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Deutschland

Kolumne: Kretschmer und die Angst vor der AfD

Joshua Hahn

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Bild (Michael Kretschmer): Pawel Sosnowski / Sächsische Staatskanzlei [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Am 1. September sind Landtagswahlen in Sachsen. Nach der Zäsur aufgrund der mittlerweile teilweise wieder aufgehobenen Streichung eines großen Teils der Listenplätze für die Wahl geht es bei der AfD wieder bergauf. Grund genug für Kretschmer (CDU), ein weiteres Mal im Trickkästchen zu kramen.

Kommentar von Joshua Hahn

Bildhaft lässt sich vorstellen, wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer über einen finalen Plan zum Kampf gegen die AfD grübelt. Irgendwann fiel ihm dann etwas ein, das es in dieser Form noch nie gab – der Vergleich mit der NPD. Nie dagewesen, dürfen dieses Mal also die Nationaldemokraten herhalten, um den Wähler vom angeblichen Grauen der Alternative für Deutschland zu überzeugen.

Tonlage, die wir bisher nur von der NPD kannten”

Gegenüber dem „Focus” erklärte Kretschmer, vermutlich mit ernster Miene und in betroffenem Tonfall: „Von der AfD kommt eine Tonlage, die wir bisher nur von der NPD kannten.“

Außerdem echauffierte er sich über die Verwendung der Begriffe „Volksverräter“ und „Deutschlandhasser“. Auch die Aussage „Die Jagdsaison ist eröffnet“ sieht er kritisch. Die Sprache der AfD erinnere ihn an die von „Rechtsextremisten”.

Der weinerliche Ton und die gekünstelte Empörung Kretschmers greifen jedoch einfach nicht mehr. Sie sind ein letzter Versuch, das Wahlergebnis der AfD in Sachsen zu schwächen. Gelingen wird dies vermutlich nicht. Die bereits vor Jahren eingesetzte Überdosierung an Empörung über vermeintliche Schock‐Aussagen der AfD schlägt sich jetzt nieder.

Ja, die Jagdsaison ist eröffnet

Ein guter Wahlkampf wird nicht mit aalglatten Phrasen, sondern auch mit provokanten Sprüchen geführt. An den von Kretschmer zitierten Worten ist nichts Verwerfliches, zutreffend sind diese allemal. Die Jagd‐Metapher ist eben eine Metapher – nicht mehr und nicht weniger. 

Wer bereits dem Wahlkampf nicht gewachsen ist, der hat auch nach der Wahl nichts in der Politik zu suchen. Ja, die Jagdsaison ist eröffnet – und Kretschmer spielt die Rolle des Rehs im Wahlkampf sehr überzeugend. 

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5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Nakaya

    3. August 2019 at 18:17

    Liebe Tagesstimme,

    Ministerpräsident Kretschmer ist nicht von der SPD, sondern CDU.
    Von der Gesinnung her, würde er bestimmt besser in die SPD passen, da haben Sie schon recht.
    Aber es ist in D heutzutage nicht mehr einfach zu durchschauen wer was ist, da CDU, SPD, FDP und die Linke allesamt nur noch für grüne Politik stehen.

    Viele Grüße vom Niederrhein

    • Avatar

      Zickenschulze

      4. August 2019 at 10:24

      CDU, SPD, FDP und die Linke,
      alle vom gleichen Schlagentümpel. Mainstream‐genormt.

  2. Avatar

    Zickenschulze

    4. August 2019 at 3:56

    Tonlage, die wir bisher nur von der NPD kannten”

    Das ist Vokabular billigster Propaganda. Man kann gespannt sein, wer da noch mitsegelt.
    Der Wahlausgang der Roten wird aufzeigen, wieviele Nieten eines Hammers bedürfen.
    Wenn solche Leute wie der Rothaarige im Bild noch Zulauf erfahren, dann wundert euch nicht warum über das Land international hintenrum gleich einen „Idiotennest” getuschelt wird.

  3. Avatar

    Klasube

    5. August 2019 at 14:45

    Der weinerliche Ton und die gekünstelte Empörung Kretschmers greifen jedoch einfach nicht mehr. Sie sind ein letzter Versuch, das Wahlergebnis der AfD in Sachsen zu schwächen.”
    Wenn man jahrelang den geleisteten Amtseid mißachtet und vergißt, dass da steht „…zum Wohle des DEUTSCHEN VOLKES…”, ja dann, dann braucht man sich letztlich nicht zu wundern, gelle, Herr Kretschmer?
    Zur Erinnerung nochmals der Amtseid:
    „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“
    Das müßte jeder Politiker jeden Morgen vor Betreten der Amtsstube nochmals aufsagen müssen…!

  4. Avatar

    Petra Delling

    6. August 2019 at 21:28

    Diese Hetzkampagne gegen die Afd – einfach nur widerlich und primitiv !!!!!!!!

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Deutschland

Kein Sprachrohr”: Maaßen geht auf Distanz zur AfD

Julian Schernthaner

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ASDF Bild (Maaßen): Bundesministerium des Innern/Sandy Thieme [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans‐Georg Maaßen, dem Kritiker immer wieder unterstellen, mit der AfD zu kokettieren, erklärte nun, dass er die patriotische Partei als „politischen Gegner” sieht.

Berlin. – Der Äußerung zuvor gegangen war eine Aussage des sächsischen AfD‐Chefs Jörg Urban in der Welt, dass er Maaßen – der eigentlich der innerhalb der CDU konservativen WerteUnion angehört – als „Sprachrohr” seiner Partei wahrnimmt. Denn auch selbst sage man „seit Jahr und Tag”, dass sich die Union „von konservativen Werten verabschiedet” hätte.

Maaßen: „AfD ist unser politischer Gegner”

Diese Darstellung wollte Maaßen nicht auf sich sitzen lassen. Seiner Ansicht nach sei weder er selbst noch die WerteUnion insgesamt ein Sprachrohr für „eine andere Partei als den ‚harten Kern’ der klassischen CDU”. Die AfD sei weiterhin der „politische Gegner” seiner Partei, er setze sich dafür ein, dass diese in Sachsen zur stärksten Kraft werde.

Maaßen als Konservativer innerhalb der Union

Aber auch eine Koalition mit der AfD kann sich Maaßen derzeit nicht vorstellen, da er dieser ein „Problem mit Spinnern und Radikalen” attestiert. Er tritt vielmehr dafür ein, „gemäß Franz‐Josef Strauß’ Diktum” diese als demokratisch legitimierte Partei rechts der Union „überflüssig zu machen”. Dies sagte Maaßen kürzlich in einem Interview mit der konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit.

Weil er bei der Bundespartei allerdings einen Linksruck identifiziert, forderte er vor wenigen Tagen die Sachsen‐CDU auf, sich von der Bundespartei abzugrenzen – Die Tagesstimme berichtete. Diese Feststellung waren offenbar auch der Auslöser für das Gezerre mit Urban um das Erbe der früheren, konservativen CDU.

Immer wieder pointierte Aussagen

Im selben Interview kritisierte er damals übrigens auch, dass „erhebliche Teile der Linken demokratieunfähig” seien und für eine Verengung der Meinungskorridor verantwortlich zeichnen würden. Immer wieder sorgt Maaßen mit exponierten Kommentaren für Aufsehen.

Etwa, als er im Juli den Mittelmeer‐NGOs unterstellte ein „Shuttle‐Service” nach Europa zu unterhalten. Seine Zweifel an der Authentizität der vermeintlichen „Hetzjagd”-Videos kosteten ihn letztendlich im Vorjahr seinen Job als oberster Verfassungsschützer.


Weiterlesen:

Maaßen fordert Abgrenzung der Sachsen‐CDU von Bundespartei (18.8.2019)

Maaßen: „Erheblicher Teil der Linken ist demokratieunfähig” (9.8.2019)

Shuttle‐Service”: Maaßen hinterfragt das Narrativ der ‚Seenotrettung’ (19.7.2019)

Einstweiliger Ruhestand’: Seehofer wirft Maaßen raus (5.11.2018)

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Deutschland

Ex‐Bundestagspräsident Thierse (SPD) warnt Ostdeutsche vor AfD‐Wahl

Julian Schernthaner

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ASDF Bild (Wolfgang Thierse, 2008): Christiph Müller via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Der frühere sozialdemokratische Bundestagspräsident Wolfgang Thierse rät den Bürgern in Brandenburg, Sachsen und Thüringen von einer Wahl der patriotischen AfD ab.

Berlin. – Wie die Junge Freiheit unter Berufung auf das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, richtete Thierse einen Appell an die Bürger jener drei neuen Bundesländer, in denen noch im Herbst ein neuer Landtag gewählt wird. Die AfD verfügt in allen dreien über ausgezeichnete Umfrageergebnisse, rittert in Sachsen und Brandenburg sogar um den ersten Platz.

Thierse: AfD will „Gegenteil” der Forderungen von 1989

Thierse, selbst ein ehemaliges Kind der DDR, bittet seine „ostdeutschen Landsleute geradezu flehentlich”, dass diese den „Unterschied wahrnehmen” zwischen den Zielen der Demonstranten von 1989 und „dem, was die AfD jetzt beabsichtigt.”

Die Menschen in der DDR hätten seiner Ansicht nach damals nämlich für „Freiheit, Weltoffenheit, Überwindung von Grenzen” protestiert. Es erfülle ihn deshalb „mit schmerzlicher Betroffenheit” anzusehen, dass die AfD diese Anliegen nun „ins Gegenteil verkehren” wolle.

Wendepolitiker werfen AfD „Geschichtslüge” vor

Außerdem rügte er den Umgang der Partei mit der ostdeutschen Geschichte. Am Wochenende gehörte er zu den Erstunterzeichnern einer Erklärung mehrerer Wendepolitiker und DDR‐Bürgerrechtler. Sie werfen der AfD vor, das Erbe der friedlichen Revolution von 1989 für ihren eigenen Wahlkampf zu instrumentalisieren und zu missbrauchen. Unter den Erstunterzeichner fanden sich vor allem zahlreiche heutige Politiker der SPD und Grünen.

Diese Erklärung kritisiert insbesondere, dass die AfD angeblich versuche, „die DDR mit der jetzigen Bundesrepublik gleichzusetzen. Die Parteispitze würde sich als „Vollender einer angeblich unvollkommenen Revolution” anpreisen und „zum Aufstand aufrufen”. Damit würde die Partei eine „Geschichtslüge” verbreiten. Gerade dieser Vorwurf ist besonders pikant – wird dieses Wort doch in der Regel mit dem Geschichtsnarrativ der DDR in Verbindung verwendet.

AfD: Gibt keine „wirkliche Meinungsfreiheit”

Zuvor hatte die AfD Brandenburg im Vorfeld des Urnengangs mit der Parole „Vollende die Wende” als Aufruf zur „friedlichen Revolution auf dem Stimmzettel” für Aufsehen gesorgt. Die Partei beklagt auf der eigens geschaffenen Website „Wende 2.0” etwa, dass sich „viele Hoffnungen” welche Menschen in die „erste Wende” gesetzt hätten, sich „bis heute nicht erfüllt” hätten.

Weder gäbe es eine „Gleichheit der Lebensverhältnisse zwischen West und Ost, noch eine „wirkliche Meinungsfreiheit”. Andersdenkende würden auch heutzutage „unterdrückt, wie es einst die Stasi tat”. Dafür würde man „halbstaatliche Institutionen” mit Millionen Euro Steuergeld” unterstützen, um „regierungskritische Bürger mundtot zu machen”.

AfD will „friedliche Revolution auf dem Stimmzettel”

Letzterer Vorwurf richtet sich wohl vor allem gegen die umstrittene Amadeu‐Antonio‐Stiftung. Diese gab erst in der Vorwoche eine Anti‐AfD‐Broschüre heraus. Bei der Vorstellung riefen deren Akteure zum „gesamtgesellschaftlichen Konsens zur Ächtung” der patriotischen Partei auf – Die Tagesstimme berichtete.

Die Brandenburger würden sich solche Zustände allerdings „nicht länger bieten lassen”. Diese würden vielmehr „gleichen Lohn, gleiche Renten, gute Bildung für alle, konsequentes Umgehen mit abgelehnten Asylbewerbern und kriminellen Ausländern, ein kinder‐ und familienfreundliches Brandenburg”. Die AfD würde ihnen diese Aussichten bieten können.

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Deutschland

Mikrozensus: Jede vierte Person in Deutschland hat Migrationshintergrund

Joshua Hahn

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ASDF Symbolbild: Pixabay [CC0]

Der aktuelle Mikrozensus des Statistischen Bundesamts ergab, dass rund jede vierte in Deutschland lebende Person einen Migrationshintergrund aufweist.

Berlin. – Für die Erhebung wurde rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung befragt und anschließend das Ergebnis hochgerechnet.

20,8 Millionen haben Migrationshintergrund

Insgesamt haben laut der Befragung des Statistischen Bundesamts rund 20,8 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dies entspricht etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Von diesem Prozentsatz besitzt wiederum etwa die Hälfte die deutsche Staatsangehörigkeit. Zu der Gruppe mit Migrationshintergrund wurden all jene gezählt, welche entweder selbst nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit geworden wurden, oder wenn dies bei mindestens einem Elternteil der Fall ist.

Wachstum gegenüber Vorjahr

Für das Jahr 2018 lässt sich gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund von 2,5 Prozent verzeichnen, wie unter anderem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. Gefragt wurde außerdem nach den Motiven für die Migration. Als Hauptgrund wurden „familiäre Gründe“ angegeben. 

Dies gaben 48 Prozent der Befragten an. Absteigend folgen die Gründe „Suche nach einer Beschäftigung“ (19 Prozent), „Flucht und Asyl“ (15 Prozent) sowie das Studium oder eine Aus‐ beziehungsweise Weiterbildung in der BRD (fünf Prozent).

Etwa 72 Prozent der Migranten „aus familiären Gründen“ emigrierten aus europäischen Ländern. Der Mikrozensus wird einmal im Jahr vom Statistischen Bundesamt durchgeführt.

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