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Meinung

AfD am Scheideweg (II) – Alternative & Muslime

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Symbolbild (CC0)

Die Verächtlichmachung des Fremden ist die Schwäche des Eigenen. So waren etwa in den vergangenen Jahren chauvinistische Umtriebe primitiver und niederträchtiger Natur gegen eine höchst heterogene Religionsgruppe zu vernehmen.

Kommentar von Kemal Cem Yilmaz

Merkwürdigerweise öfter aus denjenigen alternativen Kreisen, die gemeinhin als „gemäßigt“ gelten. Sicher, auch unter den Wirtschaftsliberalen und Freiheitlichen in der AfD gibt es hochkarätige und höchstanständige Geister, deren Arbeit essentiell für die Partei ist. Mit ihrer langjährigen professionellen Erfahrung in der Politik oder an den Universitäten, und ihrem faszinierenden und ansteckenden Idealismus, diesem Brennen für die Bundesrepublik als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat, sind Köpfe wie Hartwig oder Meuthen der unverzichtbare Mörtel, der jeden weiteren Baustein des Projekts „BRD-Volkspartei-21” auf solide Weise zu einem stabilen Element des Ganzen bindet. Sie sind das Unterpfand für die Legitimität dieser Partei, weil ihre Biografien die eigentlichen Leuchttürme der Idee von 1949 sind. Sie sind der Bundesrepublik reines Gewissen.

Stressabbau für angestaute Selbstzweifel?

Wohl wahr, im Grunde sind es folglich auch sie, denen am meisten Schaden zugefügt wird durch ebenso wirtschaftsliberal-freiheitlich auftretende Kläffer, deren eigentliches Anliegen beim politischen Engagement eine Art Frustabbau sein dürfte. Als Stresssack zum Entladen angestauten Selbstzweifels haben in der Regel Muslime und ihre wirklichen oder vermeintlichen Unsitten herzuhalten. Während das Suggerieren von Muslimen als Hundewelpenvergewaltiger oder Sklavenhändler den Gipfel der Geschmacklosigkeit erklimmen, belegt die Forderung nach einem Schächtverbot den traurigen Spitzenrang in der heutzutage leider nicht nur bei Grünen beliebten Kategorie „peinliche Doppelmoral“. Die in vielen AfD-Parteizentralen griffbereiten Israelfahnen schützen offenbar vor Torheit nicht. Sich zum Verteidiger jüdischen Lebens aufspielen und gleichzeitig das Schächten verbieten wollen – das glauben einem ja nicht mal die Juden in der AfD.

Von Höcke und seinem engen Umfeld hat man weder derlei verächtlichmachende, ethisch unvertretbare Vermengungen, noch solch staatspolitisch dilettantische und in sich unschlüssige Positionierungen gehört. Der unzeitgemäße, manchmal auch kitschige Pathos und der natürliche Selbsterhaltungswille, für die der Flügel steht, werden von den etablierten Medien gerade deshalb zu einem protofaschistischen Szenario phantasiert, weil man nichts mehr fürchtet als eine ernsthafte, staatspolitisch verantwortungsvoll auftretende Kraft für eine unausweichliche, radikale und zukunftssichernde Politikkorrektur, die man sich selbst teilweise im linken Spektrum doch eigentlich so wehr wünscht, aber eben zu feige und labil ist, für sie einzustehen. So wird dann nicht darüber gesprochen, dass der Flügel z.B. hoch verschuldeten Staaten der sogenannten Dritten Welt die Schulden erlassen will und Vorschläge für eine nachhaltige, vernünftige Entwicklungshilfe und Kooperation unterbreitet. Stattdessen müssen die immer selben vier, fünf Zitat-Fetzen von Herrn Höcke, um hunderte Seiten an Ideen, Anträgen, Schriften und Programmen, dutzende Stunden hervorragender Landtagsreden und Vorträge zu überschatten, damit die Bevölkerung vor der äußerst differenziert und vernünftig agierenden Politikerpersönlichkeit Höcke ja geschützt werde. Man ist sich nach Jahren nicht einmal zu blöd, einen falschen Vornamen zu verwenden und dieses billige Mobbing irgendwie witzig zu finden.

Die „Gemäßigten“ und „Liberalen“, die seinerzeit nicht nur den Ausschluss Höckes aus der Partei befürworteten, sondern auch verantwortlich sind für tatsächlich entmenschlichende Aussagen oder Plakate gegen Fremde, werden dabei geschmeidig außen vor gelassen. Vor diesen z.T. V‑Mann-reifen Sonderlingen scheint man sich nicht zu fürchten, da man weiß, dass ihre vulgären Ergüsse nicht mehrheitsfähig sind und ihre feindliche Haltung gegenüber dem im Osten so erfolgreichen sozialpatriotischen Ansatz der eigenen Partei den etablierten Eliten und Altparteien letztlich dienen.

Zwischen Patrioten- und Muslimen-Bashing

Die Parallelen zwischen dem Patrioten-Bashing des Mainstreams und dem Muslimen-Bashing dieser glücklicherweise immer unbedeutender werdenden Islamophoben-Clique in der AfD sind unübersehbar. In beiden Fällen wird durch unredliche Entkontextualisierungen und rein diffamatorische Bildsprache versucht, eine vielschichtige und in sich heterogene Gruppe von Menschen vom Diskurs auszuschließen, sie zum per se Inakzeptablen zu deklarieren.

Wenn die Junge Freiheit „Menschenrechtler: Erdogan ‚reinigt’ Türkei von Christen“ titelt, ohne zu erwähnen, dass die heutige Regierung mehr als alle Vorgängerregierungen für die Restaurierung und Wiederbelebung christlicher Kirchen und Gemeinden in der Türkei getan hat, ohne davon berichtet zu haben, dass syrische Christen die Operation der Türkei in Nordsyrien und die Befreiung von der US-YPG/PKK-Herrschaft begrüßt haben; oder wenn Martin Sellner den eindeutig linksliberal-globalistischen Grünen-OB von Hannover, Belit Onay, in Verbindung zu türkischen Nationalisten oder Islamisten zu bringen versucht; dann sind dies zwar die subtileren, aber nicht weniger fatalen Erscheinungen des Irrtums, den Ursprung allen Übels in einem christlich-islamischen Kulturkampf auszumachen und jede weitere Einordnung diesem Paradigma zu unterwerfen. Diese Differenzierungsinkonsequenz führt allerdings zu einer falschen Freund-Feind-Analyse und folglich zu einer falschen Gesamtstrategie.

Es ist bezeichnend für die Apologeten des konstruierten Kulturkampfes, dass sie die Mainstreamberichterstattung über muslimische Staaten, insbesondere über die vom Westen sich stetig emanzipierende Türkei, vorbehaltlos hinnehmen und ohne zu hinterfragen für eigene, sich selbst widersprechende Argumentationsmuster nutzen, während sie die Darstellung des eigenen patriotischen Spektrums in denselben Medien zurecht aufs Schärfste kritisieren und anprangern. Der Doppelstandard beim Anlegen der eigenen Maßstäbe degradiert den neu aufkeimenden Patriotismus in Deutschland dann aber leider nur zum Spielball liberalistischer Instanzen, denn die Ursache für die Zersetzungserscheinungen des Abendlandes bilden nicht der Islam oder die Muslime, sondern der entgrenzende, alles in sich vereinnahmende neoliberale Globalismus.

Die Überfremdung durch muslimische Bevölkerungsgruppen ist das Symptom eines missratenen Verständnisses von Freizügigkeit. Ohne diese Einsicht und den daraus resultierenden realpolitischen Notwendigkeiten wird man nie ein Spielbestimmer werden können, der einen substantiellen patriotischen Wandel zu gestalten vermag, sondern lediglich als weiteres Rädchen wider Willen der dekadenten Selbstauflösungsmaschinerie dienen.

Die muslimische Welt, die nach über 100 Jahren des Leids und Elends ohne innere Führungsnation nun auch noch erstmals in ihrer Geschichte die Schmach erlebt, dass ihre eigenen Bevölkerungen in christliche Länder fliehen, ist nicht als Bedrohung für das christliche Abendland zu verstehen, sondern als dessen notwendiger Kooperationspartner zur Beendigung der Auflösung jeglicher gewachsener Ordnung. Die Auflösung der eigenen Ordnung als Folge unzulässiger Eingriffe in fremde Ordnungsräume und die gegenwärtigen Verschiebungen in der geopolitischen Tektonik, die eine historische Chance für beide Sphären bieten, sollten unbedingt erkannt und korrekt analysiert werden.

Seite an Seite gegen Globalismus

Moderne nationalkonservative Politik kann dann sehr erfolgreich sein, wenn sie auf Ausgleich, respektvollen Umgang und Kooperation auf Gundlage des gemeinsamen Interesses der Bewahrung von überlebensnotwendigen Traditionen und Kulturräumen, dem Erhalt von stabilen, aus sich selbst heraus entstandenen Nationen setzt. Kulturräume freilich, die seit jeher nie starr abgegrenzt sind voneinander, sondern ineinander übergehen und einander bedingen, wie die Pole eines Magneten. In einer digitalisierten und globalisierten Welt dürfen identitäre politische Bündnisse nicht an den Grenzen Europas haltmachen. Das eigene Eigene und das fremde Eigene stehen heute Seite an Seite gegen die globalistische Zersetzungs- und Ausbeutungsagenda.

Sellners Mantra von der ethnischen Wahl wird, bezogen auf Deutschland, in Zukunft kaum mehr haltbar sein. Die Altparteien werden für identitätsbewusste und konservative Muslime mit deutscher Staatsbürgerschaft kaum mehr wählbar sein, da sie außenpolitisch die Souveränität und Stabilität in den Herkunftsländern der meisten Muslime zu untergraben versuchen. Die Risse in der Gesellschaft vollziehen sich nicht nur innerhalb des eigenen Volkes, sondern grundsätzlich zwischen nationalstaatsbewahrenden und nationalstaatsverneinenden Haltungen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit oder Ethnie. Die Nationalstaatsverneiner („Anywheres“) stehen ziemlich geschlossen zusammen, während die „Somewheres” ein heilloses Durcheinander präsentieren. Und mitnichten gehören alle Muslime zu den „Anywheres”, auch wenn sie zum Teil seit Generationen in der Fremde leben. Die ethnische Wahl wird sich daher entweder zur Nichtwahl oder zur Haltungswahl wandeln.

Gemeinsame Interessen

Eine halbe Millionen muslimischer Wähler in Deutschland warten eigentlich nur auf ein Zeichen der Annäherung durch die AfD. Jeder von diesen potentiellen passdeutschen AfD-Wählern würde mindestens zwei weitere autochthone Deutsche dazu bringen, mutig ihr Kreuz bei der Alternative zu machen. Wenn die AfD wirklich Volkspartei werden will, dann wäre sie gut damit beraten, einen nicht unkritischen, aber doch fairen und respektvollen Umgang mit den Muslimen zu pflegen. Es gibt keinen rationellen Grund, das Übermaß an gemeinsamen Interessen mit der Mehrheit der Muslime den mit staatspolitischer Weitsicht und Klugheit durchaus lösbaren kulturellen Konflikten unterzuordnen.

Eine AfD, die gerecht, differenziert, kooperationsbereit und respektvoll mit Muslimen und muslimischen Staaten umgeht, wird die Überfremdung in Deutschland stoppen und die erforderlichen Massen für einen fundamentalen Politikwechsel in Deutschland für sich gewinnen können. Eine AfD, die weiterhin mit Pauschalisierungen und Ressentiments hantiert, wird letztlich an sich selbst scheitern. Staatstreue und rechtschaffene Muslime sind die natürlichen Verbündeten der Patrioten in Deutschland. Alles andere ist falscher Ideologismus.

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Z

    27. November 2019 at 19:45

    Top Text!

  2. Avatar

    Gerd Soldierer

    28. November 2019 at 23:55

    Dann halten wir doch fest wer staatstreu u.rechtschaffen ist, warum umschreiben Sie es nicht ?
    Glauben kann jeder an was er will, träumt er von der Ausbreitung u. Machtergreifung des Islam, dann ist er treu u. rechtschaffen im Sinne Mekkas, für Europa ist er das nicht.
    Herr Yilmaz, zeigen Sie doch Muslimen wie sie die Zwangsjacke des politischen Islam ablegen.

  3. Avatar

    Backstage

    2. Dezember 2019 at 13:10

    Vielen Dank, Herr Yilmaz, für diesen wichtigen Text. Ein ungemein wohltuender, weil um Ausgleich ringender Beitrag, der zu beidem, als Mensch zu selbstkritischen und als Deutscher zu selbstbewussten Nachdenken anregt. Ihre Deutung der islamischen Weltals „Kooperationspartner zur Beendigung der Auflösung jeglicher gewachsener Ordnung” erscheint mir allerdings als zu kurz bzw. als zu naiv gedacht. Denn davon abgesehen, dass Sie, entgegen ihrer Einführung des Islam als höchst heterogene Religionsgruppe hier nun doch wieder eine einheitliche „islamische „Welt” etablieren: ob sich der Islam, oder besser, der Teil des Islams, der ihn dann offiziell repräsentieren wird: ob dieser Islam sich damit zufrieden gibt, dem deutschen Patriotismus lediglich „Kooperationspartner” zu sein? Sie, Herr Yilmaz, als gebildeter und im Sinne des Westens kultivierter Mensch, repräsentieren mitnichten den täglich erlebbaren Islam – auch nicht den liberalen. Das doch recht auffällige „Selbstbewußtsein” des Moslems im Alltag mag Ihnen persönlich – und das beweist mir ihr Text – fremd sein. Aber auch Sie wissen, dass es sich um ein absolutistische Weltanschauung handelt, die naturgemäß ihre ganz eigene Psychologie mit sich bringt. Und Merkmal dieser Psychologie ist nicht nur ein übersteigertes Selbstwertgefühl, sondern im Grunde der Seele auch die bloße Angst (vor Ausschluss, vor Ehrverlust, letztlich vor dem Schicksal des Kuffar). Keine Gruppe, die von einer Mehrheit der moslemischen Mitbürger Deutschlands politisch unterstützt wird, wird die Kraft und den Mut aufbringen, grundsätzlich z.B. die Scharia als integralen Bestandteil des Islams aufzugeben. Das Absehen vom eigenen Deutungs- und Handlungsmonopol bildet aber die Vorrausetzung für jede fruchtbare Kooperation. Und Ordnung, was verstehen Sie darunter? Ja, in Sachen Moral kann der Islam einer allzu modernen Gesellschaft tatsächlich auf die Sprünge helfen – rein theoretisch betrachtet… Aber Ordnung in einer modernen Gesellschaft umfasst doch mehr. Und das sich zeigende Bild in der Öffentlichkeit, in den Statistiken der Arbeitsämter und den kriminalistischen Behörden zeigt doch – bitte verzeihen Sie mir den Sarkasmus – sehr deutlich, wie viel der „islamischen Welt” an deutscher Ordnung gelegen ist. „Chauvinistische Umtriebe primitiver und niederträchtiger Natur”? Mehrheitlich wo und von wem? Und ob es„Islamophobie” als pathologisches (Massen-)Phänomen unter den Einheimischen überhaupt gibt? Keine Frage, Angst und Bange kann einem vor vielem werden in dieser Zeit. Aber es zeigt sich der Islam nun einmal auch im 21. Jahrhundert noch als archaische Religion, als der immer noch fruchtbare Schoß eines bedenklichen Egobewusstseins. Welchen Inhalt sie auch immer hat: Angst ist in den seltensten Fällen unbegründet oder krankhaft. Persönlich und von Herzen wünsche ich Ihnen alles Gute!

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Meinung

Patrioten an die Unis: Der Kampf um die Köpfe ist endlich eröffnet!

Julian Schernthaner

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ASDF Die Teilnehmer des gestrigen Gegenprotestes geben die Losung aus. Bild: Florian Köhl via Twitter [Einzelgenehmigung]

Am gestrigen Dienstag spielten sich an Wiener Universitäten zweierlei hochpolitische Geschehnisse mit hoher Symbolkraft ab.

Kolumne von Julian Schernthaner

Student sein, wenn die Veilchen blühen” – so beginnt die erste Strophe eines beliebten Studentenliedes aus dem Jahr 1906. Und die Veilchen blühten – zumindest bildsprachlich in Form eines blauen Auges – einem im Keim erstickten linksradikalen Protest an der TU Wien. Die Maiensonne der Folgezeile glüht zwar noch nicht – aber sie war an diesem Tag dafür einem ins Kreuzfeuer geratenen heimatverbundenen Professor vergönnt, weil die patriotische Zivilgesellschaft sich tatkräftig und präsent solidarisierte.

Linksradikaler Uni-Protest gerät zum Fiasko

Zuerst war da eine Besetzung des Bündnisses „Uns reicht’s”. In wehmütiger Erinnerung an verblasste Forderungen der letzten Generation linker Studenten vor zehn Jahren wollten sie der einstigen Mitstreiterin Maurer einen Katalog hehrer Anliegen für die Regierungsverhandlungen mitgeben und bis zur Durchsetzung nicht weichen. Die bekannteste Anzweiflerin heimischer Kultur sitzt bekanntlich gerade mit Kurz’ Türkisen am Tisch, um an einer grün-schwarzen Regierung zu schmieden.

Kaum am Ort des Geschehens angelangt, war die Revolution aber schon wieder abgesagt. Denn die Essenslieferung – wohl nicht nur bei Stürmung von Tagebauen ein Menschenrecht für konformistische Rebellen – wurde unterbunden. Gar üble blaue Gewerkschafter hingegen, die brachten den bösen Polizisten eine Schnitzelsemmel. Volle Mägen studieren nicht gut, leere Mägen protestieren eben noch schlechter.

Linkes Entsetzen über patriotische Solidarität

Auf Diskursangebote der Unileitung ging man in gewohnter moralischer Überhöhung aber nicht ein. Letztendlich kam es zur Räumung des Festsaales und Lippenbekenntnissen des Rektorats, die Anliegen ja ohnehin selber zu teilen. Tags darauf könnte der Kater nicht größer sein, weil der avisierte Sturm auf die Bastille unter dem Hashtag #wiederbrennen wie so viele ‚angekündigten Revolutionen’ wie ein Teelicht verpuffte.

Umso größer ist das Entsetzen allerdings bei Gesinnungsgenossen aller gesellschaftlichen Strata, von der ÖH-Antifa-Referentin bis zu mit Schimpf und Schand vom Souverän aus dem Parlament komplimentierten linken Ex-Politikern wie Peter Pilz, aber aufgrund eines anderen Umstandes. Denn an der traditionsreichen Uni Wien wohnten gar schröckliche patriotische Studenten einer Vorlesung eines nicht-linken Professors bei. Ja, dürfen die das denn?

Starkes Zeichen ist nur Etappensieg

Während die Krawallbrüder der vergangenen Wochen dort dank Mithilfe des dortigen Rektorats – man stellte Wachleute ab – keinen Zutritt fanden, um die Vorlesung des patriotischen Historikers Höbelt ein drittes Mal zu kapern, war dieselbe bis auf den letzten Platz gefüllt. In einem Zeichen von Solidarität quer durchs patriotische Lager erteilte man den Ansinnen linker Gesinnungswächter, jeden Widerspruch von heimischen Universitäten zu tilgen, eine klare Absage.

Und kein Schäumen vor dem Mund kann diesen Etappensieg patriotischer Zivilgesellschaft an österreichischen Hochschulen rückgängig machen. Aber es bleibt nur ein Etappensieg. Denn bloß weil man ein Zeichen setzt, sich die eigenen Leut’ nicht auf Zuruf aus der Uni schießen zu lassen, bleibt diese ja trotzdem weiter fest in linker Hand – vom Personal bis hin zu den Studentenvertretungen.

Hegemonie nur mit Strategie angreifbar

Damit der Aufbruch vom Dienstag zum Fanal werden kann und kein letztes Aufflackern eines Feuers ist, braucht es Strategie. Jeder Patriot muss danach streben, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu bilden. Auch darf man es nicht länger scheuen, in heute scheinbar brotlose, aber für die Hegemonie zentrale Studien zu strömen: Die einstige Flucht in die Naturwissenschaften verzögerte den Verfall eigener Präsenz dort lediglich um eine Generation.

Gleichzeitig braucht es auch den diese Woche gezeigten Mut – vom kleinen Studenten bis ins Parlament. Man muss sich gewiss werden: In der Sache ist man unverrückbar – Personal, Positionen und eigene Traditionen sind nicht verhandelbar. Unser Liedgut ist kein Skandal, der Schmiss des Freundes kein Schandmal und die Verfechtung einer konservativen Meinung auch im „progressivsten” Fach nicht Spinnerei, sondern Beständigkeit.

Fackel patriotischer Freigeister weitertragen!

Was Jahrzehnte selbstverständlich war, war es am Dienstag plötzlich wieder. Es war gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht all jener, welche glauben, mit allerhand Anbiederung zu verhindern, dass Torwächter des Diskurses die Torpfosten verschieben können. Der kleine Gegenprotest vom Dienstag hat diese Selbstverständlichkeit an einem Abend mehr zurückgebracht als jedes Zugeständnis an die Inhaber der Deutungshoheit in naiver Hoffnung auf Plätze am Katzentisch in Jahrzehnten.

Dieses Zeichen von fünfzig widerständigen Geistern hat jedes Potenzial, die patriotische Begeisterung wieder auf den Campus – und letztlich in die Gesellschaft zu tragen. Ein kleiner Schritt für das dritte Lager am langen Weg zurück in die Institutionen. Dieser braucht Zeit, Mut und Präsenz. Letztere beide scheinen seit gestern in Ansätzen zurückgekehrt. Hoffen wir, dass es kein Strohfeuer war und tragen die Fackel patriotischer Freigeister früherer Generationen Schritt um Schritt zurück in den akademischen Betrieb! Oder wie ein gestriger Teilnehmer ganz richtig ankündigt: „Wir kommen wieder.”


Weiterlesen:

Nach Antifa-Protesten: Patriotische Studenten zeigen Solidarität mit Höbelt (11.12.2019)

Uns reicht’s”: Studenten besetzten Festsaal der TU Wien (11.12.2019)

Kolumne: Die Universität darf kein rechtsfreier Raum werden! (4.12.2019)

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Deutschland

Benedikt Kaiser: „Die AfD darf keinen Schritt Richtung FDP 2.0 gehen”

Redaktion

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am

von

ASDF Bild: Benedikt Kaiser

Die Tagesstimme sprach mit dem deutschen Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser über den vergangenen Bundesparteitag der AfD. Kaiser gab seine Einschätzung zu den personellen Veränderungen ab und sprach über den „Flügel”, die Unvereinbarkeitsliste sowie wichtige programmatische Weichenstellungen für die Zukunft der AfD.

Die Tagesstimme: Die medialen Reaktionen auf den vergangenen AfD-Bundesparteitag fielen sehr unterschiedlich aus. Die einen sprachen von einem Rechtsruck und einem Sieg des „Flügels“, die anderen von einer Niederlage des „Flügels“. Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Kaiser: Weder noch, oder besser: sowohl als auch. Die Stellungen des „Flügels” wurden gehalten bis zementiert; man kann in keiner Weise mehr ignoriert oder gar abgetrennt werden. Aber zugleich hat man – trotz Rückenwind durch die drei Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg – die Repräsentanz des Ostens und des „Flügels” entgegen legitimer Erwartungen und naheliegender Hoffnungen nicht stärken können.

Der Bundesvorstand bleibt trotz der relativ schwachen Ergebnisse der Westverbände in seiner Mehrzahl westdeutsch und liberal dominiert anstatt ostdeutsch und solidarisch-patriotisch (wo man jeweils spielerisch die 20-Prozent-Marke überschritt). Für mich als externen und kritisch-wohlwollenden Beobachter ist aber eines besonders erfreulich: Die Befürworter einer Rolle rückwärts zur neoliberalen und transatlantischen Lucke-AfD von 2015 wurden eindrucksvoll abgestraft. Drei der vier Vertreter dieses Kurses, die von der Wochenzeitung Jungen Freiheit wesentlich gestützt wurden, sind nicht in den Parteivorstand gekommen oder flogen, sofern sie bereits drin waren, raus. Die Partei hat sich für Ruhe und Ausgleich entschieden. Das ist, gegenwärtig, zweifellos korrekt. 

Die Tagesstimme: Braucht es den „Flügel“ in der AfD überhaupt?

Kaiser: Auch hier kann ich nur als Außenstehender antworten. Meines Erachtens muss alles Tun und Handeln in einer Partei fortwährend geprüft werden. Nie darf etwas statisch oder zum Selbstzweck werden. Es geht ja um mehr als um Vereinsmeierei und Fraktionsbildung. Der „Flügel” hat in der Geschichte der AfD Großartiges geleistet. Er hat verhindert, dass die Partei zu einer FDP plus Islamkritik wurde und kämpft aktiv gegen jene, die weiterhin danach trachten, aus der Alternative ein bloßes Korrektiv zu machen. Aber: Alles hat seine Zeit, alles hat seine Verortung in einem konkreten Rahmen. Ohne jetzt irgendwie für eine Auflösung des „Flügels” zu plädieren – dazu wäre es zu früh, die Basis braucht ihn – würde ich mir wünschen, dass die vernünftigen Leitwölfe bei allen Erfolgen auch konstant selbstkritisch prüfen: Wo stehen wir, was müssen wir ändern, wie können wir etwa jene erreichen, die inhaltlich aufgeschlossen sein mögen, aber sich aus Gründen fernhalten? 

Die Tagesstimme: Wird sich mit Tino Chrupalla auch die Ausrichtung der AfD verändern? Und wie sehen Sie den neuen Co-Vorsitzenden der AfD?

Kaiser: Ich begrüße Chrupallas Wahl, sehe hier aber keine Ausrichtungsänderung. Chrupalla ist als sächsischer AfD-Politiker das Gesicht einer ostdeutschen AfD: volksnah, solide, ehrlich. Man darf nicht vergessen, dass die sogenannten „neuen Bundesländer” viel weniger akademisch und bürgerlich geprägt sind als der Westen. Mit allen entsprechenden Folgen. Da beispielsweise das Bürgertum in Deutschland in den letzten Jahren vor allem grün gepolt ist, der Osten hingegen – aus historischen Gründen – weniger bürgerliche Schichten beheimatet als der Westen, haben die Grünen Ostdeutschlands kaum organische Wachstumspotentiale jenseits von Leipzig, Potsdam oder Jena. Die AfD, als großer Gegenspieler der Grünen, kann hier demgegenüber ganz anders agieren und entsprechende Erfolge erzielen. Ostdeutschland ist, wertfrei, das Land der kleinen Leute. Umso konstruktiver und authentischer ist es da, wenn der Vertreter des Ostens an der Parteispitze einer von hier ist, mit entsprechender Vita, mit entsprechender bodenständiger Ausstrahlung. Aber: Er wird viele Prüfsteine vor sich finden, und er braucht innerparteilich starke Partner. Ansonsten wird er zum Getriebenen. 

Die Tagesstimme: Der im Vorfeld angekündigte Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde beim Parteitag schließlich doch nicht eingebracht. Aus Ihrer Sicht die richtige Entscheidung?

Kaiser: Ich halte die Unvereinbarkeitsliste für ein Relikt schlechterer Tage. Aber das Relikt abzutragen: Das wäre rein strategisch kein Coup, sondern eine unnötige Schlachtfelderöffnung. Also: Lasst die Liste, wo sie ist, aber trefft vor Ort, in den einzelnen Kreis- oder Landesverbänden, die richtige Entscheidung im Einzelfall. Und: Ich würde mir wünschen, dass die Überläufer aus Altparteien kritischer geprüft werden. Denn es gibt kein Unvereinbarkeitsdiktum für Christdemokraten, um ein Beispiel anzuführen. Aber die Akteure mit entsprechendem Background sind oft eine größere Gefahr als geläuterte Veteranen eines prononciert rechteren Kurses, die zudem politisch oftmals etwas für die Heimat wagten, als es dafür keine Posten und Gelder, sondern noch mehr Ablehnung, noch mehr Hass, noch mehr Unbill gab. Wo waren da, also vor 2015, all die Christdemokraten, die nun alternativ wirken wollen? Ehemalige Altpartei-Protagonisten, die jetzt auf den Zug aufspringen, bringen in die junge AfD ihre Verhaltensweisen mit, ihre Weltbilder, ihre oftmals großbürgerliche Klassenpolitik. Das ist gefährlich für eine Kraft, die eine dynamische Volkspartei werden muss mit Integrationspotential quer zu den bisherigen Lagern. Daher: Mehr Wachsamkeit in Richtung der Überläufer aus der sogenannten Mitte! Dort droht mittelfristig die eigentliche Gefahr für eine Alternative, die mehr sein will als nur eine Reserveelite der bestehenden falschen Elite. Das heißt freilich nicht, dass alle Neuzugänge aus CDU, CSU und Co. abzulehnen sind. Aber man sollte eben die kritische Aufmerksamkeit auch dorthin lenken. Alles andere wird ohnehin durch die Vertreter der Unvereinbarkeitsliste ferngehalten. 

Die Tagesstimme: Die Personalentscheidungen auf Bundesebene wurden nun getroffen. Mit welchen inhaltlich-programmatischen Fragen muss sich die AfD in den kommenden Monaten auseinandersetzen?

Kaiser: Nun, ich erlaube mir diesbezüglich auf meine Parteitagsanalyse bei sezession.de zu verweisen und halte folgende Standpunkt fest: Erstens müsste sich die AfD von jedem Schritt in Richtung einer FDP 2.0 fernhalten und marktliberale Positionen – und zwar einerlei, wie man politisch-ideologisch zu ihnen steht – wenigstens auf einer strategischen Analyseebene als das begreifen, was sie sind: ein Garant für ein ewiges Dasein als Klientelpartei im Bereich von 4 bis 12 Prozent. Das reicht dann womöglich für die Rolle eines koalitionären Anhängsels, eines die Union und FDP leicht korrigierenden Juniorpartners in Wartestellung,  bringt uns aber nicht näher in Richtung der grundlegenden Wende für unser Land. Man muss an allen Fronten zulegen, um mehr als 10, 15 Prozent erzielen zu können! Die Sozialdemokratie taumelt, die Linkspartei verrät ihre Stammwähler, die Union kämpft um den bloßen Machterhalt. Man kann also ausgreifen in alle Richtungen, wenn man das klassische Lagerdenken überwindet und entlang einer sozialen und patriotischen Ausrichtung verschiedene Schichten anspricht. 

Zweitens müsste sich die AfD von dem selbstgewählten Dogma befreien, man gewönne Wahlen von rechts durch Vergötzung „wohlstandsbürgerlicher” Milieus. Diese wählen überwiegend seit 1949 den Block des nichtlinken Establishments, votieren also wirtschaftsliberal in christ- und freidemokratischen Variationen, und sind damit – mehr als jede linke Gruppe in der Geschichte der BRD – hauptverantwortlich für die Situation, wie wir sie heute vorfinden und weshalb die Alternative für Deutschland überhaupt erforderlich wurde.

Drittens sollte die AfD verinnerlichen, dass die nominell größte Partei in Deutschland jene der Nichtwähler ist. Die Alternative hat, in Ost wie West, bereits Stück für Stück Teile dieses Blocks gewonnen und hat hier, nach übereinstimmender Meinung in der Forschung, weiteres Wachstumspotential. Dieses gewaltige Reservoir an Unzufriedenen, Abgewandten und Nichtrepräsentierten ist der mögliche „Game Changer” im zu betretenden Raum neuer Machtoptionen. Der „Solidarische Patriotismus”, also die Einbettung patriotischer Denkweisen in ein soziales und gemeinschaftsbezogenes Grundverständnis, könnte der Türöffner sein.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Zur Person:

Benedikt Kaiser ist Jahrgang 1987 und studierte in Chemnitz Politikwissenschaft mit europaspezifischer Ausrichtung (M. A.). Sein Forschungsschwerpunkt gilt den Faschismus- und Totalitarismus-Studien, der geopolitischen Lage in der Levante sowie dem Themenkomplex der »sozialen Frage«.

Seit 2013 schreibt Kaiser für Sezession im Netz. Außerdem publiziert er regelmäßig in der österreichischen Quartalsschrift Neue Ordnung, unregelmäßig außerdem für Compact, éléments (Paris) und Tekos (Mechelen/Belgien). Er arbeitet als Verlagslektor.

Bisherige Buchveröffentlichungen:

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Meinung

Kommentar: „Nein, der Nikolaus war kein Türke!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Symbolbild (Nikolaus in Vorarlberg): Böhringer Friedrich via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.5] (Bildausschnitt)

Jährlich wiederholen sich die irrtümlichen Aussagen, wonach der mildtätige heilige Nikolaus angeblich ein Türke gewesen sei. Ein durchschaubares Manöver – das falscher nicht sein könnte.

Kommentar von Julian Schernthaner.

So sicher wie das Amen im Gebet sind rund um den einstigen Bischof aus Myra zweierlei Debatten. Das eine ist die Geschichte, wonach dieser in vielen Kindergärten bereits unerwünscht wäre – was leider in einigen Fällen tatsächlich zutrifft. Und da wäre dann noch die Behauptung, wonach dieser ein Türke sei – und diese findet trotz allen Unsinns sogar in Politik und Medien ihren Niederschlag.

Politik und Medien befeuern Mythos mit

So jubilierte etwa Ismael Tipi, integrationspolitischer Sprecher der CDU mit türkischen Vorfahren, in einem mittlerweile gelöschten Tweet, über den vermeintlichen Umstand einer solchen Herkunft des Bischofs. Und das quer-Magazin des Bayerischen Rundfunks (BR) machte aus ihm einen Türken, welcher Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hätte. Deswegen empfahl es „Wutbürgern”, stattdessen einen „Zipfelmann” zu kaufen.

Nicht, das es schlimm wäre, wenn es sich beim Nikolaus um einen Menschen aus einem fremden Kulturkreis handeln würde. Die Legende um den Bischof spricht für sich, das Teilen mit Anderen als Zeichen christlicher Nächstenliebe hat auch jenseits von Glaubensgrenzen einen schönen symbolischen Charakter. Einzig, man sollte bei der Wahrheit bleiben und nicht mit unwahren Narrativen für genehme Propaganda sorgen.

Hartnäckiger Fehlschluss über griechischen Bischof

Man muss nicht wie meine Wenigkeit einen Studienabschluss in historischer Sprachwissenschaft besitzen, um den zutiefst griechischen Namen zu bemerken. Niko-laos, wörtlich der ‚Sieg(er) des Volkes’, lebte in einem kleinen Ort der anatolischen Halbinsel, ein knappes Jahrtausend bevor die ersten Turkvölker dort einwanderten. Rein politisch war Kleinasien damals eine römische Provinz. Das einzige, was am Nikolaus also türkisch ist, ist die heutige Herrschaft über seinen Lebensmittelpunkt.

Mit dieser kuriosen Logik wäre wohl auch der keltische Galater Eporedorix ein Türke wie die Hethiterkönige Suppiluliuma und Muwatalli. Immanuel Kant wäre Russe, die Slawenmissionare Kyrill und Method aber Griechen. Selbst die historische Verantwortung der Deutschen fürs den NS-Staat wäre plötzlich logisch leugenbar: Rudolf Heß wäre Ägypter, Walther Darré ein Argentinier und Alfred Rosenberg ein Este. Tatsächlich entstammten sie Familien der deutschen Diaspora.

Dauermärchen über ‚islamische Erfindungen’

So weit, so gut. Aber eigentlich geht es bei der Sache nicht nur um die leicht zu entlarvenden Fehlschlüsse, sondern um die beabsichtigte Wirkung. Denn mit diesen will man wohl darlegen, welche kulturellen Einflüsse uns die Herkunftsländer von Einwanderern beschert hätten. Da wird aus einer von Berbern nach Spanien gebrachten persischen Laute mitunter schon mal die – etymologisch übrigens griechische – angeblich „islamische” Gitarre.

Plötzlich schwafelt uns n‑tv etwas von Zahnbürsten hervor, welche der islamische Prophet Mohammed erfunden hätte, weil er auf Zweigen kaute. Auch den von Sklavenhändlern überhaupt erst nach Arabien gebrachte äthiopische Kaffee verdanken wir plötzlich dem Islam, ebenso wie die bereits Archimedes bekannte Idee der Brille. Der Grundtenor: Was uns in der Vergangenheit bereicherte, muss uns auch heute bereichern. Dass ‚arabische Ziffern’ eigentlich indische sind, ist geschenkt.

Leitkultur statt falsch verstandener Toleranz

In einem Schweif falsch verstandener Toleranz überhöht man den kulturellen Einfluss der Herkunftsländer der Migranten auf Europa. Inwiefern kleine und größere Märchen in diese Richtung deren Integration fördern sollen, sei ohnehin dahingestellt. Dies gilt besonders dann, wenn man sogar exemplarische Beispiele europäischer Leitkultur dazu hernimmt.

Zu diesen gehören zweifelsohne auch die zahlreichen mit der Verehrung des heiligen Nikolaus verbundenen Brauchtümer, die allesamt auf unserem Kontinent entstanden. Denn eines ist klar: Ohne eine gelebte Leitkultur, in welche sich Zuwanderer assimilieren könnten, werden wir ihnen darüber hinaus gehende Werte unseres Kulturkreises äußerst schwer vermitteln.

Alle lieben den europäischen Nikolausbrauch

Apropos: Erst vor wenigen Tagen hatte ich die Freude, einen Bekannten in seiner Verkleidung als Nikolaus in unserer Stadt zu begleiten. Strahlende Kinderaugen über die milden Gaben entschädigten für eisige Temperaturen. Einige der so belohnten Kinder hatten erkennbar türkische Wurzeln. Keine der Eltern belehrte uns dabei über die angebliche Herkunft im Dunstkreis ihrer Vorfahren.

Im Gegenteil: Man freute sich doppelt darüber, dass das zutiefst heimische Brauchtum um diesen Tag noch gelebt wird. Die Menschen – egal ob autochthon, zugewandert oder Tourist – rissen sich ums Selfie. Vielleicht sollten Meinungsmacher mit etwas weniger Eifer an der Geschichte herum schwindeln um ihnen einen inklusiven Anstrich zu geben. Nochmal zum Mitschreiben: Nein, der Nikolaus ist kein Türke. Muss er auch nicht sein.

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