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Algorithmus angeblich „rassistisch“

Linke laufen Sturm gegen Twitter

Mittlerweile kann jeder – und alles – „rassistisch“ sein: Süßspeisen, Apotheken und sogar Fotos. Und wie sich herausstellt: Auch künstliche Intelligenz ist dazu angeblich fähig.

3 Minuten Lesezeit
<p>Symbolbild: Social Media / Bild: pexels (CC0) (Bild zugeschnitten)</p>

Symbolbild: Social Media / Bild: pexels (CC0) (Bild zugeschnitten)

San Francisco. – Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist die Hölle los. Nutzer wollen nämlich erkannt haben, dass der Algorithmus zur Gesichtserkennung auf Bildern nicht-weiße Personen diskriminiere. Der IT-Riese gelobte, sich die Sache anzusehen und das Problem gegebenenfalls schnell zu beheben.

Bildvorschau „findet“ immer den weißen Politiker

Die Debatte entstand am Wochenende, als mehrere Nutzer ein „Experiment“ starteten. Dabei wurde der Beitrag eines Benutzers, dessen Twitter-Verhalten auf Sympathien mit der politischen Linken schließen lässt, besonders viral. Dieser hatte in zwei hochformatigen Fotostrecken die Bilder des demokratischen Ex-Präsident Barack Obama (dunkelhäutig) und Mitch McConnell (hellhäutig), dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, unterschiedlich angeordnet.

Die Bildvorschau gab dabei stets dem weißen McConnell den Vorzug. Egal ob oben oder unten, ob mit roter oder blauer Krawatte – der konservative Politiker endete als Vorschaubild. Dies änderte sich erst mit der Farbumkehrung des Bildes. Für den Twitter-Nutzer Arcieri ist die Sache klar: „Twitter ist nur ein Beispiel von manifestem Rassismus in den Algorithmen maschinellen Lernens.“

Gibt es eine Voreingenommenheit der Software?

Nachdem immer mehr User sich ähnlich betätigten und das Experiment wiederholten, äußerte sich auch Twitter zur Causa. Wie der ORF berichtet, will die US-Firma die Technik vorab getestet haben. Das Team habe bei den Tests „keinen Beweis für eine rassistische oder geschlechtsspezifische Voreingenommenheit“ gefunden. Die Beispiele zeigten allerdings, dass man noch weitere Analysen durchführen müsse.

Bereits im Frühsommer sorgte vermeintlich „rassistische“ Software zur Gesichtserkennung für einige Schlagzeilen. Damals war die Fehlerquote bei dunkelhäutigen Personen dermaßen hoch, dass offenbar sogar schwarze Politiker als vermeintlich deckungsgleich mit schwarzen Straftätern aus der Datenbank erkannt wurden.

Regelmäßige Debatte um „rassistische“ Fotografie

Ähnliche Probleme finden sich generell im Bilderbereich. In Hamburg entzündete sich ebenfalls im Sommer helle Aufregung an einem vermeintlich „rassistischen“ Foto-Automaten, die Causa wurde zum Politikum. Das Fabrikat der Bundesdruckerei erkannte nämlich zuerst gar keine dunkelhäutigen Gesichter. Nach einer Nachbesserung waren sie dann dermaßen unterbelichtet, dass sie für – etwa für einen Reisepass oder Führerschein nötige – biometrische Fotos unbrauchbar waren.

Schon länger spekulieren einschlägige Forscher, ob Fotografie nicht prinzipiell eine „rassistische“ Disziplin sei. In Wirklichkeit dürfte das Problem nicht auf handwerklicher, sondern auf physikalischer Seite liegen – nämlich am Kontrastumfang, der je nach Format und Kamera stets zwischen fünf und fünfzehn Bilder liegt. Dunkelhäutige Menschen erscheinen dabei vor sehr hellem oder sehr dunklem Hintergrund oftmals unterbelichtet – oder die Software zur Gesichtserkennung erkennt sie kaum.

Empfehlungen aus dem Freilich-Buchladen:

Andreas Vonderach: „Die Dekonstruktion der Rasse“

Martin Lichtmesz: „Rassismus. Ein amerikanischer Alptraum“

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