Verbinde Dich mit uns

Kultur

Vom Skagerrak zum Baltikum – Teil 2: Sauna, Fähre, Sandstrand

Tino Taffanek

Veröffentlicht

am

Die "Skyline" von Helsinki: Bild: privat.

Im zweiten Teil versuchen wir eine traditionelle finnische Sauna ausfindig zu machen. Nachdem dies gelungen ist, besteigen wir eine Fähre, die uns nach Tallinn bringt.

Reisebericht von Tino Taffanek

Weitaus schwieriger als zunächst angenommen gestaltete sich die Suche nach einer traditionellen finnischen Sauna. Freilich: die touristischen Angebote, wo man teilweise bim Saunieren sogar Badebekleidung tragen muss, sind leicht zu finden und haben stets geöffnet. Die traditionellen Saunen, die sich beispielsweise im Kellergeschoss eines Wohnblocks befinden, haben aber montags und dienstags meist Ruhetag oder sind während der Sommermonate wegen Urlaubs geschlossen. Die klassischen öffentlichen Saunen sind vermutlich auch deshalb nicht mehr sehr zahlreich, weil Fitnessstudios, Hotels, Privatwohnungen und sogar Bürogebäude heutzutage über eigene Saunen verfügen.

Saunabetrieb seit 1928

Bevor am Mittwochmorgen die Fähre nach Estland bestiegen werden sollte, ließ sich Gott sei Dank noch eine traditionelle Sauna auftreiben, die nicht geschlossen war. Es handelt sich um die altehrwürdige „Kotiharjun Sauna”, die seit 1928 in Betrieb ist. Sie liegt im Tiefparterre eines gewöhnlichen Mehrparteienhauses, ist aber durch ein riesiges Neonschild aus den 70ern nicht zu übersehen. Beim Betreten fällt sofort die simple, aber wertige Inneneinrichtung auf. So beispielsweise die Holzspinde aus den 50ern, die zeigen, wie gut qualitativ hochwertige Handwerksprodukte altern. Sie machen den Eindruck, als würden sie noch locker 50 Jahre Saunabetrieb mitmachen. So sieht Nachhaltigkeit bei öffentlichen Einrichtungen aus.

Der Saunaofen wird hier noch mit Holz beheizt, das sich in Gestalt meterlanger Scheite im Saunaraum selbst stapelt und einen dezenten, aber angenehmen Geruch verbreitet. Zahlreiche Thermometer zeigen eine Temperatur zwischen 110 und 120 Grad Celsius an, je nachdem welches der antiken Instrumente man betrachtet. Schenkt man den Anzeigen glauben, so geht es hier noch um einiges heißer zu als in den „finnischen“ Saunen, die man hierzulande in den Thermen findet. In den Sauna-Pausen kann man ganz entspannt und freilich nur mit einem Handtuch bekleidet draußen vor dem Eingang direkt an der Straße sitzen und eines der alkoholfreien Biere konsumieren, die an der Kasse verkauft werden.

Der „Ruhebereich” der Kotiharjun Sauna

Auch der Ablauf ist ganz anders als in den aus den Wohlfühltempeln bekannter Saunen mit choreographiertem Saunameister, aromatisiertem Aufguss und regelmäßigem Durchlüften der Sauna. Hier gibt es keinen Schnickschnack und kein Lüften und jeder, der die Sauna betritt, gießt aus Prinzip zumindest eine Kelle Wasser auf die heißen Steine, selbst wenn er die Sauna mit einem Kollegen betrat, der gerade dasselbe gemacht hat. Einzig das Nachlegen der Holzscheite bleibt dem Saunameister vorbehalten. Ganz altmodisch findet das Saunieren hier auch nach Geschlechtern getrennt statt.

Ein Katzensprung über die Ostsee

Nachdem nun der eigentlich einzige wirklich wichtige Punkt der Finnlandreise abgehakt war, ging es am nächsten Morgen mit der Fähre nach Tallinn. Der West Terminal 2 des Hafens ist ein schickes neues Gebäude mit einer riesigen Halle als Wartebereich. Deren weit gespannte und mit Holz verkleidete Decke war ausschlaggebend für die Kür des Terminals zum Finnischen Stahlbauwerk des Jahres 2017.

Eine der zahlreichen Fähren verlässt den Hafen von Helsinki

Die Fähre verfügte neben den Decks für Fahrzeuge und Kabinen auch über einen Duty-Free-Shop, der einem mittelgroßen Flughafen alle Ehre machen würde. Darüber hinaus bestand ein Deck nur aus Bars und Restaurants. In den Bars wird für die gut zwei Stunden dauernde Überfahrt ein umfangreiches Unterhaltungsangebot dargeboten. So gibt es einen, als Troubadour bezeichneten, Alleinunterhalter mit Akustikgitarre und eine Bingorunde.

Der beliebteste Ort war bei traumhaftem Wetter zweifellos das Sonnendeck. Gleich nach dem Boarding bildete sich bei der dort befindlichen Bar eine ziemlich imposante Schlange an Passagieren, die sich mit Bier und Sangria aus großen Plastikmessbechern versorgten. Aus den Lautsprechern ertönte dazu schunkelige Partymusik in dezenter Lautstärke. Die sich in der Überzahl befindlichen Touristen verbreiteten ganz allgemein eine fast schon ausgelassene Stimmung.

Nur zum Vergnügen?

Nur einige Passagiere saßen in den Gängen betrübt auf ihren Klappsesseln und wirkten geradezu so, also ob sie diese Überfahrt nicht zum Vergnügen machen würden. Welchen Eindruck jene Gäste erwecken, die sich für die gut zwei Stunden dauernde Reise den Luxus einer Kabine gegönnt haben, kann ich leider nichts berichten. Ich beschäftigte mich nämlich auch lieber damit, die Aussicht auf dem Sonnendeck zu genießen und dabei Bier aus Plastikbechern zu trinken.

Zur Mittagszeit angekommen aß ich beim Chinesen ums Eck, den es wohl mittlerweile in jeder europäischen Stadt gibt. Durch Hühnchen mit Reis gestärkt zwängte ich mich dann in einen überfüllten Bus zum Strand von Pirita. Auf dem ausgedehnten Sandstrand schien sich die halbe Stadt zu tummeln, was auch den überfüllten Bus erklärte. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich schließlich damit, am Strand liegend einen Abenteuerroman von Karl May zu lesen. Auch beim Abendspaziergang gab es nichts weiter zu konstatieren, als ein gewisses Ostblockflair in der Umgebung des Hotels.

Fortsetzung folgt...


Teil 1 hier lesen:

Vom Skagerrak zum Baltikum – Teil 1: Ordnung, Kunst, faschierte Krapfen”

Weiter zu Teil 3:

Vom Skagerrak zum Baltikum – Teil 3: Kirchen, Coiffeure, Körperstrafen

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Klicken zum Kommentieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kultur

Muslima beschwerte sich: St.-Martin-Darsteller bekommt Auftrittsverbot

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild (Laternen bei einem Martinsumzug): HDValentin via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Im nordrhein-westfälischen Niederkassel ziehen Aussagen, wonach es sich beim Martinsumzug um ein „christliches Fest” handle, harte Konsequenzen nach sich.

Niederkassel. – Die Geschichte spielten sich am 6. November im Stadtteil Rheidt in Niederkassel nahe Bonn ab. Wie der General-Anzeiger berichtet, fühlte sich eine muslimische Frau benachteiligt, weil der Martinsdarsteller den Umzug als „christliches Fest” darstellte. Ihre Schwägerin beschwerte sich daraufhin in sozialen Medien über den Umstand – mit Folgen für den Mann. Dieser darf nun künftig diese Position nicht mehr ausfüllen.

Vorfall bei traditionellem Martinsumzug

Die vermeintlich anrüchige Aussage fiel beim traditionellen Umzug an der Rheidter-Werth-Schule, welchen der Mann bereits seit Jahren ohne Beanstandung anführte. Bei der Ausgabe der Weckmänner – eine Art Hefegebäck – erinnerte der St.-Martin-Darsteller dann an den christlichen Charakter des Festes.

Unter den Anwesenden befand sich auch eine muslimische Mutter mit drei Kindern. Nachdem angeblich weder Direktorin noch Bezirkspolizei zum Vorfall eine Stellung beziehen wollten, äußerte die Angehörige der Teilnehmerin auf Facebook ihren Unmut. Und tatsächlich – mehrere Akteure distanzierten sich in der Folge von den Geschehnissen.

Christliches Fest”: Alle distanzieren sich

So bezeichnete etwa der Beigeordnete im Stadtrat, Sebastian Sanders (CDU), die Aussage als „völlig deplatziert“. Immerhin handle es sich um „eine gute Schule und zwar für alle Kinder“. Auch der Jugendausschuss der Stadt beschäftigte sich mit dem Vorfall. Der örtliche Kinderschutzbund schrieb den zuständigen Ortsring an, rang dem Vorstand eine Entschuldigung ab.

Dieser bekräftigte öffentlich sein Bedauern: „Wir sind froh, dass Menschen aller Religionen und Länder an unseren Veranstaltungen teilnehmen”. Hätte man den Vorfall mitbekommen, hätte man die Äußerungen „vor Ort richtiggestellt”, so Ortsring-Sprecher Markus Thüren. Der Darsteller vom Vorfall wiederum darf künftig nicht mehr am Umzug mitwirken.

Betroffene Muslima über Entwicklung froh

Gerade diese Entwicklung stellt die Muslima, welche sich angegriffen gefühlt hatte, zufrieden: „Es gab eine öffentliche Entschuldigung und der Sankt Martin wird nie wieder in Rheidt auf dem Pferd sitzen.“ Gleichzeitig empfindet sie im Nachlauf der Geschichte ein Unbehagen – mehrere Nutzer ergriffen nämlich auch Partei für den vermeintlichen Übeltäter.

Martinstag: Debatte um Brauchtum ewig jung

Die ewig junge Debatte rund um den Martinsumzug erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Die Sorge, Kinder mit anderem Glauben zu verschrecken ist auch nicht neu: In manchen Orten versuchte man den Tag zum Beispiel als „Lichterfest” umzudeuten. Der Laternenumzug geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück, und hat seine Wurzeln wohl in älteren Feuerbräuchen.

Die Darstellung des frühchristlichen Heiligen erinnert wiederum an eine Tat, welche als Musterbeispiel für christliche Nächstenliebe gilt. Dieser teilte einst bei Ankunft im französischen Amiens seinen Mantel, um einen armen Mann im Ort zu wärmen. Die Ausgabe von Gebäck geht ähnlich dem verbreiteten Martinisingen auf einen alten Heischebrauch zurück.

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Kultur

Wegen Gleichbehandlung: Autobahnmeisterei bekommt Christbaumverbot

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild: Pixabay [CC0]

Das Regierungspräsidium in Freiburg untersagte einer Autobahnmeisterei die Fortführung der Tradition, einen Weihnachtsbaum an der Schweizer Grenze aufzustellen.

Freiburg im Breisgau. – Es galt seit vielen Jahren als nette Tradition bei der Autobahnmeisterei Efringen-Kirchen: Alljährlich stellte man nahe des Grenzüberganges auf der A5 einen Weihnachtsbaum auf, um zur besinnlichen Zeit aus der Schweiz ankommende Autofahrer zu begrüßen. Nun folgte die Unterbindung von offizieller Stelle.

Ende der Tradition wegen „Gleichbehandlung”

Wie die Junge Freiheit am Freitag berichtet, sei der Behörde „bewusst geworden, dass es solche Wünsche von Religionsgemeinschaften auch zu anderen Feiertagen geben könnte“. Dies wäre nach Ansicht des Regierungspräsidiums allerdings mit der Verkehrssicherungspflicht nicht vereinbar.

Daher, so ein Sprecher der Behörde, habe man entschieden, „aus Gründen der Gleichbehandlung” keinen Baum mehr aufstellen zu lassen. Die Verordnung beträfe dabei nicht nur nur das aktuelle Jahr. Auch künftig soll es keine Weihnachtsbäume bei der Gemeinschaftszollanlage im Dreiländereck geben.

Bürger wollte zusätzlichen Chanukka-Leuchter

Auslöser der nunmehrigen Entscheidung war dabei die Anfrage eines Bürgers, welcher beantragt hatte, einen Chanukka-Leuchter neben dem Baum aufzustellen. Bereits im Vorjahr gab es einen ähnlichen Antrag, der aber zu kurzfristig eintraf. Da er diesmal aber mit entsprechendem Vorlauf eintraf, musste sich die Behörde damit befassen.

Das jüdische Fest, das an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im zweiten vorchristlichen Jahrhundert erinnert, fällt diesmal zeitlich mit Weihnachten zusammen (22.–30. Dezember). Beide Feste teilen sich einen familiären Charakter, die Darbietung von Liedern, gemeinsamen Verzehr von Köstlichkeiten und den Austausch von Geschenken.

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Kultur

Nach Zensurwunsch: Nuhr wirft Sonneborn totalitäre Tendenzen vor

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Nuhr 2017): Euku via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Dieter Nuhr reagierte auf die Forderungen von Martin Sonneborn (Die PARTEI), den beliebten Kabarettisten aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verbannen mit einem gepfefferten Konter.

Hannover. – Die Wurzeln der Fehde gehen auf den Europawahlkampf des früheren Herausgebers des Satiremagazins Titanic zurück. Damals bezeichnete Sonneborn seinen Branchenkollegen als „Scheinkabarettisten”. Nach den Witzen Nuhrs über Greta Thunberg legte er dann nach und sagte in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen, er würde Nuhrs Auftritte im Rundfunk verbieten, wenn er etwas zu sagen hätte.

Nuhr: „Der Deutsche neigt zum Totalitären”

Nun, zweieinhalb Wochen später, nützt Nuhr die Gelegenheit, ebenfalls in einem HAZ-Interview, für einen Konter. Er nehme die Aussage von Sonneborn als „sehr ehrlich” wahr. Denn sie sage viel über das Verhältnis des seit 2014 im Europaparlament sitzenden Satirikers zur Meinungsfreiheit aus. „Der Deutsche neigt ja immer mal wieder zum Totalitären, das ist ja nichts Neues”, so Nuhr.

Auch Sonneborns früherer Aussage, er sei nur ein „Schein-Kabarettist”, hielt er eine direkte Gegenbewertung entgegen. Er habe nämlich „zahlreiche Therapiestunden benötigt”, um zu erkennen, dass es sich bei Sonneborn auch nur um einen „Scheinpolitiker” handle. Dadurch sei für sein Dafürkönnen nun „alles wieder gut”, so der vielfach preisgekrönte Nuhr.

Kritik an „politischer Angepasstheit” im Kabarett

Auch zur breiten Aufregung – Die Tagesstimme berichtete – über seine Witzeleien auf Kosten der schwedischen Klimaaktivistin Thunberg äußerte sich Nuhr. Diese habe ihn nicht überrascht: „Da ich den geistigen Horizont der Kollegen ganz gut einschätzen kann, bin ich selten verwundert“, so die gelassene Antwort des Humor-Urgesteins. Früher hingegen sei es im Kabarett ganz üblich gewesen, den Zeitgeist infrage zu stellen.

Heute würden dies allerdings nur mehr wenige Komiker tun. Vielmehr wäre „politische Angepasstheit und Ausgrenzung von Andersdenkenden” heutzutage ein „gutes Geschäftsmodell” unter seinen Kollegen. Seiner Ansicht nach seien abweichende Meinungen hingegen lediglich eine „Herausforderung” – und kein „auszumerzendes Übel”.


Weiterlesen:

Komiker Nuhr erntet Kritik von Twitter-Nutzern wegen Thunberg-Witzen (1.10.2019)

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Journalismus für Patrioten

Die Tagesstimme ist Journalismus für Patrioten! Wir sind unabhängig und ausschließlich unseren Lesern verpflichtet. Um die Menschen im Land aufzuklären, brauchen wir allerdings Ihre Hilfe.

Verein für unabhängige Medien- und Informationsarbeit
IBAN: AT06 6000 0803 1023 8922
BIC: BAWAATWW

Paypal: [email protected]

Oder » hier Förderer werden! «

Werbung

Schwerpunkt

Beliebt