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Meinung

Bitte gehen Sie weiter: An dieser Bahnsteigkante gibt es nichts zu sehen!

Julian Schernthaner

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am

Symbolbild (ICE in Frankfurt/Main Hbf.): Pedelecs via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Ein Kind ist tot, von einem Migranten vor einen einfahrenden Zug geschubst. Mindestens ebenso wie die unfassbare Tat schockiert aber die veritable Olympiade der Relativierung von Ursache und Vorfall.

Kolumne von Julian Schernthaner

Wenn man so manche Reaktionen auf die schreckliche Tat am Frankfurter Hauptbahnhof besieht, gewinnt man den Verdacht, es handle sich nur um einen tragischen Unfall. Immerhin war ersten Medienberichten zufolge ein Bub „auf die Gleise geraten”. Die Polizei hatte da längst ein Fremdverschulden bestätigt. So mancher Journalist und Politiker will das allerdings nicht wahrhaben – und sucht die Schuld überall, nur nicht dort, wo sie zu suchen ist.

WM der Relativierung – bloß keine Instrumentalisierung!

Denn in der Folge spielte sich ein regelrechter Marathon der Relativierung ab. Neben dem üblichen Einzelfall‐Gekeife durfte natürlich auch der Teil nicht fehlen, dass man Tötungsdelikte oder tote Kinder nie für politisches Kleingeld instrumentalisieren dürfe. Aus diesem Grund aßen mehrere Grünen‐ und Linken‐Abgeordneten im Merseburger Kreistag auch genüsslich ihre Wurstbrote, während die übrigen Fraktionen mit ihrer reaktionären Schweigeminute quasi ausländerfeindliche Propaganda befeuerten.

Ich meine, instrumentalisieren – das tat man ja auch nicht mit dem Lübcke‐Mord oder dem furchtbaren Massaker in Christchurch, gell? Und der kleine Bub am Ägäisstrand, dessen Name schmückt natürlich kein NGO‐Schiff, dessen Irrfahrten am Mittelmeer natürlich auch keinen weiteren Leuten dieselben falschen Hoffnungen auf das Paradies auf Erden geben. Und drum: Einfach mal am Boden bleiben, es sterben jährlich 3.000 Leute im Straßenverkehr, ein Toter im Bahnverkehr, Verhältnismäßigkeit und so.

Untaugliche Lösungen für unnötige „Verwerfungen”

Kein Witz, das ist die Argumentation eines Hannoveraner Grünen‐Politikers. Damit reiht er sich direkt an die Einstufung eines Berliner Parteikollegen, der ernsthaft prüfen will, ob man künftig nur mehr in Schrittgeschwindigkeit in Bahnhöfe einfahren dürfen soll. Das hier ist Deutschland 2019, wo Kinder einfach wie Dominosteine auf Gleise fallen und dort dann von rasenden Schienenmonstern überrollt werden.

Kein Wunder, dass bei solchen „Verwerfungen” – dann nur „grobe Gestalten mit finsterer Miene und Tätowierungen” bei Mahnwachen stehen. Das löst bei manchem Haltungsjournalisten richtiges Unverständnis aus. Ich meine, das ist doch dieses sich drastisch verändernde Deutschland, auf das man sich doch freuen soll? Wer ist denn schon so blöd und hält keine präventive Schubserlänge Abstand von der Bahnsteigkante?

Und wenn es „den Falschen hilft”?

Und während sich ein untauglicher Präventionsgedanke an den nächsten reiht, dämmert es so manchem: Vielleicht hat die AfD‐Fraktionschefin Weidel nicht ganz unrecht, wenn sie schärfere Grenzkontrollen und ein Ende der Willkommenskultur fordert. Kontrollen, die in diesem Fall – der Eritreer flüchtete offenbar vor polizeilicher Verfolgung in der Schweiz – tatsächlich die Tat verhindern hätten können.

Aber was nicht sein darf, kann nicht sein, muss wohl „selektive Wahrnehmung” sein. Wichtig ist nicht vordergründig, dass in Zukunft keine Kinder, Mütter oder Greise wie mindestens ein knappes Dutzend Mal in den vergangenen zwei Jahren mehr vor Züge geschubst werden. Viel wichtiger ist da wohl, dass das nicht „den Falschen hilft”. Aber zuerst ruft die Kanzlerpflicht, ab in den Süden, eine Runde Urlaub für Mutti Merkel.

Opfer zweiter Klasse am Weg ins ewige Bullerbü

Was bei all dem vergessen wird: Es ist ein Kind gestorben. Seine Mutter wird sich vielleicht Vorwürfe machen, weil sie den Stoß ins Gleisbett überlebte. Seine Schwester, die mit einer Familienfreundin im Auto in den gemeinsamen Urlaub fuhr, zankte sich mit ihm vielleicht noch kürzlich um ein Spielzeug. Nun hat sie keinen geliebten Bruder mehr, mit dem sie darüber streiten und sich wieder versöhnen kann.

Und wir – wir haben nicht einmal seinen Namen, um ein stilles Marterl für ihn aufzustellen. Auf die Benennung von Straßen und Schiffen und Denkmäler aus öffentlicher Hand wie bei Opfern mit dem richtigen Migrationshintergrund können wir wohl ewig warten. Es gibt kaum Sondersendungen und keine ewigen Grundsatzdebatten. Der Achtjährige ist ein deutsches Opfer – und somit wohl ein Opfer zweiter Klasse, ein Schlagloch auf dem holprigen Pfad in das vermeintlich ewige Bullerbü einer multikulturellen Gesellschaft.

Gerechter Zorn soll zu friedlichem Protest führen

Es sind Taten wie diese, welche auch beim hundertsten Fall noch sprachlos machen. Es sind dann auch Momente, wo ich mich mit Wehmut – schon als Kind war ich ein passionierter Bahnfahrer – daran erinnere, dass wir als Kinder keine Sorge haben mussten, ob uns jemand in Hollywood‐Manier auf die Gleise stößt. Dass sich die Zeiten geändert haben, macht einen nicht nur traurig, sondern auch gerechtermaßen zornig.

Aber gleichzeitig geben solche Fälle einen Auftrag, mit friedlichem Protest gegen diese Zustände aufzubegehren. Denn nur wenn wir unsere Stimme erheben, können wir sicherstellen, dass unsere eigenen Kinder und Enkel wieder ohne Furcht an Haupt‐ und Provinzbahnhöfen stehen können, wenn sie mit uns in den wohlverdienten Sommerurlaub fahren. Und wenn wir dafür manchmal „instrumentalisieren” müssen, dann nicht, weil es uns Spaß macht – sondern weil es schlichtweg nötig ist.


Mehr zum Thema:

Frankfurt: Wieder Aufregung um Aussage von Grünen‐Politiker (31.7.2019)

Frankfurt: Bahnsteig‐Täter galt als Musterbeispiel gelungener Integration (30.7.2019)

Linke und Grüne boykottieren Schweigeminute für getöteten Buben (30.7.2019)

Nach Tötungsdelikt: Lux (Grüne) will „Schrittgeschwindigkeit in Bahnhöfen” (29.7.2019)

Frankfurt/Main: Mutter und Kind vor einfahrenden Zug gestoßen – Kind tot 

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gottheilm Fugge

    1. August 2019 at 6:19

    Statement AfD‐Politiker Gottfried Curio – Wie wahr:
    „„Das Unsicherheitsgefühl im öffentlichen Raum bricht sich mehr und mehr Bahn.””

    Wenn ich zukünftig Bahn fahre, achte ich ab dato sehr bewußt darauf, dass ich bis zur Zugeinfahrt und dessen Stillstand mich unbedingt in der Mitte des Bahnsteiges aufhalte und keine farbigen Menschen mit „südlichen Aussehen” oder Personen, die sich in einer für mich gefühlten arabischen Sprache austauschen, in meiner Nähe sind.

    Das nennt man dann Evolution – Bewusste Anpassung.
    Auch wenn es PC‐widrig sein sollte, die Natur hat die sich seit 2015 häufenden irrsinnigen, politischen Entscheidungen leider nicht mit in ihr Fortbestands‐ & Weitervermehrungsmuster eingebaut.

    Dieser DE‐Staat ist nachweisbar unfähig, seine Bürger zu schützen.
    Diese amtierenden Politiker des Altparteienkartells sind unfähig, eine deutsche Nation zu führen.

    Die afrikanischen Länder sind für sich selbst verantwortlich.
    Das war ihr höchstes Ziel seit/mit der Beendigung der Kolonialzeit.
    Im Niger (Zweitärmstes Land der Welt) gebären Frauen im Durchschnitt 7,5 Kinder, die weltweit höchste Geburtenrate.
    Nigers Bevölkerung von rund 20 Millionen Menschen soll sich bis 2050 verdreifachen.
    In den anderen afrikanischen Ländern sieht es nicht viel anders aus.
    Dann, bitte schön, sollen sie auch ihre bar jeder Vernunft praktizierte Geburtenpolitik selbst auslöffeln und diese NICHT den Europäern in die Schuhe schieben.

    Auch darüber sollten sich die UN incl. des stets fordernden UN‐Hilfswerks UNHCR einmal konkret positionieren.
    Nicht das Klima macht Afrika kaputt, es sind die jährlich schier unendlichen Massen an Neugeburten quer durch diesen ganzen Kontinent.

    Wie lange muss man das ALLES eigentlich noch in diesem Lande ertragen?

    Es gibt eine Bundeswehr.
    Es gibt auch im fliegerischen Bereich etwa Fallschirmjäger‐Soldaten.
    Die Sicherheitsoperationen übernehmen und durchführen können.
    Und sollten.
    Und es gibt Trans‐All‐Maschinen oder analoge Flugzeuge.
    Die durchaus auch im Minutentakt starten, landen und fliegen könnten.
    Für Abschiebungen.

    Handelt endlich!

  2. Avatar

    Zickenschulze

    1. August 2019 at 6:26

    Auf der gegenüberliegenden Seite der Instrumentalisierung liegt die Vertuschung.

    Was nun?
    Rechts oder Links abbiegen?

    An einem Ende von nur einer Seite mündet die Straße abrupt im Strassengraben. Gute Fahrt.

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Meinung

Der Verfassungsschutz als dankbares Instrument gegen Unliebsame

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild: Pixabay [CC0]

Linke Experten diktieren dem Verfassungsschutz und der Politik, welche Gruppen und Positionen „rechtsextrem” sind – und verrücken damit den Rahmen des Sagbaren auf gefährliche Weise.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Eigentlich soll der Verfassungsschutz jene beobachten, welche dieselbe bedrohen. Aber längst dient er als politisches Mittel, um jene zu schikanieren, welche Dinge sagen, welche die Inhaber der gegenwärtigen Hegemonie nicht hören wollen. Dabei geht es weniger um den Schutz einer deshalb nur mehr als Lippenbekenntnis existierenden, freiheitlich‐demokratischen Grundordnung, sondern darum, Unliebsame mit stigmatisierenden Vorwürfen aus der politischen Geltung zu stoßen.

Migrationskritik offenbar „rechtsextrem”

Ein besonderes Beispiel findet derzeit in Österreich statt. Das sechste Jahr in Folge befinden sich die Identitäre Bewegung im Bericht des dortigen Verfassungsschutzes. Die Behörde definiert eigentlich drei notwendige Kriterien für ihren Rechtsextremismusbegriff: Ablehnung der Normen eines demokratischen Verfassungsstaates, Wunsch nach einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaftsordnung und Gutheißung politischer Gewalt. Erörterung dieser am Beobachtungsobjekt? Fehlanzeige.

Stattdessen stützt sich die Argumentation darauf, dass sie als „wesentliche Trägerin der ‚Islam‐ und Asylfeindlichkeit’ ” gelte. Als weiteres Indiz gilt die Warnung vor dem Bevölkerungsaustausch und einer „Islamisierung Europas”. Auch der Hinweis, dass die „autochthone Bevölkerung” (Anführungszeichen der Behörde) durch Zuwanderung gefährdet sei, ist Teil der Einstufung. Allesamt Positionen, welche eigentlich unzweifelhaft Teil des demokratischen Diskurses sind.

Experten vom linken Rand haben Deutungsmonopol

Natürlich, derartige Behörden konsultieren auch Einschätzungen Dritter. Mit dem Schönheitsfehler, dass die Mehrzahl der sogenannten ‚Experten’ in Österreich zumeist exponiert linke Aktivisten sind. Einige davon gehören dem auf Initiative eines Marxisten gegründeten Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) an. Andere machen aus ihren linksradikalen Verstrickungen keinen besonderen Hehl, treten bei der Antifa auf. Eine ‚Expertin’ kandidierte einst gar für die Kommunisten.

All sie haben eine Art Deutungsmonopol darüber erschaffen, wer angeblich ‚rechtsextrem’ sei. Entlastende Gegenbelege deuten sie dabei als vermeintliche Tarnstrategie. Und plötzlich darf etwa die Privatmeinung von Mitarbeitern einer Stiftung, welche auch die FPÖ als „rechtsextreme Partei” sieht, als Blaupause für Bewertungen einer Behörde herhalten. Und damit bloß niemand das Narrativ hinterfragen kann, gelten nunmehr sogar „alternative Medien” – sprich, die gesamte patriotische Publizistik – vorsorglich als „rechtsextrem”. Kein Witz.

Forderungen übernehmen – Vorreiter abschaffen

Gefährlich wird die Sache erst, wenn diese Verschwörungstheorien in konkrete Sachpolitik münden. Am Freitag war es so weit: ÖVP‐Spitzenpolitiker Blümel forderte die Änderung des Vereinsrechts, um Vereine im Umkreis „extremistischer Organisationen” leichter aufzulösen. Die Forderung zielt explizit auf die Identitären ab – eine Gruppe, die aufgrund ihrer programmatischen Gewaltfreiheit gar nicht im BVT‐Bericht auftauchen dürfte.

Besonders kurios: Im selben Atemzug will jener Maßnahmen gegen Islamismus forcieren. Vier Maßnahmen gegen den politischen Islam – und eine gegen diejenigen, welche schon länger vor dem politischen Islam warnen – und teilweise genau aus diesem Grund überhaupt erst als „extremistisch” gelten. Er fordert also eine Einschränkung 150 Jahre alter Grundrechte für jene, welche dieselben Sachen kritisieren wie er selbst.

Deutschland: Linksradikalismus als Empfehlungsschreiben

Wer meint, es handelt sich um einen alpenländischen Sonderfall, demonstriert an einer besonders exponierten Gruppe, irrt. Denn beim deutschen Nachbarn ist man längst einen Schritt weiter. Linksradikale Biographien in der ehemaligen ‚Neuen Linken’ oder als frühere Mitarbeiter von eng mit der Antifa verbandelten Politikerinnen gelten dort als Empfehlungsschreiben für Expertentätigkeiten.

Ganz ungeniert geht man dabei in jenen neuen Bundesländern mit einer linken Koalition vor. Im rot‐rot‐grünen Thüringen präsidiert ein Stiftungsrat der Amadeu‐Antonio‐Stiftung über den den Verfassungsschutz. Ja, das ist dieselbe von einer ehemaligen Stasi‐Mitarbeiterin initiierte und geleitete Einrichtung, die mitunter bereits Zöpfe als Indiz für ein völkisches Elternhaus wertet. Antifa‐Kongresse erhalten dort dafür Demokratiepreise.

Brandenburg: Linksextreme berichten an Verfassungsschutz

Besonders alarmierend sind auch die Vorgänge in Brandenburg. Dort ist nämlich im ominös‐nebulösen ‚Kampf gegen Rechts’ alles billig. Linksradikale und sogar Linksextreme können dort nicht nur in den Genuss öffentlicher Mittel der Demokratieförderung gelangen. Nein, es besteht sogar die Möglichkeit zu einem regen Informationsaustausch zwischen Linksextremisten und Verfassungsschutz – Die Tagesstimme berichtete.

Welche Art von Informationen dann bereits als „rechtsextremistisch” gelten dürfen, mögen die Götter wissen. Denn bereits Zuarbeiter vermeintlich seriöser (und trotzdem ausgewiesen linker) Akteure riechen allzu schnell angebliche ‚Faschisten’ in jedem erdenklichen Publikum. All dies befördert ein Klima, wo man bereits bundesweite Verfassungsschutzpräsidenten aus dem Amt jagt, weil sie Chuzpe besitzen, die Authentizität von „Antifa Zeckenbiss” anzweifeln.

Katapult gegen Parteien und Verschiebung des Diskurses

Natürlich wollen linke Experten nicht nur irgendwelche Gruppierungen im Vorfeld aus dem Diskurs bringen. Denn deren Stigmatisierung kann auch als Katapult gegen politische Parteien dienen. Sobald eine Gruppierung als „rechtsextrem” gilt, kann man jeden AfD‐ oder FPÖ‐Politiker, der irgendwann mit einem solchen „Extremisten” im Raum war, nach bewährter Salamitaktik unter Generalverdacht stellen. Bürgerliche wie Blümel, welche dafür verantwortliche ‚Experten’ fälschlicherweise in der „Mitte” verordnen, fressen diesen daraufhin aus der Hand.

Deren daraus ewige Fähigkeit die Torpfosten zu verschieben mündet schließlich auch darin, lange in bürgerlichen Parteien völlig konsensfähige Positionen als „rechtsextrem” zu brandmarken und somit unsagbar zu machen. Denn dieselbe Asylkritik für welche die Identitären marginalisiert werden sollen, stand vor dreißig Jahren problemlos auf CDU‐Plakaten. Und deren schrittweise Kriminalisierung ist die eigentliche Bedrohung der freiheitlichen Demokratie.


Weiterlesen (Auswahl):

ÖVP‐Blümel will Vereinsrecht ändern, um Identitäre aufzulösen (16.8.2019)

Brandenburg: Linke Netzwerke dürfen für Verfassungsschutz spionieren (15.8.2019)

Rechtsextreme Identitäre”: Stigmatisierende Einstufung auf dem Prüfstand (28.3.2019)

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Deutschland

Straße und Parlament dürfen für uns kein Gegensatz sein”

Redaktion

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ASDF AfD-Kandidat und "Zukunft Heimat"-Gründer Dr. Christoph Berndt. Foto: privat

In wenigen Wochen findet die Landtagswahl in Brandenburg statt. Die Tagesstimme hat deshalb ein Interview mit dem AfD‐Kandidaten Dr. Christoph Berndt geführt. Darin spricht der Gründer von Zukunft Heimat e.V. über seinen Slogan „Bürger‐Bewegung ins Parlament”, Björn Höcke und den „Flügel” sowie die Wahlziele der AfD.

Die Tagesstimme: Herr Berndt, Sie sind der Begründer des patriotischen Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ in Cottbus und haben dort seit mehreren Jahren Demonstrationen gegen die Asyl‐ und Migrationspolitik der Bundesregierung organisiert. Nun kandidieren Sie bei der Landtagswahl in Brandenburg auf Listenplatz zwei der AfD. Wieso nun dieser Schritt von der Straße in das Parlament?

Berndt: Bislang kandidiere ich ja nur, aber abgesehen davon dürfen Straße und Parlament für uns kein Gegensatz sein. Die Verteidigung des Eigenen, die Bewahrung und wo nötig die Wiederherstellung unseres Nationalstaates ist eine umfassende Aufgabe. Straßenprotest, parlamentarische Arbeit und metapolitische Hinterfragung müssen ineinandergreifen. Ich verstehe die AfD als Teil einer Volksbewegung und denke, dass ich als Stimme der Bürgerbewegung in der Partei wahrgenommen werde. Sollte ich in den Landtag gewählt werden, dann eben auch als Stimme der Bürgerbewegung im Parlament. Ich kandidiere schließlich auch mit dem Slogan: „Bürger‐Bewegung ins Parlament!

Die Tagesstimme: Werden Sie die Arbeit bei „Zukunft Heimat“ fortsetzen?

Berndt: Auf jeden Fall! Ich habe meinen Platz gefunden. Ich bin Teil der patriotischen Bürgerbewegung und kann mir nichts Besseres vorstellen. Und ich will meinen Teil dazu beitragen, um das Brandenburger Kooperationsmodell von AfD und Bürgerbewegung fortzuentwickeln.

Die Tagesstimme: In den Umfragen sieht es sehr gut aus für die AfD. Wie lautet das Wahlziel?

Berndt: Aus meiner Sicht gibt es zwei Ziele: Erstens so viele Stimmen wie möglich zu gewinnen und vielleicht sogar stärkste Kraft in Brandenburg zu werden. Zweitens mit der eigenen Stärke eine Regierungsbildung von SPD‐Linken‐Grünen zu verhindern.

Die Tagesstimme: Welche Themenschwerpunkte setzen Sie persönlich im Wahlkampf?

Berndt: Die Blickrichtung, die uns von den konkurrierenden Parteien unterscheidet: Die AfD hält am Volk und am Nationalstaat fest. CDU, SPD, FDP, Linke und Grüne, zumindest ihre Führungen, verneinen das Volk (Habeck), definieren es zur Bedeutungslosigkeit um (Merkel) und halten den Nationalstaat für überholt. Daraus ergibt sich alles Weitere: Die Ablehnung der illegalen Masseneinwanderung, die Forderungen nach besserer Bildung (die Hälfte der Brandenburger Schüler lernt nicht richtig Lesen und Rechnen), einer vernünftigen Energie‐ und Umweltpolitik (Stopp des Baus von Windkraftanlagen, keinen ideologiegetriebenen Kohleausstieg) und mehr direkter Demokratie (Hürden für Volksentscheide senken), um Beispiele zu nennen.

Die Tagesstimme: In den vergangenen Wochen wurde intensiv über Richtungsstreits in der AfD und speziell über Björn Höcke und den „Flügel“ diskutiert. Können Sie die Kritik an Höcke nachvollziehen und wie stehen Sie zum „Flügel“?

Berndt: Diskussionen gehören zu einer lebendigen Partei, auch solche über Personen. Und auch Björn Höcke hat ein Recht darauf, kritisiert zu werden. Im Fall der AfD und speziell von Höcke werden Diskussionen aber immer wieder von Gegnern außerhalb der Partei befeuert. Das kennen wir seit Jahren, und das sollten alle berücksichtigen, die Höcke kritisieren. Ich kann und will mir eine AfD ohne Björn Höcke und den „Flügel” nicht vorstellen.

Die Tagesstimme: Obwohl die AfD stärkste Kraft werden könnte, haben die anderen Parteien eine Koalition mit der AfD bereits ausgeschlossen. Was halten Sie von dieser Ankündigung und wäre die AfD bereit für eine Regierung?

Berndt: Solange die anderen Parteien unter der Fuchtel von Globalisten stehen, käme für mich auch aus AfD‐Sicht keine Koalition in Frage. Sollten die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen für CDU und SPD schlecht ausgehen, wird sich Merkel nicht halten. Dann können sich neue Konstellationen ergeben. Angst vor einer Regierungsübernahme muss die AfD nicht haben. Nirgendwo in Deutschland. Was die jetzigen Regierungen in den Ländern und im Bund zu bieten haben, kann die AfD locker übertreffen.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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Meinung

Wort zum Sonntag: „Wird die katholische Kirche unterwandert?”

Gastautor

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ASDF Symbolbild (CC0)

Die katholische Kirche befindet sich aktuell im extremen Wandel und die Geschwindigkeit, mit der die vielen Änderungen unter Papst Franziskus angestoßen werden, stoßen vielen Gläubigen sauer auf. Nicht wenige vermuten hinter diesen Vorgängen eine bewusste Zerstörung katholischer Tradition.

Kolumne von Raphanus

Einer der Kritiker ist Dr. Taylor Marshall, der in seinem Buch Infiltration: The Plot to Destroy the Church from Within behauptet, die katholische Kirche sei seit Mitte des 19. Jahrhunderts Angriffen von Modernisten und Marxisten ausgesetzt, die den Plan verfolgten, die katholische Kirche von innen heraus zu untergraben und zu zerstören.

Unterwanderung statt Vernichtung

Ihr Ziel sei es, die Lehre der katholischen Kirche, ihre Liturgie und ihre Mission zu ändern und das Priestertum, das Bischofsamt und schließlich die Kardinalsämter zu infiltrierten – alles mit dem Ziel, einen der ihren zum Papst zu wählen.

Zur Untermauerung seiner These beruft sich Dr. Marshall unter anderem auf ein Dokument aus dem Jahre 1859, das einen Plan für die Unterwanderung der katholischen Kirche entwarf. Demnach sei es nicht mehr das erklärte Ziel der Gegner der katholischen Kirche, diese zu vernichten, sondern durch Unterwanderung die Kirche für ihre eigenen Ziele zu benutzen.

In dem historisch belegten Dokument Alta Vendita heißt es unter anderem: „Um also einen Papst nach unserem Herzen zu sichern, ist es eine vorrangige Aufgabe, für diesen Papst eine Generation zu bilden, die dem von uns gewünschten Königreich würdig ist. Lassen wir alte und reife Männer beiseite und gehen wir stattdessen zur Jugend und, wenn möglich, sogar zu Kindern“, um dort diesen Einfluss geltend zu machen. Die jahrzehntelange Arbeit war ihnen dabei durchaus bewusst, wie Taylor schildert.

Kommunisten als Priester

So soll nicht nur der Einfluss des Katholizismus in der Gesellschaft ausgemerzt, sondern die Struktur der katholischen Kirche auch dafür benützt werden, um Prinzipien und Ziele zu fördern, die der katholischen Lehre widersprechen und sie schwächen.

Marshall zeigt auf, dass in den 1930er‐Jahren Kommunisten heimlich begannen, katholische Seminare zu infiltrieren, um dort ihre eigenen Männer als Priester und schließlich als Bischöfe, Kardinäle oder sogar als Papst zu pflanzen.

Nun kann man von Theorien der »Verschwörung« halten, was man will. Sind sie aber historisch nachgewiesen bzw. durch gerichtlich beeidete Aussagen ehemaliger Kirchengegner belegt, darf man durchaus hellhörig werden und einen zweiten, genaueren Blick wagen. Wenn dann noch die Früchte, an denen sie erkannt werden sollen, den Vermutungen entsprechen, sollte man vielleicht noch etwas genauer hinschauen.

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