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Meinung

Bürgerliche Mischkulturen: Die Einseitigkeit der Empörungsmaschinerie

Julian Schernthaner

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Symbolbild: By Rainer Surrey (Mediengruppe Madsack) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich zeigt sich diese Woche wieder deutlich: Es ist wichtiger, wer etwas über wen sagt – und nicht was gesagt wird.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Am Sonntag jährte sich zum 80. Mal jener leidvolle Tag, als der Angriff auf den Gleiwitzer Sender eine Abfolge von Geschehnissen in Gang setzte, welche die europäischen Völker in einen erbitterten Bruderkrieg stürzte. Es war unglaubliches Gemetzel, an dessen Ende Millionen Tote die verbrannte Erde unseres Kontinents säumten. Aber wenn man die jüngsten Debatten beobachtet, könnte man meinen, wir wären in eine Zeitmaschine gefallen.

Aufgebauschter Skandal um „Mischkulturen”-Sager

Den Anfang machte hierbei ein Krone-Interview mit einem oberösterreichischen FPÖ‐Politiker. Dieser sprach sich gegen Multikulti aus und bekundete, Zuwanderung über assimilierbare Maßen hinaus abzulehnen. Sein großer Fehler: Er gebrauchte dafür den unorthodoxen und holprigen Begriff ‚Mischkulturen’.

Mehr brauchte es nicht, linksgerichtete Tugendwächter waren auf den Plan gerufen. Sie kramten sofort irgendwelche Belege hervor, wonach dieses heute vor allem wertfrei in der Botanik gebrauchte Wort bereits im Dritten Reich vorgekommen sei. Schnell war der allgegenwärtigen Kampf gegen Hitler und die Seinen, fast 75 Jahre nach dessen Tod, also wieder aktuell.

Unterschiedlicher Maßstäbe

Fast bezeichnend ist dabei, dass eine NEOS‐Politikerin sich an ein „zweites Rattengedicht” erinnert fühlte. Freilich wollte sie damit den Freiheitlichen eine systematische Nähe zu braunem Gedankengut nahelegen. Dumm nur, dass keine 48 Stunden später die Staatsanwaltschaft Ried feststellte: Das laut ÖVP‐Altkanzler Kurz „abscheuliche und rassistische Gedicht” ist weder verhetzend noch verletzt es religiöse Gefühle. Und so bekommt diese Aussage eine gänzlich andere Note.

Denn neuerlich skandalisierten Medien und Politik im Doppelpass eine ungeschickte, aber letztendlich harmlose Aussage eines FPÖ‐Politikers zu opportuner Zeit. Und erneut ging ihnen die Freiheitlichen auf den Leim, distanzierten sich in der Hoffnung, aus den Schlagzeilen zu kommen. Was in Oberösterreich übrigens keinen Skandal wert war: die Karikatur von Identitären als mit Giftgas zu bekämpfendes Ungeziefer in der größten Zeitung des Bundeslandes. Ist ja auch die „falsche” Täter‐Opfer‐Verteilung.

Auch Beschimpfung von Wählern plötzlich en vogue

Noch viel bezeichnender als die regelmäßige Feststellung, dass in Österreich das Parteibuch darüber entscheidet, was „widerlich” ist und was nicht, ist aber die bundesdeutsche Reaktion auf den Ausgang der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Seitdem die patriotische AfD dort am Sonntag zur zweitstärksten Kraft wurde, scheint, glaubt man der medialen Endzeitstimmung, quasi das Vierte Reich ausgebrochen.

Eine Kolumnistin der Zeit, welche einst Thilo Sarrazin als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnete, ist sich sicher: Wer heute AfD will, nimmt Gasöfen in Kauf, denn der – freilich imaginierte -„Faschismus” habe „keinen moderaten Flügel”. Ein Politologe der Uni Göttingen unterstellt den männlichen AfD‐Wählern in Sachsen überhaupt, „Scheiße im Kopf” zu haben, und eine „Drecksnazipartei” zu wählen.

Bürgerliche Koalition”: Moderatorin unter Beschuss

Man würde annehmen können, angesichts derartig jenseitiger Bewertung demokratischer Wahlergebnisse und der Beschimpfung hunderttausender Wähler aller Lebenswege, wäre der Teufel los. Ist es auch. Allerdings nicht deshalb, sondern weil eine MDR‐Moderatorin eine rechnerisch mögliche CDU/AfD‐Regierung als „bürgerliche Koalition” bezeichnete.

Plötzlich schossen selbstberufene Sprachpolizisten aus allen Ecken. Ein Moderator des öffentlich‐rechtlichen Rundfunks befand, dass auf die AfD „nur noch eine Bezeichnung” passe und zwar „rechtsextrem”. Auch der Generalsekretär einer bundesweit eher strauchelnden Regierungspartei maßregelte die Journalistin ob ihres Sprachgebrauchs. Der obengenannte Politologe hingegen durfte für das ZDF zur Wahlanalyse als Experte ran.

Das Gegenüber macht die Spielregeln

Man sieht: Als Patriot kann man es einer durchwegs nach links ausscherenden Diskurshoheit einfach niemals recht machen. Markige und überspitzte Aussagen führen zu Forderungen nach Köpferollen. Zahmere Sprache wird als vermeintliche Tarnstrategie ausgelegt. Und sich anzubiedern und von den eigenen Leuten zu distanzieren, schafft kein bisschen Geländegewinn, sondern dient als Katapult für neue Anwürfe.

Denn die Spielregeln macht das Gegenüber, für welches natürlich keine Sprachregelung gilt – und jeden beiseite schieben will, der Patrioten auch nur einen Strohhalm der Legitimation zubilligen möchte. Und freilich könnte man sich fügen und entweder nach Prinzip anecken oder immer weiter sein Personal und seine Standpunkte für einen Platz am Katzentisch opfern. Oder aber man denkt eine patriotische Wende endlich zu Ende.

Linke Hegemonie ist kein Naturgewächs

Die gegenwärtige, weit nach links verschobene Hegemonie ist nämlich kein Naturgewächs. Über Jahrzehnte schafften diese sich eigene Strukturen, aus denen sie an wichtige Hebel der Gesellschaft kamen, sobald ihre Gegenöffentlichkeit zur Öffentlichkeit geworden war. Die Biographie eines Georg Restle – vom linksradikalen Piratenradio in die ARD – spricht Bände. Auf der anderen Seite sind heute schon Preisverleihungen an latent patriotische Künstler eine halbe Staatsaffäre.

Will man irgendeine Chance haben, diesen Zustand irgendwann zu ändern, muss man begreifen: Nur mit patriotischer Zivilgesellschaft und Gegenöffentlichkeit wird es gelingen. Eine besondere Rolle erfüllen dabei unabhängige patriotische Medien. Es ist unsere Aufgabe, jene Lücken zu schließen, die der herkömmliche Blätterwald hinterlässt. Es ist auch unsere Aufgabe, ihrem einseitig gefärbten Narrativ eine zweite Sichtweise entgegenzustellen. Wenn Sie diese Arbeit als ebenso wichtig ansehen, können Sie uns »hier« unterstützen.


Weiterlesen:

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen wegen ‚Rattengedicht’ ein (3.9.2019)

Bürgerliche Koalition“: MDR entschuldigt sich für Äußerung von Reporterin (3.9.2019)

Scheiße im Kopf”: Politologe beschimpft AfD‐Wähler (2.9.2019)

Identitäre als Ungeziefer: Kritik an umstrittener OÖN‐Karikatur (2.7.2019)

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Rainer Seifert

    3. September 2019 at 18:47

    Lieber Herr Schernthaner

    Es gab keinen Angriff der Polen auf den deutschen Rundfunksender Gleiwitz. Dieser war genauso eine Erfindung der Propagandisten wie die angebliche Beschießung von US Kriegsschiffen durch Nordvietnam im Golf von Tonkin. Dort wurde zwar kein Weltkrieg vom Zaun gebrochen, aber ebenfalls ein mörderisches Gemetzel, dem Millionen Menschen zu Opfer fielen.

    Bei den angeblich polnischen Angreifern soll es sich um KZ Insassen gehandelt haben, die man in polnische Uniformen steckte und dort ermordete.

    Ansonsten wünsche ich euch weiterhin viel Kraft für eure wichtige Aufklärungsarbeit.

    • Julian Schernthaner

      Julian Schernthaner

      4. September 2019 at 14:23

      Sehr geehrter Herr Seifert,

      Nirgendwo habe ich behauptet, dass es einen polnischen Angriff gegeben habe. Historisch weitestgehend unbestritten ist aber ein Angriff – die gängige Lehrmeinung einigt sich darauf, dass dies ein fingierter Angriff war, um einen casus belli zu haben. Aber, auch ein allfälliger False‐Flag‐Angriff bleibt ein Angriff. Auch wenn ich das Wort ‚Überfall’ verwendet hätte, unter welchem bspw. der dazu existierende Wikipedia‐Artikel firmiert, hätten Sie aber vermutlich denselben Einwand gebracht. 😉

      Viele Leute hätten freilich vom „Kriegsbeginn” geschrieben. Da die Kriegserklärung der Westallierten nach Auslösung der damaligen Schutzbündnisse und des Verstreichens eines Ultimatums allerdings erst am 3. September stattfand und es dazwischen durchaus noch Versuche neutraler Länder wie z.B. vonseiten Schwedens zur Vermittlung gab um ein Auslösen der ganzen Allianzkonstrukte etc. zu verhindern, wäre dies eine Behauptung gewesen, die mir als geschichtlich gebildeter Mensch als zu impräzise erschienen hätte, da für mich die ganzen Tage des 31. August bis 3. September als entscheidend für die Eskalation dieses furchtbaren Konflikts sind. Genau so wie zB das Bekanntwerden des Ibiza‐Videos das Ende der türkis‐blauen Koalition einleitete, obwohl dieses nicht formell am Freitag, den 17. Mai eintrat.

      Ich hoffe das konnte das ganze etwas deutlicher darstellen. 🙂

  2. Avatar

    A. Friend

    4. September 2019 at 18:00

    Spende per Überweisung ist für Eure Arbeit in Auftrag gegeben.

    Danke für Eure Berichterstattung und weiterhin viel Erfolg und Anerkennung!

    Grüße aus Deutschland
    A. Friend

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Meinung

Kolumne: „Niemand hat die Absicht, eine Gesinnungsdiktatur zu errichten!”

Julian Schernthaner

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ASDF Betreibt gefährliche Macht-Spiele mit Grundrechten gegen inhaltlich nicht allzu ferne Unliebsame: Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Bild (Kurz 2016): Dragan tatic / Rat Brüssel via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

In den vergangenen Tagen gab sich mehrfach der Anlass, sich über die totalitär anmutenden Ansichten und Absichten verschiedener Akteure im Widerschein imaginierter All‐Macht zu wundern.

Kolumne von Julian Schernthaner.

Die Kaiserstadt Wien in ihrer stolzen Geschichte hat viel Freud und Größe, aber auch viel Leid erlebt. Als wäre es ein Wink des Schicksals, fußen beide aktuellen Debatten über den Wunsch nach Unterdrückung unliebsamer, vermeintlich böser rechter Gedankengänge auf Geschehnissen in der Donaumetropole. Und doch sind sie beide grundverschieden.

Düsteres Diktat über Gesellschaftsbilder…

Bereits am Donnerstag trug sich das Konzert des deutschen Haltungsbarden Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Wiener Stadthalle zu. Unter tosendem Applaus grölte der deutsche Musiker, man müsse im ‚Kampf gegen Rechts’ mehr Engagement zeigen und in diesem Zusammenhang „diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat”. Mehr brauchte es nicht, und die Stadthalle wurde zum Sportpalast. Links und rechts purzelten die Nazi‐Vergleiche, in der Hoffnung, einige Meter zu machen.

Verkennend, dass man damit exakt das linke Narrativ befeuert, dass jede Form totalitärer Haltung originär ‚rechts’ sei. Verkennend, dass ein Musiker jenseits seines Zenits mit bourgeoisem Publikum wohl niemandem etwas diktiert, der davon nicht ohnehin überzeugt ist. Ebenso verkennend, dass Kulturschaffende für exponierte Äußerungen wie für Andienung an den Zeitgeist gleichermaßen schon immer bekannt sind. Ähnlich wie viele Journalisten sind sie frei nach Nietzsche ein Sklave von Moment, Meinung und Moden. Es überrascht also so sehr wie der Donner nach dem Blitze.

…und Wohlfühl‐Eingriffe in Grundrechte

Ein ganz anderes Kaliber ist da schon das wohlig‐staatsmännisch angedachte Ansinnen der ÖVP, tatsächlich für billige Punkte im Wahlkampf das Grundrecht der Vereinsfreiheit zu beschneiden. Denn völlig inhaltsleer versucht Kurz ‚von oben’ in die freie Meinungs‐ und Willensbildung einzugreifen. Seine Verbotsfantasien zielen dabei nicht etwa auf linksextreme Krawallbrüder, welche regelmäßig Andersdenkende angreifen. Und sie reiten auch nur als zahnloser Tiger, als Zuckerbrot für Kritiker, gegen islamistische Möchtegern‐Kopfabschneider aus.

Der Anlass für diese überbordenden Überlegungen ist eine programmatisch gewaltfreie, von Freispruch zu Freispruch eilende, patriotische Protestbewegung. Was an dieser „widerlich” sein soll und sich gegen die „demokratische Grundordnung” richten soll, ist der Volkspartei wohl selbst nicht einmal bekannt. Denn angesichts dessen, dass sich Ideologie und Vokabular in allen Schnittbereichen mit den eigenen Positionen deckt, müsste die Altkanzlerpartei eigentlich, rein aus inhaltlicher Sicht, ihre Selbstauflösung bekannt geben.

Eine Anklage erstickt im schwiegenden Keim

Wie weitreichend die Deckungsgleiche hier ist, stellte diese Woche nämlich eine Studie des patriotischen Freilich-Magazins heraus – Die Tagesstimme berichtete im Gegensatz zu etablierten Leitmedien. Denn dort geben sich im vorliegenden Fall inhaltliche und personelle Torwächter die Klinke in die Hand. Denn einerseits sind Recherchen von patriotischen Quellen für die Inhaber der medialen Hegemonie sowieso pfui Teufel. Und das drohende Verbot einer ihnen nicht genehmen Gruppierung ist halt insbesondere ein Kollateralschaden, welcher eisernes Schweigen rechtzufertigen scheint.

Sie schweigen im Wahlkampf darüber, dass eine Partei die Forderungen einer Gruppe übernahm, welcher sie nun mit der Heckenschere den Garaus machen will. Anstatt diese eierlegende Wollmilchsau des zweischneidigen Schwertes zu nutzen, akzeptieren sie die Monopolisierung eines brennende Themas unter maximaler Repression gegen seine Avantgarde. Die Dauerempörten spenden tosend Applaus, ihr J’accuse bleibt ihnen wohlgefällig im Hals stecken. Wenn überhaupt fürchten sie, dass das Gesetz in herzig‐österreichischer Schlamperei auch ihren eigenen Dunstkreis trifft.

Öffentliche Schweigespirale schafft Machtposition…

Und genau das ist das eigentlich Gefährliche dieser Tage: Diese ohrenbetäubende Schweigespirale, die fehlende Hinterfragung des Narrativ des gütigen Bald‐Wieder‐Sonnenkanzlers, der uns noch vor der Wahl vor dem Beelzebub schützen will. Ein einst übermächtiger Gegner, dessen offene Flanke nicht mehr zum Angriff taugt, weil die Waffe von den Falschen und zum Nutzen der noch Falscheren gereicht wurde. Es ist dieses medial‐politische Doppelspiel, welcher dieses gefährliche Klima des Schweigens über rechtsstaatliche Sauereien erst wirksam ermöglicht.

Und plötzlich steht nicht weniger am Spiel wie jene Bürgerrechte, welche sich mutige Menschen vor 150 Jahren erst blutig vom Kaiser erstreiten mussten. Wenn man schon auf billigen historischen Analogien steht, erinnert die Stimmung rund um eine chirurgisch präzise auf die Identitären zugeschnittene Vereinsrechtsänderung sodann ein wenig an die sinnlosen Machtspiele vor der später als Selbstausschaltung des Parlaments verkauften Machtergreifung eines christlichsozialen Vorgängers von Kurz.

…aber Öffentlichkeit braucht Macht zur Entfaltung

Irgendwelche Krakelereien in Stadthallen sind dagegen aber harmlos. So befremdlich Grönemeyers pathetischer Aufruf auch sein mag – zu aller Öffentlichkeit bedeutet er keine Machtausübung. Teils bildet er den Status quo ab, teils ist es der Hilfeschrei einer bröckelnden Hegemonie, geäußert von einem seiner schillerndsten Mittsechziger im Kreise eines übergroßen Kegelvereins mit 80.000 in der allgemeinen Inhaltsleere ihres Schrebergartenlebens schwelenden Mitgliedern.

Würde Öffentlichkeit ohne besondere Macht ausreichen, stünde wohl in der Asche der Umsetzung des ‚Nerobefehls’ des Spätmärz 1945 die Berliner Mauer noch als Holzpalisade. Lautes Einpeitschen mag zwar schaurig sein, im Vergleich zur parallel drohenden, stillschweigenden, tatsächlichen Demokratieerosion im perfiden Zusammenspiel von Leitmedien und Politik ist das aber wie ein Gartenzwerg unterm Eiffelturm: Drollig, aber unbedeutend.


Weiterlesen:

Identitäre: Freilich‐Magazin untersucht „gelbe Flecken” der ÖVP (17.9.2019)

Wien: Grönemeyer sorgt mit Aufruf „gegen Rechts” für Empörung (15.9.2019)

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Recherche Dresden: Mittelstand for Future?

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ASDF Symbolbild (CC0)

Die „Fridays for Future“-Bewegung ist in der Wirtschaft angekommen. „Entrepreneurs for Future“ (EFF) heißt der Zusammenschluß von 2.600 Unternehmen mit insgesamt 200.000 Mitarbeitern, der die Politik zu radikalen Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung bewegen will.

Ein Beitrag von Recherche Dresden

Die meisten von ihnen sind Mittelständler oder kleine Start‐ups. Auch prominente Unternehmen wie Zalando, Delivery Hero oder Flixbus wollen beim „Klimaschutz“ mitmischen und haben die Initiative „Leaders for climate action“ ins Leben gerufen.

Wie beim pappbeschilderten jugendlichen Vorbild auf den Straßen lassen sich die Entrepreneurs und Leaders pathetischen Schwung ohne Rückspiegel und leichtfertige politische Radikalität nicht nehmen: Die Bundesregierung müsse „viel mehr tun, um das Klima zu schützen“, denn man sei „in einer zeithistorisch entscheidenden Phase, in der jeder Schritt zählt“, so etwa der Delivery Hero‐Chef Niklas Östberg. Ein rascher Komplettumstieg auf erneuerbare Energien zähle ebenso dazu, wie eine CO2– und eine Kerosin‐Steuer. Denn Deutschland könne Vorreiter werden: „Wir sollen“, zitiert das Handelsblatt Östberg, den Klimaschutz „als Chance begreifen“.

Imagepflege für Konzerne

Recherche Dresden meint: Es ist zwar nachvollziehbar, dass Unternehmen mit der Adaption politisch opportuner Themen Imagepflege betreiben. Aber es ist im Falle des Klima‐ und Umweltkomplexes besonders abgeschmackt, wenn sich ausgerechnet Essenslieferdienste wie Delivery Hero verbal an die Spitze der Klima‐Bewegung schwingen. Unter Umweltschutzaspekten sind die Millionen Einzeltransporte für ein, zwei warme Pappschachteln mit Pizza plus Beilage ein besonders „schmutziges“ Geschäft.

Wenn Östberg großspurig von „Nachhaltigkeit“ spricht, dann scheint er zu vergessen, dass der billige und überflüssige Essenstransport über Lieferdienste – und somit der Kern seines Geschäftsmodells – per se nicht nachhaltig ist. Umweltschonend wäre der Gang zum nächsten Lebensmittelgeschäft; oder noch besser: vom eigenen Gemüsegarten in die Küche – und eben nicht der Transport per Auto oder Motorroller kilometerlang durch dichtbefahrene Städte.

Schönfärberei der eigenen Umweltsünden

Den Schuh muss sich auch der Versandhändler Zalando anziehen, dessen Geschäftsmodell nicht nur den stationären Einzelhandel – und damit die „umweltfreundliche“ Alternative zum Online‐Handel – schädigt, sondern eine bequeme Paket‐Mentalität fördert, die nicht nach der Umwelt fragt, wenn die anprobierten Schuhe wieder retour gehen. Der publicity‐berechnende Schulterschluss mit „Fridays for Future“ und die ostentative Klimaradikalität können auch hier als Kompensation und Schönfärberei der eigenen Umweltsünden gelten.

Natürlich kann man nicht erwarten, dass Unternehmen sich offensiv vom Zeitgeist abheben. Auf politischen Opportunismus ist in der Wirtschaft nun einmal die Prämie Sicherheit und ökonomische Rentabilität gesetzt. Gleichwohl können die Kosten für politische Aktivitäten auch schnell den Prämiensockel übersteigen, sobald sie sich nicht mehr nur auf die kommunikative Außendarstellung bzw. warme Worte beschränken. Dies haben wir in unserer Studie über die »Corporate Social Responsibility«-Strategien großer Dax‐Unternehmen in Heft 5 gezeigt.

Soziale Verantwortung von Unternehmen

Dort haben wir außerdem herausgestellt, dass es für Unternehmen in konformistischen Zeiten klüger sein kann – freilich ohne offene Opposition zum Hauptstrom – auf dem sozialen Feld Alleinstellungsmerkmale zu kreieren. Wieso engagiert sich ein Lieferunternehmen, das tausende Fahrzeuge auf die Straßen schickt, nicht im Bereich der Verkehrssicherheit? Oder ein Online‐Versandhändler, der am Verfall von Innenstädten mitwirkt, an Projekten zur Altstadt‐ und Denkmalpflege?

Eine breite Fächerung sozialer Unternehmens‐Aktivitäten wäre von höherem gesellschaftlichem Nutzen, als die rhetorische Konzentration auf „Trend‐Bereiche“ wie Klimaschutz, Flüchtlingshilfe und Diversity. Wenn Unternehmen wirklich an sozialer Verantwortung interessiert sind, dann darf es dazu schon ein bisschen mehr Mut zum Alleinstellungsmerkmal – zur Abweichung vom Mainstream – sein.

Heft 7 von Recherche D erscheint Anfang November und wird sich schwerpunktmäßig mit »Ökologie und Ökonomie« beschäftigen. Hier können Sie das Magazin abonnieren.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf der Seite von Recherche Dresden.

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Wort zum Sonntag: Priesterkreis gegen den linksliberalen Kardinal Marx

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ASDF Bild: Kardinal Marx (CC0)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat die Müdigkeit und Kraftlosigkeit Europas beklagt. Nur wenn Europa wieder ganz bewusst seine Seele und das Christentum suche, sei es in der Lage zu überleben. Immer mehr katholische Priester sehen sich veranlasst, gegen die Verbreitung der linksliberalen politischen Ideologie des Mainstreams innerhalb der Kirche aufzutreten.

Kolumne von Raphanus

Für den umstrittenen Kardinal Marx hagelte es Kritik, als er Anfang des Jahres den Begriff „christliches Abendland“ kritisierte, weil dieser „vor allem ausgrenzend” sei. Marx war zuvor schon wegen einer 50.000-Euro-Spende an eine umstrittene Mittelmeer‐NGO auf Ablehnung gestoßen.

Kardinal Marx soll zurücktreten

Der Priesterkreis Communio veritatis forderte den Kardinal nach seiner Aussage mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs zum Rücktritt auf, da Marx die Sakramente der Kirche als seinen Privatbesitz ansehe, den er beliebig auf dem Altar des Zeitgeistes opfere.

In ihrer Rücktrittsaufforderung wiesen die Priester die Instrumentalisierung der christlichen Religion auf das Schärfste zurück und erinnerten Marx, „dass die Kardinalsfarbe Rot nicht die Flagge eines Neo‐Marxismus meint, sondern die Verteidigung des katholischen Glaubens bis zum Blutvergießen”. Gleichzeitig konfrontierten sie Marx mit dem Vorwurf, „das Kreuz des Herrn in skandalösem Verrat abgelegt” zu haben.

Zahlreiche Reaktionen

Die Priester sehen sich bestätigt: Reaktionen gab es von zahlreichen Klerikern und Gläubigen aus Deutschland und weltweit, die sie „in einer wahren Flut von mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen” erreicht hätten. Viele Personen hätten ihre Dankbarkeit und Zustimmung zum Ausdruck gebracht und bestätigt, dass sie ihnen aus dem Herzen gesprochen hätten.

Die mutigen Priester zeigen eindrucksvoll: Nicht jede kirchliche Verirrung muss schweigend hingenommen werden. Vielleicht ist die Müdigkeit und Kraftlosigkeit Europas, die der emeritierte Papst Benedikt XVI. beklagt hat, doch noch nicht so weit fortgeschritten, wie befürchtet.

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