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Interview

„Sprache wird zunehmend zum Werkzeug der Unterdrückung“

Redaktion

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Der Schriftsteller, Autor und Werbefachmann Thor Kunkel veröffentlichte unlängst sein neuestes Werk „Das Wörterbuch der Lügenpresse“. Darin rechnet er mit Sprachverdrehungen, Sprechverboten und anderen Manipulationen der etablierten Medien ab. Im Tagesstimme-Interview spricht Kunkel über sein medienkritisches Buch, „Political Correctness“ und die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz. Außerdem erzählt er über seine persönlichen Erlebnisse im linksliberalen Establishment, seinen nächsten Roman und die unzensierte Neuausgabe seines Skandalbuchs „Endstufe“.

Tagesstimme: Sie sind eigentlich bekannt für Ihre Romane. Nun ist im April Ihr neuestes Buch „Das Wörterbuch der Lügenpresse“ beim Kopp-Verlag erschienen. Warum haben Sie genau jetzt ein solch klar politisches Werk geschrieben?

Kunkel: Da fängt es schon an: Die Beschäftigung mit dem veränderten Sprachgebrauch der Medien ist für Sie ein Politikum. Und natürlich haben Sie recht: Sprache macht heute Politik, und Politik macht Sprache. Vielleicht war das schon immer so. Tatsache ist aber, dass in Deutschland eine Grenze überschritten wurde. Sprache wird zunehmend zum Werkzeug der Unterdrückung und Gedankenkontrolle. Sprechverbote und „verminte Gebiete“ – wie die deutsche Geschichte – sind alltäglich geworden.

Umgekehrt erleben wir wie unsere Qualitätsmedien gezielt Begriffe wie „Alltagsrassismus“ und „Willkommenskultur“ in die Welt setzen, obwohl beide Neologismen derartige Unschärferelationen aufweisen, dass sie nichtssagend sind. Wenn ich heute lese, ein „Mann“ habe „Gewalt gegen den Hals seiner Frau ausgeübt“oder ein Gambier sei „in Konflikt mit dem Vollzugsdienst geraten“, dann sind das unsägliche Entstellungen unserer Sprache, die einst wegen ihrer Präzision gerühmt wurde.

Im Übrigen verschleiern solche Formulierungen die Realität. Am irrwitzigsten fand ich kürzlich die Umschreibung junger, muslimischer Gewalttäter im Zusammenhang mit einem Karnevalsumzug; da hieß es eine „Gruppe junger Männer, die keinen Alkohol tranken und auch nicht mitfeiern wollten“, sei „massiv in Erscheinung“ getreten. Ich ertrage so ein Deutsch nicht, tut mir leid, ich habe die Schnauze voll.

Tagesstimme: Aber trifft der Begriff „Lügenpresse“ so pauschal wirklich auf den Punkt?

Kunkel: Die Alternative wäre „Das Wörterbuch des Täuscherhandwerks“ gewesen, doch mir klang das zu sperrig. Wir haben tatsächlich lange überlegt, ob man den Begriff, der übrigens schon vor dem Dritten Reich existierte, benutzen sollte, doch wenn man gradfadig ist – wie man in der Schweiz sagt –, dann läuft die Arbeit der Mainstream Medien nun mal auf das Gegenteil einer möglichst objektiven Berichterstattung hinaus. Die Sprache, in der die meisten Berichte zu Migration, Ausländerkriminalität und multikulturellem Zusammenleben verfasst werden, würde ich daher „Zwecklügen-Deutsch“ nennen. Folglich ist der Titel korrekt.

Tagesstimme: Aktuell beherrschen die ‚Black Lives Matter‘-Proteste und die Rassismus-Diskussion den öffentlichen Diskurs. Wie bewerten Sie in diesem Fall die mediale Berichterstattung, haben wir es hier auch mit Manipulationen zu tun?

Kunkel: Die Medien berichten erneut manipulativ: Nirgends wird erwähnt, dass das farbige Opfer ein Drogendealer war, der – frisch aus dem Gefängnis entlassen – erneut straffällig wurde. Und ganz ähnlich wie wir das inzwischen auch aus Deutschland kennen, haben farbige Kriminelle mehr Kampfgeist als weiße, immer wieder tragen Fahrkartenkontrolleure oder Polizisten bei der Verhaftung von Afrikanern sogar Bisswunden davon. So etwas gab es vor 2015 – dem Jahr unserer „Bereicherung“– nicht. Es ist also gut möglich, dass auch der inzwischen in einem vergoldeten Sarg beigesetzte Dealer vorher ordentlich ausgeteilt hat. Hier wäre investigativer Journalismus wirklich vonnöten, doch da es wahrscheinlich ist, dass die Reporter etwas finden, was ihr grünlinksliberales Propagandablatt brüskiert, wird eben nicht nachgeforscht, sondern der Vorwurf des Rassismus kurzerhand auch auf die gesamte deutsche Polizei ausgedehnt. Man befeuert den Generalverdacht. Dass die Polizei die Kriminalität nicht mehr bekämpft, sondern nur noch verwaltet, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Wir wissen, dass unsere Freunde und Helfer über Jahrzehnte das Wachstum der kriminellen Araberclans schlichtweg ignorierten. Hier wäre Protest gegen die marode Polizeistruktur Deutschlands wohl eher angebracht.

Tagesstimme: Der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen verglich die heutigen deutschen Medien vor einiger Zeit mit der DDR-Presse. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) sei für ihn jedoch so etwas wie „Westfernsehen“. Sie leben in der Schweiz. Ist der Unterschied zu Deutschland wirklich so groß?

Kunkel: Ja, zumindest sprachlich. Nur zum Beispiel, eine Schlagzeile wie „Kosovare schlitzt Schwinger die Kehle auf“ wäre in Deutschland undenkbar. Die seriösen Blätter folgen natürlich ebenfalls dem politisch-korrekten Zivilkodex, indem sie Herkunft und Religion von Vergewaltigern und Raubmördern verschweigen, insgesamt hat man aber den Eindruck, dass nicht alle Zeitungen so gleichgeschaltet sind wie in Deutschland.

Tagesstimme: Woran liegt das Ihrer Ansicht nach? Ist das gesellschaftliche Klima in beiden Ländern so unterschiedlich?

Kunkel: Die deutschen Medien begreifen sich noch immer als Instrument der 1945 beschlossenen Umerziehung der Deutschen, etwas derartiges gibt es in der Schweiz nicht. Natürlich sind hier die Journalisten auch über wiegend links, doch haben sie keinen historisch abgesicherten Auftrag, das Volk permanent einzuschüchtern und zu bevormunden. Man könnte letzteres – sarkastisch formuliert – als Kernkompetenz der deutschen Presse bezeichnen.

Tagesstimme: Um wieder etwas allgemeiner zu werden: Besonders aus dem konservativen und rechten Lager wird Kritik an der um sich greifenden „Political Correctness“ geübt. Manche warnen sogar vor einer „Gesinnungsdiktatur“. Wenn Sie die Situation heute mit der vor 20 Jahren vergleichen: Darf man heute tatsächlich weniger sagen als früher?

Kunkel: Natürlich und es wird immer gefährlicher seine Meinung zu sagen. Mündige Bürger und Steuerzahler – sprich, erwachsene Menschen – werden inzwischen mit STASI-Methoden mundtot gemacht. Wer heute Beamter, Polizist oder Soldat – und Mitglied in der AfD – ist, dürfte gegenüber Kollegen mit politischen Meinungsäußerungen vorsichtig sein, weil ihn jede Denunziation den Job kosten kann. Meine inzwischen verstorbene Großmutter erzählte mir mal, nach 1936 habe man instinktiv gewusst, es sei von nun an klug, nicht mehr offen seine politische Meinung zu sagen. Ich fürchte, das ist nun wieder der Fall.

Tagesstimme: Mit Ihrem Roman „Endstufe“ sorgten Sie 2004 für reichlich Kontroversen im Feuilleton. Wie hatten Sie den Medienrummel damals erlebt?

Kunkel: Bedrückend. Mir wurde erst im Nachhinein klar, dass an mir ein Exempel statuiert worden ist. Im Kopp-Verlag erscheint bald mein Medientagebuch von 2004 unter dem Titel „Zum Abschuss freigegeben – Protokoll einer politischen Verfolgung“. Beim Redigieren habe ich das Ganze noch mal durchlitten. Wie bitte?, werden Sie sagen, ist das nicht übertrieben? Naja, immerhin gab es Morddrohungen und mein Auto bekam einiges ab. Am schlimmsten empfand ich die komplette Verwüstung meines sozialen und beruflichen Umfelds. Stipendien wurden ersatzlos gestrichen, Buchverträge gekippt, der so genannte Kulturbetrieb versuchte mich an den Bettelstab zu bringen. Die Ursache war aber nicht nur die antifaschistische Presse, sondern ein Mob von Berliner Linksintellektuellen, die zur Hexenjagd bliesen. Der Stress wurde irgendwann so schlimm, dass mich der Sekundenschlaf auf der Autobahn überkam und ich in die Leitplanke krachte.

Tagesstimme: Seit ein paar Jahren arbeiten Sie auch als Werbefachmann für die AfD. 2017 schrieb eine Spiegel-Journalistin in diesem Zusammenhang, sie würden manchmal wie ein „NPD-Mann auf Speed“ klingen. Werden Sie im linksliberal geprägten „Establishment“ überhaupt noch geduldet?

Kunkel: Ganz ehrlich, es liegt auch an mir. Ich lege keinen Wert darauf Teil einer ideologisch verpflichteten Nutzgemeinschaft zu sein, und würde mir heute jede Annäherung von Funktionären des neudeutschen Kulturbetriebs verbitten. Denn was würde man von mir erwarten? – Gefälligkeitsliteratur und literarische Betroffenheitsreflexe, dergleichen könnte ich niemals schreiben. Ich gehe allerdings davon aus, dass es nicht leichter werden wird, gerade wurde mir von meiner Berliner Filmproduktion, der Syrreal Entertainment, mitgeteilt, ich müsse in Zukunft unter Pseudonym schreiben, weil man sonst keine Filmförderung mehr bekäme! Im Klartext heißt das, es werden in Deutschland wieder Autoren geblacklistet und somit daran gehindert, ihre Arbeit zu verkaufen. Was viele nicht nur um eine Anerkennung ihrer Arbeit, sondern auch in eine finanzielle Notlage bringen wird. Es ist beschämend, dass ausgerechnet diejenigen, die vollmundig die Fernstenliebe predigen, mit Nazi-Methoden gegen Andersdenkende vorgehen. Glücklicherweise habe ich schon 2009 die Reißleine gezogen und bin in die Schweiz emigriert. Ich sehe meiner persönlichen Zukunft daher gelassen entgegen.

Tagesstimme: Auch die Verfilmung Ihres Romans „Subs“ verlief nicht ganz problemlos…

Kunkel: Stimmt. Die Produktion bemerkte während der Dreharbeiten zu „Herrliche Zeiten“, dass ich im Bundestagswahlkampf 2017 ein Mandat übernommen hatte. Offenbar für eine politische Partei, die der altlinken Filmproduzentin nicht genehm war. Zu diesem Zeitpunkt war es zu spät, das Projekt zu kippen, und außerdem hatte man schon Millionen an Filmförderung einkassiert. Film- und Fernsehstars wie Katja Riemann, Oliver Massucci und Samuel Finzi standen bereits vor der Kamera. Also wurde alles versucht, mich aus dem Projekt zu drängen, ich wurde als Drehbuchautor gefeuert, mein Freund, der Regisseur Oskar Roehler, schämte sich für Jutta Müller, so heißt die Produzentin, tagtäglich fremd. Die ZEIT widmete dem vermeintlichen Skandal – dass das Buch eines Rechten verfilmt worden sei – eine ganze Seite. Das generierte viel Hype um den Film. „Outmastered“ (Der englische Titel von „Herrliche Zeiten“, Anm. d. Red.) war kürzlich sogar in Australien zu sehen.

Tagesstimme: Zum Abschluss noch eine Frage: Wann erscheint ihr nächster Roman? Gibt es schon Pläne?

Kunkel: Ich kann Ihnen verraten, welche Projekte in trockenen Tüchern sind. In der Schweiz erscheint dieses Jahr ein neuer Roman namens „Superfinster“. Den Leser erwartet ein Ausflug in die dunklen Täler des Schweizer Katholizismus und nebenbei bemerkt auch eine spannende Gothic Novel, in der es um Kirchenraub geht.

Zudem erscheint zur Buchmesse eine Sonderausgabe von „Endstufe“, meines berüchtigten Skandalromans von 2004, als unzensierte Originalausgabe. Bei der unzensierten Ausgabe handelt es sich nicht um einen verlängerten Director´s Cut . Durch das Einfügen der „verworfenen Passagen“ verschiebt sich vielmehr die inhaltliche Gewichtung. Während in der Eichborn-Ausgabe die Dekadenz einer Spaßgesellschaft des Dritten Reiches im Vordergrund steht, rückt die Langfassung die anthropologische Irritation der Deutschen nach ihrer sogenannten Befreiung in den Mittelpunkt und macht den Zivilisationsbruch von 1945 deutlich. Da ich in den letzten Jahren immer wieder von Literaturwissenschaftlern angeschrieben wurde, die Interesse an der ursprünglichen Fassung des Manuskripts anmeldeten, lässt sich die nun erscheinende Ausgabe auch als Studienausgabe interpretieren. Begleitet wird die Neuveröffentlichung der „Endstufe“ durch ein Medientagebuch, das den Ablauf des Skandals über ein ganzes Jahr dokumentiert. Sie sehen, die Arbeit geht weiter.

Tagesstimme: Wir sind bereits gespannt. Vielen Dank für das Interview!

Das Buch „Das Wörterbuch der Lügenpresse. Deutsch – Lügenpresse, Lügenpresse – Deutsch“ von Thor Kunkel im FREILICH Shop.


Über den Interviewpartner:

Der Bestseller-Autor Thor Kunkel (*1963 ) zählt zu den modernen, deutschsprachigen Schriftstellern. Schon mit seinem preisgekrönten Debüt „Das Schwarzlicht-Terrarium“ (2000) wurde er als neue literarische Stimme berühmt. Soeben erschien sein „Wörterbuch der Lügenpresse. Deutsch – Lügenpresse/ Lügenpresse – Deutsch“. Der Autor lebt seit 2009 in der Schweiz.


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