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Gesellschaft

Uni Innsbruck: Weiter Wirbel um umgestaltetes Ehrenmal

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Für laufende Diskussionen sorgt weiter die Entscheidung der Universität Innsbruck, das Ehrenmal vor ihrem Hauptgebäude durch einen Aktionskünstler neu interpretieren zu lassen.

Innsbruck. – Die Leopold-Franzens-Universität (LFU) feierte am 15. Oktober den 350. Jahrestag ihres Bestehens. Zu diesem Zweck will die Hochschule ihre eigene Geschichte zunehmend kritisch betrachten. Teil dieser Bestrebungen ist eine provokante Umgestaltung des 1926 errichteten Denkmals zu Ehren der im ersten Weltkrieg gefallenen Uniangehörigen.

Proteste gegen „Intervention” von Aktionskünstler

Die vom gebürtigen Vorarlberger Wolfgang Flatz, einem umstrittenen Aktionskünstler, inszenierte „Intervention” legte dem hoch über dem Vorplatz thronenden Adler eine weiße Rose zu Füßen. Außerdem affichierte man über die jeweils an einer Seite prangenden Worte „Ehre – Freiheit – Vaterland” die Vokabel „Welche” in Sprayer-Optik um dies zu hinterfragen.

Diese neue Darstellung sorgt bei patriotischen Akteuren an der LFU seitdem für großes Unverständnis. Bereits am Samstagnachmittag nahmen mehrere Studentenverbindungen vor dem Uniportal Aufstellung, um gegen diesen Affront zu protestieren. Darunter befanden sich Chargierte einer fakultativ schlagenden und dreier pflichtschlagender Verbindungen.

Ehrenmal als zentrales Element der Gedenkkultur

An den Protesten nahmen unter anderem Aktive der Landsmannschaft Tyrol, der Universitätssängerschaft Skalden und der Akademischen Burschenschaft Brixia teil, sowie gut 30 Sympathisanten der Kundgebung. Nahe des Denkmals fand sich zudem eine Abordnung augenscheinlich linker bis linksradikaler Studenten in ähnlicher Größenordnung ein – samt eines Banners mit der Aufschrift „I Bims die Antifa vong Widerstand her” und teilweise Fahnen kurdischer Milizen. Unter den Gegendemonstranten kam es zur Feststellung von Identitäten wegen Störens einer Versammlung.

Das Ehrenmal gilt in Innsbruck auch als zentrales Element korporierter Gedenkkultur. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich bei den verewigten Worten um den Leitspruch der Jenaer Urburschenschaft von 1815 handelt. Zudem erinnert das Denkmal seit 1984 bzw. 1990 auch per Zusatztafeln an die NS-Widerstandskämpfer der „Weißen Rose” – Christoph Probst studierte teilweise in Innsbruck – sowie an zwei ehemalige Studenten, welche bei politischen Wirren in El Salvador zu Tode kamen.

Befreiung der Wissenschaft von Popularitätszwängen”

Der Hauptredner der Burschenschaft Brixia sprach über die Werte, welche sowohl das Ehrenmal als auch Studentenverbindungen als deren Verteidiger ausmachen würden. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf den Wert der „Freiheit”. Er erinnerte, dass diese im wissenschaftliche Diskurs zusehends abhanden käme, weil man sich nach Popularitätswerten richte während Forscher, welche zu gegenteiliger Erkenntnis zur vorherrschenden Meinung kämen, schnell auf „Schwarzlisten” landeten.

Als Waffenstudenten fordere man daher „ganz klar eine Befreiung der Wissenschaft von manipulativen Popularitätszwängen”. Es gelte sich auf „Vernunft statt Emotionen” zu besinnen sowie nach der Wahrheit zu streben – „auch wenn diese manchen nicht passen mag”. Auch die „mit Zwangsbeiträgen” von allen Studenten finanzierte Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) wolle mit „Auflösungsfantasien für Studentenverbindungen” die Freiheit einschränken.

RFS-Walch kritisiert „Bruch mit der Geschichte”

Am Mittwoch schloss sich auch Fabian Walch vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) den Kritikern an. In einer Aussendung kritisierte er neben der „provokanten Installation” auch den „Bruch der Universität mit ihrer Geschichte”. Er fragt sich, welche Probleme die Universität mit den Begriffen „Ehre – Freiheit – Vaterland” habe: „Will die Universität behaupten, dass wir in einer ehrlosen Republik leben? Will die Universität behaupten, dass wir eine unfreie Demokratie haben? Und woher bezieht die Universität ihre Gelder, wenn sie das Vaterland leugnen will?”

Für ihn stünde ‚Freiheit’ für jene Freiheitsrechte, für die „freiheitliche Studenten zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kämpften”. Diese seien „Grundfeste unseres demokratischen Gemeinwesens”. Man beobachte „mit Sorge” dass sich die Universität instrumentalisieren lasse. Dadurch gerate dass „besonders die Meinungsfreiheit massiv unter Druck”. Man schäme sich, dass die Uni „eine Brutstätte für linksextremistisches Gedankengut” und „Rekrutierungsreservoir für zerstörerische Politströmungen” werde. Die Universität sähe wortlos zu und entehre sich damit selbst.

Walch: Blutverschmierte Schrift ist „Verschandelung”

Einigen Elementen der Neugestaltung kann Walch etwas abgewinnen: die weiße Rose als Widerstandssymbol findet er „gelungen und stimmig”. Gleichzeitig frage er sich, wieso diese ausgerechnet am „historisch völlig unbelasteten Ehrenmal” ihren Platz fände. Bei der blutverschmierten Schrift hingegen handle es sich um „eine einzige Verschandelung”.

Zur Frage nach dem Vaterland weist Walch auf die wechselhafte Geschichte der Universität. Gleichzeitig sei klar, dass diese „unsere Heimat Österreich” meine. Auch die Anerkennung, dass man Teil des deutschen Sprach- und Kulturraumes sei und zur europäischen Völkerfamilie gehöre widerspreche dem nicht. Die Universität scheine dies hingegen negieren zu wollen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Aktionskünstler

    17. Oktober 2019 at 16:16

    Heißt das, ich darf auch der Mona Lisa ihr Lächeln übermalen?!

  2. Avatar

    Zickenschulze

    18. Oktober 2019 at 14:22

    Übrige Worte – übrige Werke.
    Wer mit Blut spielt, badet einmal in Blut.

    Wie kann man nur zu solchen Aktionen schreiten? Da stimmt doch was in der Birne nicht.

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Gesellschaft

Wien-Ausschreitungen: Erste Tatverdächtige bereits ausgeforscht

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

Im Zuge der Ermittlungen zu den Ausschreitungen in Wien-Favoriten wurden bereits mehrere Tatverdächtige ausgeforscht. Auch erste Rädelsführer seien schon so gut wie identifiziert.

Wien. – Am Freitag haben Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) und der Wiener Landespolizeivizepräsident Franz Eigner in einer gemeinsamen Pressekonferenz über den aktuellen Ermittlungsstand anlässlich der Ausschreitungen in Wien-Favoriten berichtet.

Gemeinsamer Nenner: Migrationshintergrund

Demnach gab es insgesamt 30 Anzeigen gegen Unbekannt, ein Drittel der Tatverdächtigen sei bereits ausgeforscht. Laut Eigner handle es sich bei allen Verdächtigen um ausländische Staatsbürger oder österreichische Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Die meisten von ihnen seien Türken, aber auch Afghanen und Syrier seien dabei gewesen. Bei acht Personen habe man Straftaten „eindeutig” zuordnen können, hießt es bei der Pressekonferenz.

Den Angaben Eigners zufolge hätten die Tatverdächtigen ihre Gewalttaten mit Frustration, dem türkisch-kurdischen Konflikt und Revierkämpfen begründet.

Innenminister Nehammer hatte bereits vor einigen Tagen Spekulationen befeuert, wonach der türkische Geheimdienst Einfluss auf die Proteste genommen habe. Bei der Pressekonferenz betonte er, es gebe den Verdacht, dass Versammlungen „ausgespäht und dokumentiert” wurden. „Das macht in Österreich normal nur die Polizei. Hier sind wir mitten in den Ermittlungen”, berichtete der Innenminister.

Hintergründe

Im Zuge von linksextremen Kurden-Kundgebungen Ende Juni, bei denen auch Fahnen aus dem PKK-Umfeld gezeigt wurden, war es wiederholt zu Provokationen und Übergriffen von hauptsächlich jugendlichen Türken gekommen. Einige von ihnen zeigten den in Österreich verbotenen „Wolfsgruß”, das Zeichen der nationalistischen und vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften „Grauen Wölfe”. Die Konfliktpartei auf der anderen Seite bestand hauptsächlich aus kurdischen PKK-Sympathisanten, aber auch türkische Kommunisten und österreichische Antifa waren dabei. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die beiden Gruppen auseinanderzuhalten.

Nach Ende der ersten beiden Kundgebungen kam es darüber hinaus zu türkischen Angriffen auf das linksautonome Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), da sich Kurden und Antifa in ein dort befindliches Vereinslokal zurückgezogen hatten.

Während der mehrtägigen Proteste gab es zahlreiche Anzeigen und Festnahmen, zudem mehrere Verletzte, darunter auch Polizisten und ein linker kurdischer Journalist.

Mehr zum Thema:

PKK & Konsorten: Das waren die linksextremen Demos in Wien-Favoriten (09.07.2020)

Analyse: Was wollen die Grauen Wölfe eigentlich? (03.07.2020)

Ausschreitungen in Wien: Nehammer fordert Türkei zu Deeskalation auf (30.06.2020)

Wien: FPÖ bringt Misstrauensantrag gegen Bürgermeister Ludwig ein (29.06.2020)

Ausschreitungen in Wien: Regierung will Hintermänner ausforschen (28.06.2020)

Wien: FPÖ-Chef Nepp fordert Rücktritt von grüner Vizebürgermeisterin (27.06.2020)

Türkische Community reagiert auf Ausschreitungen in Wien-Favoriten (26.06.2020)


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Gesellschaft

PKK & Konsorten: Das waren die linksextremen Demos in Wien-Favoriten

Redaktion

Veröffentlicht

am

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Wien-Favoriten rücken die türkischen „Grauen Wölfe” in den Fokus der medialen Berichterstattung. Doch es lohnt sich auch ein Blick auf die Gegenseite: Dort tummelt sich fast unbeachtet ein Mix aus kurdischen PKK-Anhängern, linksextremer Antifa und Organisationen aus dem Umfeld militanter türkischer Kommunisten.

Wien. – Im Zuge von linksextremen Kurden-Kundgebungen Ende Juni, bei denen auch Fahnen aus dem PKK-Umfeld gezeigt wurden, kam es wiederholt zu Provokationen und Übergriffen von hauptsächlich jugendlichen Türken. Einige von ihnen zeigten den in Österreich verbotenen „Wolfsgruß”, das Zeichen der nationalistischen und vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften „Grauen Wölfe”. Die Konfliktpartei auf der anderen Seite bestand hauptsächlich aus kurdischen PKK-Sympathisanten, aber auch türkische Kommunisten und österreichische Antifa waren dabei. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die beiden Gruppen auseinanderzuhalten.

Festnahmen und Verletzte nach Ausschreitungen

Nach Ende der ersten beiden Kundgebungen kam es darüber hinaus zu türkischen Angriffen auf das linksautonome Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), da sich Kurden und Antifa in ein dort befindliches Vereinslokal zurückgezogen hatten.

Während der mehrtägigen Proteste gab es zahlreiche Anzeigen und Festnahmen, zudem mehrere Verletzte, darunter auch Polizisten und ein linker kurdischer Journalist.

Grüne Vizebürgermeisterin bei Antifa-Demo

Nach den türkischen Angriffen auf das EKH mobilisierte die Wiener Antifa-Szene zu mehreren Protestkundgebungen. Am 26. Juni nahm auch Wiens Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) an einer solchen teil. Dafür erntete sie auch prompt Kritik von der FPÖ: „Wenn sich kriminelle Antifa-Migranten und islamistische Erdogan-Fanatiker gegenseitig die Köpfe einschlagen und eine Vizebürgermeisterin dabei mitmarschiert, dann ist sie in ihrem Amt nicht mehr tragbar. Bürgermeister Ludwig muss Hebein sofort aus ihrer Funktion entlassen”, forderte etwa FPÖ-Landeschef Dominik Nepp.

Die Vizebürgermeisterin verteidigte hingegen ihren Besuch. Sie habe aus Solidarität an der Kundgebung teilgenommen, erklärte Hebein in einer Sondersitzung des Gemeinderates. Die Angriffe seien von „faschistischen Gruppierungen” gekommen. „Die Grauen Wölfe sind eine faschistische Gruppierung”, so Hebein. Die Grünen-Politikern wies außerdem darauf hin, dass sie die Polizei über ihre Teilnahme in Kenntnis gesetzt habe. Die Exekutive habe auch gewusst, wann sie die Demonstration wieder verlassen habe.

Solidarität mit PKK und Linksextremen?

Doch mit welchen Netzwerken zeigte sich Vizebürgermeisterin Hebein überhaupt solidarisch und inwiefern war ihr bewusst, welche Szene sie hier unterstützt?

Wenn man sich die Bilder von den verschiedenen Demonstrationen ansieht, zeigt sich die anfangs bereits erwähnte Mischung aus PKK-Anhängern, türkischen Kommunisten und Antifa. Die Tagesstimme hat einen Teil der gezeigten Fahnen und Symbole der vergangenen Kundgebungen in Wien-Favoriten dokumentiert und die Hintergründe der dazugehörigen Organisationen kurz zusammengefasst:

Öcalan und die PKK

Einige Fahnen auf den Demonstrationen zeigten ganz eindeutig Solidarität mit PKK-Gründer Abdullah Öcalan. Bei der PKK („Partiya Karkerên Kurdistan”) handelt es sich um eine militante kurdische Untergrundgruppe, die in den USA, in der EU und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Ziel der PKK war zu Beginn eine kommunistische Revolution und die Gründung eines eigenen kurdischen Staates. Von Anfang an bekämpfte die PKK den türkischen Staat mit allen Mitteln. Der bewaffnete Konflikt forderte bisher über 30.000 Todesopfer auf beiden Seiten. In den 1990er-Jahren wurden zudem mehr als 800 Zivilisten von der PKK ermordet.

Öcalan selbst ging aber auch innerhalb der PKK gegen Dissidenten und vermeintliche Verräter vor und gab direkte Mordbefehle. Seit 1999 befindet er sich in der Türkei in lebenslanger Einzelhaft. Bis heute wird er von PKK-Anhängern verehrt. Die Öcalan-Fahne ist wohl außerdem als Ersatz für die verbotene Fahne der PKK, deren „Serok” (Führer) er ist, zu verstehen.

Freedom for Öcalan”-Fahnen am 27.06.2020. Quelle: Screenshot Facebook

„Antifa Enternasyonal”

Bei den Kurden- und Antifa-Protesten war die „Antifa Enternasyonal”-Fahne ebenfalls fixer Bestandteil. Die Fahne ist eine Abwandlung der kurdischen KCK-Fahne. Nur statt des roten Sterns in der Mitte prangt auf dieser Fahne (wohl auch aus rechtlichen Gründen) das Logo der linksextremen Antifa.

Bei der „Koma Civakên Kurdistan” (KCK) handelt es sich nicht nur um eine Dachorganisation für alle Kurden in der Türkei, im Irak, Iran und in Syrien. Sie ist eine Nachfolgeorganisation der PKK und in der Folge von Umstrukturierungen innerhalb der Organisation entstanden. Auch die KCK untersteht weiterhin der – zumindest symbolischen – Führungsfigur Öcalan.

Die Verschmelzung von Antifa- und PKK-Fahnen ist auch deswegen interessant, weil hier das Andocken heimischer Linksextremisten an eine linksextreme Befreiungsbewegung im Nahen Osten zu sehen ist. Während viel vom islamistischen Tourismus in die syrischen Kriegsgebiete gesprochen wird, gibt es eine kaum wahrgenommene Rotation von Antifa-Aktivisten zu kämpfenden Einheiten der Kurden-Miliz YPG. Dort lernen sie Umgang mit Waffen und Sprengstoff und werden an der Front eingesetzt. Von deutschen Linksextremisten ist klar, dass sie hier dabei sind, es ist aber unbekannt, ob sich Österreicher ebenfalls schon nach Rojava (Nordostsyrien) aufgemacht haben. Unklar ist auch, ob und wie viele Kurden als Untergrundkämpfer zwischen Österreicher und der Türkei sowie Nordsyrien pendeln.

Fixer Bestandteil der linksextremen Proteste. Hier am 26. Juni 2020 in Wien: „Antifa Enternasyonal”-Fahne. Quelle: Screenshot Twitter

Zum Vergleich: Die originale KCK-Fahne. Roter Stern statt Antifa-Symbol. Quelle: Wikipedia

Fahnen der syrischen Kurden-Miliz YPG/YPJ

Weiters aus dem militanten PKK-Umfeld stammen die YPJ- und YPG-Fahnen, die bei den verschiedenen Kundgebungen in Wien zahlreich zu sehen waren. Die „Yekîneyên Parastina Gel” (YPG) ist eine bewaffnete kurdische Miliz in Syrien, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Die Fraueneinheit der Miliz heißt „Yekîneyên Parastina Jin” (YPJ).

Aus Sicht der Türkei ist die YPG nämlich Teil der PKK,  die in Rojava über eine „befreite Zone” verfügt und damit auch als Hinterland für PKK-Terroristen fungiere. Im Gegensatz zur PKK erhält die Gruppe jedoch Unterstützung von den USA, weil sie in Syrien gegen den IS kämpft.

Übrigens: Grund für die bei Linken immer nur „Frauendemonstration” genannten ersten Demo in Wien-Favoriten war die Tötung von drei linken „kurdischen Aktivistinnen”, die laut YPJ „viel zur Revolution beigetragen haben”, bei einem Drohnenschlag der türkischen Armee in Syrien. Interessant dabei ist, dass die Wiener Kundbegung nicht als einzelne Veranstaltung zu sehen ist, denn an verschiedenen Orten in Europa fanden gleichzeitig Demonstrationen statt (etwa in Duisburg und Köln) – auch ein Hinweis auf die Stärke und Vernetzung des PKK-Netzwerkes in Europa.

Kundgebung am 26. Juni 2020. Es wurden auch Fahnen der bewaffneten kurdischen Frauenmiliz YPJ gezeigt. Quelle: Screenshot Twitter

Türkische Kommunisten

An den Protesten nahmen aber nicht nur Kurden und österreichische Antifa, sondern auch türkische Kommunisten teil. Das zeigen die vielen roten „Partizan”-Fahnen bei den Kundgebungen.

„Partizan” blieb nach der Spaltung der in der Türkei verbotenen linksextremen „Türkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninsten” (TKP/ML) übrig. „Ihr Ziel ist bis heute die gewaltsame Zerschlagung des türkischen Staates zur Errichtung einer ‚demokratischen Volksregierung’ ”, heißt es im Bericht des baden-württembergischen Verfassungsschutzberichtes 2019. In der Türkei verfügt der „Partizan”-Flügel über eine „bewaffnete Frontorganisation”. Außerdem gehören die Linksextremen – gemeinsam mit der PKK – dem Zusammenschluss der „Vereinten Revolutionären Bewegung der Völker” (HBDH) an.

Die „Türkische Arbeiter- und Bauernbefreiungsarmee“ (TİKKO) gehört ebenfalls zum „Partizan”-Flügel der TKP/ML. Quelle: Screenshot YouTube

Außerhalb der Türkei agiert der „Partizan”-Flügel jedoch vielmehr über Tarn- und Nebenorganisationen. Der deutsche Verfassungsschutz zählt hierzu die „Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa“ (ATİK), die „Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland e.V.“ (ATİF), die Jugendorganisation „Neue Demokratische Jugend“ (YDG) und die Frauenkommission „Neue Frau“ (Yeni Kadin).

All diese Gruppen agieren laut Sicherheitsbehörden in Deutschland gewaltfrei. Statt Militanz setzt man in Westeuropa auf politische Agitation und Unterstützung der eigenen Anhänger und Sympathisanten bei Veranstaltungen und Demonstrationen. „Die Tarnorganisationen der TKP/ML beschränken sich hierzulande im Wesentlichen auf die Werbung neuer Mitglieder und auf die Realisierung propagandistischer Aktionen”, heißt es in der Broschüre „Türkische Linksextremisten und ihre Organisationen in Deutschland”, herausgegeben vom deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz. Ähnliches lässt sich auch für Österreich feststellen.

Bei den Demonstrationen  in Wien waren auch „Partizan”-Fahnen stark vertreten. Quelle: Screenshot Facebook

Kundgebung am 26. Juni 2020. Fahnen der YDG und Yeni Kadin Quelle: Screenshot Facebook

ATIGF-Fahnen

Unter den Teilnehmern fand sich auch die „Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich” (ATIGF) ein. In Wien hat der Verein seinen Sitz im linksextremen Ernst-Kirchweger-Haus (EKH). ATIGF ist darüber hinaus im oben genannten kommunistischen Dachverband „Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa (ATIK) organisiert.

Kundgebung 25.06.2020. Rote ATIGF-Fahnen. Quelle: Screenshot Twitter

„Föderation für demokratische Rechte in Österreich”

Zu den Protesten in Wien-Favoriten aufgerufen hat weiters die „Föderation für demokratische Rechte in Österreich” (ADHF), die dem Umfeld der linksextremen „Maoist Komünist Partisi“ (MKP) zuzurechnen ist, welche wiederum aus der TKP/ML entstand. Laut deutschem Verfassungsschutz handelt bei den verwandten Gruppen wie dem Dachverband „Konföderation für demokratische Rechte in Europa“ (ADHK), der „Föderation für demokratische Rechte in Deutschland e. V.“ (ADHF) sowie der Jugendorganisation „Socialist Youth Movement“ (SYM) um Tarnorganisationen der MKP.  Zwar treten auch diese Gruppen in Deutschland und Österreich nicht militant auf, laut Angaben der deutschen Behörden nutzen sie ihre Arbeit jedoch für Propagandaaktivitäten und zur Sammlung von Spendengeldern.

Die Wiener ADHF teilte den Aufruf zur Antifa-Kundgebung. Quelle: Screenshot Facebook

Die MKP propagiere – wie auch der „Partizan”-Flügel – einen nach maoistischem Vorbild geführten bewaffneten „Volkskrieg”. Damit soll eine „demokratische Volksrevolution” herbeigeführt werden, um eine kommunistische Gesellschaftsordnung in der Türkei zu etablieren, schreibt das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz. Als Guerillagruppen verfügt die MKP in der Türkei über die „Volksbefreiungsarmee” (HKO) und die „Partisanen Volkskräfte” (PHG). Die MKP unterhält ebenfalls beste Kontakte zur kurdischen PKK und ist wie der „Partizan”-Flügel Teil der „Vereinten Revolutionären Bewegung der Völker” (HBDH).

Freundliche Grüße von der MKP. Quelle: Screenshot YouTube

DIDF Wien

Bei den Kundgebungen in Favoriten mit an Bord war zudem auch der Wiener Ableger der „Föderation der Demokratischen Arbeitervereine” (DIDF). 2007 wurde die DIDF vom deutschen Verfassungsschutz noch als linksextremistisch eingestuft. In den aktuellen Berichten wird die deutsche Gruppe jedoch nicht mehr erwähnt.

Türkei-Konflikt in Wien

Die türkische Klientel in Wien-Favoriten hat die Demonstrationen anhand der dort gezeigten Fahnen offensichtlich als Sympathiekundgebungen mit in der Türkei aktiven Terrorgruppen wahrgenommen. Diese Provokation verschwindet allerdings medial hinter den Bezeichnungen von „Frauendemo” und „Antifaschisten”. Vor allem das Auftreten der PKK-nahen Organisationen erinnert an den Bürgerkrieg in der hinteren Türkei, der von beiden Seiten mit großer Härte geführt wird.

Die Wiener Vizebürgermeisterin wiederum, die selbst aus der linksradikalen Szene kommt  (siehe Volxtheaterkarawane) und die nicht das erste Mal wegen einer fragwürdigen Demo-Teilnahme in den Schlagzeilen stand, dürfte nicht überrascht gewesen sein, wen sie hier vor Ort traf. Die Stadt Wien scheint manche dieser Organisationen sogar indirekt zu unterstützen, indem sie das linkextreme Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), wo diese Gruppen teils beheimatet sind, über den Fonds Soziales Wien finanziert.

Mehr zum Thema:

Nehammer: Sonderkommission prüft ausländischen Einfluss auf Demos (05.07.2020)

Analyse: Was wollen die Grauen Wölfe eigentlich? (03.07.2020)

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Wien: FPÖ bringt Misstrauensantrag gegen Bürgermeister Ludwig ein (29.06.2020)

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Wien: FPÖ-Chef Nepp fordert Rücktritt von grüner Vizebürgermeisterin (27.06.2020)

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Gesellschaft

Rigaer Straße: Nächste Razzia in der linksextremen Szene

Stefan Juritz

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Bei den Durchsuchungen in der Rigaer Straße 94 geht es um Körperverletzung und Urkundenfälschung. 200 Polizisten waren im Einsatz.

Berlin. – Am Donnerstagmorgen hat die Polizei das Zentrum der linksextremen Szene in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain durchsucht. Die Maßnahmen stehen laut Angaben der Polizei „im Zusammenhang mit begangenen Straftaten einzelner Personen”.

Körperverletzung und Urkundenfälschung

Laut deutschen Medienberichten, die sich u.a. auf die Nachrichtenagentur dpa berufen, gehe es bei den Ermittlungen in einem Fall um eine gefährliche Körperverletzung. Im Januar 2020 sei eine Polizistin mit einem Laserpointer geblendet worden und habe eine Augenverletzung davongetragen. Im anderen Fall stehe der Verdacht der Urkundenfälschung mit dem Ziel der widerrechtlichen Bereicherung im Raum.

„Die heutigen Durchsuchungsmaßnahmen sind ein wichtiges Signal des Rechtsstaates. Auch die Rigaer Straße 94 darf kein Symbol zur Legitimation von Gewalt oder ein rechtsfreier Raum sein. Wer Menschen mit einem Laserpointer blendet, nimmt schwerste Verletzungen in Kauf und begeht eine schwere Straftat. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden”, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP).


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