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Gesellschaft

Akademikerball-Festrede: „Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht!”

Redaktion

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am

Am Freitag, den 24. Jänner, fand in der Wiener Hofburg der traditionelle Akademikerball statt. Die Festrede hielt Universitätsrat Dipl.-Ing. Hannes Hundegger (Alter Herr der Leobener akademischen Burschenschaft Leder). Als erstes Medium veröffentlicht Die Tagesstimme im Folgenden die gesamte Rede:

Sehr geehrte Damen, meine Herren, hochgeschätztes Ballpublikum!

„Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht“, so sprach es unser Herr Bundespräsident kurz vor der Angelobung der Bundesregierung.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands gilt verschiedentlich als Mahnwacher, aus seiner Geschichte heraus bis heute vorwiegend am rechten Rand. Gegründet 1963 hat sich der Verein das Ziel gegeben, nicht nur Widerstand und Verfolgung im Dritten Reich zu dokumentieren, sondern auch Bildungspolitik zu betreiben und sich aktiv gegen Extremismus zu engagieren. Damals wie heute ein richtiges Anliegen, zumindest dann, wenn es sich um tatsächlichen Extremismus handelt, bei strafrechtlich relevanten Ansichten außerhalb der Meinungspluralität.
Im Regierungsprogramm kommt dem Verein künftig eine besondere Bedeutung zu.

Das Dokumentationsarchiv definiert ‚Rechtsextremismus‘ unter den Begriffen: naturbedingte Überhöhung des eigenen Volkes, patriarchalisch-hierarchisches Gesellschaftssystem, Ablehnung des Sozialstaats, des Liberalismus, der Emanzipation der Frau, der Gewerkschaften und des Pluralismus der parlamentarischen Demokratie, das Verharmlosen und Leugnen nationalsozialistischer Verbrechen sowie Gewaltlatenz und Gewaltakzeptanz. Die Definition spricht als Voraussetzung von einer Bündelung mehrerer Begriffe.

Ich bin seit bald 40 Jahren Burschenschafter, ich war 20 Jahre in verantwortungsvollen Positionen im In- und Ausland tätig, bin heute Unternehmer, beschäftige Menschen aus Fluchtländern wie Kroatien, Bosnien, Syrien und Tschetschenien. Ich habe drei Kinder, sie haben eine Brennpunkt-Volksschule mit Schülern aus 38 Nationen besucht. Ich habe meinen Wehrdienst geleistet, bin Offizier der Reserve, seit Anfang 2018 Mitglied des Universitätsrats in Leoben. Dieser Berufung bin ich im Selbstverständnis zur Mitverantwortung für unser Land gerne nachgekommen.

Ich lese nochmals die Definition. Ich bin nicht rechtsextrem, es findet sich keine einzige Konkordanz.

Im Februar 2018 habe ich mein Selbstverständnis in einem offenen Brief an Mag. Eva Blimlinger, damalige Vorsitzende der Rektorenkonferenz, dargelegt. Dennoch haben verschiedene Tageszeitungen und Parteiorganisationen meinen Namen und den von vielen anderen wohl bewusst und ohne Nachfrage in die Nähe von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenhass gestellt. Das findet sich nun in den Suchmaschinen an vorderster Stelle.

Herr Ariel Muzicant – wir kennen uns persönlich nicht – hat in einem Artikel in der Tageszeitung ‚Die Presse‘ Burschenschafter pauschal – in einer zugegeben juristisch durchdachten Verschachtelung – wörtlich ‚Kellernazis‘ genannt, ergänzt mit einer namentlichen Aufzählung von 57 Mitgliedern verschiedener Korporationen, alle angesehene Mitglieder der Gesellschaft, bereit sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, mit ihrem politischen Verständnis mitten in der Gesellschaft.

Und – siehe Definition – diese Persönlichkeiten sind nicht rechtsextrem.
Dr. Florian Klenk, Journalist der Zeitschrift ‚Falter’, meinte übrigens neulich in einer Fernsehdebatte über ‚Hass im Netz‘, „die Grenze liegt bei persönlicher Diffamierung, bei Diskreditierung mit falschen Fakten“.

Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht.“

Die Grundwerte der Burschenschaften sind seit 200 Jahren zeitlos: Ehre – Freiheit – Vaterland.

EHRE ist die individuelle Würde des Menschen, der Respekt vor seiner Meinung und seiner Geschichte, Ehre ist unabhängig von Abstammung, Kultur und Religion, Ehre ist immer gegenseitig.

FREIHEIT ist auch die Freiheit des anderen, Freiheit ist das Bekenntnis zur Demokratie, zum politisch unabhängigen Rechtsstaat, zum Recht auf freie Meinung, zum Recht, auch einmal unrecht zu haben, Freiheit ist die Gleichberechtigung von Frau und Mann, ist der Verzicht auf Ausgrenzung.

VATERLAND ist das Bekenntnis zur Heimat Österreich, ein Bekenntnis zu unseren Wurzeln, zu unserer Kultur aus Sprache, Musik, Kunst, Volkstum und Tradition, unsere Zuneigung und Sympathie gilt der deutschsprachigen Bevölkerung unserer Heimat.

„Eine Begeisterung für deutsche Kultur geht nicht automatisch einher mit antidemokratischen Einstellungen und rassistischen Positionen“, so sprach es im Jahr 2014 Dr. Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv in einem Interview für ‚Zeit Online’. Einzig, er liegt falsch, wenn er bei Burschenschaften eine Verquickung der Begriffe verortet.

Wir haben keine Angst vor unserer Geschichte. Die Forderung nach einer Öffnung der Vereinsarchive scheitert an der berechtigten Sorge vor einer einseitig belastenden Fokussierung auf wenige Aspekte unserer Vergangenheit. Aber zweifelsohne finden sich diese Aspekte auch in unserer Geschichte, wir waren auch Teil der anschluss-fanatisierten Massen am Heldenplatz – auch davor, auch noch danach.

Doch die Kriegsgeneration ist tot, die Nachkriegsgeneration jenseits der 80 Jahre. Die heutigen Mitglieder der Korporationen sind aufgewachsen und geprägt vom gesellschaftlichen Wohlstand, haben diesen mitaufgebaut und unbehelligt mitkonsumiert. Auch wenn sie als junge Menschen vom Recht der Jugend auf deutliche, trotzige Worte Gebrauch machen, sind sie heute Akademiker, stehen mitten im Leben, sind beruflich in verantwortungsvollen Positionen erfolgreich, vielfach auch freiberuflich als Anwälte, Ärzte, Unternehmer, einige auch in der Politik. Sie schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern, sind gemeinnützig in Vereinen tätig, sind Leistungsträger der Gesellschaft.

Die Korporationen sind in ihren Grundsätzen nicht rechtsextrem.

Doch was sind die Gründe dafür, dass Medien und Teile der Politik seit bald 2 Jahren vornehmlich diffamierend über Korporationen berichten?

Zum einen wohl mit einem politischen Kalkül, die Freiheitliche Partei weiter in Richtung eines verbotenen Rechts zu rücken. Wohl auch, um diese in einem Teil ihres intellektuellen Rückgrats zu treffen. Und wohl auch als aktionistischer Versuch, einer Radikalisierung der Gesellschaft als Folge
der Migration entgegenzuwirken. Doch ein politisch-journalistischer Feldzug gegen Korporationen und andere, die vorgegebenen Meinungen widersprechen, wird die Gesellschaft nicht zusammenführen, die Probleme unserer Zeit nicht lösen.

In Kärnten hat der Weg zu einem friedlichen Miteinander der slowenischen Minderheit und der Deutschkärntner Mehrheitsbevölkerung rund 100 Jahre gedauert, auch mit bewaffneten Konflikten.

Angela Merkel hat zum Anlass „30 Jahre Wiedervereinigung“ und vor noch immer nicht überwundenen Hürden zwischen Ost und West gemeint, „ein Angleichen dauert eher ein halbes Jahrhundert oder länger“. Eine deutsch-deutsche Wiedervereinigung dauert also – bei allem „Wir schaffen das!“ – 50 Jahre.

Laut Migrationsbericht leben in Österreich 45.000 Menschen aus Afghanistan. Die Tageszeitung ‚Die Presse‘ berichtete letzten November, dass über die Hälfte der afghanischen Jugendlichen die Scharia über die Rechtsstaatlichkeit der Republik stellt und sich einen religiösen Führer an der Spitze des Staates wünscht. Jugendliche aus Syrien und Tschetschenien denken ähnlich.

50 Jahre für eine deutsch-deutsche Integration – wie lange dauert dann der Weg vom Gottesstaat zur Demokratie? Warum sind wir die Gefährder des Rechtsstaats, mehr als jene, die sich Scharia und Glaubensführer wünschen? Warum fokussiert die Migrationspolitik nicht auf die tatsächlichen Probleme, Probleme die stetig größer werden?

In Afrika leben 1.3 Mrd. Menschen, 2050 werden es bis zu 2.5 Mrd. sein, der Kontinent wächst jedes Jahr um 30 Mio. Carola Rakete und andere haben es mit ihren 150 Menschen an Bord wohl deswegen so eilig über das Meer, da an jedem Tag, den sie verlieren, irgendwo in Afrika wieder 3.000 junge Menschen zur Welt kommen, Menschen mit den unverändert gleichen, ungelösten Problemen. Mit jenen, die sie übers Meer bringen (mit Sicherheit nicht die Ärmsten Afrikas), schaffen sie nur deren Probleme nach Europa. Gelöst ist damit nichts.

Gleichzeitig investiert die Europäische Union in eine CO2-neutrale Gesellschaft 1.000 Mrd. Euro. Die USA und China gehen diesen Weg nicht mit, ihr Hebel wäre vielfach größer. Europa bekommt am Ende zumindest auch einen nicht-entsorgten Batterieberg, den Verlust europäischer Kernkompetenzen und einen afrikanische Kontinent unter chinesischer Kontrolle. Das Geld wird dann weg sein.

Verteilen wir doch diese 1.000 Mrd. Euro in Afrika auf die arbeitsfähige Bevölkerung zwischen 20 bis 50 Jahren, lassen UNO und Weltbank den Betrag verdoppeln. So können wir jedem 4.000 Euro in die Hand geben, kaufkraftbereinigt entspricht das in den ärmsten Ländern Afrikas 25.000 Euro. Die Menschen können damit ihre eigene Heimat, auch energie-effizient, selbst aufbauen, für bald 1,5 Mrd. Menschen eigenen Wohlstand schaffen, die Bevölkerungsexplosion eindämmen und die Gründe für Flucht nachhaltig regulieren. Aus einem solchen Marschall-Plan ist auch unser Wohlstand entstanden. Warum sprechen wir so viel über Carola Rakete und nicht über echte Hilfe?

Werte Bundesregierung, Herr Muzicant, Herr Weidinger, Herr Klenk, Frau Zadic und alle anderen, die uns nicht in unserer ganzen Breite verstehen, wir laden Sie ein, treten Sie in den Dialog, hören Sie uns zu, hören Sie nicht das, was Sie hören wollen, hören Sie das, wofür wir stehen.

Herr Dr. Muzicant, wenn wir aufgefordert sind, gottesstaat-orientierte Neubürger in unsere Gesellschaft aufzunehmen, muss es doch ein vergleichsweise Leichtes sein, alte Vorurteile zu überwinden und offen aufeinander zuzugehen.

Herr Dr. Weidinger, lernen Sie die Korporationen auch von jenen Seiten kennen, die Ihnen bisher verborgen bleiben wollten. Nehmen Sie das Angebot eines Austausches an, der wissenschaftliche Anspruch einer ganzheitlichen Betrachtung des Forschungsobjekts wird es auch danken.

Herr Dr. Klenk und andere Medienvertreter, beschränken Sie sich nicht auf Lieder, die wir nicht singen. Nehmen Sie das, was wir tatsächlich sind, das was Sie heute hören. Betreiben Sie nicht politische, sondern objektive und auf umfassenden Fakten beruhende Berichterstattung.

Frau Dr. Zadic, ich habe Respekt vor Ihnen, Ihrem Lebensweg, der Flucht Ihrer Eltern, Ihren akademischen Leistungen, vor Ihnen als Ministerin. Aber geben Sie sich einen Ruck und nehmen Sie Ihre Aussagen zurück gegenüber jenem jungen Mann, den Sie fälschlich strafbare Handlungen unterstellt haben, den Sie Neonazi, Faschisten und Rassisten genannt und so neudeutsch „gehatet“ haben.

Werte Bundesregierung, schreiben Sie der Kommission einen Brief, sagen Sie Frau von der Leyen, es würde vollkommen ausreichen, wenn sie an der Zerstörung der eigenen Wirtschaft arbeite, Österreich wird auf seinen milliardenschweren Beitrag zum CO2-Paket verzichten. Suchen Sie sich ein afrikanisches Land Ihrer Wahl und machen Sie es mit diesem Geld tatsächlich zu ‚Ihrem Partnerland aus den Fortschrittszonen des globalen Südens‘.

Und noch eines, öffnen Sie Ihre Augen und sehen Sie auch nach links, auf die gewaltbereite Intoleranz an den Universitäten, auf die hasstreibenden selbsternannten Antifaschisten vor der Hofburg, erklären Sie Frau Blimlinger, dass nicht wir den Verkehr lahmlegen und – wie auch Redakteur Karl-Peter Schwarz diese Woche in der ‚Presse‘ meinte – dass nur Nazis, Faschisten und Kommunisten andere am Reden hindern und Meinungen verbieten. Ergänzen Sie im Regierungsprogramm den zwölfmal genannten Begriff des ‚Rechtsextremismus‘ zumindest ein‑, zweimal durch den Begriff ‚Extremismus‘ – die Gesellschaft wird es Ihnen eines Tages danken.

Nehmen Sie unseren Willen zur Verständigung. Die Fragen, die unsere Gesellschaft bewegen, erlauben keine einseitigen Sichtweisen mehr, weder im linken noch im rechten Sinn. Sie sind singulär nicht mehr geeignet, die Herausforderungen unserer Zeit nachhaltig zu lösen und die soziale Ordnung im Gleichgewicht zu halten.

„Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht.“

1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Widerstand.

    25. Januar 2020 at 11:00

    Einem Akademikerball würdige Rede, aber für die Realität viel zu brav. Man befindet sich tatsächlich in einer Diktatur, da bedarf es anderer Worte. Der Glaube, dass man Diktatoren mit solchen Worten umstimmen kann, ist ein IRRGLAUBE, daran sind schon viele bisher GESCHEITERT. Gewalt ist allerdings keine Lösung. Es gibt andere Möglichkeiten.

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Gesellschaft

Junge Freiheit startet Petition gegen Gender-Sprache

Stefan Juritz

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Die Petition, die ein Ende der Gender-Sprache fordert, wurde innerhalb eines Tages von mehr als 4.200 Personen unterzeichnet (Stand: 16 Uhr, 4. Juli 2020).

Berlin. – Die konservative Wochenzeitung Junge Freiheit hat die Petition „Nein zum Gender-Deutsch bei Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen!” gestartet. „Die politisch korrekte Ausdrucksweise, bei der ganz bewusst beide Geschlechter angesprochen werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt, nimmt seit Jahren immer ausuferndere Formen an”, heißt es im Text zur Petition.

Ideologischer Umerziehungsauftrag”

Als Beispiele werden Anreden wie Profex (gendergerecht für Professor) oder das durch eine kurze Pause mitgesprochene Gender-Sternchen genannt. Unter dem Vorwand der „Geschlechtergerechtigkeit” würden Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen „lächerliche Sprachgebilde” (Wolf Schneider) des „Gender-Sprechs” durchgesetzt werden, kritisieren die Macht der Petition. Damit sei auch ein „ideologischer Umerziehungsauftrag” verbunden. Mit Verweis auf den Sprachwissenschaftler Prof. Peter Eisenberg wird zudem von einer „Gefahr für die deutsche Sprache” gesprochen.

„Wir fordern von den Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, den Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen, umgehend auf ‚Gender-Sprech’ zu verzichten und zum bewährten Deutsch zurückzukehren!”, lautet das Ziel der Petition. Die Liste mit allen Unterzeichnern soll anschließend an die Intendanten von ARD und ZDF, den Deutschen Städtetag, die Bundesbildungsministerin, den Ratsvorsitzenden der EKD und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz weiterleitet werden.

Die Petition kann man hier unterzeichnen: „Nein zum Gender-Deutsch!”


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Gesellschaft

Analyse: Was wollen die Grauen Wölfe eigentlich?

Julian Schernthaner

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Seit Ausschreitungen zwischen rechtsgerichteten Türken und linksgerichteten Kurden-Gruppen und heimischen Antifa-Aktivisten vergangene Woche sind die „Grauen Wölfe” in aller Munde. Dabei wissen viele Menschen weder über deren Hintergründe noch Betätigungsfelder und Relevanz in Österreich Bescheid.

Unter den „Grauen Wölfen” – die sich selbst als „Idealisten” bezeichnen – versteht man mehrere türkisch-nationalistische Ausläufer. Dabei wird auf den Wolf als wichtiges mythologisches Tier der türkischen Ethnien verwiesen. Heute begreifen sich vor allem Anhänger der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und der weitgehend unbedeutenden Großen Einheitspartei (BBP) darunter. Erstere aber verfügt über 50 Sitze im türkischen Parlament und befindet sich im Wahlbündnis mit der AKP von Präsident Erdogan.

Bewegte Geschichte, diverse Feindbilder

Die Ideologie der „Grauen Wölfe” ist diffus und vereint unterschiedliche nationalistische Strömungen. Neben der Einheitsbewegung aller Turkvölker zwischen Balkan und Ostasien, dem sogenannten Turanismus, finden sich vor allem islamistische und offen rechtsradikale Topoi. Die Feindbilder der Anhänger können divers sein und reichen von Kurden und Armeniern bis hin zu Israel, dem Vatikan und den USA. Einige Kritiker werfen ihnen auch eine faschistische Ausrichtung vor.

Historisch galten die „Bozkurtlar” als paramilitärischer MHP-Arm, Scharmützel und Kämpfe gegen Kurdengruppen – insbesondere solche mit sozialistischer und kommunistischer Ausrichtung – waren in den 70ern und 80ern an der Tagesordnung in der Türkei. Nach der Aufhebung eines zeitweiligen Parteiverbots mäßigte die zugehörige Partei ihren Auftritt und trat seriöser für ihre Ziele ein. Heute versteht man darunter vordergründig eine Sammelbezeichnung für ihr ideologisches Spektrum.

Zunehmende Bedeutung in türkischer Diaspora

In der Renaissance türkisch-nationalistischer Sichtweisen unter Angehörigen der türkischen Diaspora gewannen auch die „Grauen Wölfe” an Bedeutung. Sowohl der klare ideologische Vaterlandsbezug als auch die Heroisierung der einstigen Kämpfer – gerade vor dem Hintergrund des auch in den Gastländern aufkeimenden Dauer-Konflikts mit linksgerichteten Kurden-Gruppen – dürfte zur Attraktivierung beitragen. In Österreich gilt die Türkische Föderation als MHP-Sprachrohr.

Das strategische Bündnis mit der einst verfeindeten AKP spricht radikale und erzkonservative Türken aller Altersgruppen an.  Somit sind Sympathien fließend, auch bei Erdogan-Auftritten ist der unter Türkis-Blau in Österreich verbotene Wolfsgruß eine beliebte Geste. Seit geraumer Zeit versuchen „Graue Wölfe”-Sympathisanten sich in Parteien und Zivilgesellschaft zu betätigen – sowohl in Österreich als auch in Deutschland kam und kommt es in der Folge zu unwahrscheinlichen Bündnissen.

Zweckbündnisse zu linken Parteien

Viele vaterländisch denkende Türken unterstützen die AKP oder MHP samt „Grauer Wölfe”. Gleichzeitig bevorzugen sie hierzulande Parteien, die eigenen Wertvorstellungen diametral gegenüber stehen. Da sich linke Politik aber für die Belange der Migranten einsetzt, kommt es zu Zweckbündnissen. Die Parteien stellen Kandidaten aus der Community auf – und gewinnen dafür an Stimmgewicht: das Prinzip der „ethnischen Wahl”. Sehen sich linke Kurden den Grünen oder der KPÖ näher, ist es bei nationalen Türken die SPÖ.

Auf derartige Seilschaften wies bereits der weit links stehende Publizist Thomas Rammerstorfer in mehreren Beiträgen auf seiner Homepage hin. Demnach soll im Linzer „Graue Wölfe”-Hauptquartier sogar das Bild der SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hängen. Diese ist zwar selbst für keine Nähe bekannt – der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger geriet aber immer wieder aufgrund mutmaßlicher Verbindungen in die Kritik. Radikale Türken nahmen dort an SPÖ-Veranstaltungen teil – und umgekehrt.

Heimische Politiker wegen angeblicher Nähe in der Kritik

Erst nach einem Eklat über einen Wolfsgruß in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen flog der umstrittene Verein „Avrasya” aus dem Linzer Integrationsbeirat. Dass es sich dabei um keine örtliche Besonderheit handelt, zeigt ein Pressespiegel der vergangenen Jahre. Vor einigen Jahren wurden etwa mutmaßliche Verbindungen des Ex-SPÖ-Ersatz-Bundesrats Hasan Duran in Tirol zu den „Grauen Wölfen” publik. Aber auch Vertreter anderer Parteien stießen immer wieder an den „Grauen Wölfe” an.

Kurz vor der Gemeindewahl 2018 leistete sich die Innsbrucks Alt-Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer einen Wahlkampfauftritt bei einem angeblich „Graue Wölfe”-nahen Kulturverein. Sie selbst trat für die ÖVP-Abspaltung „Für Innsbruck” an. Im Feber 2019 wollte Rammerstorfer sogar wissen, dass eine Salzburger FPÖ-Kandidatin auf Facebook mit der „Creme de la Creme der hiesigen grauen Wölfe” befreundet sei. Die Tagesstimme berichtete über den Eklat um türkische Wahlwerbung im Umfeld der Frau.

Einfluss auf die Jugend in Vereinen

Aber nicht nur in der Politik finden sich immer wieder Schlagzeilen rund um den Einfluss der „Grauen Wölfe”. Kurz nachdem das Nachstellen einer Schlachtszene mit jungen Kindern einer Moschee der AKP-nahen ATIB publik wurde, thematisierte das linke Wiener Stadtmagazin Falter das Zeigen des Wolfsgrußes in Wiener Koranschulen und weiteren religiös-kuturellen Vereinen.

Die Tagesstimme recherchierte daraufhin weiter und stieß auf eine Kampfsport-Schule, wo Sympathisanten der „Grauen Wölfe” mit jungen Kindern trainierten. Obwohl das Gym abstritt, dass die Ideologie im Training präsent gewesen sei, waren auf Fotos Kinder zu sehen, die den Wolfsgruß in der Sporthalle zeigen.

Kritiker auf beiden Seiten des Spektrums

Ebenso divers wie jene, denen ein Naheverhältnis zum politischen Wählerpotential im besagten Umfeld nachgesagt wird, sind auch deren Kritiker. Neben Rammerstorfer traten kürzlich auch andere Personen aus dem linken Spektrum als Kritiker auf. Darunter befanden sich sowohl der umstrittene Politologe und mutmaßliche Denkmalschänder Thomas Schmidinger von der Uni Wien sowie die frühere Grünen-Politikerin Berîvan Aslan, die ihrerseits aufseiten der Kurden-Demo auftrat.

Gleichzeitig ärgern sich auch freiheitliche Politiker regelmäßig über die Umtriebe. So kritisierte etwa der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp im Vorjahr das angebliche Auftreten des Wolfsgrußes bei Busfahrern der Wiener Linien. Und nach der Absage eines Konzerts im Dunstkreis der „Grauen Wölfe” monierte der blaue Tiroler Landesparteichef Markus Abwerzger, man dürfe auch künftig „radikalen türkischen Nationalisten in Innsbruck keine Bühne bieten”.

Irgendwo dazwischen stammte wiederum die Kritik von Ex-Grünen- und Ex-ÖVP-Politiker Efgani Dönmez her. Dieser empfahl türkischen Nationalisten bereits vor einigen Jahren ein „One-Way-Ticket” in die Türkei.


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Wien: „Graue Wölfe” attackierten erneut Kurden und Antifa (26.06.2020)

Graue Wölfe trainierten Kinder an Wiener Kampfsportschule (25.04.2018)


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Gesellschaft

Versuchter Totschlag: Razzien und Festnahme in der linksextremen Szene

Stefan Juritz

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Die Durchsuchungen stehen im Zusammenhang mit dem brutalen Antifa-Überfall auf den rechten Gewerkschafter Andreas Ziegler in Stuttgart.

Stuttgart. – Laut Medienberichten hat die Polizei am Donnerstagmorgen mehrere Razzien in Baden-Württemberg durchgeführt. Demzufolge durchsuchten mehrere Hundert Polizisten insgesamt neun Objekte in sieben verschiedenen Städten. Wie die Stuttgarter Nachrichten und Tag24 berichten, beschlagnahmten die Ermittler Beweismaterial und nahmen einen 21-jährigen Mann fest. Gegen den Tatverdächtigen bestehe ein Haftbefehl wegen versuchtem Totschlag.

Brutaler Antifa-Angriff auf Andreas Ziegler

Hintergrund der Polizei-Aktion ist ein brutaler Antifa-Angriff auf einen Daimler-Betriebsrat. Am 16. Mai hatten etwa 50 vermummte Linksextreme den rechten Gewerkschafter Andreas Ziegler und zwei seiner Begleiter mit Schlägen, Tritten und Pfefferspray attackiert. Laut Augenzeugenberichten soll dem am Boden liegenden Ziegler sogar eine Gaspistole an den Kopf gehalten und abgedrückt worden sein. Der 54-Jährige war bei dem Antifa-Angriff so schwer verletzt worden, dass er in Lebensgefahr schwebte. Erst einen Monat nach der Attacke konnten die Ärzte ihn aus dem künstlichen Tiefschlaf holen.

FREILICH dokumentiert linke Gewalt

Damit  linksextreme Gewalttaten wie diese künftig auch umfassend dokumentiert werden, hat FREILICH am Mittwoch eine neue Homepage (www.linke-gewalt.info) präsentiert. Auf dieser Seite werden ab sofort linksextreme Fälle aus Österreich und Deutschland gesammelt. Diese sachliche Aufarbeitung ist notwendig, damit ein öffentliches Bewusstsein für das ausufernde Problem Linksextremismus entstehen kann. Denn noch immer wird Linksextremismus von Verantwortungsträgern in Medien und Politik als „aufgebauschtes Problem“ verharmlost oder als „friedlicher Aktivismus“ geleugnet.


Die Plattform Linke Gewalt bietet die Basis für die wissenschaftliche und politische Aufarbeitung linksextremer Straftaten und schafft ein öffentliches Bewusstsein für den ausufernden Linksextremismus.  Wenn Sie diese wichtige Arbeit unterstützen möchten, helfen Sie uns mit einer einmaligen oder monatlichen Spende:

 

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