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Kultur

Skurril: Deutsche „Heimatlieder“-Sammlung – (fast) ohne deutsche Lieder

Julian Schernthaner

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Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat eine neue „Heimatlieder“-Sammlung herausgebracht, deren Inhalt die Gemüter erhitzen könnte.

Bonn. – Es hört sich wie ein satirischer Treppenwitz aus den Nullerjahren an, ist aber knallharte Realität. Die mit mittlerweile über 50 Mio. Euro im Jahr, zu einem Gutteil aus Steuergeld, finanzierte Einrichtung brachte eine Heimatlieder-Sammlung heraus, bei der nur ein einziges Lied überhaupt in deutscher Sprache ist. Das hält die bpb nicht davon ab, diese neben „Remixen“ aus anderen Ländern im Plural zu erwähnen.

„Heimatlieder“ aus aller Herren Länder

Tatsächlich handelt es sich beim deutschen Lied E klî wält fijeltchen („Ein kleines Wildvögelein) um eine Weise der Siebenbürger Sachsen aus dem 19. Jahrhundert. Selbst dieses spielte die Interpretin zwar mit Musikern ein, deren Wurzeln sich quer über den Erdball ziehen – aber es ist darin mehr deutsches Volkstum enthalten, als man vom Rest der Lieder behaupten kann. Das Lied hat es übrigens offenbar nur deshalb auf die Platte geschafft, weil es Rumänien vertreten soll.

Dort finden sich nämlich sonst noch Lieder aus Kuba, Portugal, Spanien, Marokko, Italien, Kroatien, Serbien, Griechenland, Türkei, Mosambik, Südkorea, Vietnam und Kamerun. Diese breite Streuung der „Heimatlieder aus Deutschland“ soll laut bpb die “ Vielfalt der in Deutschland eingewanderten Folklore“ abbilden. Gewiss eine legitime Erklärung – Kritiker könnten im Titel dennoch eine mögliche Irreführung vermuten und eher Omas Lieblingslieder als Weltmusik erwarten.

Verantwortlicher will „interkulturelle Alphabetisierung“

Der andere Zugang zum Kulturverständnis abseits der althergebrachten Leitkultur wird klar, wenn man die Netzseite des Projekts begutachtet. Neben dem für seine Aktivitäten in der Musikbranche bekannten Jochen Kühling – er co-gründete einst ein deutsch-türkisches Musiklabel – zeichnet der Autor und Journalist Mark Terkessidis, früher unter anderem für einschlägig linke Blätter wie die taz und Die Zeit, aber auch neutralere etablierte Blätter wie den Berliner Tagesspiegel aktiv.

Der studierte Psychologe und Pädagoge, dessen Doktorarbeit sich mit der angeblichen „Banalität des Rassismus“ beschäftigte, ist zudem Autor mehrerer Bücher, in denen er unter anderem die „radikale interkulturelle Öffnung“ fordert, die in seinem Steckbrief auf der Projektseite sogar zur „interkulturellen Alphabetisierung“ wird, welche das „Heimatlieder“-Projekt „auf Schönste“ beweise.

AfD-Politiker kritisiert SPD-Nähe der Einrichtung

Sich schon gar nicht mehr ärgern, sondern nur „herzlich“ lachen konnte man übrigens im Büro des AfD-Mandatars Jan Nolte über die Veröffentlichung. Auf Twitter merkte er zudem an, dass sich in dieser Auswahl auch die angebliche SPD-Nähe der veröffentlichenden Einrichtung offenbare.

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