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Meinung

Kommentar: „Nein, der Nikolaus war kein Türke!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Jährlich wiederholen sich die irrtümlichen Aussagen, wonach der mildtätige heilige Nikolaus angeblich ein Türke gewesen sei. Ein durchschaubares Manöver – das falscher nicht sein könnte.

Kommentar von Julian Schernthaner.

So sicher wie das Amen im Gebet sind rund um den einstigen Bischof aus Myra zweierlei Debatten. Das eine ist die Geschichte, wonach dieser in vielen Kindergärten bereits unerwünscht wäre – was leider in einigen Fällen tatsächlich zutrifft. Und da wäre dann noch die Behauptung, wonach dieser ein Türke sei – und diese findet trotz allen Unsinns sogar in Politik und Medien ihren Niederschlag.

Politik und Medien befeuern Mythos mit

So jubilierte etwa Ismael Tipi, integrationspolitischer Sprecher der CDU mit türkischen Vorfahren, in einem mittlerweile gelöschten Tweet, über den vermeintlichen Umstand einer solchen Herkunft des Bischofs. Und das quer-Magazin des Bayerischen Rundfunks (BR) machte aus ihm einen Türken, welcher Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hätte. Deswegen empfahl es „Wutbürgern”, stattdessen einen „Zipfelmann” zu kaufen.

Nicht, das es schlimm wäre, wenn es sich beim Nikolaus um einen Menschen aus einem fremden Kulturkreis handeln würde. Die Legende um den Bischof spricht für sich, das Teilen mit Anderen als Zeichen christlicher Nächstenliebe hat auch jenseits von Glaubensgrenzen einen schönen symbolischen Charakter. Einzig, man sollte bei der Wahrheit bleiben und nicht mit unwahren Narrativen für genehme Propaganda sorgen.

Hartnäckiger Fehlschluss über griechischen Bischof

Man muss nicht wie meine Wenigkeit einen Studienabschluss in historischer Sprachwissenschaft besitzen, um den zutiefst griechischen Namen zu bemerken. Niko-laos, wörtlich der ‚Sieg(er) des Volkes’, lebte in einem kleinen Ort der anatolischen Halbinsel, ein knappes Jahrtausend bevor die ersten Turkvölker dort einwanderten. Rein politisch war Kleinasien damals eine römische Provinz. Das einzige, was am Nikolaus also türkisch ist, ist die heutige Herrschaft über seinen Lebensmittelpunkt.

Mit dieser kuriosen Logik wäre wohl auch der keltische Galater Eporedorix ein Türke wie die Hethiterkönige Suppiluliuma und Muwatalli. Immanuel Kant wäre Russe, die Slawenmissionare Kyrill und Method aber Griechen. Selbst die historische Verantwortung der Deutschen fürs den NS-Staat wäre plötzlich logisch leugenbar: Rudolf Heß wäre Ägypter, Walther Darré ein Argentinier und Alfred Rosenberg ein Este. Tatsächlich entstammten sie Familien der deutschen Diaspora.

Dauermärchen über ‚islamische Erfindungen’

So weit, so gut. Aber eigentlich geht es bei der Sache nicht nur um die leicht zu entlarvenden Fehlschlüsse, sondern um die beabsichtigte Wirkung. Denn mit diesen will man wohl darlegen, welche kulturellen Einflüsse uns die Herkunftsländer von Einwanderern beschert hätten. Da wird aus einer von Berbern nach Spanien gebrachten persischen Laute mitunter schon mal die – etymologisch übrigens griechische – angeblich „islamische” Gitarre.

Plötzlich schwafelt uns n‑tv etwas von Zahnbürsten hervor, welche der islamische Prophet Mohammed erfunden hätte, weil er auf Zweigen kaute. Auch den von Sklavenhändlern überhaupt erst nach Arabien gebrachte äthiopische Kaffee verdanken wir plötzlich dem Islam, ebenso wie die bereits Archimedes bekannte Idee der Brille. Der Grundtenor: Was uns in der Vergangenheit bereicherte, muss uns auch heute bereichern. Dass ‚arabische Ziffern’ eigentlich indische sind, ist geschenkt.

Leitkultur statt falsch verstandener Toleranz

In einem Schweif falsch verstandener Toleranz überhöht man den kulturellen Einfluss der Herkunftsländer der Migranten auf Europa. Inwiefern kleine und größere Märchen in diese Richtung deren Integration fördern sollen, sei ohnehin dahingestellt. Dies gilt besonders dann, wenn man sogar exemplarische Beispiele europäischer Leitkultur dazu hernimmt.

Zu diesen gehören zweifelsohne auch die zahlreichen mit der Verehrung des heiligen Nikolaus verbundenen Brauchtümer, die allesamt auf unserem Kontinent entstanden. Denn eines ist klar: Ohne eine gelebte Leitkultur, in welche sich Zuwanderer assimilieren könnten, werden wir ihnen darüber hinaus gehende Werte unseres Kulturkreises äußerst schwer vermitteln.

Alle lieben den europäischen Nikolausbrauch

Apropos: Erst vor wenigen Tagen hatte ich die Freude, einen Bekannten in seiner Verkleidung als Nikolaus in unserer Stadt zu begleiten. Strahlende Kinderaugen über die milden Gaben entschädigten für eisige Temperaturen. Einige der so belohnten Kinder hatten erkennbar türkische Wurzeln. Keine der Eltern belehrte uns dabei über die angebliche Herkunft im Dunstkreis ihrer Vorfahren.

Im Gegenteil: Man freute sich doppelt darüber, dass das zutiefst heimische Brauchtum um diesen Tag noch gelebt wird. Die Menschen – egal ob autochthon, zugewandert oder Tourist – rissen sich ums Selfie. Vielleicht sollten Meinungsmacher mit etwas weniger Eifer an der Geschichte herum schwindeln um ihnen einen inklusiven Anstrich zu geben. Nochmal zum Mitschreiben: Nein, der Nikolaus ist kein Türke. Muss er auch nicht sein.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gerard Frederick

    7. Dezember 2019 at 16:49

    Das stimmt alles aber vergessen wird der polnische Diebstahl unsres Kopernikus´ sowie des unvergessenen Künstler´s Veit Stoss, beide Dibstähle von der anglo-amerikanischen Welt in deren Encyclopedia Britannica unterstützt. Auch der deutsche Erfinder der Schiffsschraube wird von den Tschechen geklaut, weil er in Böhmen geboren ward.

  2. Avatar

    Zickenschulze

    12. Dezember 2019 at 0:42

    Bei guten Taten will jeder damit verwandt sein.
    Umgekehrt wird fleißig getrennt.

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Gesellschaft

Wir werden dem Gericht die Fehler seiner Begründung vorhalten“

Redaktion

Veröffentlicht

am

Der Bundesverfassungsschutz stuft die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) mittlerweile als „gesichert rechtsextrem” ein. Dagegen wollten sich die Identitären in einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Berlin juristisch wehren. Doch das Gericht wies den Antrag zurück. Der Rechtsanwalt Gerhard Vierfuß vertritt die Identitären in ihrem Verfahren. Im Interview mit der Tagesstimme kritisiert er die Begründung des Gerichts und weist die Vorwürfe der Behörden zurück.

Tagesstimme: Im neuen Verfassungsschutzbericht wird die Identitäre Bewegung Deutschland als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Die IBD wollte sich rechtlich dagegen wehren, doch das Berliner Verwaltungsgericht lehnte den Antrag der Identitären ab. Können Sie uns die wichtigsten Punkte der Begründung kurz zusammenfassen?

Vierfuß: Es gibt eigentlich nur einen Hauptpunkt in der Begründung des Beschlusses, und den fasst das Gericht selbst in seiner Pressemitteilung vom 23.06.2020 so zusammen: „Insbesondere verstoße ihre (d.i. der IBD) zentrale Forderung nach dem Erhalt der ethnokulturellen Identität gegen die Menschenwürde, weil hierdurch einzelne Personen oder Personengruppen wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden.“ Die 1. Kammer des VG Berlin beurteilt also, was ich sehr begrüße, ganz grundsätzlich das programmatische Kernanliegen der Identitären Bewegung und kommt zu dem Ergebnis, es sei mit Art.1 Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes nicht vereinbar.

Die Forderung nach dem Erhalt der ethnokulturellen Identität – nicht etwa nur des deutschen, sondern aller Völker, wie es etwas später insoweit zutreffend ebenfalls in der Pressemitteilung heißt – ist dieselbe, die völkerrechtlich unter dem Titel „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ weltweit anerkannt und in zahlreichen Pakten und Deklarationen kodifiziert wurde. Das könnte zu denken geben.

Tagesstimme: Ein Streitpunkt ist auch der „ethnische Volksbegriff“. Der IBD wurde vom Gericht vorgeworfen, das deutsche Volk „ausschließlich ethnisch“ zu definieren…

Vierfuß: Ja, das Gericht hält auch speziell den Begriff des deutschen Volkes, den die IBD ihren Stellungnahmen zugrundelegt, für unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Dabei schiebt das Gericht allerdings der IBD einen Begriff unter, den sie tatsächlich nicht verwendet: Das Verwaltungsgericht Berlin behauptet nämlich, die IBD definiere das deutsche Staatsvolk ausschließlich ethnisch und grenze damit alle diejenigen deutschen Staatsangehörigen, die nicht in diesem ethnischen Sinn Deutsche sind (also z.B. neu Eingebürgerte), aus dem deutschen Staatsvolk aus. Das ist selbstverständlich falsch, und das hat die IBD auch oftmals im Verlauf des bisherigen Verfahrens betont. Allerdings ist zuzugeben, dass diese Rechtsmaterie nicht einfach ist und eine Bereitschaft zu differenziertem Nachdenken voraussetzt, die bei der Kammer offensichtlich nicht gegeben war.

Tagesstimme: Können Sie das noch etwas genauer ausführen?

Vierfuß: Ich versuche, es zu erklären: Deutschland ist ein Nationalstaat. Er wurde 1871 gegründet – die Identität der BRD mit dem Deutschen Reich wurde vom Bundesverfassungsgericht mehrfach festgestellt und ist in der Rechtswissenschaft unstrittig – als Staat des deutschen Volkes, das also ein Volk war, bevor es einen Staat hatte, somit als Volk sich begreifend durch Merkmale wie Kultur, Geschichte, Herkunft, ethnische Merkmale also. Dieser Staat verfasste sich 1949 neu mit dem Bonner Grundgesetz, das klar Bezug nahm auf seine Vorgeschichte und auf das von ihm als vorgängig erkannte deutsche Volk. Dies lässt sich ablesen an der ursprünglichen Präambel und an dem Art. 116 Abs. 1, in dem von deutschen Volkszugehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit die Rede ist. Jeder des logischen Denkens ansatzweise Fähige erkennt daran, dass das Grundgesetz – auch – einen Begriff des deutschen Volkes verwendet, der unabhängig ist von der deutschen Staatsangehörigkeit.

Dies bedeutet freilich nicht, dass das deutsche Staatsvolk durch ethnische Kriterien definiert wäre. Dies hat die IBD zu keinem Zeitpunkt behauptet; die deutschen Staatsorgane unterstellen es wider besseres Wissen. Es bedeutet aber, dass der deutsche Staat cum grano salis der Staat der Deutschen ist und bleiben muss; ein Staat, in dem die ethnisch Deutschen das Staatsvolk prägen. Indes: Wer tatsächlich und konkret zum deutschen Staatsvolk gehört, das legen die deutschen Gesetze fest. Zweierlei Recht unter deutschen Staatsangehörigen wäre mit dem Rechtsstaatsprinzip und den Demokratieprinzip unvereinbar.

Es geht hier um zwei ganz verschiedene Kategorien, einerseits um ein Sollen – die Staatsorgane sollen dafür sorgen, dass das Staatsvolk überwiegend ethnisch deutsch bleibt – und anderseits um ein Können – sie können, wie sie es tun, das Grundgesetz mit Füßen treten und eine multi-ethnische Gesellschaft errichten, sich gewissermaßen ihr eigenes Volk zusammensuchen, dessen Angehörige dann alle gleiche staatsbürgerliche Rechte haben. Die Identitäre Bewegung Deutschland fordert, dass die deutschen Staatsorgane dem Sollen Folge leisten. Das ist alles.

Tagesstimme: Geht es bei der Einstufung als „rechtsextremistisch“ nur um juristische und ideologische Fragen oder auch um den Aktivismus und die politische Praxis der IBD?

Vierfuß: Es geht auch um einzelne Aktionen der IBD, die ebenfalls gerne von den Vertretern der BRD als „menschenwürdewidrig“ denunziert werden. Ich habe an anderer Stelle den Art. 1 Abs. 1 GG als „juristische Allzweckwaffe“ bezeichnet. Er ist aufgrund seiner Unbestimmtheit perfekt dafür instrumentalisierbar, eine unbequeme Opposition mundtot zu machen.

Der Aktivismus wird zum allergrößten Teil, wenn nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt diffamiert, dass in ihm die vermeintlich grundgesetzwidrige Grundausrichtung der IBD zum Ausdruck komme. Da diese Einschätzung, wie ich zu zeigen versucht habe, falsch ist, bleibt auch von der Kritik an den einzelnen Aktionen wenig bis nichts übrig.

Tagesstimme: Welche rechtlichen Möglichkeiten bleiben der Identitären Bewegung jetzt noch?

Vierfuß: Fast alle. Wir stehen ganz am Anfang der juristischen Auseinandersetzung, was die Entscheidungen betrifft. Das VG Berlin ist nach wie vor die erste Instanz, und der Beschluss vom 19. Juni betraf nur das Gesuch der IB um vorläufigen Rechtsschutz. Wichtig war die Entscheidung gleichwohl, weil vor derselben Kammer seit zweieinhalb Jahren auch das Hauptsacheverfahren läuft, sie also, anders als z.B. in dem gleichen Verfahren der Jungen Alternative für Deutschland, intensiv mit der Materie befasst. Daraus erwächst einerseits eine gewisse Befürchtung, das Urteil 1. Instanz im Hauptsacheverfahren – das voraussichtlich am 12. November stattfinden wird – sei im Grunde damit schon geschrieben. Auf der anderen Seite bietet der jetzige Beschluss jedoch einen Vorteil für die IBD: Sie hat jetzt eine Begründung der Rechtsauffassung des Gerichts, die offenkundig mangelhaft ist. Wir werden dem Gericht die Fehler seiner Begründung vorhalten. Es wird sich beim zweiten Versuch sehr viel mehr Mühe geben müssen – und vielleicht dadurch zu einem anderen Ergebnis kommen.

Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Über die Person:

Gerhard Vierfuß ist Rechtsanwalt und vertritt die Identitäre Bewegung Deutschland in ihren Rechtsstreitigkeiten mit der Bundesrepublik Deutschland. Hier twittert er.


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Meinung

Bildersturm 2.0: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan…?

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

…der Mohr kann gehen. Nein, es handelt sich bei der aktuellen Diskussion nicht um eine intellektuelle Besprechung der Werke Friedrich Schillers, sondern um eine zusehends aus dem Ruder laufende Rassismus-Debatte.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Der aktuelle Zeitgeist treibt manchmal sonderbare Blüten. So entschieden sich multinationale US-Konzerne knallhart, Traditionsmarken einzustellen, weil darauf schwarze Stereotypen abgebildet seien. Nach 110 Jahren muss somit der nett lächelnde „Uncle Ben” von der legendären orangen Packung weichen. Ein vermeintlicher Rassismus, den man damit bekämpft, Schwarze unsichtbar zu machen. Das Ende der Fahnenstange war das freilich noch nicht.

Ein Mohr – und Medienleute sehen schwarz

Denn auf die heimische Journalistenblase war Verlass, solche Absurditäten noch zu übertreffen. Für den Standard forderte die Journalistin Olivera Stajić das Verschwinden des „offen rassistischen Logos der Vorarlberger Mohrenbrauerei”. Damit ist sie nicht die Erste, denn eine Kollegin beim selben Medium wollte dies schon vor acht Jahren. Und immerhin schon zwei Tage zuvor hatte auch der Chefredakteur der Ländle-Prawda ähnliche Gedanken gehegt.

Die Kuriosität daran ist, dass weder Name noch Logo überhaupt direkt etwas mit Afrikanern zu tun haben. Denn die Brauerei geht auf einen gewissen Josef Mohr zurück – und das Emblem ist einfach das Familienwappen. Das dieses beim genannten Nachnamen kaum eine Karotte (vulgo Mohrrübe – wieder eine andere Wortherkunft) oder ein Fliederstrauß sein wird, liegt nahe. Etymologisch geht der Nachname aber immerhin auf den heiligen Mauritius zurück, einen nordafrikanischen, frühchristlichen Heiligen.

Unfreiwilliges totalitäres Ikonoklasmus-Vorbild

Der gebürtige Ägypter wird seit Jahrhunderten – vermutlich wegen einer falschen Volksdeutung – als Dunkelhäutiger dargestellt. Damit ist Mauritius einer von ganz wenigen schwarzen Heiligen und würde bei etwas mehr Kenntnis der Materie wahrscheinlich denselben Leuten als Posterboy dienen. So hingegen schafft der totalitäre Drang nach Abschaffung althergebrachter Bilder, welche der Zeitgeist nicht goutiert, eine ziemlich sardonische Parallele.

Denn die Schleifung von Mohrenwappen ist im deutschsprachigen Raum nichts Neues. In Unkenntnis über die Herkunft schafften die Nationalsozialisten einst nämlich das Stadtwappen von Coburg ab. Dieses zeigt ebenfalls den Hl. Mauritius, den Schutzpatron der oberfränkischen Stadt. Ab 1934 musste er elf Jahre lang einem Schwert mit Hakenkreuz im Knauf weichen, die dortige Mohrenstraße wurde zur „Straße der SA”. Zwei Bilderstürme mit unterschiedlicher Motivation und demselben Ziel.

Falsche Wortherleitung sorgt für Unheil

Aus der Sicht eines studierten Sprachwissenschaftlers geriert sich die Debatte ähnlich lächerlich wie der einstige Sturmlauf gegen das Wort „niggardly” im englischen Sprachraum. Das Wort mit altnordischem Migrationshintergrund ist zwar mit dem für Geizkragen verwendeten Adjektiv „knickerig” verwandt, kostete aber einige Manager wegen ähnlichen Klanges zum „N‑Wort” den Job. Infolge des Missverständnisses wurden sie die ersten Opfer eines Sparstifts, den sie in ihren Budgetdebatten ansetzen wollten.

Die Empörung wurde am Ende so lächerlich, dass Personen begannen, das Wort mit einem Augenzwinkern gezielt ambig zu verwenden. Beim Mohrenbräu kann das so nicht passieren – aber was kommt anstelle des Familienwappens? Der goldene Magier ist zumindest schon an die Schokoladenmarke Sarotti vergeben. Dort sortierte man seine allseits beliebte Werbefigur mitsamt dem großen Mohrenstück längst aus. Kunstdrucke alter Werbesujets gehen unter Liebhabern trotzdem weg wie eine Tafel Negerbrot.

Linker Krieg gegen das böse Volk

Seien wir uns ehrlich: Ganz genau so, wie das Binnen‑I die Situation keiner einzigen Frau alleine verbessert hat, wird der Bildersturm gegen angeblich rassistische Werbesujets die Situation keines einzigen Dunkelhäutigen verbessern. Der normale Bürger hat auch keine bösen Absichten, wenn er sein Weizen-Cola als „Neger” bestellt und denkt kaum an Sklaverei, Galgen und Apartheid, wenn er sich nach dem Essen einen Mohrenkopf als Häppchen gönnt. Und das ist auch gut so.

Im Endeffekt ist es vor allem ein Krieg linker Weltverbesserer, mit dem Ziel, das Volk als den Urheber allen Übels abzustellen. Dafür erküren sie sich jede erdenkliche Minderheit zum Ersatz-Entrechteten, für den sie sich vermeintlich selbstlos einsetzen. Selbst sitzen sie in ihren Villen-Viertel und können erste Reihe fußfrei zuschauen, wie sich ihre importierten Schützlinge und autochthone Hackler an die Gurgel gehen. Für sie sind es nur „Verwerfungen” am Weg zum „neuen Menschen”, die sie selbst nicht ausbaden müssen.

Widerstand gegen linke Anschwärzversuche wagen

Eine bemerkenswert entspannte Antwort auf die Debatte fand übrigens der gebürtige Nigerianer Andrew Onuegbo, als er in Kiel einst das Restaurant „Zum Mohrenkopf” eröffnete. Seine saloppe Erklärung für die Namenswahl: „Ich bin Mohr, ich stehe zu meiner schwarzen Hautfarbe. Wir Schwarze sind ganz gelassen”. Weiters wies er darauf hin, dass der Mohr in früheren Zeiten im kulinarischen Betrieb als Qualitätsmerkmal galt. Und so etwas sehe er als seinen Auftrag.

Eine perfekte Antwort auf das dauerhafte Empörium. Denn Narrative, Feindbilder und Tabus verlieren auch dann ihre Wirkkraft, wenn sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Lasst uns den Denkmal- und Bilderstürmern ein und alle Mal das Handwerk legen, in dem wir uns nicht mehr wie Bauern im Schach von ihnen situativ herumführen lassen. Wenn die verordnete Opferrolle und der verordnete Schuldkult abgeschüttelt werden, ist ihre Macht gebrochen.


Weiterlesen: 

Rassismus-Debatte: Traditions-Marke „Uncle Ben’s” will Logo wechseln (19.06.2020)


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Interview

Jean Raspail hat sich niemals mit dem Zeitgeist gemein gemacht”

Redaktion

Veröffentlicht

am

Am letzten Wochenende verstarb der französische Schriftsteller Jean Raspail im Alter von 94 Jahren. Das Werk dieses katholischen Reaktionärs umfasst Dutzende Bücher, die zum Teil auch ins Deutsche übersetzt wurden – am bekanntesten ist sicherlich sein apokalyptischer Roman „Das Heerlager der Heiligen”. Die Tagesstimme sprach mit Konrad Markward Weiß, der Raspails Roman „Die Axt aus der Steppe” ins Deutsche übersetzt und im Wiener Karolinger Verlag veröffentlicht hat. Im Interview erzählt Weiß von seinem Treffen mit dem Schriftsteller und schildert das Besondere am Werk Raspails.

Tagesstimme: Vor einer Woche starb der Schriftsteller Jean Raspail im Alter von 94 Jahren. Sie haben Ihn 2016 in Paris besucht. Wie war Ihr erster persönlicher Eindruck von ihm?

Weiß: Derselbe, wie bei allen weiteren Kontakten, sei es brieflich, telefonisch oder bei meinen alljährlichen Besuchen: Jean Raspail war der Kavalier der alten Schule par excellence: Höflich, charmant, elegant, dabei herzlich und voller Interesse an seinem Gegenüber. Aber eben weit, weit entfernt von jeder distanzlosen Vertraulichkeit. Ein kleine Anekdote macht das deutlich: Selbstverständlich sprach ich Raspail immer mit Monsieur an, während er mich ebenfalls siezte, nach einiger Zeit aber in Verbindung mit meinem Vornamen. Er hatte den Takt, diese auch dem großen Altersunterschied geschuldete Asymmetrie immer wieder zu erwähnen und über Alternativen nachzudenken – aber zum Glück auch das Fingerspitzengefühl, es dann letztlich dabei zu belassen, zu meiner großen Erleichterung.

Tagesstimme: Sie haben im vergangenen Jahr den Roman „Die Axt aus der Steppe“ ins Deutsche übersetzt und im Karolinger Verlag veröffentlicht. In dem Roman reist Raspail „auf verwehten Spuren“, wie es im Buchtitel heißt. Auch hier zeigt sich ein zentrales Motiv in seinem Gesamtwerk: nämlich der Untergang bedrohter Kulturen. Alain de Benoist nannte Raspail einmal einen „Propheten des Untergangs“. Eine aus Ihrer Sicht korrekte Bezeichnung?

Weiß: Von den letzten Ainu, den Ureinwohnern Japans, zu den Uru in den Anden, von den letzten Alakaluf-Seenomaden in der Magellanstraße bis zum langen Todeskampf der Westgoten in Südfrankreich: Jean Raspail ist auf seinen Reisen um die Welt den Fährten der jeweils Letzten ihrer Art gefolgt. Er wollte in ihrem letztem Abendrot noch einen Blick auf diese Kulturen werfen. Es war aber nicht deren Untergang, der ihn interessierte, sondern ihre Andersartigkeit, die sie sich im besten Fall erhalten hatten, über viele Jahrhunderte, als immer kleinere, immer bedrängtere Minderheit. Oder eben umgekehrt der Moment, wo sie sich selbst verloren hatten, der Anfang von ihrem Ende. Raspail ging es nicht um den Untergang, sondern um das Andenken, um das Bewahren eines letzten Flämmchens. „Barde vergangener Völker und Lebensweisen“ trifft es also insgesamt eher.

Der Verleger und Übersetzer Konrad Markward Weiß. Bild: privat

Tagesstimme: Im deutschsprachigen Raum war Raspail vor allem wegen seines 1973 erstmals erschienenen apokalyptischen Romans „Das Heerlager der Heiligen“ bekannt. Gerade durch die große Asylkrise 2015, also Jahrzehnte später, gewann das Buch wieder an Bedeutung und Aktualität. Hatte Raspail ein besonderes Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen, oder wie erklären Sie sich die vielen Parallelen zwischen Roman und Wirklichkeit?

Weiß: Um an vorhin anzuschließen: Raspail hatte rund um die Welt so oft erlöschende Kulturen kennengelernt, dass er sehr genau wusste, was stets der Todeskeim gewesen war: Die Preisgabe der eigenen Identität: Von Stammesbewusstsein, Glaube, Traditionen, Ahnenverehrung, Sitten, Tabus – der Verlust der eigenen Lebensweise in jeder Hinsicht. Als er nach dem „nomadischen Teil seiner Existenz“ endgültig nach Frankreich zurückkehrte und viele dieser Symptome auch in seiner Heimat immer deutlicher wurden – es waren die Jahre nach 1968 – konnte er Kraft seiner vielen entsprechenden Erfahrungen „hochrechnen“, wohin auch hier die Reise gehen würde. Dass es ihm, bis zur geradezu beängstigend präzisen Wiedergabe des Neusprechs der „Eliten“ des Jahres 2015, also 40 Jahre im Voraus gelungen ist – da kam dann das Genialische dieses Schriftstellers hinzu.

Tagesstimme: Als Übersetzer kennen Sie Raspails Stil aus dem französischen Original. Wie würden Sie seine Art zu schreiben charakterisieren?

Weiß: Immer wieder: Mit dem klassisch raspailesken Vierklang, der sich durch sein ganzes Werk zieht: Stolz, Ironie, Zärtlichkeit, Melancholie. In diesem Tonfall erzählt Raspail seine Geschichten, darum kreisen seine wiederkehrende Leitmotive und dieser Vierklang charakterisiert auch gewisse archetypische Figuren, denen man bei ihm immer wieder begegnet. Während Literatur heute ja sonst weit überwiegend von Frauen gekauft und gelesen wird, begeistern Raspails Bücher und sein Stil erfahrungsgemäß mehrheitlich Männer; hier kommt wohl „das Kind im Manne“ ins Spiel… Aber in den seltenen Fällen, wo „Stolz, Zärtlichkeit und Melancholie“ Raspails literarisches Spiel an die Grenze eines „too much“ bringen, kommt als Vierte im Bunde rechtzeitig seine Ironie einher.

Tagesstimme: Raspail war Katholik, Traditionalist, Reaktionär und Monarchist – und befand sich damit in totaler Opposition zum heutigen modernen linksliberalen Zeitgeist. Für Karlheinz Weißmann war er einer der letzten Repräsentanten einer fast schon verschwundenen Welt. Ist es vielleicht genau diese Haltung, die Jean Raspail so besonders macht und die auf den Leser so faszinierend wirkt?

Weiß: Stellen wir den Vergleich mit den Mächtigen in heutigen Demokratien westlichen Zuschnitts an, sogar und gerade mit den Regierenden: Da ist ein fast schon verzweifeltes Bemühen, so zu sein, wie alle anderen auch, jeder Zeitgeistvolte atemlos zu folgen, ihr das Traditionelle und das Eigene bereitwillig zu opfern. Jean Raspails Haltung war ziemlich genau das Gegenteil von alldem. Das ist vielleicht eine Erklärung. Raspail hat sich während seines gesamten langen Lebens niemals mit dem Zeitgeist gemein gemacht und immer seine Haltung bewahrt; er hat dafür nicht Verständnis erheischt, sich nicht entschuldigt, nichts relativiert, sich nicht distanziert. Für ihn daraus resultierende Nachteile waren ihm einigermaßen gleichgültig. Ein Aphorismus unseres Autors Michael Klonovsky charakterisiert treffend auch Jean Raspail. Er war „ein Reaktionär, das heißt: Ein Konservativer, der keinen Wert mehr darauf legt, von irgendjemandem eingeladen zu werden.“

Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Person:

Konrad Markward Weiß, Jahrgang 1977, lebt und arbeitet in Wien als Verleger, Übersetzer und Publizist sowie im Bereich der Unternehmenskommunikation. Er ist patagonischer Vizekonsul zu Wien.

Karolinger Verlag: https://www.karolinger.at


Weiterlesen:

„Es lebe der König – Erinnerungen an Jean Raspail (1925 – 2020)” (von Konrad Markward Weiß)

„Jean Raspail im Alter von 94 Jahren verstorben”


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