29. Juli 2019 at 12:42

    Schwachsinn:
    „Das Abendland wird an Essenstisch verteidigt“

    aber erst dann, wenn es nichts mehr zu knabbern gibt.
    Vorher rührt sich ja keine S…

    Schöne Aussicht“:
    nachdem der Kuchen neu verteilt worden ist, fällt den Leuten das Wort Verteidigung wieder ein.
    Den Platz mit den Mäusen zu teilen ist alles, was ihnen dann noch zusteht.

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Meinung

Der Verfassungsschutz als dankbares Instrument gegen Unliebsame

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild: Pixabay [CC0]

Linke Experten diktieren dem Verfassungsschutz und der Politik, welche Gruppen und Positionen „rechtsextrem” sind – und verrücken damit den Rahmen des Sagbaren auf gefährliche Weise.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Eigentlich soll der Verfassungsschutz jene beobachten, welche dieselbe bedrohen. Aber längst dient er als politisches Mittel, um jene zu schikanieren, welche Dinge sagen, welche die Inhaber der gegenwärtigen Hegemonie nicht hören wollen. Dabei geht es weniger um den Schutz einer deshalb nur mehr als Lippenbekenntnis existierenden, freiheitlich‐demokratischen Grundordnung, sondern darum, Unliebsame mit stigmatisierenden Vorwürfen aus der politischen Geltung zu stoßen.

Migrationskritik offenbar „rechtsextrem”

Ein besonderes Beispiel findet derzeit in Österreich statt. Das sechste Jahr in Folge befinden sich die Identitäre Bewegung im Bericht des dortigen Verfassungsschutzes. Die Behörde definiert eigentlich drei notwendige Kriterien für ihren Rechtsextremismusbegriff: Ablehnung der Normen eines demokratischen Verfassungsstaates, Wunsch nach einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaftsordnung und Gutheißung politischer Gewalt. Erörterung dieser am Beobachtungsobjekt? Fehlanzeige.

Stattdessen stützt sich die Argumentation darauf, dass sie als „wesentliche Trägerin der ‚Islam‐ und Asylfeindlichkeit’ ” gelte. Als weiteres Indiz gilt die Warnung vor dem Bevölkerungsaustausch und einer „Islamisierung Europas”. Auch der Hinweis, dass die „autochthone Bevölkerung” (Anführungszeichen der Behörde) durch Zuwanderung gefährdet sei, ist Teil der Einstufung. Allesamt Positionen, welche eigentlich unzweifelhaft Teil des demokratischen Diskurses sind.

Experten vom linken Rand haben Deutungsmonopol

Natürlich, derartige Behörden konsultieren auch Einschätzungen Dritter. Mit dem Schönheitsfehler, dass die Mehrzahl der sogenannten ‚Experten’ in Österreich zumeist exponiert linke Aktivisten sind. Einige davon gehören dem auf Initiative eines Marxisten gegründeten Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) an. Andere machen aus ihren linksradikalen Verstrickungen keinen besonderen Hehl, treten bei der Antifa auf. Eine ‚Expertin’ kandidierte einst gar für die Kommunisten.

All sie haben eine Art Deutungsmonopol darüber erschaffen, wer angeblich ‚rechtsextrem’ sei. Entlastende Gegenbelege deuten sie dabei als vermeintliche Tarnstrategie. Und plötzlich darf etwa die Privatmeinung von Mitarbeitern einer Stiftung, welche auch die FPÖ als „rechtsextreme Partei” sieht, als Blaupause für Bewertungen einer Behörde herhalten. Und damit bloß niemand das Narrativ hinterfragen kann, gelten nunmehr sogar „alternative Medien” – sprich, die gesamte patriotische Publizistik – vorsorglich als „rechtsextrem”. Kein Witz.

Forderungen übernehmen – Vorreiter abschaffen

Gefährlich wird die Sache erst, wenn diese Verschwörungstheorien in konkrete Sachpolitik münden. Am Freitag war es so weit: ÖVP‐Spitzenpolitiker Blümel forderte die Änderung des Vereinsrechts, um Vereine im Umkreis „extremistischer Organisationen” leichter aufzulösen. Die Forderung zielt explizit auf die Identitären ab – eine Gruppe, die aufgrund ihrer programmatischen Gewaltfreiheit gar nicht im BVT‐Bericht auftauchen dürfte.

Besonders kurios: Im selben Atemzug will jener Maßnahmen gegen Islamismus forcieren. Vier Maßnahmen gegen den politischen Islam – und eine gegen diejenigen, welche schon länger vor dem politischen Islam warnen – und teilweise genau aus diesem Grund überhaupt erst als „extremistisch” gelten. Er fordert also eine Einschränkung 150 Jahre alter Grundrechte für jene, welche dieselben Sachen kritisieren wie er selbst.

Deutschland: Linksradikalismus als Empfehlungsschreiben

Wer meint, es handelt sich um einen alpenländischen Sonderfall, demonstriert an einer besonders exponierten Gruppe, irrt. Denn beim deutschen Nachbarn ist man längst einen Schritt weiter. Linksradikale Biographien in der ehemaligen ‚Neuen Linken’ oder als frühere Mitarbeiter von eng mit der Antifa verbandelten Politikerinnen gelten dort als Empfehlungsschreiben für Expertentätigkeiten.

Ganz ungeniert geht man dabei in jenen neuen Bundesländern mit einer linken Koalition vor. Im rot‐rot‐grünen Thüringen präsidiert ein Stiftungsrat der Amadeu‐Antonio‐Stiftung über den den Verfassungsschutz. Ja, das ist dieselbe von einer ehemaligen Stasi‐Mitarbeiterin initiierte und geleitete Einrichtung, die mitunter bereits Zöpfe als Indiz für ein völkisches Elternhaus wertet. Antifa‐Kongresse erhalten dort dafür Demokratiepreise.

Brandenburg: Linksextreme berichten an Verfassungsschutz

Besonders alarmierend sind auch die Vorgänge in Brandenburg. Dort ist nämlich im ominös‐nebulösen ‚Kampf gegen Rechts’ alles billig. Linksradikale und sogar Linksextreme können dort nicht nur in den Genuss öffentlicher Mittel der Demokratieförderung gelangen. Nein, es besteht sogar die Möglichkeit zu einem regen Informationsaustausch zwischen Linksextremisten und Verfassungsschutz – Die Tagesstimme berichtete.

Welche Art von Informationen dann bereits als „rechtsextremistisch” gelten dürfen, mögen die Götter wissen. Denn bereits Zuarbeiter vermeintlich seriöser (und trotzdem ausgewiesen linker) Akteure riechen allzu schnell angebliche ‚Faschisten’ in jedem erdenklichen Publikum. All dies befördert ein Klima, wo man bereits bundesweite Verfassungsschutzpräsidenten aus dem Amt jagt, weil sie Chuzpe besitzen, die Authentizität von „Antifa Zeckenbiss” anzweifeln.

Katapult gegen Parteien und Verschiebung des Diskurses

Natürlich wollen linke Experten nicht nur irgendwelche Gruppierungen im Vorfeld aus dem Diskurs bringen. Denn deren Stigmatisierung kann auch als Katapult gegen politische Parteien dienen. Sobald eine Gruppierung als „rechtsextrem” gilt, kann man jeden AfD‐ oder FPÖ‐Politiker, der irgendwann mit einem solchen „Extremisten” im Raum war, nach bewährter Salamitaktik unter Generalverdacht stellen. Bürgerliche wie Blümel, welche dafür verantwortliche ‚Experten’ fälschlicherweise in der „Mitte” verordnen, fressen diesen daraufhin aus der Hand.

Deren daraus ewige Fähigkeit die Torpfosten zu verschieben mündet schließlich auch darin, lange in bürgerlichen Parteien völlig konsensfähige Positionen als „rechtsextrem” zu brandmarken und somit unsagbar zu machen. Denn dieselbe Asylkritik für welche die Identitären marginalisiert werden sollen, stand vor dreißig Jahren problemlos auf CDU‐Plakaten. Und deren schrittweise Kriminalisierung ist die eigentliche Bedrohung der freiheitlichen Demokratie.


Weiterlesen (Auswahl):

ÖVP‐Blümel will Vereinsrecht ändern, um Identitäre aufzulösen (16.8.2019)

Brandenburg: Linke Netzwerke dürfen für Verfassungsschutz spionieren (15.8.2019)

Rechtsextreme Identitäre”: Stigmatisierende Einstufung auf dem Prüfstand (28.3.2019)

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Deutschland

Straße und Parlament dürfen für uns kein Gegensatz sein”

Redaktion

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ASDF AfD-Kandidat und "Zukunft Heimat"-Gründer Dr. Christoph Berndt. Foto: privat

In wenigen Wochen findet die Landtagswahl in Brandenburg statt. Die Tagesstimme hat deshalb ein Interview mit dem AfD‐Kandidaten Dr. Christoph Berndt geführt. Darin spricht der Gründer von Zukunft Heimat e.V. über seinen Slogan „Bürger‐Bewegung ins Parlament”, Björn Höcke und den „Flügel” sowie die Wahlziele der AfD.

Die Tagesstimme: Herr Berndt, Sie sind der Begründer des patriotischen Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ in Cottbus und haben dort seit mehreren Jahren Demonstrationen gegen die Asyl‐ und Migrationspolitik der Bundesregierung organisiert. Nun kandidieren Sie bei der Landtagswahl in Brandenburg auf Listenplatz zwei der AfD. Wieso nun dieser Schritt von der Straße in das Parlament?

Berndt: Bislang kandidiere ich ja nur, aber abgesehen davon dürfen Straße und Parlament für uns kein Gegensatz sein. Die Verteidigung des Eigenen, die Bewahrung und wo nötig die Wiederherstellung unseres Nationalstaates ist eine umfassende Aufgabe. Straßenprotest, parlamentarische Arbeit und metapolitische Hinterfragung müssen ineinandergreifen. Ich verstehe die AfD als Teil einer Volksbewegung und denke, dass ich als Stimme der Bürgerbewegung in der Partei wahrgenommen werde. Sollte ich in den Landtag gewählt werden, dann eben auch als Stimme der Bürgerbewegung im Parlament. Ich kandidiere schließlich auch mit dem Slogan: „Bürger‐Bewegung ins Parlament!

Die Tagesstimme: Werden Sie die Arbeit bei „Zukunft Heimat“ fortsetzen?

Berndt: Auf jeden Fall! Ich habe meinen Platz gefunden. Ich bin Teil der patriotischen Bürgerbewegung und kann mir nichts Besseres vorstellen. Und ich will meinen Teil dazu beitragen, um das Brandenburger Kooperationsmodell von AfD und Bürgerbewegung fortzuentwickeln.

Die Tagesstimme: In den Umfragen sieht es sehr gut aus für die AfD. Wie lautet das Wahlziel?

Berndt: Aus meiner Sicht gibt es zwei Ziele: Erstens so viele Stimmen wie möglich zu gewinnen und vielleicht sogar stärkste Kraft in Brandenburg zu werden. Zweitens mit der eigenen Stärke eine Regierungsbildung von SPD‐Linken‐Grünen zu verhindern.

Die Tagesstimme: Welche Themenschwerpunkte setzen Sie persönlich im Wahlkampf?

Berndt: Die Blickrichtung, die uns von den konkurrierenden Parteien unterscheidet: Die AfD hält am Volk und am Nationalstaat fest. CDU, SPD, FDP, Linke und Grüne, zumindest ihre Führungen, verneinen das Volk (Habeck), definieren es zur Bedeutungslosigkeit um (Merkel) und halten den Nationalstaat für überholt. Daraus ergibt sich alles Weitere: Die Ablehnung der illegalen Masseneinwanderung, die Forderungen nach besserer Bildung (die Hälfte der Brandenburger Schüler lernt nicht richtig Lesen und Rechnen), einer vernünftigen Energie‐ und Umweltpolitik (Stopp des Baus von Windkraftanlagen, keinen ideologiegetriebenen Kohleausstieg) und mehr direkter Demokratie (Hürden für Volksentscheide senken), um Beispiele zu nennen.

Die Tagesstimme: In den vergangenen Wochen wurde intensiv über Richtungsstreits in der AfD und speziell über Björn Höcke und den „Flügel“ diskutiert. Können Sie die Kritik an Höcke nachvollziehen und wie stehen Sie zum „Flügel“?

Berndt: Diskussionen gehören zu einer lebendigen Partei, auch solche über Personen. Und auch Björn Höcke hat ein Recht darauf, kritisiert zu werden. Im Fall der AfD und speziell von Höcke werden Diskussionen aber immer wieder von Gegnern außerhalb der Partei befeuert. Das kennen wir seit Jahren, und das sollten alle berücksichtigen, die Höcke kritisieren. Ich kann und will mir eine AfD ohne Björn Höcke und den „Flügel” nicht vorstellen.

Die Tagesstimme: Obwohl die AfD stärkste Kraft werden könnte, haben die anderen Parteien eine Koalition mit der AfD bereits ausgeschlossen. Was halten Sie von dieser Ankündigung und wäre die AfD bereit für eine Regierung?

Berndt: Solange die anderen Parteien unter der Fuchtel von Globalisten stehen, käme für mich auch aus AfD‐Sicht keine Koalition in Frage. Sollten die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen für CDU und SPD schlecht ausgehen, wird sich Merkel nicht halten. Dann können sich neue Konstellationen ergeben. Angst vor einer Regierungsübernahme muss die AfD nicht haben. Nirgendwo in Deutschland. Was die jetzigen Regierungen in den Ländern und im Bund zu bieten haben, kann die AfD locker übertreffen.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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Meinung

Wort zum Sonntag: „Wird die katholische Kirche unterwandert?”

Gastautor

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ASDF Symbolbild (CC0)

Die katholische Kirche befindet sich aktuell im extremen Wandel und die Geschwindigkeit, mit der die vielen Änderungen unter Papst Franziskus angestoßen werden, stoßen vielen Gläubigen sauer auf. Nicht wenige vermuten hinter diesen Vorgängen eine bewusste Zerstörung katholischer Tradition.

Kolumne von Raphanus

Einer der Kritiker ist Dr. Taylor Marshall, der in seinem Buch Infiltration: The Plot to Destroy the Church from Within behauptet, die katholische Kirche sei seit Mitte des 19. Jahrhunderts Angriffen von Modernisten und Marxisten ausgesetzt, die den Plan verfolgten, die katholische Kirche von innen heraus zu untergraben und zu zerstören.

Unterwanderung statt Vernichtung

Ihr Ziel sei es, die Lehre der katholischen Kirche, ihre Liturgie und ihre Mission zu ändern und das Priestertum, das Bischofsamt und schließlich die Kardinalsämter zu infiltrierten – alles mit dem Ziel, einen der ihren zum Papst zu wählen.

Zur Untermauerung seiner These beruft sich Dr. Marshall unter anderem auf ein Dokument aus dem Jahre 1859, das einen Plan für die Unterwanderung der katholischen Kirche entwarf. Demnach sei es nicht mehr das erklärte Ziel der Gegner der katholischen Kirche, diese zu vernichten, sondern durch Unterwanderung die Kirche für ihre eigenen Ziele zu benutzen.

In dem historisch belegten Dokument Alta Vendita heißt es unter anderem: „Um also einen Papst nach unserem Herzen zu sichern, ist es eine vorrangige Aufgabe, für diesen Papst eine Generation zu bilden, die dem von uns gewünschten Königreich würdig ist. Lassen wir alte und reife Männer beiseite und gehen wir stattdessen zur Jugend und, wenn möglich, sogar zu Kindern“, um dort diesen Einfluss geltend zu machen. Die jahrzehntelange Arbeit war ihnen dabei durchaus bewusst, wie Taylor schildert.

Kommunisten als Priester

So soll nicht nur der Einfluss des Katholizismus in der Gesellschaft ausgemerzt, sondern die Struktur der katholischen Kirche auch dafür benützt werden, um Prinzipien und Ziele zu fördern, die der katholischen Lehre widersprechen und sie schwächen.

Marshall zeigt auf, dass in den 1930er‐Jahren Kommunisten heimlich begannen, katholische Seminare zu infiltrieren, um dort ihre eigenen Männer als Priester und schließlich als Bischöfe, Kardinäle oder sogar als Papst zu pflanzen.

Nun kann man von Theorien der »Verschwörung« halten, was man will. Sind sie aber historisch nachgewiesen bzw. durch gerichtlich beeidete Aussagen ehemaliger Kirchengegner belegt, darf man durchaus hellhörig werden und einen zweiten, genaueren Blick wagen. Wenn dann noch die Früchte, an denen sie erkannt werden sollen, den Vermutungen entsprechen, sollte man vielleicht noch etwas genauer hinschauen.

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