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Gesellschaft

Nach Promi-Aufruf für ‚Seenotrettung’: Über 200.000 Euro an Spenden versenkt

Julian Schernthaner

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Nach dem Aufruf des TV-Moderators Klaas Heufer-Umlauf spendeten Menschen fast 300.000 Euro für ein Schiff zur vermeintlichen Seenotrettung – dieses stach allerdings nie in See.

Die Geschichte begann im Sommer 2018: Nach der Beschlagnahmung der „Lifeline” animierte Heufer-Umlauf in einem sechsminütigen Video seine Fans, sich finanziell an einer zivilen Initiative zu beteiligen, um sogenannte ‚Seenotrettung’ zu betreiben. Über 7.000 Menschen brachten so beinahe 297.036 Euro zusammen. Wie die österreichische Recherche-Plattform Addendum nun herausfand, geriet das Ganze im Anschluss allerdings zu einer einmaligen Pleiten‑, Pech und Pannenserie.

Umflaggung und Umbauten verschlingen Unsummen

Denn nach der Gründung des Vereins Civilfleet, dessen Vorsitz der NGO-erfahrene Aktivist und heutige Grünen-EU-Abgeordnete Erik Marquardt übernahm, wurde es sehr still um das Projekt. Denn zwar gelang es der Initiative ein Schiff namens „Golfo Azurro” zu chartern, ein ehemaliges Fischerboot das bereits zuvor von Asyl-NGOs verwendet wurde. Aber bereits bei den bürokratischen Hürden begann die Odyssee: Alleine für die Umflaggung von Panama auf Vanuatu wurden 30.000 Euro fällig.

Umbauten und Tests kosteten dann weitere 70.000 Euro, auch die Blockierung des Schiffes für andere Interessenten infolge der Verzögerung schlug mit 34.000 Euro zu Buche. Die Lohnkosten in diesem Zeitraum verschlangen etwa 38.000 Euro, Sachkosten weitere 11.451 Euro. Mit 62.260 Euro beteiligte man sich an anderen Projekten von Mittelmeer-NGOs, beispielsweise 30.000 Euro für Beiboote für die bestehende NGO Sea Watch.

Zwei Drittel ausgegeben – noch keine ‚Seenotrettung’

Auf diese Art und Weise, so Addendum, gingen über 200.000 Euro verschütt, ohne eine einzige Seemeile zu absolvieren. Und lange Zeit fiel dies nicht sonderlich ins Auge der Öffentlichkeit. Aber als Heufer-Umlauf und Civilfleet im Sommer 2019 neuerdings um Spenden baten, diesmal zur Unterstützung der Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete, äußerten Internetznutzer ihre Zweifel bezüglich der im Vorjahr angekündigten, eigenen Mission.

Schiffseigner angeblich Briefkastenfirma

Aber dem nicht genug, denn Addendum fand auch heraus, dass es sich beim Schiffseigner der „Golfo Azzurro” um dubiose Figuren handeln dürfte. Die seit 2010 bestehende „Deep Water Foundation” wurde nämlich offenbar von zwei Personen begründet, welche außerdem hunderte Briefkastenfirmen registrierten. Beide Namen tauchten folglich auch in den journalistisch bereits 2013 aufgearbeiteten „Offshore-Leaks”-Dokumenten auf.

Civilfleet: „Nach bestem Wissenund gewissen” gehandelt

Zumindest bezüglich des Vorwurfs der Briefkastenfirma will Civilfleet laut Schatzmeister Ruben Neugebauer erst durch den Addendum-Artikel erfahren haben. Mit der „Deep Water Foundation”, haben allerdings nie ein Vertragsverhältnis bestanden, man habe von einer holländischen Stiftung gechartert. Die Zahlen selbst will an nicht bestätigen, da für 2018 noch kein Jahresabschluss vorliege. Dies geht aus einer Stellungnahme des Vereins hervor.

Gleichzeitig drückt Civilfleet das Bedauern über die schiefe Optik aus. Man habe jedenfalls „nach bestem Wissen und Gewissen” gehandelt. Von allen Leuten schmerze es die Gruppe am meisten, dass man mit dem Schiff bislang keine Menschen retten habe können. Im Sinne der Transparenz überlegt man allerdings, jeden Spender schriftlich vom Verbleib des Geldes zu unterrichten. Trotz des Scheiterns bekundete Heufer-Umlauf der Welt zufolge, er „würde es wieder tun”.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    24. September 2019 at 20:11

    Wie kann man sich auch nach einem Promi orientieren, ihm nachlaufen, ihn, wie seinesgleichen durchfüttern?
    Oh du lieber Himmel sein die Linken decht bleed.

  2. Avatar

    Heimatvertriebener

    24. September 2019 at 21:52

    Zur K u K Zeit, als Österreich Ungarn noch über lange Küsten verfügte, wäre das wahrscheinlich nicht passiert.
    Vielleicht trösten die Verantwortlichen sich aber auch mit der Narrengeschichte um die deutsche „Gorch Fock”.
    Und außerdem ist jede unterlassene Seefahrt auch ein Beitrag zur Klimarettung. Außer mit einem Segler natürlich. Deshalb war ja vor vielen Jahren auch das Klima noch so gut, weil es keine Motorschiffe gab.

  3. Avatar

    Klasube

    25. September 2019 at 11:54

    Weshalb wundert mich das kein bisschen? Weil diese Herrschaften permanent unter Beweis stellen, dass sie nur das Geld anderer Leute ausgeben können und nicht einmal darin kompetent sind…!

    Na ja, der gute Wille war ja da – lassen wir es doch am besten dabei bewenden und führen das Schiff wieder seinem ursprünglichen Zweck zu. Noch eine Frage nebenbei: Haben die überhaupt die notwendigen Zulassungen zum Personentransport? Da gibt es doch bestimmt jede Menge Vorschriften und Gesetze zu beachten – nationale und internationale. Wer prüft das gewissenhaft nach?

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Gesellschaft

Ostholstein: Brandanschlag auf PKW von AfD-Mitarbeiterin

Julian Schernthaner

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Die Liste mutmaßlich linksextremer Angriffe auf Personal der AfD und deren Eigentum ist eine Episode reicher: Diesmal schlugen bislang unbekannte Täter in Schleswig-Holstein zu. 

Niendorf/Ostsee. – Die Angreifer gingen dabei einmal mehr im Schutz der Nacht zu Werke. In der Nacht auf Donnerstag setzten sie gegen 2 Uhr morgens den Privat-PKW von Sabine Düllmann, AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Ostholstein, in Brand, indem sie eine Brandbombe unter den Motorblock legten. Diese ist zudem Wahlkreismitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten Uwe Witt.

Staatsschutz ermittelt wegen politischen Motivs

Dem Ostholsteiner Anzeiger zufolge ermittelt das Lübecker Staatsschutzkommissariat in der Causa, ein politischer Anschlag gilt als mögliches Motiv. Auch Witt glaubt daran, dass es darum gehe, „politisch Andersdenkende einzuschüchtern und mundtot zu machen”. Ein Account der „Antifa Lübeck” hätte Düllmann in sozialen Medien seit Monaten „bloßgestellt und angeprangert”.

Über den Angriff zeigte sich er sich über den Angriff schockiert. Er sei „zutiefst entsetzt über diese abscheuliche und feige Tat” und stelle sich selbstverständlich hinter seine Mitarbeiterin. Zudem könne man „nur von Glück sprechen, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen ist”.  Er fordert vonseiten des Landeskriminalamts eine „lückenlose Aufklärung” der Umstände. Außerdem teilte er ein Video des brennenden PKWs.

Beispiellose Serie politischer Gewalt gegen AfD

Im gesamten Bundesgebiet sehen sich Akteure aus dem Umfeld der AfD als Ziel einer beispiellosen Serie an Gewalt. Erst in der Vorwoche warfen in Hamburg mutmaßliche Linksextremisten einen Stein durch das Fenster eines AfD-Politikers. Dieser verfehlte das Bett, in dem der Mann schlief nur um Haaresbreite – Die Tagesstimme berichtete.

Unter allen Parteien ist die AfD mit Abstand am häufigsten die Zielscheibe politischer Gewalt. Alleine im ersten Quartal gab es nicht weniger als 41 Angriffe auf AfD-Einrichtungen, 68 Angriffe auf Politiker und 151 zerstörte Wahlplakate. Die in dieser Statistik jeweils am zweitmeist betroffenen Parteien mussten jeweils etwa die Hälfte an Attacken hinnehmen.


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Extremismus-Vorwurf: Kramp-Karrenbauer will KSK überprüfen

Joshua Hahn

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Die CDU-Chefin initiierte jetzt eine Arbeitsgruppe, die sich der „Strukturanalyse“ der Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr widmen soll.

Berlin. – Weil bei einem Soldaten des KSK einige Waffen in seiner Wohnung gefunden werden, entflammte die alte Extremismus-Debatte neu. Die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will nun die gesamte Eliteeinheit auf den Prüfstand stellen.

AKK: „Schlagkräftiger in Sachen Extremismus“

Wie die „Zeit“ berichtet, sollen der Arbeitsgruppe unter anderem die neue Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) sowie der KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr angehören. Man wolle nun „konkrete Strukturmaßnahmen erarbeiten, um in Zukunft schneller, schlagkräftiger und vor allem nachhaltiger in Sachen Extremismus agieren zu können.“ Dies teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit.

Geplant ist laut Bericht der „Tagesschau“ zudem eine Gesetzesänderung, aufgrund derer KSK-Soldaten schneller gekündigt werden können, sollten „schwere Tatbestände“ gegen sie vorliegen.

Kommandeur schockiert über „Individuen aus rechtem Spektrum“

Erst kürzlich wurde ein Schreiben veröffentlicht, in welchem sich KSK-Kommandeur Kreitmayr an die Truppe wendet. Er sei schockiert darüber, dass sich „inmitten unserer Gesellschaft“ Menschen befänden, welche „dem sogenannten rechten Spektrum zuzuordnen sind“. Der aktuelle Fall, auf welchem die Vorwürfe beruhen, sei eine „neue alarmierende Qualität“.

Vor einigen Tagen hatten Ermittler die Wohnung eines im Vorfeld beobachteten KSK-Soldaten durchsucht. Im Rahmen der Hausdurchsuchung stellten sie verstecktes Waffenlager sicher.

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Gesellschaft

Ab 4. Juni: Grazer Oper spielt für jeweils 100 Besucher

Monika Šimić

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Das Publikum wird über das Parkett, die Logen und den Balkon verteilt. Bis die Besucher an ihren Plätzen angelangt sind, müssen sie eine Schutzmaske tragen. 

Graz. – Nach fast dreimonatiger Pause wird die Grazer Oper ab 4. Juni wieder spielen und bietet jede Woche ein anderes Programm an. Gespielt wird dabei immer für jeweils 100 Besucher. Den Anfang macht dabei der „Musenkuss”, eine Hommage an jene Künstler und mythologischen Wesen, die sich in der prachtvollen Architektur der Oper Graz, also etwa dem Zuschauerraum und dem Eisernen Vorhang, wiederfinden, wie es auf der Homepage heißt.

An zwölf Abenden wird gespielt

Zu hören sein werden Tetiana Miyus, Wilfried Zelinka und Sieglinde Feldhofer ebenso wie Pavel Petrov und Dariusz Perczak. Zelinka wird einen Schubert-Abend unter dem Titel „Schwanengesang” gestalten. Tetiana Miyus lässt in ihrem Liederabend „Gesänge aus Fernost” ertönen, außerdem wird eine künstlerische Auseinandersetzung  mit der „(Dis)Tanz” gezeigt, die das Ballett der Oper Graz so erlebbar machen will.

Wir sind wieder zurück! Ab dem 4. Juni hebt sich unser Vorhang wieder – wir freuen uns sehr, euch wieder in unserem Haus willkommen zu heißen!

Gepostet von Oper Graz am Mittwoch, 27. Mai 2020

Insgesamt wird an zwölf Abenden gespielt, was etwa einer einzigen ausverkauften Vorstellung im Normalbetrieb entspricht. Die Konzerte werden ohne Pause gespielt und die Besucher müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, bis sie an ihrem Platz angelangt sind. Danach dürfen sie die Masken ablegen. Das Publikum wird über das Parkett, die Logen und den Balkon verteilt.

Abstand halten

In Österreich sind Veranstaltungen im Indoor- und Outdoorbereich ab 29. Mai wieder möglich, wenn die Besucherzahl nicht über 100 liegt. Dabei sind Sitzplätze und ein Meter Abstand Grundprinzipien. Personen, die in einem Haushalt leben oder gemeinsam Tickets kaufen, um eine Veranstaltung zu besuchen, dürfen nebeneinander sitzen. Ansonsten ist ein Platz an der Seite freizuhalten und ein Schachbrett-Muster für die Sitzordnung vorgesehen. Ist ein Abstand von einem Meter nicht möglich, muss bei Indoor-Veranstaltungen vom Publikum eine Mund-Nasen-Schutzmaske getragen werden. Im Freien besteht keine Maskenpflicht. Auch Pausen und Pausenbuffets sind möglich. Ab 1. Juli folgt der nächste Schritt mit einer Besucherzahl von 250 bei Indoor-Events. Auch Kinos dürfen ab dann wieder öffnen. Outdoor-Events dürfen ab 1. Juli von bis zu 500 Menschen besucht werden.

 

Informationen zum Sonderspielplan der Grazer Oper sind >hier< zu finden.


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