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Gesellschaft

Nach ‚Transphobie‘-Vorwurf: Palmer sieht liberale Demokratie in Gefahr

Julian Schernthaner

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Derzeit spielt sich eine groteske Affäre rund um den grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer Affäre ab. Weil er einen Parteikollegen, der inzwischen als Frau lebt, mit seinem Geburtsnamen bezeichnete, geriet er ins Kreuzfeuer der Kritik. 

Tübingen. – Palmer selbst spricht sich gegen Denkverbote aus, kritisierte auf Facebook die „berufliche, moralische und gesellschaftliche Vernichtung“, die Personen drohe, die ein ‚Vergehen‘ begängen, das weder im Strafgesetzbuch stehe noch eine Ordnungswidrigkeit sei. Dabei stünde der Schuldige aus Sicht der Empörten von vornherein fest, „weil Ankläger und Richter dieselben Personen sind“.

Palmer: „Liberale Demokratie vor falschen Freunden verteidigen“

Der Tübinger Oberbürgermeister erinnerte dabei an einen von über 150 Intellektuellen und Prominenten unterschrieben Aufruf gegen Intoleranz innerhalb des linken Niveaus. Darin üben diese scharfe Kritik am eigenen Lager: „Uns gilt eine kernige, mitunter bissige Gegenrede viel. Aber allzu oft werden heute als Reaktion auf vermeintliche sprachliche oder gedankliche Entgleisungen schwere Vergeltungsmaßnahmen gefordert.“

Damit würde der „freie Austausch von Informationen und Ideen“ eingeengt, dabei sei dieser „Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft“. Es breite sich unter Linken „zunehmend eine Atmosphäre von Zensur aus“. Gegen Personen, welche dies betreiben, will auch Palmer klare Kante zeigen: „Es ist wirklich an der Zeit, dass wir die liberale Demokratie vor ihren falschen Freunden verteidigen“.

Transsexuellen Parteikollegen als Mann adressiert

Die jüngste Causa kam am Samstag ins Rollen, als Palmer einen kritischen Beitrag über sogenannte „cancel culture“ – also quasi konzertierte Boykottaufrufe gegen Personen, die vermeintlich Kontroverses sagen – teilte. Für seinen Parteikollegen Pfuderer war das zu viel, es folgten bissige Antworten, dass Palmer angeblichen Alltagsrassismus und Hass gegen die ‚Vielgeschlechter-Gemeinschaft‘ schüre, was wiederum einem Nutzer missfiel.

Als Palmer in der Beantwortung erklärte, er kenne „ihn“ – also Pfuderer – nicht, sah sich ebendiese Person als Opfer „klassischer Hassrede“. Die Benützung des männlichen Pronomens für eine Mann-zu-Frau-Transperson, sei angeblich sogar strafbar. Daraufhin konterte der Tübinger Oberbürgermeister, dass jemand, der immer mit Begriffen wie „Nazi“ und „Rassist“ umherwerfe, die eigene Ansprache reflektieren möge, weil dies schon eher eine Definition von „Hassrede“ treffe.

Strafanzeige nach „Misgendering“ und „Deadnaming“

Außerdem kenne er keine Maike Pfuderer: Aus der Zeit vor etwa 15 Jahren (Wahlkampf 2004 zur Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart) wisse er von einem „Reinhard“ Pfuderer. Eine ganze Meute von gewogenen Medien und einschlägigen LSBTTIQA+/LGBTIQ-Aktivisten stürzte sich daraufhin auf Palmer. Der Vorwurf: Neben „Misgendering“ (Nennung von Transpersonen beim biologischen Geschlecht) käme auch noch „Deadnaming“ (Anrede beim andersgeschlechtlichen Geburtsvornamen) dazu.

Pfuderer will nun Strafanzeige stellen, Palmer sei demnach „mindestens einer Beleidigung“ schuldig. Außerdem verstoße „Deadnaming“ gegen das Offenbarungsverbot im Transsexuellengesetz. Die Fehde ist übrigens nicht neu: Beide Politiker geraten laut eigenen Aussagen der/des Geschädigten in sozialen Medien bereits seit Jahren immer wieder aneinander.

Debatte nach Shitstorm gegen Erfolgsautorin Rowling

Palmer ist nicht die erste eigentlich auf der linken Seite stehende Person des öffentlichen Lebens, die sich den Vorwurf angeblicher Transfeindlichkeit gegenüber sieht. Die britische Beststeller-Autorin J.K. Rowling (u.a. „Harry Potter“) erlebte Boykottaufrufe und wochenlange Kampagnen gegen sich, weil sie sich an der Formulierung „Menschen, die menstruieren“ stieß.

Der richtige Terminus dafür sei ihrer Ansicht nach „Frau“, so die erklärte Feministin, die sich politisch auch öffentlich auf der linken Seite positioniert. Auf diese Feststellung hin, die für weite Teile der Bevölkerung wie eine Selbstverständlichkeit darstellte, distanzierten sich sogar Schauspieler ihrer eigenen Romanverfilmungen von ihren Ansichten.


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