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Gesellschaft

Nach Promi-Aufruf für ‚Seenotrettung’: Über 200.000 Euro an Spenden versenkt

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Die "Golfo Azzurro" war ursprünglich ein Fischerboot. Bild: Pixabay [CC0]

Nach dem Aufruf des TV-Moderators Klaas Heufer-Umlauf spendeten Menschen fast 300.000 Euro für ein Schiff zur vermeintlichen Seenotrettung – dieses stach allerdings nie in See.

Die Geschichte begann im Sommer 2018: Nach der Beschlagnahmung der „Lifeline” animierte Heufer-Umlauf in einem sechsminütigen Video seine Fans, sich finanziell an einer zivilen Initiative zu beteiligen, um sogenannte ‚Seenotrettung’ zu betreiben. Über 7.000 Menschen brachten so beinahe 297.036 Euro zusammen. Wie die österreichische Recherche-Plattform Addendum nun herausfand, geriet das Ganze im Anschluss allerdings zu einer einmaligen Pleiten‑, Pech und Pannenserie.

Umflaggung und Umbauten verschlingen Unsummen

Denn nach der Gründung des Vereins Civilfleet, dessen Vorsitz der NGO-erfahrene Aktivist und heutige Grünen-EU-Abgeordnete Erik Marquardt übernahm, wurde es sehr still um das Projekt. Denn zwar gelang es der Initiative ein Schiff namens „Golfo Azurro” zu chartern, ein ehemaliges Fischerboot das bereits zuvor von Asyl-NGOs verwendet wurde. Aber bereits bei den bürokratischen Hürden begann die Odyssee: Alleine für die Umflaggung von Panama auf Vanuatu wurden 30.000 Euro fällig.

Umbauten und Tests kosteten dann weitere 70.000 Euro, auch die Blockierung des Schiffes für andere Interessenten infolge der Verzögerung schlug mit 34.000 Euro zu Buche. Die Lohnkosten in diesem Zeitraum verschlangen etwa 38.000 Euro, Sachkosten weitere 11.451 Euro. Mit 62.260 Euro beteiligte man sich an anderen Projekten von Mittelmeer-NGOs, beispielsweise 30.000 Euro für Beiboote für die bestehende NGO Sea Watch.

Zwei Drittel ausgegeben – noch keine ‚Seenotrettung’

Auf diese Art und Weise, so Addendum, gingen über 200.000 Euro verschütt, ohne eine einzige Seemeile zu absolvieren. Und lange Zeit fiel dies nicht sonderlich ins Auge der Öffentlichkeit. Aber als Heufer-Umlauf und Civilfleet im Sommer 2019 neuerdings um Spenden baten, diesmal zur Unterstützung der Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete, äußerten Internetznutzer ihre Zweifel bezüglich der im Vorjahr angekündigten, eigenen Mission.

Schiffseigner angeblich Briefkastenfirma

Aber dem nicht genug, denn Addendum fand auch heraus, dass es sich beim Schiffseigner der „Golfo Azzurro” um dubiose Figuren handeln dürfte. Die seit 2010 bestehende „Deep Water Foundation” wurde nämlich offenbar von zwei Personen begründet, welche außerdem hunderte Briefkastenfirmen registrierten. Beide Namen tauchten folglich auch in den journalistisch bereits 2013 aufgearbeiteten „Offshore-Leaks”-Dokumenten auf.

Civilfleet: „Nach bestem Wissenund gewissen” gehandelt

Zumindest bezüglich des Vorwurfs der Briefkastenfirma will Civilfleet laut Schatzmeister Ruben Neugebauer erst durch den Addendum-Artikel erfahren haben. Mit der „Deep Water Foundation”, haben allerdings nie ein Vertragsverhältnis bestanden, man habe von einer holländischen Stiftung gechartert. Die Zahlen selbst will an nicht bestätigen, da für 2018 noch kein Jahresabschluss vorliege. Dies geht aus einer Stellungnahme des Vereins hervor.

Gleichzeitig drückt Civilfleet das Bedauern über die schiefe Optik aus. Man habe jedenfalls „nach bestem Wissen und Gewissen” gehandelt. Von allen Leuten schmerze es die Gruppe am meisten, dass man mit dem Schiff bislang keine Menschen retten habe können. Im Sinne der Transparenz überlegt man allerdings, jeden Spender schriftlich vom Verbleib des Geldes zu unterrichten. Trotz des Scheiterns bekundete Heufer-Umlauf der Welt zufolge, er „würde es wieder tun”.

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    24. September 2019 at 20:11

    Wie kann man sich auch nach einem Promi orientieren, ihm nachlaufen, ihn, wie seinesgleichen durchfüttern?
    Oh du lieber Himmel sein die Linken decht bleed.

  2. Avatar

    Heimatvertriebener

    24. September 2019 at 21:52

    Zur K u K Zeit, als Österreich Ungarn noch über lange Küsten verfügte, wäre das wahrscheinlich nicht passiert.
    Vielleicht trösten die Verantwortlichen sich aber auch mit der Narrengeschichte um die deutsche „Gorch Fock”.
    Und außerdem ist jede unterlassene Seefahrt auch ein Beitrag zur Klimarettung. Außer mit einem Segler natürlich. Deshalb war ja vor vielen Jahren auch das Klima noch so gut, weil es keine Motorschiffe gab.

  3. Avatar

    Klasube

    25. September 2019 at 11:54

    Weshalb wundert mich das kein bisschen? Weil diese Herrschaften permanent unter Beweis stellen, dass sie nur das Geld anderer Leute ausgeben können und nicht einmal darin kompetent sind…!

    Na ja, der gute Wille war ja da – lassen wir es doch am besten dabei bewenden und führen das Schiff wieder seinem ursprünglichen Zweck zu. Noch eine Frage nebenbei: Haben die überhaupt die notwendigen Zulassungen zum Personentransport? Da gibt es doch bestimmt jede Menge Vorschriften und Gesetze zu beachten – nationale und internationale. Wer prüft das gewissenhaft nach?

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Gesellschaft

Neues von rechts: Strache, Venner & Identitäre

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

ASDF Die beiden Bücher sind beim Jungeuropa Verlag erschienen. Foto: Jungeuropa Verlag [Bildausschnitt]

HC Strache wurde von der FPÖ ausgeschlossen. Bei Jungeuropa gibt es demnächst ein neues Buch von Dominique Venner. Und die Identitären freuen sich über eine Gerichtsentscheidung.

In dieser Woche hat sich im freiheitlichen Lager einiges getan. Zuerst spalteten sich am Donnerstag drei Wiener Gemeinderäte von der FPÖ ab und gründeten die Allianz für Österreich (DAÖ) – Die Tagesstimme berichtete. Am Tag darauf wurde Heinz-Christian Strache von der FPÖ wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen. Seine eigene politische Zukunft ließ er darauf noch offen, jedoch deutet alles daraufhin, dass der nunmehrige Ex-Blaue ein Comeback bei der DAÖ feiern wird – schließlich handelt es sich bei den drei Abtrünnigen um deklarierte Strache-Freunde.

Gericht gibt Identitären bei Beschwerden recht

Besondere Neuigkeiten gibt es diesmal auch von den Identitären in Österreich: Das Oberlandesgericht hat ihnen in neun Beschwerdefällen recht gegeben. Dabei ging es beispielsweise um die von der Staatsanwaltschaft Graz angeordneten Hausdurchsuchungen bei Identitären-Chef Martin Sellner.

Die unabhängige Justiz stellt in neun Entscheidungen fest, dass es für die Vorwürfe der Grazer Staatsanwaltschaft gegen die Identitären ‚an konkreten Anhaltspunkten’ mangelt. Vorwürfe wären nicht einmal ‚ansatzweise dargelegt’ worden und die Argumentationen ’nicht nachvollziehbar’. Teilweise seien die Argumente ‚reine Mutmaßung’ gewesen, deren Annahme ‚im Dunkeln’ bleibe”, berichtete Die Tagestimme am Samstag. Die Anordnungen der Staatsanwaltschaft sowie die Entscheidung des Gerichts liegen der Tagesstimme exklusiv vor und werden im folgenden Artikel ausführlich zitiert: „Paukenschlag vor Gericht: Vorwürfen gegen Identitäre fehlt Grundlage”

Solidarität mit Lothar Höbelt

Nachdem in den vergangenen beiden Wochen linksextreme Aktivisten die Vorlesungen des Historikers Prof. Lothar Höbelt gestört hatten, zeigten am letzten Dienstag Dutzende patriotische Studenten und Aktivisten solidarisch mit Höbelt und besuchten demonstrativ dessen Vorlesung, um eine mögliche erneute Störung zu verhindern – Die Tagesstimme berichtete. Unter den Zuhören befanden sich unter anderem Burschenschafter, RFS-Mitglieder und auch Identitäre.

Tagesstimme-Redakteur Julian Schernthaner verfasste zur Causa einen ausführlichen Kommentar: „Patrioten an die Unis: Der Kampf um die Köpfe ist endlich eröffnet!”

2x Dominique Venner bei Jungeuropa

Am 20. Dezember 2019 erscheint beim Jungeuropa Verlag das Buch „Was ist Nationalismus?” des bereits verstorbenen Historikers Dominque Venner. In der Buchbeschreibung des Verlags heißt es:

Bruderkriege, Chauvinismus und Isolationismus – derlei Begriffe firmieren heute als Synonyme für »den Nationalismus«. Dass diese Etikettierung keine Gültigkeit besitzt, haben verschiedene Denker und Aktivisten der vergangenen Jahrzehnte eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der wichtigste von ihnen: Dominique Venner.
Der frühere politische Aktivist und spätere »meditative« Historiker prägte wie kein zweiter Akteur den Begriff des (neuen) »europäischen Nationalismus«. Doch was ist darunter zu verstehen – und was bedeuten die Ideen der jungen Franzosen um die legendäre Zeitschrift Europe-Action für das politische Koordinatensystem?
Venner scheidet – wie vor ihm Ernst von Salomon – »Nationale« von »Nationalisten«, erklärt die grundsätzlichen Züge eines die Gegensätze aufhebenden Nationalismus und schickt sich an, seine wenige Jahre zuvor erschienene Schlüsselschrift Für eine positive Kritik zu ergänzen. Dass »das Denken nicht von der Praxis trennbar ist« und »gegen die Logik des Kapitals und die Herrschaft der kommerziellen Werte, gegen die Entwurzelung der Völker und die Ausmerzung der Kulturen« nur ankämpfen kann, wer »über ein alternatives Theoriewerk verfügt« (Alain de Benoist), ist die entscheidende Essenz der vorliegenden Schrift.
Venner und Europe-Action erteilen uns eine Lektion: »Es gibt keine Revolution ohne Doktrin!«

Das Vorwort zum Buch hat der französische Autor und Denker Alain de Benoist verfasst.

Gleichzeitig erscheint im Verlag auch die Neuauflage von Venners „Für eine positive Kritik”. Diesmal um drei „zentrale, erstmals in Deutsche übersetzte Zeitschriftenbeiträge” von Venner ergänzt. Das Vor- und Nachwort stammen von Benedikt Kaiser.

Beide Bücher gibt es im Doppelpack-Angebot für 25 Euro! Hier bestellen: https://www.jungeuropa.de/detail/index/sArticle/189

Laut Gedacht und das besinnliche Weihnachten

Neues gibt es auch wieder vom patriotischen Satire-Format Laut Gedacht: „Das Jahr neigt sich dem Ende und es geht mit großen Schritten in Richtung Weihnachten. Für viele steht damit auch der Besuch des örtlichen Weihnachtsmarktes auf dem Plan. Ein Erlebnis, das sich in den letzten Jahren verändert hat. Ganz neu in diesem Jahr: Die Betontanne. Kegelförmige Betonklätzer übereinandergestapelt und fertig ist die weihnachtlichste Festung Deutschland. Doch am vergangen Wochenende in Augsburg konnte auch die nicht helfen.”

YouTube sperrt Unblogd

Am Donnerstag sperrte YouTube den patriotischen Kanal Unblogd von Miro Wolsfeld. Grund dafür sind mal wieder angebliche Verletzungen der Richtlinien. Stichwort: „Hatespeech”.

Hier gibt es die Stellungnahme von Miro Wolsfeld:

Seit einigen Tagen gibt es wieder eine massive Säuberung auf YouTube und nun hat es tatsächlich meinen Kanal getroffen, er ist seit heute Morgen komplett gesperrt. Der Grund dafür seien Verstöße gegen die „Community“ Richtlinien, Näheres wird aber nicht genannt.

Das „Beste“ daran ist, dass ich nicht mal eine Verwarnung hatte, sondern direkt der komplette Kanal gesperrt wurde. Es ist nicht überraschend, aber einfach richtig bitter, dass es so gekommen ist. Nach meinem Straßenaktivismus bei den Mahnwachen habe ich den Kanal gestartet, um meine Leidenschaft der Filmproduktion und mein Gerechtigkeitsstreben zusammen zu bringen und mit meinen Videos auf der Welt etwas zu bewegen.

Viele Jahre habe ich das neben meiner Arbeit als Erzieher gemacht und seit einem guten Jahr mache ich das in Vollzeit. Vier Jahre dauerte es, bis ich 10 000 Abonnenten hatte und dann nur noch wenige Monate bis sich die Zahl verfünffachte. Jetzt bin ich wieder auf Null- fast.

Auf Telegram sind wir über 12 000, sodass sich mein Netzwerk nicht in Luft aufgelöst hat. Dennoch wird es ein harter Weg werden, meine über 50 000 YouTube-Abonnenten wieder zu erreichen.

Ich werde natürlich gegen die Sperrung vorgehen und die Freischaltung fordern, aber selbst wenn das passiert, sind die Tage auf YouTube gezählt. Da mach ich mir nichts mehr vor.

Solange geht es erstmal weiter auf Telegram & Bitchute!

Ich wäre euch sehr dankbar, wenn Ihr mir dort folgen würdet!
Euer Miró Wolsfeld

Von Zensur betroffen ist auch Info – DIREKT. Nach Facebook hat jetzt nämlich auch Instagram die Seite des Magazins gesperrt.

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Gesellschaft

Paukenschlag vor Gericht: Vorwürfen gegen Identitäre fehlt Grundlage

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

ASDF Bild: Martin Sellner / Bild: Identitäre Bewegung Österreich

Paukenschlag im Verfahren gegen die Identitäre Bewegung Österreich: Die unabhängige Justiz stellt in neun Entscheidungen fest, dass es für die Vorwürfe der Grazer Staatsanwaltschaft gegen die Identitären „an konkreten Anhaltspunkten“ mangelt. Vorwürfe wären nicht einmal „ansatzweise dargelegt” worden und die Argumentationen „nicht nachvollziehbar”. Teilweise seien die Argumente „reine Mutmaßung“ gewesen, deren Annahme „im Dunkeln“ bleibe.

Graz/Wien. – Im Jahr 2018 behauptete die Grazer Staatsanwaltschaft medienwirksam, die Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ) sei eine kriminelle Organisation und es sei erwiesen, dass die Identitären mindestens 100.000 Euro an Steuern und Abgaben hinterzogen hätten. Vom Vorwurf der kriminellen Vereinigung wurden die Identitären bereits im gleichen Jahr in einem langen Gerichtsprozess vollumfänglich freigesprochen. Es blieb jedoch bei Sicherstellungen und Beschlagnahmungen wegen eines Finanzstrafverfahrens, das bis heute nicht abgeschlossen ist.

Harte Repression gegen Identitäre 

Vor etwa neun Monaten fand die Repression gegen die patriotische Bewegung einen erneuten Höhepunkt: Beim Kopf der IBÖ, Martin Sellner, fand eine Hausdurchsuchung in Verbindung mit den Ermittlungen zum Attentat in Christchurch statt. Die schwerwiegenden Vorwürfe lauteten damals auf angebliche Gründung einer terroristischen Vereinigung.

Der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bezeichnete die Identitären später öffentlich als „widerlich“.  Die Grazer Staatsanwaltschaft beantragte im Rahmen der Ermittlungen die Überwachung von mehreren Telefonen, Email- und Bankkonten. Darüber hinausgehend ließ sie mehrere Wohnungen durchsuchen und beschlagnahmte Dokumente, Geräte sowie Bankkonten. 

Besonders heikel waren die Beschlagnahmungen, weil viele der höchstpersönlichen Dokumente später den Weg an die Medien fanden und politisch instrumentalisiert wurden. Bezeichnend ist in diesem Kontext auch eine Anordnung der Grazer Staatsanwaltschaft, die der Tagesstimme exklusiv vorliegt, wonach die Ermittlungsbehörden Verbindungen zwischen Identitären und Parteien untersuchen sollten. Eine Anordnung, deren Zweck bis heute nicht aufgeklärt ist.

Gericht: Es gibt keine Anhaltspunkte für Terrorismus

Die Identitären reichten gegen die Maßnahmen Beschwerden ein, deren Entscheidung am Freitag zugestellt wurde. Sie liegen der Tagesstimme exklusiv vor. Das Oberlandesgericht entschied alle Beschwerden zugunsten der Identitären. Für alle Maßnahmen stellte das Gericht fest, dass es an einem „konkreten Verdacht“ mangle. Ein konkreter Verdacht liege dann vor, „wenn aufgrund bestimmter Tatsachen der Verdacht einer Straftat mit gutem Grund, also in vertretbarer Weise abgeleitet werden kann.“ Das sei in den gegenständlichen Verfahren nicht der Fall.

In Bezug auf die Ermittlungen wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung stellte das Gericht wortwörtlich fest: „Sohin war zum Zeitpunkt der Bewilligung der Ermittlungsmaßnahme nicht einmal der konkrete und damit schon gar nicht der dringende Verdacht gegeben, dass sich der Beschwerdeführer [Martin Sellner, Anm. der Red.] als Mitglied an einer terroristischen Vereinigung beteiligt hätte.“ Weiter heißt es:

Aus der in der angefochtenen Entscheidung dargelegten ‚ideologischen Nähe‘ zwischen der IBÖ und Brenton Tarrant kann nämlich ebensowenig auf eine aus Brenton Tarrant, dem Beschwerdeführer und weiteren Personen bestehende terroristische Vereinigung geschlossen werden wie aus dem Umstand, dass Brenton Tarrant im Jänner 2018 – sohin etwa 14 Monate, bevor er einen Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland verübte – 1.500 Euro an den Beschwerdeführer überwiesen hat. […]

Im übrigen wurde in der angefochtenen Entscheidung nicht einmal ansatzweise dargelegt, auf die Begehung welcher Art von Straftaten die terroristische Vereinigung ausgerichtet gewesen sei. Dass es sich beim erwähnten Anschlag von Brenton Tarrant um eine Vereinigungstat gehandelt hätte, nimmt nicht einmal das Erstgericht an […] Es bleibt zu erwähnen, dass auch die Verdachtsannahme, der Beschwerdeführer habe Informationen, Vermögenswerte oder „ideologische Grundsatzausführungen“ bereitgestellt, nicht schlüssig begründet wurde. Dieser Verdacht ist anhand der Ermittlungsergebnisse auch nicht nachvollziehbar.“

Auch die Annahme, dass der Beschwerdeführer einer Vereinigung Vermögenswerte überlassen hätte, ist vor dem Hintergrund des Umstands, dass er selbst der Empfänger der als verdachtsbegründend angeführten Spende durch Brenton Tarrant war, eine reine Mutmaßung.“

Keine Anhaltspunkte für Abgaben- und Steuerhinterziehung

Im März ordnete die Staatsanwaltschaft Graz auch erneut die Sicherstellung von Bankguthaben auf acht Konten der Identitären-Vereine sowie weiteren Konten von Martin Sellner und Patrick Lenart an. Die Staatsanwaltschaft zweifelte konkret die Gemeinnützigkeit der Vereine an und behauptete, die Identitären hätten vorsätzlich Abgaben und Steuern im Wert von mindestens 100.000 Euro hinterzogen. Zuletzt fügte die Staatsanwaltschaft zur Begründung auch die Ermittlungen gegen Sellner in Zusammenhang mit Tarrant an.

Das Gericht äußerte sich nun auch zum Finanzstrafverfahren deutlich: „Nach dem aktuellen Verfahrenstand gibt es aber auch keinen hinreichenden Anhaltspunkt dafür, dass Martin Sellner oder Patrick Lenart in die gerichtliche Zuständigkeit fallende Finanzvergehen begangen hätten.“

Überdies lasse sich dem letzten Beschluss zur Kontobeschlagnahme nicht einmal entnehmen, weshalb auch Konten von Lenart beschlagnahmt wurden. Denn das Erstgericht stützte die Beschlagnahme in diesem Fall auf den gegen Sellner angenommenen Verdacht des Verbrechens der terroristischen Vereinigung.

Wenige Wochen zuvor bekundete bereits das Bundesministerium für Finanzen in einem Zwischenbericht, welcher der Tagesstimme ebenfalls exklusiv vorliegt:

Die vom BVT in seinem 13. Anlassbericht vom 21. Mai 2019 festgestellten Auszahlungen von ‚attraktiven Gehältern können aus den vorgelegten Unterlagen bzw. der vom Steuerberater durchgeführten und übermittelten Lohnverrechnungen nicht nachvollzogen werden.‘

Sollte die Gemeinnützigkeit der Identitären-Vereine aberkannt werden, beliefe sich die nachzuzahlenden Abgaben für alle sieben Jahre des Bestehens auf 1. 250 Euro. Das Gericht stellte nun auch fest, dass 1.250 Euro nicht einmal in Ansätzen den Betrag von 100.000 übersteigen, den es für eine Ahndung und damit für eine gerichtliche Zuständigkeit aber bedürfe. Überdies wäre die Anklagebehörde nicht einmal „darauf eingegangen, welcher der angeführten Beschuldigten in den einzelnen Fällen überhaupt Abgabepflichtiger ist“.

Identitäre entlastet?

Die jüngsten Entscheidungen und deutlichen Worte des Oberlandesgerichtes entlasten die Identitären von allen Vorwürfen, die öffentlichkeitswirksam gegen sie erhoben wurden. Auch wenn die Maßnahmen der Grazer Staatsanwaltschaft nun aufgehoben wurden und sämtliche rechtswidrig erlangten Erkenntnisse vernichtet werden müssen, laufen die Verfahren weiter.


Die Tagesstimme wird die Verfahren auch weiterhin ausführlich begleiten und die Leser vollumfänglich über die Vorgänge informieren. Die jüngsten Entscheidungen zeigen deutlich, wie wichtig die Arbeit der Tagesstimme ist, wenn alle etablierten Medien versagen.

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Gesellschaft

Kabarettist Dieter Nuhr sieht Meinungsfreiheit bedroht

Joshua Hahn

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Nuhr 2017): Euku via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Nachdem der Kabarettist Dieter Nuhr mit seinen Witzen über Greta Thunberg und Fridays for Future bei den verschiedensten Parteien angeeckt hatte, äußerte er sich nun in einem Interview über die Bedrohung der Meinungsfreiheit.

Düsseldorf. – Im Interview mit der „Rheinischen Post” erklärte Nuhr, dass er die Meinungsfreiheit für eingeschränkt halte. Der Kabarettist bemängelte darin, dass in der heutigen Zeit Argumente generell ihren Stellenwert in der Gesellschaft verloren hätten. So gehe es in vielen Fällen nicht mehr um den Austausch von Argumenten, sondern um den simplen Gebrauch von „Symbolbegriffen“. Generell werde nicht zuletzt bei Wortgefechten im Internet der Andersdenkende „nicht mehr respektiert“ – in vielen Fällen werde er eher „als Feind betrachtet“. Verantwortlich für die mangelhafte Diskussionskultur im Internet sei vor allem die vorherrschende Anonymität. Ohne dass es Folgen hätte, könne man den Gesprächspartner beschimpfen, meint Nuhr.

„Sowohl von Klimaaktivisten als auch von AfD“

Mitverantwortlich für die eingeschränkte Meinungsfreiheit seien laut Ansicht Nuhrs jedoch nicht nur Klimaaktivisten, wie im Fall des Shitstorms als Antwort auf seine Witze über Fridays for Future und Co. Vielmehr habe seiner Meinung nach auch die AfD eine Mitschuld an der Veränderung der Debattenkultur. So sieht Nuhr „links wie rechts Bestrebungen, die Freiheit einzuschränken“. Hier sei Vorsicht geboten, denn auch von Seiten der AfD gebe es seiner Ansicht nach „beunruhigende Demokratierelativierungen“. 

Zuletzt warf der Kabarettist dem linken Politiker Martin Sonneborn (Die PARTEI) „totalitäre Tendenzen“ vor, als dieser Nuhrs Verbannung aus den öffentlich-rechtlichen Medien forderte – Die Tagesstimme berichtete.

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