Lincoln-Schule vor Umbenennung

„Nicht genug“ für Schwarze getan

Recht skurrile Stilblüten treibt die fortgesetzte Rassismusdebatte in den Vereinigten Staaten. Dort setzt der Rotstift nun bei Abraham Lincoln an – ausgerechnet jenem Präsidenten, der für das Ende der Sklaverei in den USA maßgeblich verantwortlich zeichnete.

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<p>Bild: BriefEdits via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corner_of_24th_Ave_and_Quintara_St,_Lincoln_High_School,_SF.jpg">Wikimedia Commons</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>] (Bild zugeschnitten)</p>

Bild: BriefEdits via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0] (Bild zugeschnitten)

San Francisco. – Eigentlich gilt Abraham Lincoln (1809-65) in der öffentlichen Wahrnehmung quasi als Wegbereiter der späteren Zivilrechtsbewegungen zur Emanzipation der amerikanischen Schwarzen. Eine Schulbehörde in Kalifornien ist da anderer Ansicht. Sie will die „Abraham Lincoln High School“ in San Francisco umbenennen lassen, weil sich Lincoln nach ihrem Maßstab „nicht genug“ für Schwarze und Indigene eingesetzt hat.

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Das ist der Jungen Freiheit zufolge ein Ergebnis der Arbeit eines 2018 eingerichteten Komitees, das die Namen aller öffentlicher Schulen im Bundesstaat auf ihre zeitgerechte „Angemessenheit“ prüft. Sie gelangte in Lincolns Fall nun zur Ansicht, dass sich ein Großteil von dessen Politik für Schwarze und amerikanische Ureinwohner als schädlich erwiesen habe. Daher sei er unwürdig, als Namenspatron der Bildungseinrichtung zu dienen.

Enthüllungen über die ÖVP

In diesen Bevölkerungsgruppen rezipiere man ihn zudem gar nicht als Held. Dies zeige sich dadurch, dass während seiner Präsidentschaft den Indianern viel Land weggenommen worden sei. Ein Beispiel dafür sei der Bau der First Transcontinental Railroad zwischen Omaha und Sacramento. Die Errichtung der 3.000 Kilometer Ost-West-Zugstrecke gilt eigentlich als Meilenstein der Eisenbahn und Ingenieurskunst und wichtiges Puzzleteil bei der Erschließung der westlichen Staaten.

Trotz Ende der Sklaverei „nicht genug“ für Schwarze getan?

Besonders skurril ist die Entscheidung aber im Hinblick auf den vermeintlich mangelnden Einsatz für die Schwarzen. Denn es war ausgerechnet Lincoln, der als US-Präsident 1863 mittels Proklamation das Ende der Sklaverei einläutete – auch in den Südstaaten, die sich als Konföderierte Staaten von Amerika zu diesem Zeitpunkt noch im Bürgerkrieg mit den Nordstaaten befanden, eine Situation die bis 1865 vorherrschte. Die ethnischen Spannungen blieben übrigens: fast nahtlos folgte in vielen südlichen Staaten die Rassentrennung.

Freilich: Ursprünglich hatte Lincoln andere Pläne gehabt. So bezeichnete er 1854 in einer Rede die Remigration freigelassener Sklaven nach Afrika als seinen „ersten Impuls“ bei der Lösung der Frage, was man nach einer Beendigung der Sklaverei mit den Schwarzen tum sollte. Ohne Aufbauhilfe hielt er dies aber nicht für gangbar. Als er sich für das Ende des Sklavenbesitzes in seinem Land einsetzte, war die Forcierung der schwarzen Kolonie in Liberia dann ohnehin längst vom Tisch.

Beliebtheit über die Parteigrenzen hinweg

Heute gilt Lincoln als einer jener großen Präsidenten, an die sich Republikaner und Demokraten beide mit positiver Bewertung zurückerinnern. Lob und für seine Politik ist ihm seit Jahrzehnten aus allen Richtungen gewiss. Auch farbige Spitzenpolitiker wie Barack Obama und Kamala Harris (beide Demokraten) priesen dessen politisches Werk erst im Oktober über die Parteigrenzen hinweg.

Das Volk bewertet das Schaffen Lincolns übrigens ähnlich positiv. In Umfragen über die beliebtesten Präsidenten in den beinahe 250 Jahren US-amerikanischer Unabhängigkeit belegt der durch seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen in Virginia den „amerikanischen Traum“ besonders gut abbildende Republikaner Lincoln häufig einen der vorderen Plätze.

Auch zahlreiche andere Namenspatrone im Visier

Nur ein kleiner Trost für Lincoln-Fans dürfte sein, dass auch andere bekannte Persönlichkeiten dem Rotstift zum Opfer fallen sollen. Auch der erste Präsident George Washington oder der Erfinder Thomas Edison sind laut Komitee nicht mehr zeitgemäß. Unter den Staatsoberhäuptern soll auch noch Krisen-Präsident Herbert Hoover (Amtszeit 1929-33) künftig nicht mehr mit Schulgebäuden geehert werden.

Dass dabei auch vor ideologischen Grenzen nicht halt gemacht wird, zeigt der Vorschlag, eine nach der Demokratin Dianne Feinstein benannte Grundschule, umzubenennen. Grund dafür ist, dass die amtierende Senatorin in Kalifornien die Konföderierten-Flagge vor einem Rathaus habe wehen lassen.

Cruz ruft Bevölkerung zum Widerstand auf

Gegenwind gegen die Pläne gibt es von republikanische Senator Ted Cruz aus Texas. Dieser ärgerte sich über das Vorhaben. Offenbar sei der „Amerika-hassenden radikalen Linken“ keiner der Genannten progressiv genug. Er rief das amerikanische Volk auf, gegen diesen „ignoranten Unsinn“ aufzustehen.

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