Verbinde Dich mit uns

Meinung

Freiheitlicher Ehrenkodex’ soll FPÖ-Mandatare auf Linie halten

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Bild (Mölzer 2014): Welt Atlas via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Der Vorschlag für einen Ehrenkodex hält fest, dass freiheitliche Politik „dem Wohl der Bürger und des Gemeinwesens” zu dienen habe – nicht der „Bereicherung der politischen Akteure”. Was sich gut anhört, stellt sich bei genauer Betrachtung als Nebelgranate heraus.

Kommentar von Julian Schernthaner

In der Woche nach dem deutlichen Wahlfiasko bleibt kein Stein bei den Freiheitlichen auf dem anderen. So will die Partei in Zukunft „jünger und moderner” werden, helfen sollen dabei zwei Arbeitsgruppen – Die Tagesstimme berichtete. Es geht aber auch um die Schaffung neuer Verhaltensregeln – und es ist kein geringerer als FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer, der nun einen sogenannten „Ehrenkodex” als Denkanstoß liefert.

Witz ums innerparteiliche Ehrenamt

Vorstellen will Mölzer seine Ideen am Freitag in seinem Zweiwochenblatt Zur Zeit. Ein Vorschlag unter vielen: führende Parteifunktionen in allen Gebietskörperschaften sollen sämtlich Ehrenämter sein. Mehrfach-Funktionen, etwa in Land und Bund, sind tabu, eine politische Karriere auf drei Legislaturperioden begrenzt. Auch eine dreijährige Parteimitgliedschaft samt Absolvierung eines Schulungsprogrammes wären Voraussetzungen, ein freiheitliches Mandat ausüben zu können.

Seine Begründung fürs Ehrenamt: Funktionäre hätten oft ohnehin bezahlte politische Mandate inne. Aber: Es gibt in Österreich gar kein einheitliches Gesetz, welches Mindestbezüge auf Lokalebene festlegt. Oft bekommen Lokalpolitiker einen feuchten Händedruck, ein Gemeinderat in einer Tiroler Kleinstgemeinde etwa kann für seine Tätigkeit maximal 580 Euro erhalten. Gleichzeitig kann man verhindern, dass lästige Quereinsteiger alte Parteihasen ausstechen – eigentlich das Gegenteil einer Neuaufstellung.

Unklarheit zu Berufstätigkeit und Bezahlsperre

Nur zum Schein schafft hier die Koppelung an einen beruflichen Aspekt Abhilfe: So sollen freiheitliche Mandatare über eine Berufsausbildung verfügen und auch während ihres Mandats einen Beruf ausüben. Hört sich zwar gut an – gerade für die Jugend bringt dies allerdings keine Planungssicherheit; gerade vor dem Hintergrund, dass ein blaues Parteibuch in vielen Branchen keine Türen öffnet. Man muss sich jahrelang doppelt aufopfern – und ob es sich auszahlt, hängt völlig am Erfolg der Gesamtpartei an der Wahlurne.

Eher öffnet es die Tür für die Söhne irgendwelcher Parteigranden. Sie können einfach während eines Studiums die Schulungen absolvieren – und dann gleich bei der Partei verdienen. Denn die Sperre für bezahlte Funktionen zugunsten naher Verwandter von Mandataren betrifft nur stets dieselbe Ebene. Je ein Mitglied einer Familie könnte jeweils auf Gemeinde, Landes- und Bundesebene ordentlich absahnen – gleichzeitig emporkommende Brüder aus einem Bauerndorf müssten sich aber quasi „ausschnapsen”, wer von beiden für die Partei hauptberuflich Impulse setzen kann.

Der Schwindel um den Sozialfonds

Von einer gewissen Abgehobenheit zeugt auch die Überlegung, das politische Gehalt sei zudem maximal auf jenes eines Abgeordneten im Nationalrat zu beschränken. Denn dies gilt nur, wenn deren Funktion nicht mit einem Berufsverbot für Nebenbeschäftigungen einhergeht. Ein zahnloser Tiger, der hauptsächlich Klubobleute, Nationalratspräsidenten und Volksanwälte trifft – denn Funktionsgehälter summieren sich nicht und fast nur Mitglieder von Landes- und Bundesregierungen haben neben ihrer Politfunktion ein Berufsverbot.

Somit wäre die Anzahl jener, welche in den „FPÖ-Sozialfonds” einzahlen müssen, wohl an einer Hand abzuzählen. Selbst dann ist unklar, welche Zwecke oder Personengruppen profitieren sollen. Die Vorstellung, hohe Parteigänger würden damit patriotische Medien und Zivilgesellschaft oder zumindest heimische Familien in Not finanzieren, ist zwar romantisch, aber unwahrscheinlich. Was Spesenkaiser freiwillig nicht tun und die Partei in ihrer Gesamtheit nicht ernsthaft betreibt, kann ihnen immerhin auch kein Ehrenkodex vorschreiben.

Spesenkontrolle als untaugliches Feigenblatt

Apropos Spesen – dafür soll es keine Pauschalen mehr geben, sondern müssen Parteigremien bewilligen und exakte Abrechnung ist vonnöten. Hört sich nach den Lebemann-Enthüllungen über das Ehepaar Strache lässig an – hat aber wohl null Auswirkung. Wer die Bestimmungen dehnen will, findet immer einen Weg. Schon derzeit ist die Umgehung moralischer roter Linien eine gelebte Praxis österreichischer Innenpolitik.

Übrigens: Britische Parlamentsclubs haben bereits eine dem von Mölzer angedachten System ähnliche Praxis. Das hinderte einzelne Mandatare aber vor knapp zehn Jahren nicht, alles von Klobürsten und Binden bis hin zu Wohnhäusern ihrer Schwiegereltern als politische Ausgaben zu deklarieren. Man kann hier lediglich zur Mäßigung aufrufen und sollte einfach Partyhengste und Augenzudrücker nicht nach oben kommen lassen.

Unmachbare ‚Basisdemokratie’ als „Compliance”-Gag

Mindestens ebenso kurios ist der Vorschlag einer angeblichen „Basisdemokratie” auf allen Ebenen vor. Die Überlegung, dass von der Ortsgruppe bis zur Bundespartei stets stimmberechtigte Mitglieder oder Delegierte alle zwei Jahre ihre Funktionsträger bestimmen, ist zwar eine hehre Idee. Allerdings sind bereits heute Kampfabstimmungen möglich – aber derart selten, dass Landesparteitage in aller Regel die Spannung eines Groschenromans haben.

Schön, dass Mölzer als freiheitliches Urgestein einem „ehernen Gesetz der Oligarchie” innerhalb der Partei entgegenwirken will. Wer sich allerdings noch aufstellen lässt, wenn bald darauf eine Meuterei droht, steht aber auf einem anderen Blatt. Zumal es dem Prinzip des freien Mandats entgegen steht, es aus Parteiräson, und sei sie noch so ‚basisdemokratisch’, schwebend zur Disposition stellen zu müssen. Der parlamentarische Klubzwang wäre auch in der Ortsgruppe angekommen. Oder wie die Neu-FPÖ sagen würde: maximale „Compliance”.

Werte und Ehrenkodex: Mölzer schafft an?

Zwar soll die Nominierung für Kandidaten zu politischen Funktionen außerdem in Wahlkonventen stattfinden, welche allen Parteimitgliedern offen stehen. Allerdings freilich erst, nachdem die Kandidaten den Ehrenkodex unterzeichnen, drei Jahre lang die Schulungen der historisch eng mit Mölzer verwobenen Parteiakademie durchlaufen haben und sich zu zehn von Mölzer bestimmten freiheitlichen „Ewigkeitswerten” bekennen.

Einzig diesen kann man wenig entgegensetzen, denn sie sind Gemeinplätze wie Bekenntnis zu Souveränität von Republik und Verfassung, zum freiheitlichen Rechtsstaat sowie zu Freiheit und Selbstbestimmung. Und wenigstens „Bekenntnis zur Erhaltung der österreichischen Identität” wäre demnach unverrückbar. Vorausgesetzt natürlich, man tut dies in den Gebietskörperschaften und stößt nicht an anderen Akteuren an. Denn alles im patriotischen Lager, was nicht seinen Sanktus hat, ist ja sowieso eine „Sekte”.

Eine Abschrift des ‚Ehrenkodex’-Entwurfs kann hier heruntergeladen werden.

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    4. Oktober 2019 at 0:42

    Werte und Ehrenkodex: Mölzer schafft an?”
    Warum nicht?
    Dort, wo alle Verantwortung zusammenläuft, muss der Hausherr auch das Sagen, sprich einer das letzte Wort haben damit Ruhe im Bau oder die Aktion des Rauswurfs eines verrückten Huhns auch einen Anker hat.

  2. Avatar

    Peter Hofmueller

    4. Oktober 2019 at 18:22

    Stadler bei „Puls 4” TV Diskussion warf Mölzer Spesen „Rittertum” vor!Was jetzt?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meinung

SPÖ-Politikerin nützt Hanau für billigen Angriff auf patriotische Medien

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Die Instrumentalisierung des fürchterlichen Amoklaufs von Hanau will auch eine Woche später nicht aufhören. Für die innenpolitische Sprecherin der SPÖ, Sabine Schatz, ist es sogar ein Anlass, wieder einmal gegen patriotische Medien vom Stapel zu lassen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Ja, sie hat es wieder getan. Weil irgendein Verrückter in einem anderen Land zur Waffe greift und Personen mit Migrationshintergrund erschießt, wird das ganze patriotische Lager in Geiselhaft genommen. Im Fall von Sabine Schatz heißt das, sie widmet sich wieder einmal ihrem Intimfeind: der patriotischen Publizistik. Diesmal zielt sie insbesondere auf die beiden oberösterreichischen Medien Info-DIREKT und Wochenblick ab. Das ganze ist ein durchschaubares Manöver, die Gegenöffentlichkeit mit absurden Anschuldigungen aus der Geltung zu bringen.

Der billige Schuss auf patriotische Medien

Freilich, die ganze Sache kommt nicht von ungefähr. Bereits im bundesrepublikanischen Meinungsmacher-Irrsinn hatten sich einige Elemente der veröffentlichen Meinung nicht nur auf die AfD eingeschossen. Der Spiegel-Miteigentümer Jakob Augstein ging einen Schritt weiter und wetterte auch gegen Mitbewerber. Er machte Thilo Sarrazin, Henryk Broder und Roland Tichy verantwortlich, diese seien „Wegbereiter der Gewalt”, welche die „Verrohung des Diskurses” vorangetrieben hätten. Ein Amoklauf wurde also zum freien Schuss gegen jene, welche die Lücken schließen, die auch das eigene Relotius-Medium hinterlässt.

Nun hat die Debatte die österreichische Politik erreicht. Denn Sabine Schatz, erinnerungspolitische SPÖ-Sprecherin aus Oberösterreich, will allen Ernstes vom Innenminister wissen, ob der mutmaßliche Täter von Hanau heimische patriotische Magazine oder Blogs konsumiert habe. Wörtlich nennt sie dabei den Wochenblick und Info-DIREKT. Sie fragt auch nach Verbindungen des kriminellen Einzeltäters zu den Identitären oder zu Burschenschaften. Diesmal völlig ohne Grundlage, Anlass oder Anfangsverdacht – sondern einfach, damit die Frage wieder einmal auf dem Tapet ist.

Schatz-Feldzug gegen freie Medien hat System

Man könnte es als hysterische Überreaktion einer Berufsempörten weglachen. In Wirklichkeit hat die Sache bei Schatz aber System. Vor anderthalb Jahren war sich die Dame nicht einmal zu schade, zu skandalisieren, dass sechs patriotische Medien, insgesamt 31,90 Euro aus einem 40.000-Euro-Topf für Google-Werbung erhielten. Besonders schlimm war damals, dass die Tagesstimme mit sagenhaften €2,72 am vermeintlich üppigen Inseratenkuchen mitgeschnitten hatte. Sie wetterte, dass das damals blaue Innenministerium „mit Steuergeld dubios-rechte Medien” finanziere. Im Fall des Wochenblick forderte sie explizit einen Inseratenstopp, der sich auf die vermeintliche Gesinnung eines Redakteurs stützte.

Das ganze wäre halb so kurios, wenn nicht gerade in Wien eine Untersuchungskommission über nebulöse Förderungen für wohlgesonnene Medien tagen würde. Dort soll das selbsterklärte Bürgerfernsehen Okto TV, dessen tägliche Seherzahlen sich im dreistelligen Bereich bewegen, neben einer Millionenförderung auch noch weitere Dienstleistungen abgerechnet haben – es gilt die Unschuldsvermutung. Abgenickt hat das dort unter anderem auch die Partei von Schatz. Aber kaum erhalten patriotische Medien eine Summe, die nicht einmal für eine überregionale Zugfahrt ausreicht, ist der Teufel los. Folgerichtig skandalisierte sie auch, dass die gesamte patriotische Publizistik 116.000 Euro von insgesamt 384 Mio. Euro an politischen Inseraten und Förderung erhielt. Wir gingen übrigens leer aus.

Es geht ihnen nur um die Deutungshoheit

Mit welchem Eifer die Gesinnungswächter dabei vorgehen, ist bemerkenswert. Seit Anfang 2018 forderte Schatz in etwa zwanzig Aussendungen mehr oder minder deutliche Inseratenverbote für patriotische Medien. Gegen den reichweitenstarken Wochenblick schoss sie nicht weniger als zwölf Mal. Info-DIREKT wurde zumindest fünf Mal zum Ziel ihrer Tiraden, Unzensuriert immerhin auch dreimal. Als sie gegen die Tagesstimme schoss, behandelte sie uns wie Voldemort und verzichtete auf eine Namensnennung. Trotzdem wiederholte sie damals eine längst widerlegte Behauptung eines berüchtigten linksradikalen Portals, das nicht in der Lage war, eine automatisierte Google-Anzeige von einem kostenpflichtigen Inserat zu unterscheiden. Bei uns gibt es tatsächlich keine Inserate, die man „stoppen” könnte.

Im Wechselspiel thematisiert Schatz dabei eine vermeintliche Nähe patriotischer Medien zu diversen FPÖ-Politikern – oder eben zu anderen Akteuren im dritten Lager. Sogar die Zeichnungen patriotischer Künstler waren bereits ein Anlass für die Kampagnenbereitschaft der Genossin. Freilich immer unter dem Deckmantel eines Kampfes gegen den „Rechtsextremismus”, der für Schatz wohl von besonders breiten Teilen der Bevölkerung befördert wird. Besonders grotesk wird dies vor dem Hintergrund, dass Schatz sich für ihre eigene politische Argumentation mitunter bei Recherchen des Kontrast-Blogs bedient. Der ist übrigens kein parteinahes, sondern ein parteieigenes Medium des SPÖ-Parlamentsklubs. Wasser predigen, Wein saufen – und eine völlige Entlarvung: Es geht ihr vor allem um eine nicht hinterfragte Deutungshoheit.

Patriotische Medien sind alle im gleichen Boot

Die Reaktion der Betroffenen folgte auf dem Fuß. Wochenblick-Chefredakteur Christian Seibert forderte bereits, dass Schatz „endlich damit aufhört, sich an der Pressefreiheit in Österreich zu vergreifen”. Und nichts anderes ist es am Ende: ein ständiger Anschlag auf die Pressefreiheit. Denn jede Behauptung, welche patriotische Medien in ein ungustiöses Licht rückt, ist eine offene Attacke auf die Existenzgrundlage von Menschen, deren einziges „Vergehen” es ist, ihre Mitbürger unter widrigsten Bedingungen möglichst breit mit Standpunkten zu versorgen, welche der gleichgeschaltete, etablierte Blätterwald ausspart. Die patriotische Publizistik ist dabei ein Mosaik unterschiedlichster Stile, Formate und auch Augenmerke: Für jeden Geschmack von Patrioten und anderen kritischen Geistern ist etwas dabei.

Bei aller Unterschiedlichkeit eint uns aber eines: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Denn die Inhaber der linksgerichteten Hegemonie wollen schlichtweg keine Gegenöffentlichkeit zulassen. Auch deshalb gilt es, zusammenzustehen und den Angriff auf andere Blätter als Katapult für einen Angriff auf das eigene Medium zu verstehen. Auch wenn wir diesmal um eine Erwähnung „herumgekommen” sind: Wenn Kollegen in der patriotischen Medienlandschaft fälschlicherweise aus heiterem Himmel der ominösen ‚geistigen Brandstiftung’ bezichtigt werden, ist das ein Auftrag, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen.


Weiterlesen: 

Kolumne: SPÖ-Schatz macht wieder Stimmung gegen patriotische Medien (22.11.2018)

Skandal: Die Tagesstimme erhielt zwei Euro aus öffentlicher Hand! (21.9.2018)

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Meinung

Instrumentalisierung in Hanau: Totalitäre Träume kommen wieder in Mode

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Nach dem fürchterlichen Amoklauf im hessischen Hanau bleiben viele Fragen offen. Nur in einem sind sich die Etablierten offenbar einig: Jeder, der auch nur ansatzweise rechts der Mitte steht, hat quasi mitgeschossen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Eigentlich kommt es nicht überraschend. Dieselben Charaktere, welche bei jedem islamistischen Anschlag zur Besonnenheit aufrufen und das Mantra des „psychisch verwirrten Einzeltäter” beten, sind nun auf den Plan gerufen, wenn wirklich einmal ein offenbar isolierter Irrer um sich ballert und ein paranoides Weltbild mit fremdenfeindlichem Einschlag besitzt. Sie instrumentalisieren, was das Zeug hält und lassen ihren Gelüsten und Wünschen freien Lauf, mit welchen Kanonen man nun auf die einzige wirkliche Opposition im Bundestag schießen möge.

Hanau: Alle beschuldigen die AfD

Sie glauben, werter Leser, ich übertreibe? Mitnichten. Dabei ist es egal, wie hanebüchen die Vorwürfe sind. Politiker verklären die AfD wieder einmal zum „politische[n] Arm des Rechtsterrorismus“ (Midyatli, SPD) oder zumindest des „Hasses” (Özdemir, Grüne). Für Ulle Jelpke, Mandatarin der mehrfach umbenannten und heute als ‚Die Linke’ agierenden SED ist sie gar „Stichwortgeber für solche rassistisch motivierten Terroranschläge”.

Das geht so weit, dass Konstantin Kuhle von der FDP – also jener Partei, die für die Empörten neuerdings auch eine Art braune Kloake ist, seitdem sich ihr Kandidaten von den „Falschen” wählen ließ, behauptet, das Manifest des irren Schützen von Hanau lese sich wie eine Rede von Gottfried Curio. Bei aller Polemik des wortgewaltigen Berliners AfD-Politikers: ich kann weißgott keine Parallelen erkennen.

SPD-Rennen um die verrückteste Äußerung

Beinahe am weitesten aus dem Fenster lehnten sich in diesen Stunden und Tagen aber schon jede Menge roter Genossen, wohl im Kampf um billiges politisches Kleingeld, wenn sonst alles im Argen liegt. Für Generalsekretär Lars Klingbeil hat die AfD in Hanau „munitioniert”. Und Karl Lauterbach aus dem äußersten Westen der Republik sieht in den Vertretern der Partei gleich „potenzielle Terroristen”.

Den absoluten Vogel schießt aber wieder einmal Ralf Stegner ab, das etwas fahle Nordlicht der Richtung Einstelligkeit trudelnden Sozialdemokratie. Er fordert ein Ende des „Lügenmärchens von Einzeltätern”. Das Netz sei „voll von rechtem Hass, Rassismus und Intoleranz”. PEGIDA, Reichsbürger, AfD, Identitäre & Co. würden die Gesellschaft „vergiften”. Freilich agiert auch er mit zweierlei Maß, wie ein Twitter-Nutzer aufzeigt:

Totalitärer Ruf nach dem Verfassungsschutz

Aber die ganze Sache wäre ja geschenkt, wenn der Deutsche in Form seiner gewählten Vertretern nicht wieder den historisch ausgeprägten Hang zum Totalitarismus ausleben ließe. Und damit meine ich jetzt keine verträumten bayerischen Könige, die sich aus Haushaltsgeldern Traumschlösser bauen. Sondern all jene Apparatschiks, welche aus der Geschichte wirklich nichts gelernt haben und Andersdenkende wieder einmal ausmerzen wollen.

So will etwa Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Vorsitz, das „Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in die Gesellschaft getragen” würde. Christian Lindner, Parteichef der vermeintlich Liberalen, will den Verfassungsschutz einschalten, ähnlich der bereits erwähnte Lars Klingbeil (SPD). Und Ruprecht Polenz (CDU) macht sich selbst alle Ehre und bemüht mal wieder Reichskanzler Wirth im Jahr 1921. Nur der Komplettheit halber: der Satz fiel erst im Juni 1922.

Auch Medien beschwören die Ausgrenzung

Wahrlich komplett wäre das Bild freilich nicht ohne die vierte Macht im Staat. Es ist ein medialer Mainstream, der den Eindruck macht, als wäre er in Deutschland längst kein Korrektiv für die Mächtigen mehr, sondern deren verlängertes Sprachrohr. So schießt Spiegel-Miteigentümer Augstein einfach einmal gegen unbotmäßige Konkurrenz, kanzelt auch sie als vermeintliche „Wegbereiter der Gewalt” ab.

Tiefe Einblicke bietet auch ein Pressespiegel des linksliberalen Standard. Er zitiert Journalisten, die einen nebulösen „Kampf gegen den Rassismus” führen wollen. In Sportvereinen und den Kirchen, in Jugendgruppen und Schulen, in Bürgerinitiativen und Betrieben müsse man angebliche „Rassisten” ausgrenzen. Andere fordern die Aufrechterhaltung eines „Sperrgürtels zur Isolierung der AfD und ihresgleichen” fordern. Im Jahr 2020 ist es also wieder schick geworden, Abweichler vollständig zu ächten.

Kein Indiz für Vernetzung

In Wirklichkeit deutet derzeit absolut kein Indiz daraufhin, dass der Täter von Hanau irgendwie vernetzt gewesen wäre. Erst recht nicht, dass ein seit offenbar seit 20 Jahren abstruse Verschwörungstheorien verbreitender Mann durch eine Partei radikalisiert worden wäre, die erst seit sieben Jahren existiert. Er war auch so Ich-bezogen, dass er sich auf keine Parteien, Gruppen, Autoren oder Ideologien beruft, die ihn inspiriert haben könnten.

Wenn überhaupt hätten die Behörden jemanden, der sich mit seinen wirren Ideen selbst einst beim Generalbundesanwalt meldete, besser am Radar haben müssen. In der Realität verschwinden dann aber auch so kleine Details wie Tötung der eigenen Mutter knapp vor der Selbstrichtung, welche eher auf einen Amoklauf als einen politischen Anschlag deuten. Im ominösen „Kampf gegen rechts” ist eben alles erlaubt – wen kümmern da ein paar unscharfe Begriffe?


Weiterlesen:

Hanau: Gauland (AfD) weist Schuldvorwürfe zurück (21.2.2020)

Hanau: Elf Tote nach Schüssen – Ermittlungen wegen Terrorverdachts (20.2.2020)

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Kultur

Andreas Hofer: Sandwirt, Volksheld und zeitloses Leitbild

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Am heutigen Donnerstag jährt sich der Todestag des bekannten Tiroler Volkshelden Andreas Hofer zum 210. Mal. Dennoch bleibt seine Geschichte stets aktuell.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Es sind die oftmals verzwickten Umstände, welche einfache Menschen zu unwahrscheinlichen Heldenfiguren machen. Die Lebensgeschichte von Andreas Hofer ist eine solche Geschichte – mit einer Strahlkraft, die bis heute anhält. In den Wirren der napoleonischen Kriege wurde der Wirt aus dem Südtiroler Passeiertal zum Anführer der kämpfenden Tiroler Schützenverbände – und lange nach seinem Tod zum Sinnbild für den Widerstand des einfachen Volkes gegen die herrschenden Zustände.

Hofer: Ein Volksheld wider Erwarten

Man möge mir als gebürtigem Tiroler den etwas schwulstige und theatralischen Einstieg verzeihen – in der heute mittelfernen Heimat ist er allgegenwärtig. Denkmäler, Straßen – ja auch die Landeshymne ist dem sanften Riesen gewidmet. Dabei deutete eigentlich nichts auf eine solche ‚Karriere’ des „Sandwirts” hin, der nach Lehr- und Wanderjahren in Welschtirol das verschuldete Familiengasthaus übernahm, zum Schützenhauptmann wurde und sich in den offenen Landtag wählen ließ.

Dann fiel Tirol nach der Niederlage Österreichs im dritten Koalitionskrieg im Jahr 1805 an die mit Napoleon verbündeten Bayern. Diese machten sich als Landesherren aber keine besonderen Freunde. Eine im tiefgläubigen Tirol höchst unbeliebte Kirchenreform trübte die Stimmung. Als das seit 1511 bestehende Landlibell, das den Tiroler Schützen zusicherte, nur zur Verteidigung der engeren Heimat einrücken zu müssen, gekippt wurde, lief das Fass über – es kam zu insgesamt vier Schlachten am Bergisel südlich von Innsbruck.

Tapfer auch im Angesicht des Todes

Am Ende des Aufstandes stand das Scheitern und ein gebrochener Anführer, der sich im Gebirge versteckt hielt. Dort wurde er schließlich von einem einstigen Getreuen verraten und kam nach Mantua, wo seine Hinrichtung bevorstand. Seine legendären letzten Worte – „Franzosen! Ach, wie schießt ihr schlecht!” – halfen, das Bild eines furchtlosen Mannes zu prägen, den auch im Angesicht des sicheren Todes mit nur 42 Jahren und trotz Frau und Kindern zuhause die Pflicht nicht verließ.

Rein inhaltlich war sein Aufstand in der Nachbetrachtung vielleicht ein fruchtloses Aufbegehren gegen Veränderungen, die kaum aufzuhalten waren. Und auch Kampfschauplätze betrafen auf beiden Seiten am härtesten das einfache Volk. Im blutig von Tirolern und Vorarlbergern unter Hofer geplünderten Allgäu etwa funktioniert die Heldengeschichte der verjagten Besatzer andersrum. Aber weitaus größer als der direkte realpolitische Effekt blieb die Symbolkraft.

Eine Geschichte, die bewegt

Andreas Hofer und sein zeitloser Aufruf – „Mander, s’ isch Zeit” – bewegen zeitlos Jung und Alt gleichermaßen. In Erinnerung an den Tiroler Aufstand wird jeder zum Patrioten mit Herzblut. Zum Landesfestumzug zum 200. Gedenken kamen 70.000 Tiroler. Die Dornenkrone als Zeichen der schmerzvollen Teilung Tirols wurde damals mit Rosen bestückt. Nur einzelne Unkenrufe von den Grünen, die in Hofer eine Art Taliban sehen wollten, trübten die allgemeine Erinnerung.

Aber nicht nur in der engeren Heimat wurde er zum gefeierten Volkshelden. In zahlreichen Städten in Österreich erinnert man mit Straßen und Plätzen des bärtigen Hünen aus dem Passeier. Und selbst im katholischen Irland rezipierte man seine Geschichte. Der frühe irische Nationalismus instrumentalisierte das Vorbild eines einfachen, katholischen Mannes vom Land, der sich gegen verhasste Besatzer auflehnt.

Ein Leitbild, das zu begeistern vermag

Was bleibt, ist also ein Symbol für Generationen, auch 210 Jahre danach. Und vielleicht ein klein bisschen der Wunsch von Patrioten jeder Zeit, dass sich Männer vom Kaliber Hofers, Speckbachers oder Haspingers unter uns befinden, sich – friedlich, aber bestimmt – von deren Beispiel leiten lassen, und sich für die Verteidigung von Heimat und Tradition einsetzen.

Zu Mantua in Banden, der treue Hofer war – und im widerständigen Andenken jener, die nach ihm kommen lebt sein Opfer weiter. Vielleicht auch deshalb, weil er seinen Zeitgenossen zufolge immer bodenständig blieb und somit genauso gut einer von uns sein könnte. Im tapferen Herzen ist er es ohnehin schon lange. Und mit ihm sein Land Tirol.

Ihnen gefällt dieser Artikel? Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weitermachen und die Menschen in unserem Land aufklären!

Oder klassisch per Überweisung:
Verein für unabhängige Medien‐ und Informationsarbeit
IBAN: AT066000080310238922
BIC: BAWAATWW

Weiterlesen

Journalismus für Patrioten

Die Tagesstimme ist Journalismus für Patrioten! Wir sind unabhängig und ausschließlich unseren Lesern verpflichtet. Um die Menschen im Land aufzuklären, brauchen wir allerdings Ihre Hilfe.

Verein für unabhängige Medien- und Informationsarbeit
IBAN: AT06 6000 0803 1023 8922
BIC: BAWAATWW

Paypal: [email protected]

Oder » hier Förderer werden! «

Werbung

Schwerpunkt

Werbung

Beliebt