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Gesellschaft

Dschihadistenprozess: Obmann und Schriftführer am Wort

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

Landesgericht für Strafsachen Graz / Bild: Die Tagesstimme

Am Mittwoch war der Schriftführer des Linzer Glaubensvereins am Wort, der ein Kalifat aufgrund des islamischen Rechts grundsätzlich gut fände. „Aber ich glaube, dass das in Österreich nicht kommt”, sagte er.

Graz. Am Mittwoch ist der Prozess gegen sechs mutmaßliche Dschihadisten fortgesetzt worden. Am dritten – und für diese Woche letzten – Verhandlungstag wurde der Obmann jenes muslimischen Linzer Glaubensvereins befragt, mit dem alle Beschuldigten in Verbindung stehen. Der Prozess wird am 1. Oktober fortgesetzt, für den 2. Oktober sind bereits Zeugen geladen, wie der ORF berichtet.

Beschuldigter relativiert frühere Aussagen

Von dem zweiten Beschuldigten, der als Obmann in dem Glaubensverein tätig war und der am Mittwoch befragt wurde, wollte die Richterin wissen, wer in dem Verein die „Hauptperson” sei. „Alle Mitglieder”, antwortete der Angeklagte, der sich nicht auf die Person des Predigers festlegen wollte, um den sich auf die nächste Frage drehte: „Haben Sie jemals gehört, dass er für den Dschihad geworben hat?”. „Nein, wenn ich das Wort gehört hätte, hätte ich den Verein verlassen”, gab sich der Befragte entrüstet. Als ihn die Vorsitzende fragte, ob er von der Spendenaktion für einen IS-Kämpfer gewusst hat, antwortete er: „Bei uns sammelt man für solche Leute nicht, ich war nicht in Österreich und habe keine Ahnung, und das ist gar nicht wahr”.

Bei der Polizei hatte er allerdings andere Aussagen getätigt, mit denen ihn die vorsitzende Richterin konfrontierte. Laut Protokoll gab er an, dass er an die Scharia glaube, die „das Gesetz Allahs” sei. Er meinte dann, dass das nicht stimme und er das nie gesagt habe, relativierte dann aber: „Ich habe etwas anderes gemeint, das ist falsch aufgeschrieben worden”.

Schwarze IS-Flagge erneut Thema

Eine weitere Aussage von ihm war, dass es „Gläubige und Ungläubige” gebe. Den Ankläger interessierte dazu, was die Scharia im Umgang mit Ungläubigen vorschreibe. Als sich der Befragte nicht konktret äußern wollte, setzte der Ankläger fort: „Man soll sie auffordern, sich dem Islam anzuschließen und wenn nicht, soll man sie töten”. Der Mann wehrte ab: „Das steht nicht drin”.

Dann kamen wieder die T‑Shirts mit IS-Flagge zur Sprache, die jugendliche Ringkämpfer im Verein getragen hatten. Der Ankläger erklärte, dass diese schwarze Flagge eine ganz bestimmte Bedeutung habe. „Für uns nicht”, meinte der Befragte. „Sie haben also nicht gewusst, dass der IS sie verwendet?”, hakte der Staatsanwalt nach. „Nein, nicht gewusst”, bestätigte der Angeklagte.

Beschuldigter fände Kalifat aufgrund des islamischen Rechts grundsätzlich gut

Am Nachmittag wurde der Schriftführer des Linzer Glaubensvereins befragt. Dieser hatte die schwarze IS-Flagge auf die Facebook-Seite des Vereins gestellt, angeblich ohne um die Bedeutung zu wissen. „Ich habe das erst von der Polizei erfahren”, beteuerte er. Sein Bruder ist es auch, der in Syrien für den IS kämpfte und mittlerweile verurteilt wurde. Kontakt mit seinem Bruder habe er nach eigenen Angaben keinen mehr.

Er sagte aus, dass er nicht einmal gewusst habe, ob der Bruder beim IS überhaupt gekämpft habe. „Ein junger Mann wird nicht zum IS gehen, um Buchhalter zu werden, halten Sie uns doch nicht alle für blöd“, platzte der beisitzenden Richterin der Kragen. Der Angeklagte war überzeugt, „die Arbeit wird sicher aufgeteilt”. „Ja, die einen kämpfen und die anderen reden vom Kampf”, ergänzte ein anderer Richter. Der Schriftführer finde ein Kalifat aufgrund des islamischen Rechts grundsätzlich gut, „aber ich glaube, dass das in Österreich nicht kommt”. In Arabien wäre es vielleicht möglich, überlegte er. Dass er selbst mehrere Schriften von radikal-islamischen Autoren heruntergeladen hatte, sei mehr oder weniger zufällig passiert. „Das waren so viele Seiten, ich habe nicht geschaut, was da alles mitgekommen ist”, erklärte er.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Heimatvertriebener

    13. September 2019 at 14:51

    Die Wahrheit finden ist hier extrem einfach. Von allem was die Unschuldslämmer sagen das Gegenteil annehmen, schon kennt man sie.

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Gesellschaft

Grazer Volkskundemuseum sucht Objekte aus dem Corona-Alltag

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

Das Volkskundemuseum möchte den aktuellen Umgang mit der Pandemie dokumentieren und die verschiedensten Objekte sammeln, die den Alltag in Zeiten von Corona sichtbar machen.

Graz. – Dass die Corona-Krise Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hat, merkt man schon an der von diesem Thema dominierten medialen Berichterstattung. Weil der Einfluss so groß ist, hat sich das Grazer Volkskundemuseum dazu entschlossen, seine Dauerausstellung neu zu konzipieren. Das Museum will nun Dokumente und Objekte sammeln, die den Alltag in Zeiten des Coronavirus sichtbar machen.

Notizen, Tagebücher, Fotos

Corona erfordert von uns allen neues Alltagshandeln und auch Strategien, mit dieser schwierigen und sich tagtäglich ändernden Situation zurechtzukommen. Das Volkskundemuseum möchte den aktuellen Umgang mit der Pandemie dokumentieren und sammelt deshalb Notizen und Objekte, die den Alltag in Zeiten von Corona sichtbar machen”, beschreibt Kuratiorin Birgit Johler den Aufruf. Es sei ein wichtiges Anliegen, auch Veränderungen und Einschnitte in die Gesellschaft zu dokumentieren, wie es auf der Website des Volkskundemuseums heißt. Gesucht werden daher die unterschiedlichsten Dinge, die den neuen Alltag der Menschen wiederspiegeln. Laut Beschreibung auf der Website fällt eine Aufmunterung für Mitbewohner ebenso darunter wie ein Zeichen nachbarschaftlicher Unterstützung, eine Dankesbekundung für geleistete Hilfe, ein Tagebuch oder Auszüge davon, ein Foto von getroffenen Schutzmaßnahmen in der Arbeit oder ein Familienvideo an die Großeltern.

Jeder kann mitmachen

Auch wenn das Museum seit 7. Jänner geschlossen hat, schlafen die für die neue Ausstellung Verantwortlichen nicht. Man baue bereits um und eröffne im Frühjar 2021, heißt es auf der Seite weiter. Themenbereiche der Ausstellung sollen zunehmender Wohlstand, steigender Konsum, Herkunft, Veränderungen in der Arbeitswelt, Mobilität und Migration (in die und aus der Steiermark), Umwelt, Gegenkultur und Gegentrends oder etwa „richtig wichtig ‚Steirisches” sein.

Wer dem Museum Objekte für die „Corona-Ausstellung” zur Verfügung stellen möchte, kann über ein Webformular Kontakt mit dem dafür zuständigen Mitarbeiter aufnehmen und dabei auch gleich Objektvorschläge einreichen. Hier geht’s zum Formular!

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Gesellschaft

BKA-Chef nennt Attentat von Hanau „eindeutig rechtsextremistisch”

Stefan Juritz

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Das Bundeskriminalamt (BKA) hält das Attentat von Hanau doch für rassistisch motiviert. Medienberichte über einen anderslautenden BKA-Abschlussbericht wies der Chef der Behörde zurück.

Berlin/Hanau. – Vor wenigen Tagen hatten mehrere deutsche Medien wie die Süddeutsche Zeitung und der NDR unter Berufung auf einen Abschlussbericht des Bundeskriminalamts (BKA) berichtet,  dass die Ermittler den Anschlag von Hanau nicht als rechtsextremistisch bewerten. Demnach hätte der Schütze Tobias R. seine Opfer so ausgewählt, um größtmögliche Aufmerksamkeit für seinen Verschwörungstheorien über Geheimdienste zu bekommen, Rassismus sei jedoch nicht das Hauptmotiv gewesen. Auch die Tagesstimme übernahm diese Informationen in ihrer Berichterstattung.

BKA-Chef dementiert

Am Dienstag wies BKA-Chef Holger Münch entsprechende Meldungen zurück. Auf Twitter dementierte er, dass einen solchen Abschlussbericht derzeit gebe und betonte, dass die Ermittlungen weiter andauerten. Trotz der laut Münch weiter laufenden Ermittlungen ist für ihn jedoch klar: „Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch. Die Tatbegehung beruhte auf rassistischen Motiven.“

Attentat von Hanau

Mitte Februar hatte Tobias R. an mehreren Orten in der hessischen Stadt Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Später fand die Polizei ihn und seine Mutter tot in seiner Wohnung auf. Die Ermittler gehen davon aus, dass er zuerst seine Mutter und dann sich selbst erschoss. In einem 24-seitigen Bekennerschreiben fanden sich fremdenfeindliche Passage und verschwörungstheoretische Ansichten, die auf eine psychische Störung hindeuten. So glaubte Tobias R., er werde von einem Geheimdienst überwacht, der sogar Gedanken lesen („mind controll”) und Menschen steuern könne.

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Gesellschaft

Wegen Coronavirus: Islamrat fordert Geld für Moscheegemeinden

Joshua Hahn

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Aufgrund der anhaltenden Krise hat der Islamrat in Deutschland die finanziellen Folgen für seine Gemeinden bemängelt und Hilfe von der Regierung gefordert.

Berlin. – Wie die „Junge Freiheit“ berichtet, erklärte der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, gegenüber der „Islamischen Zeitung“, dass die gegenwärtig geltenden Einschränkungen des Alltagslebens die Moscheegemeinden hart treffen würden: „Sie brauchen jetzt finanzielle Unterstützung, um die nächsten Wochen und Monate zu überstehen“. Trotzdem unterstütze man die Ausgangsbeschränkungen „uneingeschränkt“. Man habe bereits vor der offiziellen Einführung eigene Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus getroffen, denn „der Schutz des Lebens und die Gesundheit sind uns von Allah anvertraut und genießen höchste Priorität“.

Kein Geld mehr wegen ausbleibenden Gebeten

Seitdem die Gemeinden geschlossen sein müssen und somit auch die Freitagsgebete entfallen, sei ein „beträchtlicher Teil der Spenden“ weggefallen. Folglich sorge man sich um die künftige Finanzierung der Imame und die Bezahlung von Mietkosten. Um größeres Übel abzuwenden, solle nun die Bundesregierung handeln: „Viele Moscheegemeinden leisten einen unschätzbar wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft, tragen zum Zusammenhalt bei und engagieren sich in Städten und Kommunen“. Die muslimische Gemeinde nun finanziell alleine zu lassen, wäre „fatal“.

Kesici ist seit 2015 Vorsitzender des Islamrates für Deutschland. Außerdem ist er tätig im Beirat für islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen.

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