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Gesellschaft

Wegen Nähe zu rechter Fangruppe: Chemnitzer FC wirft Kapitän raus

Julian Schernthaner

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Nachdem er sich bei einem Auswärtsspiel, bei dem er wegen einer Verletzung nicht zum Kader gehörte, sich in der Kurve mit prononciert rechtsgerichteten Fangruppen aufhielt, zog der Verein die Reißleine und setzte Daniel Frahn vor die Tür.

Chemnitz/Halle. – Der Stein des Anstoßes war die angebliche Sozialisierung von CFC-Kapitän Daniel Frahn „vor, während und nach dem Spiel in Halle mit Führungsköpfen der Gruppierung ‚Kaotic Chemnitz'“. Dieser Fanclub wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt durch ihre Mobilisierung zur ersten Demonstration nach dem Tötungsdelikt am deutschen Familienvater Daniel H. mutmaßlich durch zwei abgelehnte Asylwerber im Spätsommer 2018.

Wiederholte Sympathien für Fanszene

Informationen des Spiegel zufolge soll Frahn dabei in einem Privat-PKW gemeinsam mit Mitgliedern dieser Gruppierung angereist sein und auch mit diesen gemeinsam im Fanblock gestanden haben. Für den Verein hat er damit Sympathien mit der nach Ansicht des sächsischen Verfassungsschutzes angeblich ‚rechtsextremen‘ Gruppe „offenkundig zur Schau gestellt“. Es gebe daher „null Toleranz für dieses Verhalten“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die vermeintliche oder tatsächliche Nähe von Frahn zu diesen Kreisen für Aufregung sorgt. Beim Gedenken der organisierten Chemnitzer Fanszene im März an einen langjährigen Fan aus ihren Reihen feierte Frahn ein Tor, indem er ein unter dem Trikot getragenes Hemd zur Schau stellte. Die Aufschrift darauf: „Support your local hools“. Nach einem bundesweiten Shitstorm entschuldigte sich der Spieler damals und bekundete, „keinen rechten Gedanken“ zu frönen.

Vereinsoffizielle: „Haltung“ gehört zu Spielerverantwortung

Dass es nun zu einem zweiten Vorfall kam, stößt den Verantwortlichen beim Club sauer auf. Romy Polster, die stellvertretende Vorsitzende der CFC-Gesellschafterversammlung bezeichnete Frahns damalige Reue sogar aus „Farce“. Ihrer Ansicht nach gehöre zur Verantwortung als Spieler und Kapitän „mehr als nur Tore zu schießen und sich bejubeln zu lassen“, und zwar „Haltung“.

Angeischts der Wiederholung wisse man, dass es eine „falsche Entscheidung“ gewesen sei, dem Spieler nach der Aktion „weiter das Vertrauen zu schenken“. Es herrsche nunmehr „vollste Übereinstimmung“, dass das Vertragsverhältnis „mit sofortiger Wirkung“ aufzulösen sei. Für Daniel Frahn sei beim Chemnitzer FC „kein Platz mehr“. Dem Spiegel zufolge hat der Spieler bislang die „Bestrafung weder eingesehen noch den Vorfall geleugnet“.

Verein verliert Schlüsselspieler und Identifikationsfigur

Mit dem Rauswurf von Frahn verliert der CFC einen wichtigen Schlüsselspieler. Der 32-jährige gebürtige Potsdamer stieß 2016 zum Verein und schoss in 115 Spielen nicht weniger als 54 Tore. Er galt als Identifikationsfigur in der Mannschaft, erst zu Saisonbeginn ernannte ihn das Trainerteam um David Bergner zum neuen Mannschaftskapitän.

Vor seinem Engagement beim Drittliga-Neuling spielte er unter anderem auch fünf Jahre lang für den heutigen Bundesligisten RB Leipzig (2010-15), auch in der zweiten Bundesliga. In nicht weniger als vier Regionalliga-Saisonen (2010, 2012, 2013, 2018) konnte er sich die Torjägerkrone sichern. Im Jahr 2006 absolvierte er ein Spiel für die deutsche U19-Nationalmannschaft.

1 Comment

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  1. Avatar

    Rainer Seifert

    6. August 2019 at 17:39

    Die amtlichen Lügen um angeblich rechtsradikale Geschehnisse nach dem Mord eines oder mehrerer Bereicherer in Chemnitz sind ja hinlänglich bekannt.

    Wenn dort nun eine fan Gruppe aus Anlass des gemeinen Mordes protesierte sind das also Rechtsradikale. Hatte man vielleicht erwartet, nach der Tat würden Einwohner für mehr Zuwanderung auf die Straße gehen?

    Nun soll also schon die bloße Nähe zu angeblich Rechtsradikalen ein Grund für eine fristlose Kündigung sein? Lächerlicher geht es ja kaum noch. Und das in einer Zeit wo gewählte Abgeordnete linker Parteien offen und für alle ersichtlich gemeinsam mit kriminmellen Linksfaschisten auftreten? Für wahr, was für ein Rechtsruck in unserer Gesellschaft.

    Klarer Fall für die Arbeitsgerichte. Denn das Recht des Spielers wird der Verein ja wohl in 1. Instanz kaum anerkennen.

    Gespannt darf man auf die Reaktion der fans sein.

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