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Die Gesundheit ist nicht alles. Aber ohne die Gesundheit ist alles nichts.

Also sprach der Landeshauptmann der Steiermark. Also begründet er seine Idee eines allgemeinen Impfzwanges gegen das chinesische Virus.

Meinungvon Gastautor
4 Minuten Lesezeit
<p>Bild: Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer / Gregor Tatschl from Österreich [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2017_Landeshauptmann_Hermann_Sch%C3%BCtzenh%C3%B6fer_(32538716725).jpg">via Wikimedia Commons</a> (Bild zugeschnitten)</p>

Bild: Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer / Gregor Tatschl from Österreich [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Kommentar von Géza Ákos Molnár

Nun bin ich kein Experte in Impfologie. Daher werde ich hier auch nicht klugabsondern über die vorhandenen Impfstoffe und deren mögliche Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen. Aber ich bin ein Experte in Menschsein – wie jeder andere Mensch. Und ich bin ein Experte in Rhetorik.

Ich fange mit dem Zweiten an. Als Rhetoriker weiß ich nur zu genau, was der Herr Landeshauptmann Schützenhöfer da macht, wenn er das jetzt immer sagt: Die Gesundheit ist nicht alles. Aber ohne die Gesundheit ist alles nichts. Er sagt etwas, das sofort einleuchtet; dem jeder Mensch mit gesundem Hausverstand instinktiv und schnell einmal zustimmt. Hören wir das, nicken wir still. Und genau diese Stille ist, was der Redner in so einem Fall erzielen will. Wer schweigt, stimmt zu! Und was sollst Du auch sagen, wenn einer sowas gesagt hat? Ohne die Gesundheit ist alles nichts.

Schützenhöfer als Trickrhetoriker

Meine These: Schützenhöfer ist ein guter Trickrhetoriker! Handwerklich: meine Gratulation.

Wie er beabsichtigt, so geschieht es! Nämlich: Nichts geschieht! Keine Gegenfrage, keine Nachfrage des Journalisten. Kein Gegenargument in der Sitzung, kein Widerspruch in der Öffentlichkeit! So einem Satz mit einem so existentiellen Thema, wie es die Gesundheit nun einmal ist, so einem Satz widerspricht man nicht. Ohne Gesundheit ist alles nichts! Amen!

Wer so redet, punktet schnell. Warum funktioniert das?

Wer so redet, knüpft an etwas an, was in uns allen schlummert. An die tiefe Sehnsucht zu leben, gesund zu leben, heil zu sein. Wir hören „ohne die Gesundheit ist alles nichts“ und schon beginnen die Saiten unserer Seele zu schwingen, harmonisch zu schwingen: Er ist wahrlich ein Landesvater. Er sorgt sich um seine Kinder. Und um ihre Gesundheit. Ja, ein Vater muss seine Kinder manchmal zu ihrem Glück zwingen. Auch dem stimmt jeder Vater, auch ich, zu, weil’s ja wahr ist.

Fragen stellen

ABER: Wer so redet, punktet nicht für immer. Leider erst spät, aber nicht zu spät, erwacht der kritische Geist im Experten für Menschsein, also vielleicht in uns allen. Guten Mut! Die Medien und die allgemeine Politik haben den kritischen Geist antiaufklärerisch mit Klima, Migration und Corona töten wollen. Aber er lebt.

Er braucht zwar immer ein paar Minuten, bis er nach so einem Schützenhöfer-Trick-Satz aufwacht. Aber er wacht auf! Und dann beginnt er, sie zu stellen, die FRAGEN:

Stimmt das überhaupt? Ist ohne Gesundheit wirklich alles nichts? Was empfinden chronisch kranke Menschen, wenn sie das hören? Ist jetzt wirklich alles nichts? Was empfinden alte, pflegebedürftige Menschen, wenn sie das hören? Ist nun alles nichts?

Ich erinnere mich an einen Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker vor ein paar Jahren. Ich saß in der ersten Reihe. Ein naturwissenschaftliches Thema. Ich sah den Herrn Professor auf die Bühne gehen. Später habe ich erfahren: Kinderlähmung. Er humpelt und hinkt. Wie wird er wohl am Rednerpult stehen? Nix da – er stand nicht! Er nahm seinen Stock und schwang sich hinauf und saß fortan am Handgriff seines Stockes, ganz so, wie wir auf einem Barhocker sitzen.

Und der Vortrag? Eine unglaubliche Wucht an Inhalt und Emotion! Eine Persönlichkeit, wie ich sie selten erlebt habe.

Da fällt mir jetzt Beethoven ein. Gott sei’s gedankt, dass er das nie gesagt und schon gar nie gelebt hat, was Schützenhöfer so billig dahinsagt. Wir zehren heute noch von der unglaublichen Energie, die dieser krank gewordene Mann in seine Musik fließen hat lassen.

Auch Kranken ist vieles viel wert

Ohne Gesundheit ist alles nichts? Lebensunwertes Leben? Wenn ja, was nun? Euthanasie? Wie anno nazimal oder in vermeintlich humaner Form, wie es wohl unsere Verfassungsrichter*INNEN für gut und rechtens erkannten?

Und selbt der, der sich für sein Ablebenlassen entscheidet (ich habe vor ein paar Jahren einen guten Freund in Holland auf diese Weise verloren), selbst der tut das nicht, weil ohne Gesundheit alles nichts ist, sondern einzig, weil ihm sein Leben im wörtlichen Sinn unerträglich geworden ist.

Ohne Gesundheit ist alles nichts? Nein, Herr Schützenhöfer! Nein, nein, nein! Auch kranken Menschen ist vieles viel wert. Auch sterbenskranke Menschen können am Leben hängen. Auch kranke Menschen lieben und freuen sich, geliebt zu werden. Ohne Gesundheit ist alles, auch die Liebe, nichts? Wie können Sie sich anmaßen, das zu sagen?

Wenn der kritische Geist seine Fragen gestellt hat, was bleibt dann übrig von diesem Satz, den wir zu schnell abgenickt haben?

Sie, Herr Landeshauptmann, sind ein rhetorischer Trickser und Blender. So etwas menschlich-existentielles zu behaupten, um uns damit eine Zustimmung zu einem Impfzwang abzuluchsen, das ist so schlimm, dass mir die Worte fehlen. Daher jetzt: Ende.

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