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Gesellschaft

Kilic‘ neuer Streich: Staatsexamen-Täuschungsvorwurf gegen SPD-Kahrs

Julian Schernthaner

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Der YouTuber Klemens Kilic hat es wieder geschafft, einen deutschen Politiker hereinzulegen. Prominentes ‚Opfer‘ des Streiches war diesmal der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs.

Und die Vorwürfe, welche Kilic erhebt, haben es in sich: Demnach hätte Kahrs in einem Telefongespräch indirekt zugegeben, bei seinem juristischen Staatsexamen betrogen zu haben. Das Video wurde bereits am Sonntag angekündigt – und kam nach einiger Spannung am Montag online. Einem Tipp folgend hatte sich der YouTuber als Studienfreund des Hamburger SPD-Mannes ausgegeben. Das ursprünglich über den Deutschland-Kurier veröffentlichte Video kann derzeit noch auf dem Telegram-Kanal des Online-Aktivisten eingesehen werden.

Täuschungsvorwurf: Brisanter Anfangsverdacht erhoben

Was der kurze Mitschnitt zutage führt, ist nicht wirklich abschließend belastend – denn zugeben tut Kahrs nichts dergleichen. Allerdings hält sich seine Empörung über die Andeutung zurück. Denn eigentlich könnte die Ankündigung, wonach ein öffentlich-rechtlicher Journalist „wegen des Staatsexamens rumschnüffelt“, ja einigen Unmut auslösen. Er habe versichert, dass nichts dran sei, aber wolle ihn vorab informieren, weil seine Karriere ja auch damit zusammenhänge.

Kahrs fragt nicht etwa nach, wovon er spricht, sondern antwortet auf die Behauptung lediglich lapidar: „Ja klar, Du, kein Thema.“ Kilic räumt in seinem Video zwar ein, dass das „indirekte Eingeständnis“ zwar nicht juristisch stichfest sei – aber seiner Ansicht nach keine andere Deutung zulasse, insbesondere wenn man die von ihm zuvor ausgeführte Hintergrundgeschichte kenne. Aber investigative Journalisten hätten nun einen Ansatzpunkt, um etwa Handschriftenvergleiche anzustellen.

Kahrs äußert sich vorerst nicht wirklich zur Causa

Kahrs gibt sich unterdessen zur Causa äußerst bedeckt. In einer ersten Reaktion, noch bevor das Video online ging, hatte er auf Twitter davon gesprochen, dass die Unterstellung „Quatsch“ sei und er alle rechtlichen Mittel prüfen würde. Mittlerweile ist der Tweet allerdings nicht mehr verfügbar – und auch das Video wurde auf YouTube wegen Datenschutz- und Verleumdungsbeschwerden mittlerweile gelöscht.

Eine schriftliche Anfrage der Tagesstimme an Kahrs zu den Vorwürfen bleibt bis dato ebenfalls unbeantwortet, der Mandatar selbst war zuvor am Vormittag telefonisch nicht zu erreichen, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt nach Auskunft seines Büros noch auf der Anreise zur Bundestags-Sitzungswoche in Berlin befand.

Kilic: „Kahrs fürchtet den Streisand-Effekt“

Kilic wiederum hat eine eigene Theorie, weshalb dieser keine Stellung beziehe. Gegenüber der Tagesstimme äußerte er den Verdacht, dass Kahrs wohl versuchen wolle, „das Thema totzuschweigen, da er den Streisand-Effekt fürchtet“, dies könne auch das Entfernen des ursprünglichen Tweets erklären. Im Laufe des Tages legte Kilic noch andere pikante Details nach – etwa, dass ein über einen Plagiatsskandal gestolperter SPD-Politiker laut taz ausgerechnet in Kahrs‘ Büro tätig wurde.

Telefon-Coups: „Schalk im Nacken steuert mich“

Dass immer wieder Plagiatsvorwürfe gegen Politiker auftauchen, wundert ihn nicht. „Ein Stück weit ist moralische Verkommenheit wohl die Voraussetzung für politischen Erfolg“, so sein vernichtendes Urteil über die Parteienlandschaft. Die politische Karriereleiter sei oft eine Frage von bedingungsloser Loyalität von Menschen die „unter normalen Verhältnissen zu den Verlierern der Gesellschaft zählen würden“.

Auch, dass ihm seine Telefonstreiche – etwa bei Susanne Hennig-Wellsow (Linke) oder Ralf Stegner (SPD) immer wieder gelingen, freut ihn, einen bestimmten Plan verfolge er aber nicht: „Ich rühre eigentlich keinen Finger, der Schalk in meinem Nacken steuert mich bei solchen Aktionen“, verrät er sein Geheimnis. Und er lässt anklinge, dass das Kahrs-Telefonat wohl nicht der letzte Streich war: „Es wäre wahrscheinlich leichter die Politiker aufzuzählen, die nicht auf der Liste stehen.“

AfD Hamburg fordert Aufklärung der Causa

Aufgegriffen hat die unklare Situation unterdessen bereits die Hamburger AfD. Die dortige Familiensprecherin Olga Petersen und der Landesparteivorsitzende Dirk Nockemann richteten eine Anfrage an den Senat der Hansestadt. Sie fordern die volle Aufklärung der Causa und lassen daher etwa nachfragen, ob die Hamburger Uni plant, aufgrund des Anfangsverdachts die Handschriften prüfen zu lassen oder andere Maßnahmen zu ergreifen. Zumindest strafrechtlich dürfte auf jeden Fall nichts hängen bleiben – das fragliche Staatsexamen wurde vor beinahe 30 Jahren absolviert.


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