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Gesellschaft

Irfan Peci: „Islamisten lieben Parallelgesellschaften“

Stefan Juritz

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In einem Interview in der April-Ausgabe des Freilich-Magazins sprach der Ex-Islamist Irfan Peci über die Entwicklungen der islamistischen Szene. „Die Szene ist so unüberschaubar geworden, dass die ermittelnden Behörden gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen“, warnt er.

Trotz der militärischen Niederlage der Terrororganisation Islamischer Staat ist der islamistische Terrorismus nach wie vor eine der großen Bedrohungen in den westlichen Gesellschaften, wie auch der deutsche Verfassungsschutz unlängst mitteilte (Die Tagesstimme berichtete). Die Zahlen sind gerade in der Bundesrepublik Deutschland besorgniserregend: Laut offiziellen Angaben leben hier aktuell 2.080 Menschen, die ein „islamistisch-terroristisches Potenzial“ haben.

Dschihadismus ist weltweit geschwächt

Irfan Peci beschäftigt sich seit Jahren mit den Gefahren des islamischen Extremismus. Als Jugendlicher war er selbst in der islamistischen Szene aktiv und drehte sogar Propagandavideos für Al-Qaida. Er musste mit 19 Jahren ins Gefängnis und arbeitete von da an als V-Mann für den deutschen Verfassungsschutz. Mittlerweile setzt sich der gebürtige Bosnier für die De-Radikalisierung von jungen Muslimen ein. Im Interview zeigt Peci auf, wie sich in den letzten Jahren besonders die Strategie der dschihadistischen Bewegungen geändert habe – von großen komplexen Anschlägen hin zu kleinen einfachen Attentaten mit Messern oder LKW, die von den Sicherheitsbehörden viel schwieriger zu verhindern sind. „Das Prinzip von kleinen Anschlägen ist natürlich gefährlich, wenn es eine gewisse Quantität erreicht, aber momentan ist das nicht gegeben“, betont Peci. Er ist sich aber auch sicher, dass jedes europäische Land nach ein paar Monaten im Ausnahmezustand sei, wenn solche Anschläge wöchentlich stattfänden. „Und genau das ist jene große Gefahr, wenn man so eine große Masse an Islamisten im Land hat. Die Radikalisierung steigt, mit ihr die Gewaltspirale, die Eskalation nimmt zu. Letztendlich sind immer mehr Islamisten bereit, solche primitiven Anschläge auszuführen.“

Doch durch die Niederlage des IS-„Kalifats“ sieht der Ex-Islamist die dschihadistische Bewegung weltweit geschwächt. Als aktuell größere Gefahr schätzt Peci deshalb die sogenannten „Legalisten“ – etwa die Muslimbruderschaft – ein. „Das sind Islamisten, die ihre Gesinnung nicht ganz offen nach außen tragen und gleichzeitig versuchen, den Staat und alle Gesellschaftsbereiche zu unterwandern, um von innen heraus zu wirken.“ Auf sie sollte man vermehrt den Fokus richten, da sie langfristig gefährlicher seien. „Sie sind in den Bildungseinrichtungen, sie knüpfen Kontakte zu allen politischen Parteien, versuchen, Entscheidungsträger in ihrem Sinne zu beeinflussen, gehen gegen Gesetze vor“, erklärt Peci. Mittlerweile beobachte er gerade auch in Österreich eine Kooperation von Salafisten und Muslimbruderschaft. Zwei Strömungen, die sich früher noch gegenseitig bekämpft hatten. „Das finde ich beunruhigend, wenn die sich zusammentun“, so Peci.

Wandlung in der Szene

Die gesamte islamistische Szene habe sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Anfangs sei sie noch recht klein gewesen, doch das habe sich mittlerweile geändert. „Die Szene ist so unüberschaubar geworden, dass die ermittelnden Behörden gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen“, warnt Peci. Der Islamismus habe sich über die Jahre zu einer Jugendbewegung entwickelt. Verbote allein nutzen in dem Zusammenhang nur wenig, wie die Entwicklung zeigt. Peci meint, es brauche auch eine geistige und ideologische Auseinandersetzung mit dem Islamismus. „Man muss einer spirituellen Religion auch geistig etwas entgegensetzen“, betont er im Interview.

In diesem Zusammenhang gibt der Buchautor besonders auch den Linken eine Mitschuld am wachsenden Islamismus in Deutschland, „weil seit Jahrzehnten die eigene Kultur, ihre Werte und alles, was für das Eigene steht, systematisch zerstört werden“. In diese Lücke stoße dann der Islamismus hinein. „Eigentlich hat alles viel mehr mit der eigenen Schwäche zu tun als mit der Stärke des Islamismus“, hält Peci fest. Ein großes Problem sieht er in Parallelgesellschaften. Er selbst wuchs in Bayern auf und dort habe es keine wirkliche islamistische Szene gegeben. Die Hochburgen waren stattdessen in Berlin, Hamburg, Bremen und Köln. „Wo es Parallelgesellschaften gibt, fühlen sich auch Islamisten wohler“, bringt es der ehemalige Deutschland-Chef der „Globalen Islamischen Medienfront“ (GIMF) auf den Punkt.


Das ganze Interview findet man in der April-Ausgabe des Freilich-Magazins. Hier kann man Freilich abonnieren: www.freilich-magazin.at/#bestellen

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